Der Kernel 7.4 bringt laut Phoronix-Bericht vom 3. November 2026 Device Trees (Hardwarebeschreibungen für Arm-Geräte) für das Steam Frame sowie für Apple M4 und A18 Pro, dazu weitere Vorarbeit für AMD Zen 6. Die Apple-Unterstützung reicht nur bis zur Konsole, und ob 7.4 der LTS-Kernel des Jahres wird, also die langfristig gepflegte Version, ist offen. Das Merge Window, in dem neue Funktionen einfließen, war nach Angaben des Autors Michael Larabel das größte der Kernel-Geschichte.
Steam Frame, Tensor G5 und Qualcomm: Neue Boards im Kernel 7.4
Das Steam Frame von Valve hat einen Device Tree im Mainline-Kernel erhalten, also in der offiziellen Hauptentwicklungslinie von Linux. Die SoC-Änderungen (SoC steht für System-on-a-Chip, einen Prozessor samt Zusatzeinheiten auf einem Chip) wurden laut pbxscience am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, übernommen. Den Device Tree des Headsets mit dem Codenamen Deckard schrieb der Linaro-Entwickler Neil Armstrong. Er beschreibt Speicherreservierungen, Regulatoren, Energieverwaltung, UFS-Flashspeicher, den USB-Gadget-Modus, Wi-Fi 7, Bluetooth und einen SD-Kartenplatz.
Valves eigener SteamOS-Kernel bleibt laut pbxscience vorerst vollständiger. Die Upstream-Arbeit kann anderen Distributionen den Weg auf das Gerät öffnen. Für die Wartbarkeit zählt das: Was im Upstream liegt, muss keine Distribution als privaten Patch pflegen.
Die Tabelle zeigt die neuen Plattformen aus den SoC-Änderungen für Linux 7.4 nach Phoronix vom 26. Oktober 2026.
| Hardware | Chip | Neu im Kernel |
|---|---|---|
| Steam Frame (Valve) | SM8650 (Snapdragon 8 Gen 3) | Basis-Device-Tree |
| Pixel 10, 10 Pro, 10 Pro XL | Google Tensor G5 (Laguna) | Erste Device Trees |
| Qualcomm Hawi und Nord | Oryon-Kerne | 2 SoCs, 22 Boards |
| Handheld-Spielgeräte | Qualcomm Dragonwing | 7 Geräte |
| Milk-V Meles (RISC-V) | T-Head TH1520 | 1 Board |
Für den Tensor G5 führt der Kernel das neue Plattformsymbol ARCH_GOOGLE ein, weil der Chip laut pbxscience nicht mehr zur Samsung-Linie früherer Tensor-Generationen gehört. Er kombiniert einen Cortex-X4, fünf Cortex-A725 und zwei Cortex-A520. Bei Qualcomm fehlen für Hawi und Nord noch die Produktnamen. Phoronix begrüßt den frühen Upstream-Support ausdrücklich.
Apple M4 und A18 Pro: Der Kernel bootet, mehr nicht
Die Device Trees für Apple M4 und A18 Pro bringen den Kernel 7.4 laut Phoronix vom 26. Oktober 2026 bis zur Konsole, mehr nicht. Wie bei den M3-Geräten reicht es zum Booten und für eine Textausgabe. Die meisten Funktionen fehlen, GPU-Beschleunigung eingeschlossen. Vorbereitet hat die Patches Sven Peter vom Projekt Asahi Linux, das Linux auf Apple-Silicon-Macs bringt.
Auf Arm-Plattformen melden sich Komponenten nicht selbst an, anders als bei x86-PCs mit ACPI, dem dortigen Standard zur Hardwarebeschreibung. Das schreibt Pasquale Pillitteri am 3. Oktober 2026. Deshalb braucht jedes Board seine eigene Datei. Sie ist der Einstieg, die Treiberarbeit folgt danach.
Die Tabelle nennt die sechs Macs mit M4, für die Phoronix und Pillitteri Device Trees melden.
| Gerät | Baujahr | Kennung |
|---|---|---|
| MacBook Pro 14 Zoll | 2024 | j604 |
| iMac 24 Zoll, 2 USB-C | 2024 | j623 |
| iMac 24 Zoll, 4 USB-C | 2024 | j624 |
| MacBook Air 13 Zoll | 2025 | j713 |
| MacBook Air 15 Zoll | 2025 | j715 |
| Mac mini | 2024 | j773g |
Das MacBook Neo mit A18 Pro bekommt eine kürzere Liste: CPU, Interrupt-Controller, Watchdog, serielle Schnittstelle und Framebuffer. Der Watchdog ist ein Zeitgeber, der hängende Systeme neu startet, der Framebuffer der Bildspeicher für die Konsole. Laut pbxscience ist es der erste Linux-Schritt auf einem Mac mit Mobilprozessor. Beim M4 beschreiben die Dateien nach Pillitteri zusätzlich Energiezustände, Pin-Controller und i2c. Auch der Start auf mehreren Kernen bleibt heikel. Die Patch-Serien warnen laut Pillitteri vor nötigen Korrekturen an der Idle-Schleife und am Bootloader m1n1.
Der M4 ist laut pbxscience noch nicht über den Installer von Asahi Linux erreichbar, und das Projekt nennt keinen Zeitplan. Das gilt auch für den M5. Pillitteri führt als Ursache an, dass die Sicherheitskomponente SPTM beim M4 oberhalb des Kernels arbeitet. Sie blockiert damit XNU, den Kernel von macOS, im Hypervisor, den das Team zur Hardwareanalyse nutzt. Sven Peter nannte die M4-Unterstützung schon im April 2025 „ziemlich schmerzhaft“. Die Modelle M4 Pro und M4 Max sind nicht Teil dieser Runde. Für den Alltag bleiben laut Pillitteri M1 und M2 die richtigen Maschinen.
Zen 6, Scheduler und Speicher: Was Server und Desktop spüren
AMD Zen 6 erhält im Kernel 7.4 weitere Geräte-IDs in mehreren Plattformtreibern, schreibt Phoronix in der Übersicht vom 3. November 2026. Die Ryzen-Plattform soll damit schon vor dem Marktstart in gutem Zustand sein. Für EPYC-Server kommt Page Modification Logging (PML) hinzu, dazu Energieverwaltung für Zen 6. Zudem passt der Kernel die CPUs an weniger kostspielige Schutzmaßnahmen gegen CPU-Sicherheitslücken an, möglich durch die neue Funktion BTB CTX Isolation.
Dieses Bild wurde mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2_5 flare high 1k 16:9PromptIsometric 3D illustration of a processor package labeled "Zen 6" on a floating square platform. A grid of identical small core blocks sits on the chip, some glowing softly, with arrows flowing between them to suggest task scheduling. To one side, memory modules are connected by thin lines to a stack of translucent virtual machine cubes representing a server. Schematic only, no numbers, no charts. Clean pastel palette of deep blue, orange and white on a light background, soft shadows, crisp edges, high detail, no people. No watermark, no signature.Die Tabelle fasst Änderungen an Scheduler, Virtualisierung und Speicher aus der Phoronix-Übersicht zusammen.
| Änderung | Bereich | Wirkung |
|---|---|---|
| Cache Aware Scheduling | Scheduler | Regression beim Ryzen AI 9 HX 370 behoben |
| Short-Slice-Tasks | Scheduler | Geringere Latenz |
| Gleich flache Idle-Kerne | Scheduler | Zufällige Auswahl |
| Steal Governor | Virtualisierung | Besser für Linux-VMs |
| TLB-Größe | Zen 5 und neuer | Korrekte Meldung |
| Früher Boot-Allocator | Speicher | Schnellerer Start |
| CXL DCD | Speicher | Vorbereitung |
| Dynamic PAMT | Intel-Server | Spart Speicher |
DCD steht für Dynamic Capacity Devices, also CXL-Speicher, dessen Kapazität sich ohne Neustart des Hosts und ohne Umbau ändern lässt. Der Steal Governor zielt auf Gäste, denen Rechenzeit fehlt, weil der Host sie anderweitig vergibt. Steal Governor, DCD und Dynamic PAMT richten sich an Server und Virtualisierung. Als Desktop-Nutzende spüren Sie eher den behobenen Regressionsfehler und die geringere Latenz für kurze Tasks. Das ist ein sauberer Gewinn ohne Konfigurationsaufwand.
Alte EDAC-Treiber, die Speicherfehler erkennen und korrigieren, laufen aus. Phoronix nennt als Grund eine „AI generated fixes frenzy“, die Maintainer im Upstream belaste. Zusätzlich optimiert der Kernel die AES-Implementierungen für x86 und RISC-V in der Krypto-Bibliothek und führt einen neuen Core-MM-Tree ein.
HDMI 2.1, PerfOpt und Hibernation: Was der Desktop im Kernel 7.4 bekommt
AMDGPU schaltet HDMI 2.1 im Kernel 7.4 standardmäßig ein, weil HDMI VRR, FreeSync und ALLM laut Phoronix bereit sind. VRR ist die variable Bildwiederholrate, ALLM der automatische Low-Latency-Modus des Displays. Phoronix nennt das eine lange erwartete Ergänzung für Radeon-Nutzende, die HDMI mit hohen Bildwiederholraten oder hohen Auflösungen betreiben.
Tipp: Prüfen Sie nach dem Kernel-Update, ob Ihre Desktop-Umgebung VRR am HDMI-Anschluss anbietet, bevor Sie Treiberoptionen von Hand anpassen.
AMD PerfOpt ist ebenfalls standardmäßig aktiv und soll die AI/LLM-Leistung auf Radeon-iGPUs verbessern, also auf integrierten Grafikeinheiten. Der Intel-Xe-Treiber bekommt CPU Binds und ULLS auf der Migrationswarteschlange für mehr Leistung. Dazu kommen vRAM-Health-Checks samt Behandlung degradierten Videospeichers. An NVIDIAs Rust-Treiber Nova wird weitergearbeitet. Der MSM-DRM-Treiber für Qualcomm unterstützt jetzt Adreno A830, A845, A850 und X2-85.
Neu ist ein Treiber für Controller der Nintendo Switch 2. Weitere Snapdragon-X2-Laptops laufen ebenfalls. Laut Phoronix-Schlagzeilen erweitert der Kernel zudem die Sensorüberwachung für ASUS- und MSI-Mainboards und bringt einen Minisforum-Treiber mit.
Eine Hibernation-Verbesserung soll helfen, Energiezertifizierungen zu erfüllen, schreibt Phoronix. In Linux Mint 27 kehrt Hibernation laut unserem Bericht zu Mint 27 mit Superlight, Velocitty, Unfold und Hibernation zurück. Ob die Kernel-Änderung dabei eine Rolle spielt, nennen die Quellen nicht.
Wann der Kernel 7.4 Ihr System erreicht und welche Version LTS wird
Der Kernel 7.4 erreicht Anwendende laut pbxscience erst mit der stabilen Veröffentlichung und später über die Kernel der Distributionen. Pillitteri nennt als Regel neun oder zehn Wochen nach Öffnung des Merge Windows. Den genauen Termin legt Linus Torvalds erst im fortgeschrittenen Zyklus fest. Jede Distribution folgt ihrem eigenen Release-Zyklus, zu Fedora 45 haben wir separat berichtet.
Phoronix hofft, dass 7.4 und nicht 7.3 der LTS-Kernel des Jahres wird. Produktive Server bleiben bis zur LTS-Entscheidung besser auf dem bisherigen Kernel. Desktops können dem Distributionskernel folgen. Backup zuerst.
Phoronix nennt außerdem die Entfernung der ARM64-Big-Endian-Unterstützung. Wer ARM64 im Big-Endian-Betrieb nutzt, sollte das vor einem Wechsel prüfen. Nach einem Update gehört auch die Frage dazu, ob zuvor jemand eine Lücke ausgenutzt hat. Wie eine forensische Prüfung nach dem Kernel-Update aussieht, steht in unserem Fragnesia-Beitrag.
Der nächste konkrete Punkt ist die stabile Version von 7.4. Erst danach zeigt sich, ob sie als LTS-Kernel gepflegt wird. Die geplante Bereinigung von 32-Bit-ARM-Code ist laut Phoronix auf mindestens Linux 7.5 verschoben.





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