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Verhaltensscanner am Kottbusser Tor: Was die KI-Kameras in Berlin erfassen und was offen bleibt

Seit dem 28. Oktober 2026 wertet die Berliner Polizei am Kottbusser Tor Material von 30 Kameras in Echtzeit auf mögliche Straftaten aus. Einen belegten Nutzen solcher Systeme gibt es laut netzpolitik.org bislang nicht.

Verhaltensscanner: Überwachungskamera an einem Mast auf einem städtischen Platz am AbendDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2 pro 1k 16:9PromptA modern outdoor surveillance camera mounted on a tall grey pole at an urban square, with a second camera on a building facade above a paved plaza. Wet pavement reflects the soft light of street lamps during the evening, and a few pedestrians walk at a distance. Photorealistic style image. Mood: cool, watchful, and quietly tense. Avoid: watermark, signature, blurry, low quality, distorted, deformed.
Seit dem 28. Oktober 2026 wertet der Verhaltensscanner am Kottbusser Tor das Material von 30 Kameras in Echtzeit aus. Einen belegten Nutzen gibt es bislang nicht, wie netzpolitik.org berichtet.

Die Berliner Polizei betreibt seit dem 28. Oktober 2026 am Kottbusser Tor einen Verhaltensscanner, der das Material von 30 Kameras in Echtzeit auf Bewegungen durchsucht, die auf Straftaten hindeuten. Verdächtige Szenen landen bei menschlichen Überwachenden, die Einsatzkräfte losschicken können. Einen belegten Nutzen solcher Systeme gibt es bislang nicht, wie netzpolitik.org am 31. Oktober 2026 berichtet.

Der Verhaltensscanner am Kottbusser Tor wertet seit dem 28. Oktober 30 Kameras in Echtzeit aus

Der Verhaltensscanner am Kottbusser Tor ist eine Software, die Videobilder automatisch nach Bewegungen durchsucht, die zu Straftaten passen. Laut netzpolitik.org dokumentieren 30 Kameras das Geschehen auf dem Platz. Verdächtige Szenen legt die Software menschlichen Überwachenden vor. Diese entscheiden, ob Einsatzkräfte ausrücken.

Die Bilder laufen über einen Kabelstrang in die Polizeiwache am Kottbusser Tor. Von dort gehen sie an eine geheime Liegenschaft der Polizei. Dort werden sie gespeichert und vom Verhaltensscanner analysiert. Die Software sucht in den Bildern nach Mustern aus ihrem Trainingsmaterial. Je mehr Schlägereien sie vorgelegt bekam, desto besser erkennt sie weitere. Rot leuchtende LEDs an den Kameras zeigen laut netzpolitik.org, dass diese in Betrieb sind.

Wie das System im Alltag arbeitet, lässt sich von außen schwer erkennen. Der Bericht von netzpolitik.org schildert ein Gerangel um Medikamente auf dem Platz. Danach lief eine Gruppe Polizeikräfte los, bog aber ab und fuhr davon. Ob die Kameras die Szene nicht erfassten oder Software oder Aufsicht sie als unkritisch einstuften, bleibt offen.

Adesso SE baut die Anlage und trainiert sie mit echten und KI-generierten Szenen

Adesso SE, eine IT-Holding mit Hauptsitz in Dortmund, errichtet die Berliner Anlage. Das bestätigte die Polizei Berlin laut netzpolitik.org vom 14. Juli 2026. Oliver Türpe von der Berliner Polizei hatte den Zuschlag schon am 1. Juni im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses genannt. Laut Ausschreibung stehen vier Millionen Euro bereit.

Adesso arbeitet als Generalunternehmer, steuert also den Bau und darf Teile zukaufen. Hard- und Software anderer Hersteller ist erlaubt, solange diese in Europa sitzen. Die Video-KI kommt von Staige, an der Adesso Anteile hält. Staige gibt an, über 1.400 Systeme installiert zu haben. Laut netzpolitik.org kann die Software angeblich auch Menschenströme tracken und Personen über mehrere Kameras hinweg verfolgen.

In Mannheim und Hamburg stammt die Technik vom Fraunhofer IOSB, einem Teil der gemeinnützigen Fraunhofer-Gesellschaft. Berlin setzt erstmals ein privatwirtschaftliches Unternehmen im Produktivbetrieb ein. Von Mitte 2022 bis Anfang 2023 waren laut netzpolitik.org Angreifende im IT-System von Adesso unterwegs. Sie installierten manipulierte Komponenten und hatten weitreichenden Zugriff.

Trainiert wurde der Verhaltensscanner mit echten und KI-generierten Szenen. Ein von Staige beauftragter PR-Mensch nennt laut netzpolitik.org Schlagabtausche, Tritte, gewaltsame Schub- oder Zerrbewegungen mit Bodenkontakt sowie Rangelei auf Bodenebene. Mannheim fütterte sein System mit Tausenden Show-Schlägereien von Polizeibeschäftigten. Berlin nutzt zu einem großen Teil KI-generierte Szenen.

Das Berliner Polizeigesetz erlaubt das Training mit Daten der Überwachten

Das Berliner Polizeigesetz, Ende 2025 verabschiedet, erlaubt das Training kommerzieller Überwachungstechnik mit personenbezogenen Daten der Berlinerinnen und Berliner. Die nötige Datenschutzausnahme samt Weitergabe an Hersteller beschloss die schwarz-rote Koalition kurz vor Weihnachten 2025. So berichtet es netzpolitik.org.

Verhaltensscanner: Überwachungskameras an einer Häuserwand in BerlinDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2 pro 1k 16:9PromptA grey metal junction cabinet on a concrete wall has thick black cables bundled and routed into a conduit beneath it. Next to it, a small urban building with a plain facade and a closed window sits under overcast daylight. Photorealistic style image. Mood: technical, sober, and unremarkable. Avoid: watermark, signature, blurry, low quality, distorted, deformed.
Das Berliner Polizeigesetz, Ende 2025 verabschiedet, erlaubt das Training kommerzieller Überwachungstechnik mit personenbezogenen Daten der Berlinerinnen und Berliner. Die nötige Datenschutzausnahme beschloss die Koalition kurz vor Weihnachten 2025.

Weitertrainiert wird laut Staige-Sprecher mit den Bewegungsmustern der Überwachten. Das geschieht, sobald die menschliche Aufsicht eine Warnmeldung bestätigt oder verwirft. netzpolitik.org vergleicht ein Bewegungsmuster mit einem Fingerabdruck, wie er auch bei der Gangerkennung entsteht. Die Hinweisschilder der Polizei sind etwas größer als DIN A4. Dass mit den Daten trainiert wird, steht laut netzpolitik.org nicht darauf.

Mit dem Gesetz kamen die Internetsuche nach biometrischen Daten und Software, wie sie Palantir herstellt. Solche Programme verknüpfen Datenbanken und erstellen in Sekundenbruchteilen Profile. Wie FISA, Palantir und HART Daten erfassen, beschreibt der Beitrag zur US-Überwachung in Europa 2026.

Gegen die Befugnisse läuft eine Klage von Grünen und Linken. Wie es weitergeht, entscheidet die nächste Berliner Regierung. Die SPD-geführte Innenverwaltung hat den Betrieb unterdessen gestartet.

Mannheim und Hamburg liefern keinen belegten Nutzen, Hamburg meldet 99 Fehlalarme je Treffer

Der Nutzen von Verhaltensscannern ist laut netzpolitik.org vom 31. Oktober 2026 weitgehend ungeklärt. In Mannheim kann die Polizei nach acht Jahren Training keinen einzigen Fall nennen, in dem das System eine Straftat verhindert oder aufgeklärt hat. In Hamburg ergeben die wenigen Anhaltspunkte aus einem Probelauf 99 Fehlalarme pro Treffer. Berlin soll nun den Durchbruch bringen.

Unbequem für Befürwortende ist die Beweislast: Wer von Berlin den Durchbruch erwartet, muss erklären, was dort anders laufen soll als in Mannheim und Hamburg.

Das Kottbusser Tor steht schon lange unter Kontrolldruck. Das Areal gilt als kriminalitätsbelasteter Ort, an dem die Polizei verdachtsunabhängig kontrollieren und durchsuchen darf. Laut Polizei Berlin eröffnete dort am 15. Februar 2023 eine Nebenwache mit 213 Quadratmetern. Im vergangenen Jahr wurde das Areal zur Messerverbotszone erklärt. Die Polizei setzte monatlich zwischen 3.500 und 7.000 Personalstunden ein.

netzpolitik.org zieht daraus den Schluss, dass bislang keine Maßnahme die Probleme gelöst, sondern jede neue Maßnahmen begründet habe. Die Verhaltensscanner-Anlage kommt zu diesem Druck hinzu.

Für Betroffene bleibt offen, wann sie als verdächtig gelten und wo die Kameras als Nächstes hängen

Der Verhaltensscanner lässt Betroffene im Unklaren darüber, wann er ihr Verhalten als auffällig einstuft. Laut netzpolitik.org wissen Gefilmte nie, ob die Software ihnen ein Vergehen zuschreibt. Sie wissen auch nicht, ob sie gerade beobachtet werden oder mit Maßnahmen rechnen müssen. Wie sie sich verhalten müssen, um keinen Verdacht zu erregen, erfahren sie ebenfalls nicht.

Die Kritik von netzpolitik.org geht weiter. Die Anlage kontrolliere unauffällige Alltagssituationen, um daraus Verdacht zu erzeugen. Das stehe im Konflikt mit der Unschuldsvermutung.

Innensenatorin Iris Spranger will weitere Orte ausstatten. Noch in diesem Jahr sollen Kameras an die Warschauer Brücke, das Rote Rathaus, die Innenverwaltung und das Jüdische Museum. Im nächsten Jahr sollen Alexanderplatz, Görlitzer Park und der Kiez drumherum folgen. Das ist bisher eine Absicht der Senatorin. An kritischer Infrastruktur ist laut netzpolitik.org auch verdeckte Videoüberwachung erlaubt.

Parallel sollen an Bahnhöfen und in Innenstädten Systeme Gesichter mit einer Liste abgleichen. Für KI-Gesichtserkennung hat der Europäische Datenschutzausschuss die Leitlinien verschärft. Warum Fachleute Lücken sehen, lesen Sie in unserem Beitrag, warum NGOs vor Schlupflöchern im AI Act warnen.

Die Frage ist nun, ob die nächste Berliner Regierung die Befugnisse bestehen lässt. Die Klage von Grünen und Linken ist anhängig, die Koalitionsverhandlungen laufen noch. Einen Termin für eine Entscheidung nennt netzpolitik.org nicht.