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ARM-Support im Tor Browser 16.0: Was sich unter Linux ändert

Tor Browser 16.0 läuft seit dem 29. Oktober 2026 nativ auf 64-Bit-ARM unter Linux. Neue Einstellungen, optionale Fenstertitel und das Ende von 32-Bit-x86 gehören zum Release.

ARM-Einplatinenrechner auf einer Holzwerkbank neben USB-Kabel und KühlkörperDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2 pro 1k 16:9PromptA bare single-board computer with a green circuit board lies on a wooden workbench next to a coiled USB cable and a small metal heatsink. Soft daylight falls from a window onto neatly arranged tools such as a precision screwdriver and a memory card. Photorealistic style image. Mood: calm, focused and pragmatic. Avoid: watermark, signature, blurry, low quality, distorted, deformed.
Tor Browser 16.0 läuft auf Linux mit 64-Bit-ARM-Prozessoren (AArch64) nativ. Die 32-Bit-x86-Linux-Plattform entfällt, weil auch Firefox sie nicht mehr unterstützt.

Das Tor Project hat am 29. Oktober 2026 Tor Browser 16.0 veröffentlicht, und der stabile Kanal läuft damit nativ auf Linux-Rechnern mit 64-Bit-ARM-Prozessoren. Die Grenze liegt bei 32-Bit-x86: Diese Linux-Plattform fällt weg, weil auch Firefox sie nicht mehr unterstützt. Das Tor Project nennt beides in seiner Release-Ankündigung, 9to5Linux berichtete am selben Tag darüber. Wer für diese Geräte bisher den Testkanal Tor Browser Alpha nutzte, sollte laut Tor Project auf den stabilen Kanal wechseln.

Tor Browser 16.0 läuft nativ auf ARM-Rechnern unter Linux

Die native ARM-Unterstützung von Tor Browser 16.0 gilt laut Release-Ankündigung für Linux-Rechner mit 64-Bit-Prozessoren der AArch64-Architektur, etwa Raspberry Pis oder Apple-Silicon-Macs, auf denen Linux läuft. Davor lag laut Tor Project eine Testphase von einem Jahr. AArch64 bezeichnet dabei die 64-Bit-Variante der ARM-Prozessorfamilie.

Welche Architektur Ihr System meldet, zeigt uname -m im Terminal. Steht dort aarch64, passt das ARM-Paket, bei x86_64 gilt das reguläre 64-Bit-Paket. Die Abgrenzung zwischen Desktop und Server ist schnell gezogen: Tor Browser ist eine grafische Anwendung. Ein Raspberry Pi, der ohne Bildschirm als Server läuft, ist deshalb kein Einsatzgebiet der nativen ARM-Version. Der Browser bringt laut Changelog seinen eigenen tor-Dienst in Version 0.4.9.15 mit.

Das ARM-Paket beziehen Sie laut 9to5Linux wie die übrigen Desktop-Pakete von der offiziellen Website des Tor Project. Android-Geräte erhalten den Browser über den Google Play Store. Apple-Silicon-Macs zählen nur dann zu den ARM-Geräten dieses Releases, wenn Linux darauf läuft; unter macOS bleibt es beim eigenen macOS-Paket.

Die Zahlen zum Ende der 32-Bit-Unterstützung nennt das Tor Project selbst: Von der Plattform gehen derzeit rund 200 Update-Prüfungen pro Tag ein, nach einem Höchstwert von rund 4.000 im Jahr 2019. Die meisten verbliebenen Nutzenden können laut Tor Project auf die 64-Bit-Version umsteigen, sofern sie keine veraltete Hardware oder veraltete Linux-Versionen betreiben. Der Changelog entfernt zudem den Hinweis auf die 32-Bit-Abkündigung (tor-browser#44887). Backup zuerst: Sichern Sie vor dem Wechsel Ihre Bridge-Einstellungen und andere Anpassungen.

Neue Einstellungen: Wohin die Seite „General“ verschwunden ist

Die Einstellungen von Tor Browser 16.0 sind laut Tor Project komplett neu gestaltet und folgen einer Überarbeitung, die Firefox im Juni ausgeliefert hat. Wer auf einem Raspberry Pi das neue ARM-Paket startet, landet deshalb direkt in der neuen Oberfläche. Sie bringt ein aufgeräumteres Layout, eine angepasste Navigation sowie verständlichere Beschriftungen und Beschreibungen. Das Tor Project begründet den Umbau damit, dass klare Einstellungen für Menschen entscheidend sind, die Zensur umgehen, ihre Sicherheitsstufe anheben oder den Browser anpassen müssen.

Die frühere Seite „General“ ist laut Tor Project entfallen, ihre Inhalte verteilen sich auf fünf neue Seiten:

  • Appearance: Hier landet laut Changelog auch Letterboxing, das Fenstergrößen vereinheitlicht (tor-browser#45079).
  • Downloads: Der Changelog ergänzt hier die Download-Warnung (tor-browser#45180).
  • Tabs and browsing
  • Accessibility
  • Languages: Hier steht laut Changelog neu die Option „Request English“ für die Sprachwahl von Websites (tor-browser#45176).

Die Tor-spezifischen Seiten Connection und Security Level hat das Tor Project laut Release-Ankündigung von Grund auf mit den neuen Firefox-Komponenten neu gebaut, damit sie zum Rest der Einstellungen passen. Einige Optionen, die bei Aktivierung die Privatsphäre gefährden oder den Browser leichter anhand seiner Merkmale wiedererkennbar (Fingerprinting) machen könnten, sind laut Tor Project ausgeblendet oder mit deutlichen Warnungen versehen. Laut Tor Project bleiben bereits gesetzte Einstellungen gespeichert, auch wenn sich ihr Ort geändert hat. Wer eine Option vermisst, findet sie über das Suchfeld oben in den Einstellungen.

Der Changelog verzeichnet dazu viele Einzelschritte. Die Passwort-Einstellungen sind standardmäßig ausgeblendet (tor-browser#45197). Die Onion-Authentifizierung liegt laut Changelog in den neuen Passwort-Einstellungen (tor-browser#45200). Das Tor Project versteckt außerdem das KI-Panel (tor-browser#44709), die Übersetzungs-Seite (tor-browser#44710) und die Safe-Browsing-Einstellungen (tor-browser#44802). Firefox-Branding entfernt es aus about:preferences (tor-browser#44998). Die Angleichung an den Upstream ist pragmatisch, weil Seiten aus denselben Bausteinen wartbarer bleiben als ein paralleles Gerüst, kostet aber kurzfristig Umgewöhnung.

Generische Fenstertitel schützen den Browserverlauf vor anderen Programmen

Die Option für generische Fenstertitel ersetzt in Tor Browser 16.0 jeden Fensternamen durch den Text „Tor Browser“. Sie liegt laut Tor Project unter Privacy and security → Protections from third-party applications. Normalerweise benennt der Browser seine Fenster nach dem Titel der geöffneten Seite. Andere Programme und das Betriebssystem können diese Titel laut Tor Project ohne besondere Berechtigung lesen.

ARM-Rechner im Gehäuse mit Netzwerkkabeln in einem aufgeräumten HeimbüroDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2 pro 1k 16:9PromptTwo compact single-board computers sit in a ventilated plastic case on a shelf in a tidy home office, connected by flat network cables to a small switch. A potted plant and a ceramic mug stand beside the shelf in warm evening light. Photorealistic style image. Mood: quiet, tidy and technically curious. Avoid: watermark, signature, blurry, low quality, distorted, deformed.
Die Option für generische Fenstertitel ist standardmäßig ausgeschaltet. Das Tor Project bittet Betroffene, besonders Screenreader-Nutzende und Anwender stark angepasster Desktops, sie zu testen und Fehler zu melden.

Fensterlisten, Taskleisten und Programmwechsler zeigen solche Titel an. Auf einem X11-Desktop, dem klassischen Linux-Fenstersystem, listet auch wmctrl -l im Terminal alle Fenster samt Titel auf. Mit der Option sieht jedes dieser Werkzeuge nur noch „Tor Browser“ und erfährt nichts über die besuchte Seite.

Standardmäßig bleibt die Option ausgeschaltet. Laut Tor Project fehlte im Release-Zyklus die Zeit, mögliche Nebenwirkungen sauber zu prüfen. Das Team befürchtet Einbußen bei der Bedienbarkeit für Menschen, die auf Hilfsmittel wie Screenreader angewiesen sind, und für stark angepasste Systeme, etwa mit weniger verbreiteten Desktop-Managern oder Programmwechslern. Betroffene sollen die Einstellung ausprobieren und Fehler melden. Wer das neue ARM-Paket auf einem Raspberry Pi mit einem solchen Desktop betreibt, gehört zu dieser Testgruppe.

Weitergehenden Schutz vor anderen Programmen auf dem Gerät empfiehlt das Tor Project mit Tails, einem Live-System für anonymes Arbeiten. Zu Tails haben wir zuletzt über Tails 7.10 mit neuem Shutdown-Prozess und Celluloid berichtet.

Die Funktion gibt es auch in Firefox: Laut Tor Project wurden generische Fenstertitel im Rahmen des Tor Uplift Project in den Firefox-Upstream übernommen. Fortgeschrittene setzen dort in about:config die Schlüssel privacy.exposeContentTitleInWindow für normale Fenster und privacy.exposeContentTitleInWindow.pbm für private Fenster auf false.

Zum Vergleich geht Brave bei seinen KI-Chats einen eigenen Weg:

Was der Changelog abschaltet und was Linux-Nutzende davon merken

Der Changelog zu Tor Browser 16.0 verzeichnet neben den sichtbaren Neuerungen eine Reihe von Firefox-Funktionen, die das Tor Project abschaltet oder versteckt. Laut Release-Ankündigung ist es das erste stabile Release auf Basis von Firefox ESR 153, dem Zweig mit verlängerter Unterstützung. Es bündelt die Änderungen eines Jahres aus dem Upstream und liefert sie auch im neuen ARM-Paket aus. Im jährlichen Audit des ESR-Wechsels prüfte das Team nach eigenen Angaben über 270 Bugzilla-Issues zu Firefox-Änderungen, die Privatsphäre und Sicherheit gefährden könnten. Was Firefox 153 selbst bringt, beschreibt unser Beitrag zu Firefox 153 und Native Container.

Wie eng Firefox seine Releases taktet, erklärt unser Beitrag Firefox im Zwei-Wochen-Takt. Der Changelog führt unter anderem diese abgeschalteten oder versteckten Funktionen auf:

  • WebGPU, die Schnittstelle für Grafikberechnung im Browser, bleibt deaktiviert, bis sie geprüft ist (tor-browser#44763).
  • XSLT, ein Verfahren zur Umwandlung von XML-Dokumenten, ist bereits für 16.0 abgeschaltet (tor-browser#45072).
  • WebXR, die Schnittstelle für Virtual-Reality-Geräte, ist ausdrücklich deaktiviert (tor-browser#45278).
  • Die Reporting API bleibt deaktiviert (tor-browser#45080).
  • Profil-Backup und Split View sind für 16.0 abgeschaltet (tor-browser#45123, tor-browser#45171).
  • IP Protection ist auf dem Desktop deaktiviert (tor-browser#44528).

Der Linux-Abschnitt des Changelogs nennt drei weitere Einträge, die für das neue ARM-Paket ebenso gelten wie für x86. Laut Changelog ändert sich die Domain der DBus-Schnittstellen, des Nachrichtenbusses für Desktop-Programme (tor-browser#44050). Wer Skripte oder Integrationen an die bisherigen Namen gebunden hat, prüft sie nach dem Update. Die Schriftgröße der Oberfläche folgt laut Changelog nun dem System (tor-browser#44410). Die Wayland-Option widget.wayland.fractional-scale.enabled ist abgeschaltet (tor-browser#44521). Der Changelog nennt dazu keine Begründung; wer unter Wayland mit gebrochenen Skalierungsfaktoren arbeitet, prüft deshalb die Darstellung nach dem Update.

Mitgeliefert werden laut Changelog Firefox 153.6.0esr und NoScript 13.6.37.1984, eine Erweiterung, die Skripte je nach Sicherheitsstufe steuert. Mehrere Einträge betreffen die Sicherheitsstufe „Safer“. Laut Changelog funktionierten Trusted Types, ein Browser-Mechanismus gegen eingeschleusten Skriptcode, in Kombination mit Web Workers auf Safer nicht (tor-browser#44755). Die Weitergabe der Stufe an verschachtelte Worker war unvollständig (tor-browser#45410). Ein weiterer Eintrag behandelt ein Informationsleck zwischen Websites über Fehlermeldungen von Worklets im Safer-Modus (tor-browser#45047).

Android, Handbuch und Mehrpfad-Schaltkreise: Das steht als Nächstes an

Tor Browser für Android übernimmt in 16.0 den Umstieg von Firefox auf Jetpack Compose, das neueste Google-Framework für native Android-Oberflächen. Große Teile der Oberfläche nutzen deshalb laut Tor Project jetzt Material Design 3, die aktuelle Designsprache von Google für Android. Weitere Teile sollen in künftigen Releases folgen. Google Play begrenzt die Größe von Apps im APK-Format auf 100 MB. Um darunter zu bleiben, komprimiert das Team nach eigenen Angaben einige der eingebauten Ressourcen, mit denen Firefox seine Oberfläche darstellt. Aus Platzgründen liegt das Handbuch auf Android weiterhin nicht offline bei.

Auf dem Desktop ist das Handbuch komplett erneuert. Sie öffnen es über about:manual oder im Anwendungsmenü unter Help → Tor Browser manual. Es übernimmt laut Tor Project die aktuellen Hilfeinhalte des Support-Portals, das 2025 an den Start ging, sodass nicht länger zwei Dokumentationen parallel gepflegt werden müssen. Die Desktop-Pakete bündeln das Handbuch, das ARM-Paket eingeschlossen, deshalb lässt es sich offline lesen, etwa wenn ein Verbindungsproblem den Zugang zum Tor-Netzwerk blockiert.

Das Tor Project kündigt für die nächsten Monate weitere Verbesserungen an den neuen Einstellungen und an Material Design 3 auf Android an. Für Tor Browser Alpha ist eine neue Schaltkreisanzeige angekündigt, die Seiteninformationen direkt in das Schaltkreis-Panel einbindet und komplexere Mehrpfad-Schaltkreise darstellt. Solche Schaltkreise teilen den Datenverkehr über zusätzliche Relays (Zwischenstationen im Tor-Netz) auf zwei Pfade auf, die an einem gemeinsamen Exit (der letzten Station vor dem Ziel) zusammenlaufen. Laut Tor Project verbessert das Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Sie existieren laut Tor Project bereits für normale Websites, nicht aber für Onion-Seiten, und werden je nach Netzverfügbarkeit zufällig zugewiesen. Auf Android erscheint die Schaltkreisanzeige damit erstmals, bislang gab es sie nur auf dem Desktop.

Der nächste Schritt hängt vom Gerät ab. Auf ARM-Geräten ersetzen Sie zuerst die Alpha-Installation durch das ARM-Paket des stabilen Kanals. Prüfen Sie nach dem Update, wo Ihre Einstellungen gelandet sind, und testen Sie die Fenstertitel-Option, falls Sie Screenreader oder einen ungewöhnlichen Desktop-Manager nutzen. Offen bleibt der Termin für die neue Schaltkreisanzeige in Tor Browser Alpha: Das Tor Project schreibt dazu nur „coming soon“, ein Datum nennt es nicht.