Wer die Debatte um Future Skills verfolgt, hört viel über Haltung, Mindset und Anpassungsfähigkeit. Wer stattdessen aktuelle Stellenanzeigen liest, sieht Produktnamen: Salesforce, HubSpot, Python, Power BI. Genau diese Namen sind das ehrlichere Signal. Sie zeigen, wo Unternehmen gerade tatsächlich automatisieren. Und für Tech-Fachkräfte steckt darin eine bessere Nachricht, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Was ein Unternehmen ausschreibt, hat es längst entschieden
Über Zukunftskompetenzen lässt sich endlos diskutieren. Sie stehen in Strategiepapieren und Leitbildern, kosten dort aber nichts und verpflichten zu wenig.
Eine Stellenanzeige ist konkreter als jedes Strategiepapier: Wer dort Salesforce, Python oder Power BI fordert, sucht nicht abstrakt nach Zukunftskompetenz, sondern nach Fähigkeiten, die im Arbeitsalltag gebraucht werden. Und wer diese Werkzeuge einfordert, hat einen klaren Plan.
Wie klar sich dieser Wandel in den Daten zeigt, macht der WBS Job- und Gehaltsreport 2026 sichtbar. Für die Auswertung wurden rund 10,2 Millionen Stellenanzeigen aus dem Jahr 2025 analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Gefragt sind zuerst konkrete Werkzeuge, erst danach die vielzitierten Kompetenzbegriffe.
Am stärksten gewachsen ist die Nachfrage nach CRM-Systemen, insgesamt um 83 %. Im Vertrieb legte HubSpot sogar um 269 % zu, Salesforce um 97 %. Python wird in der IT rund 23 %häufiger verlangt, Power BI im Finanzwesen 20 % häufiger.
Die Basis ist Office, die Bewegung sind CRM, Python und Power BI
Ein Blick auf die absoluten Zahlen erdet die Aufregung zunächst. Die mit Abstand häufigsten Anforderungen sind bis heute die Klassiker: MS Office, Excel, SAP und Word. Sie bilden die Grundausstattung, ohne die im Büroalltag kaum eine Rolle auskommt.

Interessant wird es erst, wenn man auf die Veränderung schaut. Denn die Bewegung findet nicht bei den Basiswerkzeugen statt, sondern bei den Tools, die für Automatisierung und Datenarbeit stehen. Genau dort wachsen die Anforderungen am schnellsten.

Hinter diesem Wachstum stehen zwei Bewegungen. Die eine betrifft den Kundenkontakt, die andere die Arbeit mit Daten.
Vertrieb: Das CRM wird zur Schaltzentrale
Ein CRM war lange eine digitale Kundenkartei. Heute laufen dort Lead-Bewertung, Nachfassmails, Angebotsfreigaben und Reporting zusammen, zunehmend unterstützt durch KI-Agenten. Wer Customer Relationship Management so versteht, braucht im Team mehr als reine Datenpflege.
Gesucht sind Menschen, die Prozess und Automatisierung zusammendenken. Der enorme Sprung bei HubSpot deutet zudem darauf hin, dass die Vertriebsautomatisierung längst über die Konzerne hinaus im Mittelstand ankommt.
Für Vertriebsteams heißt das weniger Handarbeit bei Routinen. Dafür wächst die Verantwortung für die Datenqualität, denn jede Automatisierung ist nur so gut wie die Datensätze dahinter.
IT und Finanzwesen: Datenarbeit wird Routine
Python steht in der IT für Skripte und Datenpipelines. Das ist die unspektakuläre Arbeit, die Automatisierung überhaupt erst möglich macht. Wer sie beherrscht, sitzt an der Stelle, an der Abläufe tatsächlich umgebaut werden.
Power BI steht für dieselbe Entwicklung im Finanzwesen. Controlling und Rechnungswesen wollen Zahlen laufend auswerten, statt sie einmal im Monat mühsam zusammenzutragen. Business Intelligence wandert damit aus der IT-Abteilung direkt in die Fachbereiche.
Warum Anzeigen mehr verraten als Investitionsstatistiken
Investitionsdaten erscheinen mit Verzögerung und fassen vieles zusammen. Ob eine Software nach dem Kauf ausgerollt wird oder im Pilotstadium hängen bleibt, lässt sich daraus kaum ablesen.
Eine Stellenanzeige ist präziser. Wer Salesforce-Administratorinnen oder -Administratoren sucht, hat das System eingeführt oder steht kurz davor. Auch der Zeitpunkt spricht für die Anzeige, denn Personal wird gesucht, bevor ein Projekt Ergebnisse liefert.
Der Stellenmarkt bildet Automatisierung ab, während sie passiert.
Das deckt sich mit Marktanalysen zur Softwareentwicklung. Wie KI-Assistenten dort die Anforderungen verschieben, beschreibt der Beitrag „KI-Coding-Jobs vs. Developer: Was Marktanalysen wirklich zeigen“. Die Anzeigendaten ergänzen dieses Bild um die Fachbereiche außerhalb der reinen Entwicklung.
Soft Skills bleiben, doch konkrete Skills machen den Unterschied
Überfachliche Kompetenzen verschwinden dabei nicht. Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit stehen weiterhin in sehr vielen Anzeigen, quer durch alle Berufsgruppen.
Sie sind allerdings die Grundausstattung, die fast alle Bewerbenden mitbringen oder zumindest für sich beanspruchen. Den Unterschied macht am Ende meist das Werkzeug, das eine Person nachweislich produktiv beherrscht. Ein konkretes Projekt lässt sich im Gespräch prüfen, eine behauptete Lernbereitschaft kaum.
Genau hier liegt der praktische Wert der Anzeigendaten. Sie übersetzen die abstrakte Kompetenzdebatte in eine überprüfbare Liste. Wer wissen will, welche Fähigkeit sich lohnt, muss nicht dem nächsten Trendbegriff folgen, sondern kann nachlesen, wofür Unternehmen tatsächlich Stellen schaffen.
Weniger Stellen, aber eine bessere Verhandlungsposition
Die zweite Botschaft des Reports widerspricht der gefühlten Lage. 2025 wurden 8,6 % weniger Stellen ausgeschrieben als im Vorjahr. Trotzdem legten die Gehälter in fast allen Berufsgruppen um 2 bis 6 % zu. Wer nur Schlagzeilen über Stellenabbau liest, zieht daraus leicht den falschen Schluss.
In IT und Telekommunikation liegt das durchschnittliche Bruttojahresgehalt laut Report bei 69.378 €. IT-Führungskräfte kommen auf 81.080 €, technische Berufe verzeichnen ein Plus von 6,6 %. Es handelt sich um Nominalwerte, ein Teil des Anstiegs gleicht also die Teuerung aus. Den Unterschied zum Reallohn sollte man in jeder Gehaltsrunde kennen.
Eine naheliegende Erklärung für den scheinbaren Widerspruch ist der anhaltende Fachkräftemangel. Unternehmen schreiben weniger aus, suchen aber gezielter. Wer die gefragten Werkzeuge beherrscht, trifft auf Arbeitgeber, die für genau dieses Profil mehr bieten müssen.
Bei der Vorstellung des Reports habe ich es so zusammengefasst:
„Die Zahlen sind eindeutig: Qualifizierte Fachkräfte sind gefragter denn je. Während Führungspositionen in einigen Bereichen unter Druck geraten, wächst die Bedeutung von Fachexpertise spürbar – und damit auch ihr Marktwert.“
Joachim Giese, Vorstand der WBS TRAINING SE, der Kerngesellschaft der WBS GRUPPE
Konkret werden statt Kompetenzen beschwören
Für Tech-Fachkräfte ist die Lage also besser, als die Nachrichten vermuten lassen. Wer im Gehaltsgespräch nur von „digitaler Kompetenz“ spricht, bleibt austauschbar.
Wer dagegen belegt, einen Vertriebsprozess in Salesforce automatisiert oder ein Reporting in Power BI aufgebaut zu haben, verhandelt über einen messbaren Beitrag. Diese Position ist in einem engen Markt mehr wert als jedes Schlagwort.
Unternehmen können dieselbe Logik nach innen wenden. Die eigenen Stellenanzeigen verraten, welche Werkzeuge künftig tragen. Daraus lässt sich ableiten, wen man gezielt weiterqualifiziert, statt allein auf einen leergefegten Bewerbermarkt zu hoffen. Wer den eigenen Tool-Stack intern aufbaut, gewinnt Zeit, die der Arbeitsmarkt derzeit kaum hergibt.
Zukunftskompetenz beginnt also nicht im Leitbild. Sie beginnt dort, wo eine Fähigkeit einen Namen bekommt.
Die Zahlen stammen aus dem WBS TRAINING Job- und Gehaltsreport 2026, den index Research im Auftrag der WBS TRAINING SE, der Kerngesellschaft der WBS GRUPPE, erstellt hat. Grundlage sind Stellenanzeigen von rund 967.000 Firmenwebseiten, etwa 400 Online-Jobbörsen, Printmedien und der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit.
Erhoben wurde von Januar bis Dezember 2025, im Vergleich zum Vorjahr, wobei doppelte Anzeigen nur einmal gezählt wurden. Die Gehaltswerte beruhen auf Anzeigen mit konkreter Gehaltsangabe.




