Der Zoll erhebt ab dem 1. November 2026 eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro für jede Warenposition einer Direktbestellung aus dem Nicht-EU-Ausland, unabhängig vom Warenwert. Vier Baumwoll-T-Shirts in einer Sendung zählen als eine einzige Warenposition, ein T-Shirt mit Handyhülle und Buch als drei. Das teilte die Generalzolldirektion am 29. Oktober 2026 mit.
Berechnung: Zwei Euro je Warenposition, nicht je Stück
Die Bearbeitungsgebühr beträgt zwei Euro für jede unterschiedliche Warenposition einer Sendung, wie die Generalzolldirektion am 29. Oktober 2026 in Bonn mitteilte. Sie fällt im Fernverkauf an, also wenn Onlineshops oder Plattformen aus einem Nicht-EU-Staat direkt an Verbrauchende in der EU liefern. Laut heise online zählt auch die Lieferung an einen Abholort zum direkten Weg. Die Behörde nennt zwei Beispiele. Ein Paket mit einem Baumwoll-T-Shirt, einer Handyhülle und einem Buch kostet sechs Euro. Vier Baumwoll-T-Shirts in einer Sendung lösen dagegen einmalig zwei Euro aus.
Die Gebühr kommt zu den regulären Einfuhrabgaben hinzu und gilt laut Generalzolldirektion unabhängig vom Sendungswert. Damit unterliegt jede Warenposition einer Bestellung über 150 Euro der Regel. Die Behörde nennt sie Union Handling Fee, heise online spricht von der Universellen Bearbeitungsgebühr (Universal Handling Fee, UHF), gemeint ist dieselbe Abgabe. Die Generalzolldirektion beschreibt sie als Teil der EU-Zollreform für den grenzüberschreitenden E-Commerce. Zur Rolle der Plattformen im Zollverfahren gibt es bei uns einen Beitrag zur Handling-Fee im Checkout.
Zusammenspiel: Bearbeitungsgebühr und Mindestzoll addieren sich
Der Mindestzoll, laut Generalzolldirektion ein seit dem 1. Juli 2026 geltender Pauschalzoll von drei Euro je Warenkategorie, wird zusätzlich zur Bearbeitungsgebühr fällig. Die EU-Kommission nannte den Zoll am 29. Juni 2026 vorübergehend und beschränkte ihn auf Pakete unter 150 Euro Warenwert. Erhoben wird er nach Warenkategorie und nicht nach Menge. Fünf T-Shirts kosten demnach drei Euro, drei T-Shirts und eine Uhr sechs Euro. Die Bearbeitungsgebühr ist dagegen laut heise online keine temporäre Maßnahme und hängt nicht an der 150-Euro-Grenze. Welche Folgen der Wegfall der Freigrenze für den Handel hat, beschreiben wir in fünf Punkten zur gefallenen Zollfreigrenze.
Laut heise online besteht eine Beispielbestellung aus drei USB-Ladekabeln zu je 3 Euro, einem Blumentopf für 10 Euro und fünf T-Shirts zu je 10 Euro. Sie enthält drei Warenpositionen und löst damit dreimal 2 Euro Bearbeitungsgebühr und dreimal 3 Euro Mindestzoll aus. Von der Bestellung über 69 Euro gehen so 15 Euro an die Zollbehörden. Das ist mehr als ein Fünftel. Drei Powerbanks zu je 25 Euro lösen beide Posten dagegen nur einmal aus, zusammen 5 Euro. Bei 5 Euro Abgaben auf Ladekabel im Wert von zusammen 9 Euro ist die Marge allenfalls ein Gerücht.
| Bestellung | Warenpositionen | Bearbeitungsgebühr | Quelle |
|---|---|---|---|
| 4 Baumwoll-T-Shirts | 1 | 2 Euro | Generalzolldirektion |
| T-Shirt, Handyhülle, Buch | 3 | 6 Euro | Generalzolldirektion |
| 3 Powerbanks zu je 25 Euro | 1 | 2 Euro, dazu 3 Euro Mindestzoll | heise online |
| 3 Ladekabel, 1 Blumentopf, 5 T-Shirts | 3 | 6 Euro, dazu 9 Euro Mindestzoll | heise online |
Zuständigkeit: Anbieter und Plattformen zahlen, Sie sehen es im Checkout
Für Berechnung und Zahlung der Bearbeitungsgebühr sind laut heise online die Versender oder die Plattformen zuständig, nicht die Empfangenden der Ware. Die Generalzolldirektion nennt zusätzlich die Transportdienstleister, die die Abwicklung in der Regel übernehmen. Für Verbrauchende ergeben sich laut Generalzolldirektion grundsätzlich keine neuen Pflichten. Die Behörde schließt aber nicht aus, dass Anbieter die Gebühr je nach Verkaufsmodell an die Kundschaft weitergeben. Sie sollten daher im Bestellvorgang und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf Hinweise zur Gebühr achten. Separat erheben oder erst im Laufe des Bestellvorgangs ausweisen dürfen Anbieter derartige Kosten laut heise online nicht.
Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2 pro 1k 16:9PromptA few USB charging cables, a small clay flower pot and several folded cotton T-shirts are placed in separate groups across a white table, with clear space between each group. A pair of hands in a grey sweater rests beside the groups, while a bright minimal living room fades softly behind them. Photorealistic style image. Mood: orderly, analytical and neutral, suggesting separate units that are checked one by one. Avoid: watermark, signature, blurry, low quality, distorted, deformed.Die Bearbeitungsgebühr und der Mindestzoll werden laut heise online in dem Land fällig, in dem die Ware in die EU importiert wird. Hauptimportweg ist derzeit Belgien, wohin die Ware per Luftfracht gelangt. Kommt die Lieferung aus einem Warenlager im EU-Zollgebiet, entfallen beide Posten, weil der verzollte Import bereits stattgefunden hat. Für Anbieter mit EU-Lager entfällt damit die Last je Warenposition, der Direktversand aus Fernost trägt sie voll. Das verschiebt die Kalkulation. Welche Haftung Verbände für Billigimporte fordern, steht in unserem Beitrag zum haftenden Bevollmächtigten in der EU.
Wirkung: 60 Prozent weniger Produkte seit dem Mindestzoll
Der Mindestzoll hat die Zahl der in die EU verschickten Produkte von Juli bis September 2026 um 60 Prozent gesenkt, laut Daten der EU-Steuer- und Zolldirektion, die heise online wiedergibt. Bei geringwertigen Sendungen ging das Aufkommen von etwa 1,5 Milliarden auf rund 500 Millionen zurück. Laut heise online sprechen EU-Stellen von einem Rückgang der Warensendungen um fast zwei Drittel. Das Problem dabei: Die Daten sind vorläufig, und die Bearbeitungsgebühr ist darin noch nicht enthalten. Die EU-Kommission begründet den Mindestzoll mit faireren Wettbewerbsbedingungen, besserem Schutz vor unsicheren Produkten und weniger Zollbetrug.
Laut heise online verteuern sich mit der Gebühr vor allem Kleinstimporte und gemischte Warensendungen mit vielen Warenpositionen weiter. Offen ist, ob der Versandhandel die Gebühren ganz oder teilweise über den Preis weitergibt und das Geschäft mit Kleinstsendungen damit zusammenbricht. Die Monatseinnahmen aus dem Pauschalzoll liegen in Deutschland laut Bundesfinanzministerium im unteren bis mittleren zweistelligen Millionenbereich. Eine Prognose für die Bearbeitungsgebühr fehlt noch. Beide Abgaben fließen laut heise online größtenteils als Eigenmittel, also als direkte Einnahmen, in den EU-Haushalt. Für den Bund ist daher keine größere Einnahmeflut zu erwarten. Die Generalzolldirektion nennt als Ziel, gestiegene Kosten für Kontrolle und Abwicklung zu decken.
Kontrolle: Jede Warenposition macht das Paket prüfbarer
Die EU-Kommission erhofft sich von der Pflicht, jede Warenposition auch oberhalb von 150 Euro auszuweisen, wirksamere Prüfungen durch Zoll und Marktüberwachungsbehörden, berichtet heise online. Zuletzt fand die Prüfung in der Paketflut laut heise online kaum noch statt. Warnt die EU in der Rapex-Datenbank wegen Mängeln vor einem Produkt, lässt es sich bereits bei der Zollanmeldung als nicht verkehrsfähig erkennen. Das Paket kann dann gezielt aus dem Warenstrom gefiltert oder der Versand von vornherein unterbunden werden. Eine vollautomatische Inhaltsprüfung der Pakete (Deep Packet Inspection) soll laut heise online nicht Teil der Neuerungen sein. Kontrolliert wird nur stichprobenhaft, ob die deklarierten Waren tatsächlich enthalten sind. Die Neuerungen sind nach Angaben von heise online ein kleiner Teil der IT-Neuaufstellung des europäischen Zollsystems.
Stichtag ist der 1. November 2026. Maßgeblich für die Gebühr ist laut Generalzolldirektion der Zeitpunkt der Einfuhr in die EU, daher können auch Bestellungen betroffen sein, die vor dem Inkrafttreten aufgegeben wurden. Anbieter mit Direktversand sollten ihre Warenkörbe jetzt nach Warenpositionen sortieren und die Preise im Checkout neu kalkulieren. Weitere Hinweise veröffentlicht die Generalzolldirektion auf zoll.de im Bereich Postsendungen/Internetbestellungen.




