ChatGPT kann künftig Geschäftsabläufe in Oracle Fusion anstoßen, statt sie nur zu erklären. Oracle hat dafür am 26. Oktober 2026 auf der Oracle AI World in Las Vegas Fusion Companion und Fusion Agentic Home vorgestellt. Die wichtigste Grenze: Laut heise online vom 30. Oktober 2026 sind Teile des Funktionsumfangs erst künftig nutzbar, einen konkreten Einführungsplan nennt Oracle nicht.
ChatGPT als Eingang: Was Fusion Companion und Agentic Home tun
Fusion Companion ist laut Oracle-Pressemitteilung vom 26. Oktober 2026 eine Zwischenschicht, die Geschäftsziele versteht und dafür Transaktionen, Workflows (festgelegte Arbeitsabläufe), Freigaben und KI-Agenten auswählt. Beschäftigte formulieren ihr Ziel in natürlicher Sprache. Die Software wählt daraus laut heise online die benötigten Abläufe und Agenten und koordiniert ihre Ausführung. Anwendende müssen nicht mehr wissen, welche Fusion-Anwendung oder welcher einzelne Agent für eine Aufgabe zuständig ist.
Es gibt zwei Zugänge. Der erste läuft über unterstützte KI-Anwendungen wie ChatGPT. Der zweite heißt Fusion Agentic Home und ist die native KI-Oberfläche innerhalb von Fusion. Dort definieren Nutzende Ziele, delegieren Arbeit an KI-Agenten und verfolgen den Fortschritt bis zum Abschluss. Agentic Home stützt sich dabei auf Companion.
Oracle nennt für Companion fünf Ziele: Arbeit vereinfachen, komplexe Abläufe beschleunigen, flexiblere Arbeitsweisen über KI-Werkzeuge schaffen, Tätigkeiten über Systemgrenzen hinweg verbinden und Sicherheit samt Rechenschaft wahren. Die Verbindung reicht laut Pressemitteilung bis zu anderen Cloud-Anwendungen, Datenplattformen, Schnittstellen und Agenten von Drittanbietern.
Der Mythos lautet, ChatGPT übernehme jetzt die Buchhaltung. Die Realität: ChatGPT liefert die Eingabe, die Arbeit läuft in Fusion. Fusion Companion berücksichtigt dafür laut heise online Geschäftsdaten, Benutzerberechtigungen und den Kontext der Fusion-Anwendungen. Laut Oracle kann es außerdem Informationen aus anderen Unternehmenssystemen einbeziehen und dort autorisierte Aktionen koordinieren. Bestehende Identitäts-, Berechtigungs- und Freigaberegeln sollen dabei erhalten bleiben.
Oracles Verteidigung lautet laut dem Futurum-Analysten Keith Kirkpatrick (Beitrag vom 27. Oktober 2026): Der Assistent kann nur über die Berechtigungen und das Datenmodell von Fusion handeln. Als unterstützte Oberfläche ist laut Futurum nur ChatGPT genannt. Daneben erwähnt Oracle Oberflächen, die Kundschaft oder Partner selbst bauen.
Chris Leone, Executive Vice President Applications Development bei Oracle, sagt in der Mitteilung, KI verändere, wo Unternehmensarbeit beginnt. Organisationen müssten aber die Kontrolle darüber behalten, wie diese Arbeit erledigt wird. Viele Beschäftigte starten den Arbeitstag laut Futurum in einem Assistenten wie ChatGPT statt in einer ERP-Oberfläche (Software für Finanzen, Personal und Lieferketten). Wie Chat-Assistenten Dienste wie Booking, Spotify oder Canva einbinden, zeigt unser Beitrag zum ChatGPT Apps SDK.
Fusion Claw: Wo Sprachmodelle planen und wo deterministisch gerechnet wird
Fusion Claw ist die Ausführungsumgebung, die Planung durch Sprachmodelle mit deterministischen Berechnungen kombiniert, wie heise online am 30. Oktober 2026 berichtet. Deterministisch heißt: Ein Verfahren liefert bei gleichen Eingaben immer dasselbe Ergebnis. Die Modelle entwickeln Pläne und bewerten Alternativen. Die deterministischen Verfahren übernehmen umfangreiche Rechenarbeit und führen definierte Schritte aus. Oracle hatte Claw bereits am 29. September angekündigt.
Als Einsatzfelder nennt Oracle laut heise Finanzanalysen, Personalplanung, Lieferkettenoptimierung und die fortlaufende Anpassung von Plänen an veränderte Bedingungen. Für die KI-Verarbeitung kommen unter anderem Modelle von OpenAI und Googles Gemini zum Einsatz.
Auf Claw bauen die Agentenanwendungen auf. Im September stellte Oracle laut heise 25 neue Claw-basierte Anwendungen innerhalb eines Portfolios von insgesamt 75 Agentenanwendungen vor. Futurum berichtet am 27. Oktober 2026, diese 25 Anwendungen seien nun verfügbar, verteilt auf ERP (Finanzen und Unternehmensplanung), HCM (Personal), SCM (Lieferkette und Fertigung) und CX (Kundenerlebnis). Genannte Beispiele sind Ledger für Abschlussreife und Buchungsausnahmen, Workforce Orchestration für Personalaufgaben und Procurement Spend für den Einkauf. Über Fusion Companion lassen sich diese Anwendungen laut Oracle auch aus ChatGPT heraus ansprechen.
Futurum hält die Auswahl der ersten Anwendungen für plausibel. Ledger, Payroll Activity Workspace und Procurement Spend betreffen interne Prozesse, deren Ergebnisse sich zählen lassen: Tage bis zum Abschluss, entdeckte Abweichungen, zurückgeholte Einkaufsausgaben außerhalb vereinbarter Wege. Kundennahe Szenarien eignen sich laut Analyst weniger für den Start.
Die Nachfrage stützt die Richtung. In Futurums 2H 2026 Enterprise Applications Decision Maker Survey mit 833 Befragten bevorzugen 42,7 Prozent der IT-Entscheidenden KI, die vor allem über autonome Agenten geliefert wird. 31,2 Prozent bevorzugen Copilots, also Assistenten, die Menschen bei der Arbeit begleiten. Die Umfrage zeigt eine Präferenz, keinen Betriebserfolg. Wie weit solche Systeme eigenständig entscheiden dürfen, behandelt unser Beitrag über Agentic AI im Unternehmen.
Wie viel darf der Agent allein? Freigaben und Outcome Receipt
Die Autonomie der Fusion-Agenten ist laut heise online einstellbar: Unternehmen legen fest, innerhalb welcher Berechtigungen, Risikogrenzen und Freigabevorgaben die Anwendungen handeln. Oracle beschreibt ein Spektrum von bestätigungspflichtigen Schritten bis zur autonomen Ausführung innerhalb ausdrücklich übertragener Befugnisse. Diese Grenzen gelten für Aufträge aus ChatGPT ebenso wie für solche aus Agentic Home.
Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2 pro 1k 16:9PromptTwo colleagues sit across from each other at a wooden desk in a bright open-plan office, reviewing a stack of blank printed sheets with a pen and a rubber stamp. A closed laptop, a coffee cup and a small green plant stand beside the papers. Photorealistic style image. Mood: attentive and businesslike. Avoid: watermark, signature, blurry, low quality, distorted, deformed.Ein sogenanntes Outcome Receipt soll die Ausführung nachvollziehbar machen. Das Protokoll erfasst laut Oracle unter anderem die zugrunde liegenden Befugnisse, verwendete Informationen, getroffene Entscheidungen und ausgeführte Transaktionen. Bei erforderlichen Freigaben oder Ausnahmen soll die Software die zuständigen Personen einbeziehen.
Für Geschäftsausnahmen, also Abweichungen vom normalen Ablauf, nennt Oracle in der Pressemitteilung Fusion Agentic Home. Es soll die Ursachen identifizieren, passende Korrekturen bestimmen und autorisierte Lösungen ausführen. Entscheidungen, die menschliches Urteilsvermögen erfordern, soll es eskalieren. Ausführung und Rechenschaftspflicht bleiben laut Oracle innerhalb von Oracle Fusion Applications.
Futurum nennt den Enterprise Operating Envelope (den Betriebsrahmen von Claw, den Kaufende laut Futurum konservativ setzen sollten) und das prüfbare Outcome Receipt als Antwort auf den Haupteinwand gegen autonome KI, nämlich die Rechenschaft. Das Werkzeugset AI Agent Studio for Fusion Applications ergänzt laut Futurum Beobachtbarkeit, Ertragsmessung und Sicherheitskontrollen für Agenten, die Kundschaft und Partner selbst bauen. Wie Enterprise-ERP-Agenten bei SAP, Oracle und NetSuite Abläufe übernehmen, beschreibt unser Beitrag über ERP-Agenten und Workflows.
Ein Protokoll verhindert keine Fehlbuchung. Es macht sie auffindbar. Setzen Sie die Grenzen deshalb eng, bevor Sie sie weiten.
Setup-Registry und Lexington Health: Was die 80 Prozent wert sind
Die Fusion Setup and Configuration Registry ist eine öffentliche Sammlung aus Skills (beschriebene Fähigkeiten für KI-Werkzeuge), Skripten und Referenzabläufen für die KI-gestützte Einführung von Fusion. Die Inhalte beschreiben laut heise online Konfigurationen, Abhängigkeiten und Prüfungen. KI-Werkzeuge sollen damit Einrichtungs- und Implementierungsaufgaben direkt in Fusion ausführen sowie die Ergebnisse testen und validieren.
Das Material steht unter der Universal Permissive License 1.0. Laut GitHub-Repository ist es ausdrücklich separat veröffentlichtes Beispiel- und Referenzmaterial. Es ist kein Produktmerkmal von Fusion Cloud und nicht vom regulären Produktsupport abgedeckt. Nutzende brauchen eine eigene Umgebung mit eigenen Zugangsdaten und müssen erzeugte Pläne und Änderungen prüfen, bevor sie diese ausführen. Voraussetzung ist Fusion Applications Release 26D mit dem Wartungspaket vom 16. Oktober 2026 oder neuer.
Für die Skripte empfiehlt das Repository Python 3.11 oder neuer. Getestet wurde laut Repository mit dem Modell GPT 5.6 Terra Medium, und die Leistung variiert je nach Modell. Die Skills laufen in vier Ausführungsmodi:
- advisory: liefert Hinweise, die Umsetzende offline ausführen.
- assisted: erzeugt Artefakte oder Empfehlungen, die menschliche Prüfung brauchen.
- automated: führt freigegebene Aktionen direkt über Schnittstellen, Ladeprogramme oder Jobs aus.
- hybrid: kombiniert automatische Vorbereitung mit menschlicher Freigabe.
Eine über AI Success Navigator angebotene Plattform ergänzt dies laut heise online um Agenten für Analyse, Entwurf, Konfiguration und Tests. Als frühen Referenzfall nennt Oracle Lexington Health. Dort sei der Aufwand für bestimmte Entwurfs- und Konfigurationsarbeiten um 80 Prozent gesunken. Die Zahl bezieht sich auf diese Teilarbeiten während der Einführung. Tests und Produktivstart standen laut dem zitierten Anwenderbericht noch aus, und eine Messmethodik nennt Oracle nicht.
Die harte Wahrheit: Eine Zahl ohne Methode ist ein Versprechen. Planen Sie Ihr Projekt nicht damit.
Preis, Wahlfreiheit und offene Termine: Was Oracle nicht beantwortet
Oracle rechnet Fusion AI über sogenannte AI Units ab. Der rechnerische Listenpreis beträgt laut heise online einen US-Cent pro AI Unit. Kundschaft mit Mietsoftware (SaaS, Software as a Service) erhält ein monatliches Kontingent und kann zusätzliche Einheiten erwerben. Der Verbrauch hängt unter anderem vom eingesetzten Modell ab.
Wie Oracle Ergebnisse bepreisen will, hat das Unternehmen laut Futurum nicht gesagt. Die Pressemitteilung nennt dort weder Preise noch Kundennamen. In Futurums Umfrage unter Kaufenden, die generative KI als Zusatz bezahlen (645 Befragte), bevorzugen 21,1 Prozent ergebnisbasierte Preise. Nur 11,2 Prozent sagen, ihr bevorzugter Anbieter biete sie an. Als größte Hürde beim Kauf nennen 24,1 Prozent den Preis.
Auch die Verfügbarkeit bleibt unscharf. Während Oracle die 25 Claw-basierten Anwendungen als verfügbar bezeichnet, seien laut Ankündigung zu Companion und Agentic Home Teile des Funktionsumfangs erst künftig nutzbar. Eine Übersicht der bereits freigeschalteten Funktionen gibt es laut heise nicht. Fusion Companion überschneidet sich zudem teilweise mit dem Oracle AI Workspace, der neben Fusion auch die Oracle-Software NetSuite, Datenbanken und Cloud-Dienste über ChatGPT erschließen soll. Wie beide zusammenarbeiten, geht aus der Ankündigung nicht hervor.
Futurum sieht in der Öffnung gegenüber ChatGPT ein Risiko. Wer die Oberfläche besitzt, prägt laut Analyse, was Nutzende sehen, welche Agenten aufgerufen werden und später auch, wie abgerechnet wird. Erledigt eine Finanzleitung Abschlussausnahmen über ChatGPT, öffnet sie Fusion womöglich nie, und die Verlängerung wird anhand der Lizenzzahlen schwerer zu gewinnen. Dazu passt: 7,9 Prozent der Organisationen, die Anwendungen konsolidieren, ersetzen sie laut Futurum bereits durch KI-native oder per Zuruf an KI-Werkzeuge programmierte Apps.
Für Kundschaft empfiehlt Futurum vier Schritte:
- Mit einer Finanz- oder Beschaffungsanwendung beginnen, deren Ausgangswert bereits gemessen ist.
- Den Operating Envelope konservativ setzen.
- Sicherheitsteams prüfen lassen, wie Companion Berechtigungen innerhalb von ChatGPT durchsetzt.
- KI-Preise vor der nächsten Vertragsverlängerung verhandeln, nicht währenddessen.
Der nächste Schritt liegt bei Ihrem Vertragsstand: Fragen Sie Oracle oder Ihren Partner schriftlich nach dem Einführungsplan für Companion und Agentic Home, nach der Liste der freigeschalteten Funktionen und nach dem AI-Unit-Verbrauch je Modell, bevor Sie ein Pilotbudget freigeben. Offen ist außerdem, ob Oracle neben ChatGPT weitere Assistenten unterstützt; Futurum nennt Microsoft Copilot, Gemini und Claude als Prüfstein. Ob sich Oracles Ausgabenmomentum bessert, will Futurum in seiner Erhebung vom Januar 2027 prüfen, der ersten Auswertung der Pläne für das Gesamtjahr 2027 (laut Futurum-Analyse vom 27. Oktober 2026).




