Das Entwicklerteam von Artix Linux hat am 4. November 2026 die ISO-Version 2026.11 der systemd-freien Arch-Ableitung veröffentlicht, und die Plasma-Edition läuft darin vollständig unter Wayland, dem modernen Anzeigeprotokoll für Linux-Desktops. Die Bedingung nennen die Release-Notes auf artixlinux.org: Nur Plasma bringt volle Wayland-Unterstützung mit, bei den übrigen Editionen funktioniert eine angebotene Wayland-Sitzung wahrscheinlich schlecht oder gar nicht. Bestehende Installationen brauchen kein neues Abbild, ein Paket-Update genügt, wie 9to5Linux berichtet.
Artix 2026.11 liefert Kernel 7.2 und Plasma 6.8
Artix 2026.11 ist laut den Projekt-News vom 4. November die dritte offizielle ISO-Veröffentlichung des Jahres 2026. Die Distribution baut auf Arch Linux auf und verzichtet auf systemd, den Init- und Dienstemanager der meisten Distributionen. Wie weit dieser Abstand trägt, zeigte die Meldung vom 29. März 2024 zur Hintertür in xz, einem Kompressionsprogramm, dessen Versionen 5.6.0 und 5.6.1 manipuliert waren. Der Angriff setzte laut Projekt den Betrieb von OpenSSH unter systemd voraus, weshalb laufende Systeme nicht betroffen sein sollten. Das Team riet dennoch zum sofortigen Update.
Laut 9to5Linux basiert das Release auf dem Kernel 7.2.14 aus der Serie 7.2. Die Plasma-Edition bringt Plasma 6.8, KDE Frameworks 6.31 und KDE Gear 26.08.2 mit. Frameworks nennt KDE die Bibliothekssammlung unter Plasma, Gear bündelt die Anwendungen. Wie Upstream diese Bibliotheksschicht pflegt, beschreibt unser Beitrag über die Aufräumarbeiten in KDE Frameworks 6.29.
9to5Linux schreibt, 2026.11 komme sechs Monate nach 2026.04. Die Projekt-News führen dazwischen aber 2026.08 vom 14. August auf. Für die Zählung gilt deshalb die Liste des Projekts.
Die ISO-Abbilder sind Live-Images für 64-Bit-Rechner und liegen mit den genannten Desktops und Init-Systemen auf der Artix-Webseite bereit. Sie dienen laut 9to5Linux Neuinstallationen. Bestehende Systeme folgen dem Rolling-Release-Modell, also laufenden Updates statt Versionssprüngen. Ein klassischer Release-Zyklus existiert deshalb nur für die Installationsmedien. Backup zuerst. Danach genügt im Terminal ein Befehl:
sudo pacman -Syu
Alternativ nutzen Sie eine grafische Paketverwaltung wie Plasma Discover.
Tipp: Lesen Sie vor dem Update die Artix-News, denn laut Meldung vom 6. Februar 2026 musste elogind 255.22-1, die systemd-freie Sitzungsverwaltung, aus dem Repository [system] zurückgezogen werden, weil es User Services unter OpenRC brach.
Solche Eingriffe sind keine Ausnahme. Für OpenRC 0.62.2, ein klassisches Init-System, verlangte das Team laut Meldung vom 6. Mai 2025, die Dienste local, localmount und netmount dem Runlevel default hinzuzufügen.
Zurückrollen lässt sich elogind laut der Meldung vom 6. Februar 2026 auf zwei Wegen: aus dem lokalen Paketcache unter /var/cache/pacman/pkg oder aus dem Paketarchiv des Projekts. Als Zielversion nennt das Team elogind-255.17-2. Das Archiv ging im Juni 2020 in Betrieb und dient laut Projekt dem Downgrade auf frühere Paketversionen.
Seit dem 9. Juni 2021 liefern neue wöchentliche ISO-Abbilder die Arch-Repositories [extra], [community] und [multilib] nicht mehr aktiviert aus. Bestehende Setups blieben laut Projekt unberührt. Wer zusätzliche Arch-Pakete braucht, installiert artix-archlinux-support.
Bei grafischen Paketverwaltungen mit AUR-Anbindung ist das Projekt vorsichtig. Pamac und Octopi verschwanden am 22. Oktober 2021 aus den Repositories, weil AUR-Helfer bei Nutzenden Systeme beschädigt hatten. Am 25. Oktober 2021 kehrten beide in das nicht offiziell unterstützte Repository [universe] zurück, mit ausdrücklichem Warnhinweis und der Mahnung zum Backup.
Wayland läuft nur in der Plasma-Edition vollständig
In Artix 2026.11 bietet ausschließlich die Plasma-Edition volle Wayland-Unterstützung, wie die Release-Notes vom 4. November festhalten. Dass nur Plasma Wayland vollständig beherrscht, stand schon in den Notes zu 2026.08 vom 14. August. Neu ist der Umstieg der Plasma- und der Community-Qt-Edition samt angepasster Konfiguration. Mit 2026.04 konnten Plasma-Nutzende noch wahlweise Wayland oder XLibre verwenden.
Andere Oberflächen befinden sich laut den Notes in unterschiedlichen Stadien der Wayland-Umsetzung und sind für den Alltag noch nicht bereit. Erscheint im Login-Manager trotzdem eine Wayland-Sitzung, funktioniert sie voraussichtlich schlecht oder gar nicht. Wer XFCE oder eine andere Oberfläche nutzt, bleibt deshalb bei der bisherigen Sitzung. Die klare Ansage halte ich für pragmatisch und sauberer als eine Sitzungsauswahl, die ihre Fehler erst nach dem Login zeigt.
Das betrifft ausschließlich Rechner mit grafischer Oberfläche. Auf einem Server ohne Desktop ändert die Umstellung nichts, dort zählt eher das Init-System. Welche Distribution zu Server und Self-Hosting passt, vergleicht unser Beitrag zu Linux-Distributionen 2026.
Wo systemd-freie Desktops an Grenzen stoßen, zeigt GNOME. Am 26. September 2025 strich Artix die Unterstützung für GNOME-Desktops, weil GNOME 49 den Fallback-Code für Systeme ohne systemd aus gnome-session entfernt hatte. Laut Meldung lassen sich gnome-shell und mutter ohne systemd deshalb nicht mehr starten. Für einen eigenen Codepfad fehlen dem Team Zeit und Interesse. Einzelne GNOME-Anwendungen bleiben im Angebot.
Auch Plasma verlangte Handarbeit. Der Absturzmelder DrKonqi aus Plasma 6.4 braucht systemd, daher sollten Nutzende laut Meldung vom 22. Juni 2025 das Paket drkonqi entfernen. Der Befehl dazu lautet pacman -R drkonqi. Wie systemd selbst sich weiterentwickelt, steht im Beitrag über systemd und Rust in neuen Programmen.
User Services: OpenRC und dinit vollständig, runit und s6 per Handarbeit
User Services sind Dienste, die unter dem eigenen Benutzerkonto statt systemweit laufen, und Artix 2026.11 setzt sie laut Release-Notes für OpenRC und dinit vollständig um. Das Team beschreibt die Funktion als gereift.
Dieses Bild wurde mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2_5 flare high 1k 16:9PromptFlat vector illustration, front view, of four rounded cards arranged in a two by two grid on a dark navy background. The top two cards look like terminal windows labeled "OpenRC" and "dinit", each with a green check mark and a few abstract lines of command text. The bottom two cards are labeled "runit" and "s6", each with a small wrench icon and a dotted outline suggesting manual setup. Thin connecting lines link all cards to a small central user icon without a face. Limited palette of teal, mint green, orange and white, clean geometric shapes, no gradients, no numbers. No watermark, no signature.Die Tabelle zeigt, wie die Distribution die vier Init-Systeme bei User Services behandelt.
| Init-System | User Services | Einrichtung |
|---|---|---|
| OpenRC | vollständig umgesetzt | durch das Projekt |
| dinit | vollständig umgesetzt | durch das Projekt |
| runit | möglich über userspawn | Aufgabe der Nutzenden |
| s6 | möglich über userspawn | Aufgabe der Nutzenden |
Bei s6 hat sich zusätzlich die Bedienung geändert. Am 14. Mai 2026 kündigte Artix den Wechsel auf das neue s6-frontend von Upstream an. Zuvor kamen eigene Skripte und Wrapper zum Einsatz. Das Frontend macht die Distribution laut Team unabhängiger vom Init-System und rückt sie näher an Upstream. Statt leere Dateien in ein Verzeichnis zu legen, aktivieren Sie Dienste nun mit einem Befehl:
s6 set enable foo
Die neuen Pakete lagen damals im Testing-Repository gremlins und sollten wenige Tage später in den stabilen Zweig wandern. Für selbst geschriebene Init-Skripte existiert seit dem 28. April 2026 das Repository AURIS. Eingereichte Skripte werden nach Freigabe durch eine Moderation automatisch paketiert und landen in [auris].
Die Auswahl an Init-Systemen hat das Projekt in der Vergangenheit auch verkleinert. Am 8. Juni 2022 beendete es den Support für 66, intern suite66 genannt, weil der bisherige Maintainer aufgehört hatte und viele Funktionen anderer Init-Systeme überlappten. Als Ersatz empfiehlt das Team s6. dinit wurde dagegen am 8. November 2021 offiziell unterstützt und rückte aus dem Testing in den Bereich der wöchentlichen Downloads.
XLibre kam und ging: Der X-Server-Wechsel in drei Releases
Artix tauschte den Standard-X-Server 2026 zweimal: Mit 2026.04 wurde XLibre Standard, mit 2026.08 kehrte Xorg zurück. Der X-Server ist die Grafikschicht klassischer X11-Sitzungen, XLibre eine Alternative zu Xorg.
Die Tabelle stellt die drei offiziellen ISO-Veröffentlichungen des Jahres nebeneinander.
| Release | Datum | Neuerung |
|---|---|---|
| 2026.04 | 3. April | XLibre Standard, PipeWire statt PulseAudio, User Services für OpenRC und dinit |
| 2026.08 | 14. August | Xorg wieder Standard, XLibre weiter installierbar |
| 2026.11 | 4. November | Plasma unter Wayland |
Den Rückwechsel begründet das Team mit der ungewöhnlich hohen Zahl an XLibre-bezogenen Fehlerberichten im Forum. Beschlossen wurde er kurz nach 2026.04 und zuerst in den wöchentlichen Abbildern umgesetzt. Laut Meldung vom 27. August 2026 folgten Anfeindungen aus dem XLibre-Umfeld. Der langjährige Entwickler Artist, der XLibre auf Artix möglich gemacht hatte, wurde angegriffen und belästigt und trat zurück. Das Projekt paketiert XLibre seither nicht mehr, bestehende Installationen erhalten bald die passenden Xorg-Pakete.
Wer bei XLibre bleiben will, trägt dessen Drittanbieter-Repositories in /etc/pacman.conf oberhalb von [world] ein. Das Team weist darauf hin, dass dieser Weg ohne Support bleibt. Rechnen Sie dann mit eigener Wartung.
Gaming-Editionen bleiben in der Beta, ein Termin fehlt
Die Plasma-Gaming- und die Xfce-Gaming-Edition von Artix sind weiterhin Beta, wie die Release-Notes vom 4. November festhalten. Sie bleiben zum weiteren Testen im Bereich der wöchentlichen Downloads. Dort liegen Abbilder, die nach früheren Projektmeldungen erst nach ausgiebigen Tests zu offiziellen Installationsmedien werden, so geschehen am 15. Februar 2023 und am 20. August 2024. Für Rechner, auf denen Sie arbeiten, gilt: Beta bleibt Beta.
Offen bleiben zwei Punkte: Das Team nennt weder einen Termin für das Ende der Gaming-Beta noch einen Zeitplan für Wayland in den übrigen Editionen. Rückmeldungen zu 2026.11 nimmt es im Forum-Thread zur Ankündigung entgegen, dort lassen sich auch Fehler der neuen Plasma-Wayland-Sitzung melden.





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