Das Wachstum von Amazon im dritten Quartal 2026 kam fast allein aus dem Cloud-Geschäft: Der Konzernumsatz stieg um 12 Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar, der Online-Handel legte nur um 2 Prozent auf 68,5 Milliarden Dollar zu. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist eingeschränkt, weil Amazon den Prime Day in den meisten großen Ländern ins zweite Quartal vorgezogen hat. Die Zahlen stammen aus der Quartalsmeldung vom 29. Oktober 2026, nachzulesen in der Auswertung von heise online und im Quartalsbericht von CNBC.
Quartalszahlen: Nur die Cloud schlägt die Erwartungen
Amazon hat im dritten Quartal 2026 nur mit seiner Cloud-Sparte die Erwartungen übertroffen, während Gesamtumsatz, Online-Handel und Werbung darunter blieben. Die Sparte AWS (Amazon Web Services, die Cloud-Dienste des Konzerns) erlöste laut CNBC 45,98 Milliarden Dollar, erwartet waren 45,29 Milliarden Dollar. Das Wachstum von 39 Prozent zum Vorjahr lag über den 38 Prozent, die der Datendienst StreetAccount ermittelt hatte. Der Konzernumsatz von 201,94 Milliarden Dollar verfehlte die Schätzung des Datenanbieters LSEG von 202,31 Milliarden Dollar knapp.
Beim Gewinn je Aktie meldete Amazon laut CNBC 1,89 Dollar, erwartet waren 1,96 Dollar. Im Vorjahresquartal hatte der Gewinn je Aktie laut CNBC bei 1,95 Dollar gelegen. Der Nettogewinn sank von 21,19 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf 20,69 Milliarden Dollar. Amazon führt den Rückgang auf einen Vorsteuergewinn von 9,5 Milliarden Dollar aus der Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic zurück, der im dritten Quartal 2025 verbucht wurde. Der Betriebsgewinn stieg konzernweit dennoch um 61,5 Prozent auf 28,1 Milliarden Dollar, berichtet heise online.
Die Tabelle stellt die gemeldeten Werte den Schätzungen gegenüber, die CNBC nennt.
| Kennzahl | Ist | Schätzung | Schätzung von |
|---|---|---|---|
| AWS-Umsatz | 45,98 Mrd. Dollar | 45,29 Mrd. Dollar | StreetAccount |
| Online-Handel | 68,47 Mrd. Dollar | 69,68 Mrd. Dollar | StreetAccount |
| Werbung | 19,64 Mrd. Dollar | 20,82 Mrd. Dollar | StreetAccount |
| Konzernumsatz | 201,94 Mrd. Dollar | 202,31 Mrd. Dollar | LSEG |
| Investitionen im Quartal | 77,3 Mrd. Dollar | 58,7 Mrd. Dollar | FactSet |
Eine Cloud mit 39 Prozent Wachstum und ein Online-Handel mit 2 Prozent Wachstum teilen sich einen Konzern, etwa wie ein Rennwagen und ein Lieferfahrrad einen Fuhrpark. Die Gewinnverteilung zeigt dasselbe Muster: AWS steigerte seinen Betriebsgewinn laut heise online um 56 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar. Das Handelsgeschäft in Nordamerika kam im selben Quartal auf 8,7 Milliarden Dollar Betriebsgewinn.
Handel: Wachstum von 2 Prozent und ein verschobener Prime Day
Das Wachstum im Online-Handel von Amazon sank im dritten Quartal 2026 auf 2 Prozent, nach knapp 10 Prozent im Vorjahresquartal. Die Online-Umsätze erreichten laut CNBC 68,47 Milliarden Dollar, Marktbeobachtende hatten 69,68 Milliarden Dollar erwartet. Amazon hat den Prime Day (die jährliche Rabattaktion für Abonnierende von Amazon Prime) in mehreren Ländern aus dem dritten ins zweite Quartal vorgezogen, um nicht mit der Fußball-Weltmeisterschaft im Juli zu kollidieren. Laut CNBC belastete das Handel und Werbung zumindest teilweise. Heise online nennt dieselbe Verschiebung als Grund für die schwächeren Wachstumsraten.
Nach Angaben von heise online wuchs der Umsatz in Nordamerika um 6 Prozent und im internationalen Geschäft um 5 Prozent. Das Konzernwachstum von 12 Prozent führt heise online deshalb auf AWS zurück. Handelsunternehmen, die auf Amazon verkaufen, sollten das zweite und das dritte Quartal darum gemeinsam lesen. Das zweite Quartal trug den Prime Day, das dritte musste ohne ihn auskommen, und ein noch so glatter Checkout gleicht das nicht aus.
Der Werbeumsatz stieg um 11 Prozent auf 19,64 Milliarden Dollar, blieb aber hinter den 20,82 Milliarden Dollar zurück, die StreetAccount erwartet hatte. Wer auf Amazon Werbung schaltet, kann aus diesen Zahlen weder eine Conversion (den Anteil der Besuchenden, die tatsächlich kaufen) noch einen Klickpreis ablesen. Sie zeigen nur den Gesamtumsatz der Werbesparte. Zur Werbetechnik des Konzerns hat das Magazin bereits berichtet:
Die Gewinnseite sieht freundlicher aus als die Umsatzseite. Der Betriebsgewinn des Handelsgeschäfts in Nordamerika stieg laut heise online um 81 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar, bei einem Umsatzplus von nur 6 Prozent. Die Marge wuchs damit deutlich schneller als der Umsatz. International legte der Betriebsgewinn um 33 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar zu. Das Problem dabei: Aus den Konzernzahlen geht nicht hervor, woher die höhere Marge stammt.
Für den deutschen Markt gelten diese Zahlen nur eingeschränkt, denn die vorliegenden Berichte nennen keine Werte für Deutschland. Wie stark Amazon hierzulande den Onlinehandel prägt, beschreibt der Beitrag über Amazons Anteil am deutschen Onlinehandel laut IFH KÖLN. Die Q1-Zahlen von Amazon hat das Magazin gesondert behandelt.
Investitionen: 77,3 Milliarden Dollar in einem Quartal
Amazon hat im dritten Quartal 2026 laut CNBC 77,3 Milliarden Dollar investiert, nach 35,1 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Die Schätzung des Datendienstes FactSet lag bei 58,7 Milliarden Dollar, Amazon übertraf sie also deutlich. Gemeint sind Capex, also Ausgaben für Sachanlagen wie Immobilien und Ausrüstung, die Amazon mit Investitionen in KI begründet. Für das Gesamtjahr 2026 hält Amazon an einem Rahmen von 220 Milliarden Dollar fest.
Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2 pro 1k 16:9PromptA large windowless data center building under construction at dusk, with a tall crane, steel framework and stacked concrete cable ducts in the foreground. Excavators and a few workers in helmets stand on the churned ground beside the half-finished walls. Photorealistic style image. Mood: Heavy, ambitious, tense. Avoid: watermark, signature, blurry, low quality, distorted, deformed.Heise online beziffert den Zuwachs bei den Sachanlagen in den letzten zwölf Monaten auf 94,8 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr. Treiber ist die steigende Nachfrage nach KI-Kapazitäten, die das Wachstum von AWS stützt. Amazon-Chef Andy Jassy kündigte laut CNBC in der Telefonkonferenz mit Anlegenden an, 2027 deutlich mehr auszugeben. Zugleich sieht er nach eigenen Worten eine klare Sicht auf attraktive finanzielle Erträge.
Die Konkurrenz fährt unterschiedliche Linien. Microsoft senkte seine Investitionsprognose für das Jahr laut CNBC von 175 auf 170 Milliarden Dollar, Alphabet beließ seinen Rahmen bei 195 bis 205 Milliarden Dollar. CNBC sieht erste Anzeichen, dass der Ausgabenschub der Hyperscaler (Betreiber sehr großer Cloud-Rechenzentren) nachlässt. Amazon hält den Rahmen von 220 Milliarden Dollar, kündigt aber für 2027 höhere Ausgaben an.
| Konzern | Rahmen 2026 | Stand |
|---|---|---|
| Amazon | 220 Mrd. Dollar | bestätigt |
| Microsoft | 170 Mrd. Dollar | gesenkt von 175 Mrd. Dollar |
| Alphabet | 195 bis 205 Mrd. Dollar | bestätigt |
Ein Handelsgeschäft mit 2 Prozent Wachstum kann eine solche Rechnung nicht tragen, die Cloud muss das Wachstum allein liefern.
Cashflow: Minus 42,4 Milliarden Dollar und eine Aktie im Minus
Der freie Cashflow von Amazon fiel für die letzten zwölf Monate auf minus 42,4 Milliarden Dollar, nach minus 7,6 Milliarden Dollar im Vorquartal. Freier Cashflow bezeichnet das Geld, das nach den Investitionen aus dem laufenden Geschäft übrig bleibt. Laut CNBC ist das ein Umschwung von 386 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das zweite Quartal in Folge mit negativem freiem Cashflow. Amazon nennt als Hauptgrund höhere Käufe von Sachanlagen für KI.
Die Börse reagierte deutlich. Der Aktienkurs gab im nachbörslichen Handel an der Wall Street laut heise online um rund 8 Prozent nach, CNBC nennt mehr als 6 Prozent. Beide Angaben beziehen sich auf den Handel nach Börsenschluss am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026. CNBC nennt als Gründe die enttäuschenden Quartalszahlen und den stark negativen freien Cashflow. Auch heise online beschreibt die Sorge der Anlegenden als Folge des negativen freien Cashflows.
Laut CNBC steht Amazon unter dem Druck der Wall Street, den Effekt der KI-Investitionen auf den Umsatz zu belegen. Jassy sagte, die Investitionen von AWS in Funktionen und Infrastruktur zahlten sich aus. Als Beleg nennt Amazon wachsende Nachfrage nach Bedrock, dem Marktplatz für KI-Modelle, und nach den eigenen Chips Trainium und Graviton. Das Wachstum des Chipgeschäfts liege laut Jassy im dreistelligen Prozentbereich pro Jahr. Trainium will Amazon Ende 2027 auch extern anbieten.
Wie sich der Ausbau der KI-Infrastruktur auf IT-Budgets auswirkt, hat das Magazin im Beitrag über den KI-Infrastrukturboom und seine Folgen für Budgets beschrieben.
Ausblick: Was die Prognose für das Weihnachtsgeschäft und 2027 verspricht
Für das vierte Quartal 2026 erwartet Amazon einen Umsatz von 240 bis 247 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 12 bis 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so heise online. Die Börse hatte laut CNBC mit 244,5 Milliarden Dollar gerechnet, die Mitte der Spanne liegt darunter. Das vierte Quartal gehört wegen des Weihnachtsgeschäfts typischerweise zu den umsatzstärksten des Jahres. Den Betriebsgewinn peilt Amazon laut heise online bei 28,5 bis 33,5 Milliarden Dollar an, nach 25 Milliarden Dollar im Vorjahr. Im dritten Quartal lag er bei 28,1 Milliarden Dollar.
Für AWS stellt Jassy ein Wachstum von mehr als 40 Prozent in Aussicht, allerdings erst für 2027 und 2028. Heise online zitiert ihn mit den Worten: „Es hat noch nie ein Unternehmen mit einem Umsatz von einer Billion Dollar gegeben – und in den nächsten 5 bis 10 Jahren könnten wir gleich zwei davon haben.“ Eine Billion sind tausend Milliarden. Zwischen dem Cashflow von minus 42,4 Milliarden Dollar und dieser Perspektive liegen nach Jassys eigener Zeitangabe mehrere Jahre.
Für die Planung bleiben drei Größen. Erstens das Umsatzziel von 240 bis 247 Milliarden Dollar, dessen Aufteilung auf Handel und Cloud die vorliegenden Berichte nicht nennen. Zweitens das Wachstum des Online-Handels nach dem Prime-Day-Effekt, zuletzt 2 Prozent. Drittens der Investitionsrahmen für 2027, den Jassy mit deutlich mehr als im laufenden Jahr umschreibt.
Klartext für Handelsunternehmen: Die Konzernzahlen sagen wenig über Ihre Conversion auf Amazon, aber viel darüber, wohin das Geld des Konzerns fließt. Offen ist, welchen Anteil der Handel an den erwarteten 12 bis 16 Prozent im vierten Quartal hat; prüfbar wird das erst mit dem Bericht zum vierten Quartal.




