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CUII: Welche Seiten in Deutschland gesperrt sind und wie die Netzsperren funktionieren

Die CUII koordiniert seit 2021 Netzsperren gegen urheberrechtsverletzende Webseiten, an denen Provider und Rechteinhaber beteiligt sind. Seit Juli 2025 setzt sie neue Sperren nur noch nach Gerichtsurteil um; Stand November 2026 listet sie zwölf Anordnungen.

Laptop mit Fehlerseite „Seite gesperrt“ und Router vor hellgrauem Hintergrund als Sinnbild für die Netzsperren der CUIIDieses Bild wurde mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2_5 flare high 1k 16:9PromptClean studio product shot of a modern silver laptop, open and facing the camera at a slight angle, on a seamless light grey backdrop. The screen shows a minimalist browser window with a red padlock icon and the words "Seite gesperrt" in bold sans-serif type, with a plain empty address bar. Beside the laptop stands a small matte white wireless router with softly glowing blue status lights. Soft diffused key light from the upper left, gentle floor reflection, subtle shadows, cool blue and neutral white palette with a single red accent on the padlock. Sharp focus, high detail, centered composition with generous empty space around the objects, no people. No watermark, no signature.
Seit Juli 2025 entscheiden Gerichte über neue Sperren; die CUII stellt danach eine gleichlautende Empfehlung aus. Stand November 2026 führt die Liste zwölf gerichtliche Sperranordnungen.

Stand November 2026 führt die CUII zwölf gerichtliche Sperranordnungen, die jüngste vom 19. Oktober 2026 betrifft Moflix Stream. Neue Sperren setzt die Clearingstelle nur noch mit Gerichtsurteil um, laut ihrer Selbstdarstellung auf cuii.info. Die älteren Sperren aus der Zeit bis Juni 2025 hat sie laut Wikipedia nicht aufgelöst.

CUII: Provider und Rechteinhaber am selben Tisch

Die Clearingstelle Urheberrecht im Internet, kurz CUII, ist ein Zusammenschluss von Internetanbietern und Rechteinhabern. Sie koordiniert Sperren gegen urheberrechtsverletzende Webseiten. Gegründet wurde die CUII laut Wikipedia am 18. Januar 2021 in Berlin. Öffentlich vorgestellt wurde sie am 11. März 2021, schreibt Wikipedia. Die Geschäftsstelle gehört zum Verein Selbstregulierung Informationswirtschaft e. V.

Sperren sollen laut Pressemitteilung des Bundesverbands Musikindustrie vom 11. März 2021 nur strukturell urheberrechtsverletzende Webseiten treffen. Das sind Angebote, deren Geschäftsmodell auf massenhafte Urheberrechtsverletzungen ausgerichtet ist. Sie machen laut Mitteilung Kinofilme oder Musikstücke planmäßig und ohne Berechtigung vielen Nutzern zugänglich. Dabei erzielen sie regelmäßig hohe Werbeerlöse. Gesperrt werden sollen ausdrücklich nur klare Fälle.

Auf Seiten der Rechteinhaber wirken laut Wikipedia unter anderem die DFL, die GEMA, die Motion Picture Association und Sky Deutschland in der CUII mit. Die Sperren setzen 1&1, Deutsche Glasfaser, Freenet DLS, Telefónica Germany, Telekom Deutschland und Vodafone Deutschland um. Wer eine Sperre beantragt und wer sie umsetzt, sitzt also am selben Tisch. Man nennt das Selbstregulierung.

Seit Juli 2025 entscheiden Gerichte

Die CUII hat im Juli 2025 die Praxis beendet, Webseiten ohne Gerichtsbeschluss zu sperren, schreibt Wikipedia. Zuvor galt der alte Verhaltenskodex. Er sah laut Bundesverband Musikindustrie einen dreiköpfigen Prüfausschuss vor, geleitet von einem pensionierten Richter des Bundesgerichtshofs. Eine Sperrempfehlung brauchte Einstimmigkeit.

Danach prüfte die Bundesnetzagentur, ob die Sperre zur Netzneutralität passt. Netzneutralität heißt laut Bundesnetzagentur: Alle Daten im Netz werden gleichbehandelt, Inhalte dürfen grundsätzlich nicht gesperrt werden. Erst ohne Bedenken richteten die Anbieter die Sperre ein, so die Pressemitteilung der Bundesnetzagentur vom 11. März 2021.

Wikipedia gibt eine Mitteilung der CUII vom Juli 2025 so wieder: Die Bundesnetzagentur wolle sich künftig auf ihre Pflichtaufgaben fokussieren. Deshalb habe sie darum gebeten, die Prüfung mutmaßlich urheberrechtsverletzender Seiten gerichtlich vornehmen zu lassen.

Der heutige Ablauf ist kurz. Ein Gericht ordnet die Sperre bei einem Anbieter an, laut Wikipedia. Die CUII stellt danach eine gleichlautende Empfehlung aus. Sie soll die Sperre bei allen anderen Anbietern auslösen, ohne weitere Verfahren. Laut cuii.info meldet der Rechteinhaber das Urteil der Geschäftsstelle. Dann setzen die Netzzugangsanbieter die DNS-Sperre um. Auch außerhalb des Urheberrechts landen Sperrfragen vor Gericht, wie unser Beitrag zum Pornhub-Urteil zeigt.

Zwölf Urteile in der CUII-Liste

Die CUII-Liste verzeichnet Stand November 2026 zwölf gerichtliche Sperranordnungen, die erste vom 21. August 2025, die jüngste vom 19. Oktober 2026. Das zeigt die Anordnungsseite auf cuii.info. Steht eine Seite dort, haben die Anbieter laut CUII eine DNS-Sperre eingerichtet.

CUII-Liste mit gerichtlichen Sperranordnungen gegen Webseiten in DeutschlandDieses Bild wurde mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2_5 flare high 1k 16:9PromptIsometric 3D illustration of a stylized list of website access restrictions. A large floating panel holds a stack of identical horizontal rows, each with a small browser window icon on the left, a red circle-with-slash symbol in the middle and a small document icon marked "PDF" on the right. A wooden gavel rests on a round base beside the panel, and a small rubber stamp tool hovers above one row. Thin glowing lines connect the rows to a simple server cube labeled "CUII". Clean pastel navy, white and soft red color palette, smooth soft shadows, light gradient background, tidy minimal composition viewed from above at an angle, only objects and icons, nothing else. No watermark, no signature.
Zu jedem der zwölf Urteile veröffentlicht die CUII eine Stellungnahme als PDF. Die Liste erfasst die Seiten mit dem Aktenzeichen der gerichtlichen Entscheidung.

Die folgende Tabelle zeigt die gerichtlichen Sperranordnungen mit dem Datum des Urteils.

SeiteArtDatum
Moflix StreamGerichtsurteil19. Oktober 2026
FilmoGerichtsurteil12. Oktober 2026
ROMSNSGerichtsurteil30. Juli 2026
STREAMEDGerichtsurteil23. Juli 2026
KinoGOGerichtsurteil3. Juli 2026
LIVETV.SXGerichtsurteil22. April 2026
SPORTPLUSGerichtsurteil9. Februar 2026
NSWPEDIAGerichtsurteil27. Januar 2026
KINOGERGerichtsurteil25. November 2025
iBooksGerichtsurteil15. September 2025
Annas ArchiveGerichtsurteil3. September 2025
RPG ONLYGerichtsurteil21. August 2025

Zu den sieben jüngsten Einträgen nennt die Liste nur Namen und Urteilsdatum. Das ist dünn. Mehr verrät Wikipedia zu den fünf älteren Seiten. NSWPEDIA und RPG ONLY boten laut Wikipedia Downloads von Spielen, hauptsächlich für Konsolen. KINOGER lieferte Streaminglinks für diverse Filme. Annas Archive führt Wikipedia als Suchmaschine für Schattenbibliotheken, iBooks als Schattenbibliothek. Gemeint sind Sammlungen geschützter Bücher und Fachtexte ohne Lizenz.

Der Grund ist bei allen Einträgen derselbe: Laut cuii.info gelten sie als strukturell urheberrechtsverletzend. Die CUII veröffentlicht laut Wikipedia nur Seitennamen, nicht alle zugehörigen Domains. Deshalb nennt dieser Ratgeber keine Adressen. Anleitungen zum Umgehen gibt es hier ebenfalls nicht.

29 Empfehlungen aus der Zeit ohne Gericht

Die CUII-Liste führt 29 Empfehlungen aus der Zeit des alten Verhaltenskodex, sie reichen vom 22. Februar 2021 bis zum 10. Juni 2025. Zu diesen Empfehlungen hat die Bundesnetzagentur laut CUII eine Unbedenklichkeitserklärung nach der Netzneutralitäts-Verordnung (EU) 2015/2120 abgegeben.

Die Tabelle zeigt diese Empfehlungen mit dem Sitzungsdatum des Prüfausschusses.

SeiteArtDatum
Fitgirl-RepacksEmpfehlung (alt)10. Juni 2025
HDFILME, STREAMCLOUD, FILMPALASTEmpfehlung (alt)17. März 2025
NXBREWEmpfehlung (alt)20. Januar 2025
NOXEmpfehlung (alt)16. Januar 2025
SWITCHROMEmpfehlung (alt)8. Oktober 2024
GETROCKMUSIC.NETEmpfehlung (alt)22. Juli 2024
LIBGENEmpfehlung (alt)27. Mai 2024
TOTALSPORTEK.PROEmpfehlung (alt)29. April 2024
ZIPERTO.COMEmpfehlung (alt)2. April 2024
FILMPALAST.TOEmpfehlung (alt)4. März 2024
ROMSLAB.COMEmpfehlung (alt)4. März 2024
NSWGAME.COMEmpfehlung (alt)1. März 2024
MEGAKINO.COEmpfehlung (alt)27. Februar 2024
SCI-HUB.STEmpfehlung (alt)8. Januar 2024
BUFFSTREAMS.SXEmpfehlung (alt)8. Januar 2024
FILMFANS.ORGEmpfehlung (alt)7. August 2023
SERIENFANS.ORGEmpfehlung (alt)7. August 2023
IsraBoxEmpfehlung (alt)23. Januar 2023
TAODUNG.COMEmpfehlung (alt)5. Dezember 2022
CINE.TOEmpfehlung (alt)7. Juni 2022
SERIENJUNKIES.ORGEmpfehlung (alt)4. April 2022
KINOX.TOEmpfehlung (alt)31. Januar 2022
Streamkiste.tvEmpfehlung (alt)26. Juli 2021
BS.TOEmpfehlung (alt)26. Juli 2021
newalbumreleases.netEmpfehlung (alt)25. Mai 2021
NSW2U.comEmpfehlung (alt)6. April 2021
JokerLiveStreamEmpfehlung (alt)22. März 2021
CANNA.TOEmpfehlung (alt)9. März 2021
S.TO SERIEN STREAMEmpfehlung (alt)22. Februar 2021

Den Anfang machte S.TO SERIEN STREAM. Die Bundesnetzagentur meldete am 11. März 2021, die CUII habe die Sperrung dieser Webseite veranlasst. Mit bs.to und Streamkiste.tv folgten am 26. Juli 2021 zwei weitere Streamingportale. Wikipedia führt bs.to als Streaminglinks für diverse Serien, Streamkiste.tv für diverse Filme. Die Geschichte der Sperre von bs.to erzählt unser Ratgeber zur Burning Series.

Auch Sportstreams und Schattenbibliotheken stehen in der Tabelle. Wikipedia ordnet TOTALSPORTEK.PRO und BUFFSTREAMS.SX als Sportstreaming ein, LIBGEN und SCI-HUB als Schattenbibliotheken. Hinter einem Namen steckt oft mehr. Im August 2024 machte ein Leak laut Wikipedia 144 gesperrte Domains öffentlich. Die offizielle Liste führte damals deutlich weniger Seitennamen.

Bei zwei Daten weichen die Quellen ab. Wikipedia nennt für nox.to den 28. Mai 2025, die CUII-Liste den 16. Januar 2025. Für JokerLiveStream nennt Wikipedia den 22. März 2023, die CUII-Liste den 22. März 2021. Die Tabelle folgt der CUII-Liste.

Brisant ist der Umgang mit den Altsperren. Laut Wikipedia schreibt der Verhaltenskodex eine fortlaufende Prüfung vor, damit Seiten entsperrt werden, sobald sie keine rechtswidrigen Dienste mehr anbieten. Die CUII wurde 2024 und 2025 dafür kritisiert, dass diese Prüfung nicht zuverlässig erfolgt. Eine Sperre, die niemand hinterfragt, hält eben lange.

Wie eine DNS-Sperre wirkt und wo Kritiker ansetzen

Eine DNS-Sperre leitet die Anfrage nach der gesperrten Seite auf eine Informationsseite der CUII um, schreibt der Bundesverband Musikindustrie. Das Domain Name System übersetzt Domainnamen in die Adressen der Server dahinter. Der Anbieter greift bei dieser Übersetzung ein. Laut Bundesnetzagentur beschränkt die Sperre den Zugriff für die Kunden der Anbieter. Sie löscht nichts.

Rechteinhaber können laut Bundesnetzagentur eine Sperrung durch den Anbieter verlangen, wenn sie keine andere Möglichkeit haben, die Verletzung abzustellen. Die Sperre muss zumutbar und verhältnismäßig sein. Die Betreiber sitzen laut Bundesnetzagentur häufig in nicht-europäischen Ländern, die behördliche Zusammenarbeit verweigern oder erschweren. Ein Antrag bei der CUII ist laut Bundesverband Musikindustrie möglich, wenn der Weg über Betreiber oder Hosting-Dienst erfolglos blieb oder keine Aussicht auf Erfolg hat. Der Europäische Gerichtshof urteilte laut derselben Mitteilung 2014, dass Webseitensperren ein zulässiges Mittel gegen Urheberrechtsverletzungen sind.

Die Kritik ist alt und hält an. Markus Beckedahl von Netzpolitik.org befürchtete laut Wikipedia, autoritäre Kräfte könnten die aufgebaute Zensurinfrastruktur missbrauchen. Felix Reda von der Gesellschaft für Freiheitsrechte sah das Grundrecht auf Informationsfreiheit und die Netzneutralität in Gefahr. Der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz stellte die Neutralität der CUII infrage. Wie Netzsperren in Frankreich einen Datenschutzdienst vertrieben, schildert unser Beitrag zu Quad9.

Mit dem Wechsel zu Gerichten kam ein neuer Vorwurf. Die Bundesnetzagentur monierte laut Wikipedia, dass die Empfehlungen seit 2025 größtenteils auf Versäumnisurteilen aufbauen. Ein Versäumnisurteil ergeht, wenn die Gegenseite nicht erscheint, und kommt ohne größere Verhandlung zustande. Laut Wikipedia sind die Urteile in der Regel solche, weil die Anbieter nicht anwesend sind. Ein Streit ohne Gegner endet selten mit einer Niederlage.

Offen bleibt, ob die CUII die Altsperren künftig gerichtlich nachprüfen lässt. Die Liste auf cuii.info nennt dafür keine Frist. Neue Anordnungen erscheinen dort mit Urteilsdatum.

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