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E-Commerce & Handel

Bei FBA entscheidet die Wiederverkaufsquote über die Erstattung ohne Rücksendung

Amazon bietet FBA-Verkaufenden eine freiwillige Option: Kundschaft wird erstattet und behält die Ware. Eine dm-Rechnung mit eigenen Annahmen zeigt, ab welcher Wiederverkaufsquote die Rücksendung günstiger bleibt.

Amazon FBA: Versandkartons im Lager eines OnlinehändlersDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptRows of cardboard shipping boxes on shelves in a bright small e-commerce warehouse, a seller with a tablet checking inventory in the background, daylight. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.
Retouren im Versandhandel (Symbolbild)

Ob sich die neue FBA-Option lohnt, hängt vom Warenwert und von der Wiederverkaufsquote Ihrer Retouren ab: Die Option ist freiwillig, Verkaufende legen eine Wertgrenze von 1 bis 75 € pro Artikel fest, und die Erstattung fällt in jedem Fall an, nur die Ware bleibt bei der Kundschaft. Bei günstigen Artikeln mit schlechter Wiederverkaufsquote kann der Verzicht auf die Rücksendung billiger sein, bei teureren Produkten verschenken Sie den vollen Warenwert. Die Fälle zählen weiter zur Rücksenderate, die Gebühr für eine hohe Rücksenderate wird bei ihnen laut Händlerbund aber nicht erhoben.

So richten Verkaufende die Option ein

Amazon nennt die Option „Lösungen ohne Warenrücksendungen“. Berechtigte Retouren werden dabei mit einer Erstattung gelöst, die Kundschaft behält den Artikel. Das berichtet der Händlerbund in seinem Beitrag vom 27.10.2026. Die Teilnahme ist freiwillig; Verkaufende müssen die Option also aktiv einschalten und werden nicht automatisch einbezogen.

Amazon zufolge gilt das für Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich. Einen Starttermin je Land gibt der Händlerbund nicht an. Auch zur Zahl der teilnehmenden Verkaufenden liegen keine Angaben vor. Wer in mehreren dieser Märkte aktiv ist, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass die Einstellung überall zeitgleich oder gleichartig wirkt.

Die Einstellung finden Verkaufende im Seller Central unter „Einstellungen“ > „Versand durch Amazon“ > „Einstellungen für die Bewertung und Eigentümerschaft für Warenrücksendungen“. Dort legen Sie einen Maximalpreis pro Artikel fest, der zwischen 1 und 75 € liegen darf. Liegt der Preis eines Artikels darüber, greift die Option nicht. Die Menüführung ist damit so lang wie der Satz, den man zum Erklären braucht, aber immerhin eindeutig.

Die Regel lässt sich für alle ASINs (die Amazon-Artikelnummern) anwenden. Wer einzelne Produkte ausnehmen will, lädt eine Ausschlussliste als CSV-Datei hoch. Alternativ wählen Sie gezielt die ASINs aus, für die die Option gelten soll. Beide Wege führen zum gleichen Ziel, unterscheiden sich aber im Aufwand und im Risiko.

Amazon bewertet jede Retoure einzeln. Ihre Wertgrenze ist also eine Voraussetzung, aber keine Garantie, dass ein konkreter Fall ohne Rücksendung gelöst wird. Den Status der Fälle sehen Sie unter „Warenrücksendungen bei Versand durch Amazon“. Nach welchen Kriterien Amazon im Einzelfall entscheidet, ist nicht bekannt.

Amazon verspricht geringere Kosten für Abwicklung, Lagerung und Ausbuchung von Retouren. Das ist ein Versprechen des Unternehmens und keine geprüfte Tatsache; Zahlen dazu sind nicht angegeben. Für die eigene Entscheidung zählt ohnehin, was eine Retoure im eigenen Sortiment tatsächlich kostet und was die zurückgekommene Ware danach noch wert ist.

dm-Einordnung: Die Variante mit ausgewählten ASINs ist bei Sortimenten mit sehr unterschiedlichen Preisen und Retourenverläufen meist die vorsichtigere, weil Sie mit wenigen, gut verstandenen Artikeln beginnen und Erfahrungen sammeln können. Die Variante mit allen ASINs und Ausschlussliste ist schneller eingerichtet, verlangt aber, dass Sie wirklich jeden problematischen Artikel kennen und auflisten.

dm-Einordnung: Vor dem Einschalten sollten Sie einige Fragen klären. Wie hoch sind Einkaufspreis und Marge der betroffenen Artikel? Wie oft kommen sie heute in verkaufsfähigem Zustand zurück? Wie hoch ist der Anteil, der ohnehin abgeschrieben wird? Ein niedriger Maximalpreis begrenzt den möglichen Warenverlust pro Fall, ein hoher erweitert den Kreis der Artikel. Ein vorsichtiger Start mit niedriger Grenze lässt sich später anpassen.

Rücksenderate, Lagerbestand-Rückerstattung und Gebühr

Solche Fälle sind „nicht für die Lagerbestand-Rückerstattung berechtigt“. Das ist eine Einschränkung, die Sie in der Kalkulation berücksichtigen müssen: Für Artikel, die ohne Rücksendung gelöst werden, entfällt dieser Anspruch. Wer bislang mit entsprechenden Zahlungen gerechnet hat, sollte den Posten für die betroffenen Fälle streichen.

Die Fälle zählen zur Rücksenderate, also zum Anteil zurückgeschickter oder zurückgeforderter Artikel im Verhältnis zu den verkauften. Die Option senkt diese Kennzahl deshalb nicht. Wer hofft, mit der Erstattung ohne Rücksendung seine Quote zu verbessern, wird enttäuscht, denn diese Fälle werden mitgezählt.

Ein Vorteil ist die Gebühr: Die Gebühr für eine hohe Rücksenderate wird laut Händlerbund bei diesen Fällen nicht erhoben. Wie hoch diese Gebühr ist und ab welcher Quote sie anfällt, ist nicht angegeben. Ob sich der Wegfall für Sie rechnet, lässt sich daher nur anhand Ihrer eigenen Gebührenabrechnung prüfen.

Daraus ergibt sich eine ungewöhnliche Konstellation. Die Kennzahl bleibt hoch, die darauf bezogene Gebühr entfällt für genau diese Fälle, und die Lagerbestand-Rückerstattung greift nicht. Beides wirkt gegensätzlich und lässt sich nur mit sauberer Datenlage bewerten.

dm-Einordnung: Wer die Rücksenderate als Steuerungsgröße nutzt, sollte die betroffenen Fälle getrennt auswerten, sonst vermischen sich Retouren mit und ohne Ware in einer Zahl. Praktisch hilft eine Spalte in der eigenen Auswertung, die jeden Fall als „mit Rücksendung“ oder „ohne Rücksendung“ kennzeichnet. Grundlage ist der Status unter „Warenrücksendungen bei Versand durch Amazon“. So erkennen Sie, wie sich die Quote ohne diese Fälle entwickeln würde.

Im Alltag bedeutet das: Eine Erstattung ohne Rücksendung ist buchhalterisch ein vollständiger Warenverlust, der nur durch eingesparte Prozesskosten und gegebenenfalls eine vermiedene Gebühr abgemildert wird. Die Kundschaft freut sich, Amazon verspricht sich geringeren Abwicklungsaufwand, und die Verkaufenden tragen den Warenwert.

dm-Einordnung: Die Frage ist deshalb nicht, ob die Option bequem ist, sondern ob sie in Ihrer Kalkulation günstiger ausfällt als die Rücksendung. Vergleichen Sie je Artikelgruppe den Warenwert mit den bisherigen Kosten und dem Restwert zurückgekommener Ware. Prüfen Sie nach einigen Wochen, ob die vermiedenen Gebühren und Prozesskosten den zusätzlichen Warenverlust ausgleichen, und passen Sie Wertgrenze und ASIN-Auswahl entsprechend an.

Die dm-Rechnung für günstige Artikel

Geschlossenes Paket neben einer Rechnung als Sinnbild für die FBA-Erstattung ohne Rücksendung der Ware.Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptA closed parcel next to a printed invoice and a calculator on a desk, a laptop with an abstract refund overview chart, natural light. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.
Erstattung ohne Rücksendung bei FBA: Ein Paket bleibt bei der Kundschaft, während der Betrag zurückfließt (Symbolbild)

Diese dm-Rechnung ist hypothetisch, alle Zahlen sind Annahmen und keine Amazon-Angaben. Amazon-Gebührensätze fließen nicht ein. Vorausgesetzt wird ein Artikel mit 12 € Verkaufspreis. Angenommen werden Kosten von zusammen 5 € bei Rücksendung, also für Rückversand, Prüfung und Wiedereinlagerung, sowie eine Wiederverkaufsquote von 60 % zum vollen Preis von 12 €.

Wichtig ist die Vergleichsbasis: Die Erstattung an die Kundschaft fällt in beiden Fällen an. Verglichen wird nur, was mit der Ware passiert. Wird sie zurückgeschickt, erwarten Sie einen Wiederverkaufswert von 0,6 × 12 € = 7,20 €. Abzüglich der 5 € Kosten bleiben 2,20 € Vorteil pro Retoure für die Rücksendung.

Sinkt die Wiederverkaufsquote auf 30 %, kippt das Bild: 0,3 × 12 € = 3,60 €, abzüglich 5 € ergibt −1,40 €. Hier wäre der Verzicht auf die Rücksendung günstiger, weil Sie bei der Rücksendung draufzahlen. Die Schwelle liegt dort, wo Wiederverkaufsquote × Preis den Kosten entspricht. Bei 12 € und 5 € sind das 5 € ÷ 12 € ≈ 42 %.

Beim zweiten Beispiel, einem 60-€-Artikel mit weiterhin 60 % Wiederverkaufsquote, ergibt sich 0,6 × 60 € = 36 €, abzüglich 5 € also 31 € zugunsten der Rücksendung. Bei 5 € Kosten liegt die Schwelle hier bei rund 8 %. Je teurer der Artikel, desto weniger muss die Ware wieder verkäuflich sein, damit sich der Rückversand lohnt. Der Händlerbund ordnet entsprechend ein, dass bei höherpreisigen Produkten jede Erstattung ohne Rückware den vollen Warenwert kostet.

Die Rechnung ersetzt keine eigene Datenbasis. Setzen Sie Ihre tatsächlichen Kosten pro Rückläufer und Ihre beobachtete Quote wiederverkaufsfähiger Ware ein, getrennt nach Produktgruppen. Ein Durchschnitt über das ganze Sortiment verdeckt sonst genau die Artikel, bei denen die Option sinnvoll oder schädlich wäre.

Welche Sortimente sich eignen und wo Vorsicht gilt

Als dm-Einordnung gilt: Die Option passt am ehesten zu Artikeln mit niedrigem Preis, hohen Prüf- und Handlingkosten und geringer Wiederverkaufsquote. Das sind etwa Verbrauchsware, empfindliche oder hygienisch heikle Produkte, bei denen zurückgekommene Ware oft entsorgt werden müsste. Dort liegt der Wert der Rückware unter den Rücksendekosten. Mit einer Wertgrenze am unteren Ende lässt sich das Risiko begrenzen.

Vorsicht ist bei Artikeln mit hoher Wiederverkaufsquote und höherem Preis geboten. Wie das 60-€-Beispiel zeigt, verschenken Sie dort mit jeder Erstattung ohne Rückware reale Werte. Hilfreich ist die CSV-Ausschlussliste, mit der Sie Artikel aus der Regel nehmen, oder die gezielte Auswahl einzelner ASINs. Unabhängig davon gelten bei Amazon eigene Rückgaberegeln nach Produktgruppen.

Die Option gilt Amazon zufolge in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich. In den USA wird das Programm seit Längerem durchgeführt. Dort fürchten Branchenbeobachter laut Händlerbund, dass die Regeln eher Amazon nutzen. Als Beispiel gibt der Händlerbund die Äußerung eines anonymen Sellers wieder: „Sparen Sie, indem Sie Gebühren an Amazon und Produkte an Käufer freiwillig verschenken.“ Das ist eine zugespitzte Meinung, kein Beleg, zeigt aber die Skepsis.

Auch etailment berichtet am 28.10.2026 über die Option, stützt sich dabei aber auf die Darstellung des Händlerbunds. Gebührensätze oder Starttermine je Land nennen beide Berichte nicht.

Nach dm-Einordnung hilft vor der Aktivierung eine einfache Prüfung: Ziehen Sie aus den letzten Monaten die Retouren der Artikel unter Ihrer geplanten Wertgrenze, ermitteln Sie je Produktgruppe den Anteil wieder verkaufter Ware und setzen Sie ihn in die Formel Quote × Preis gegen Kosten ein. Liegt eine Gruppe darunter, ist sie ein Kandidat für die Option. Wie hoch Retourenvolumen insgesamt ausfallen, zeigt die Forschung der Universität Bamberg. Aktivieren Sie die Regel zunächst nur für diese Gruppen und prüfen Sie nach der ersten Abrechnung unter „Warenrücksendungen bei Versand durch Amazon“, welche Fälle Amazon tatsächlich ohne Rücksendung gelöst hat.