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QSolid liefert ein zugängliches 10-Qubit-System und testet den Ausbau auf 30 Qubits

Das Verbundprojekt QSolid mit 26 Partnern und einem Gesamtbudget von über 75 Millionen Euro hat ein erprobtes 10-Qubit-System zugänglich gemacht. Ein 30-Qubit-System ist noch im Test, Fehlerraten nennt das Projekt nicht.

QSolid: Supraleitender Quantenchip im LaborDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptGold-plated dilution refrigerator chandelier of a superconducting quantum computer in a clean research laboratory, a scientist in the soft-focus background, cool blue light. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.
Quantenhardware im Labor (Symbolbild)

Das Verbundprojekt QSolid kann nach knapp fünf Jahren Laufzeit ein erprobtes und zugänglich gemachtes 10-Qubit-System vorweisen; ein 30-Qubit-System befindet sich noch im Test. Das teilten das Konsortium und das Forschungszentrum Jülich am 23.10.2026 mit. Beteiligt sind 26 Partner, das Gesamtbudget liegt bei über 75 Millionen Euro. Fertig ist damit nur die kleinere Ausbaustufe, die größere gilt bislang als vielversprechend, nicht als abgeschlossen.

Was QSolid geliefert hat

Konkret belegt ist ein 10-Qubit-System. Ein Qubit ist die Recheneinheit eines Quantencomputers, die anders als ein klassisches Bit mehrere Zustände überlagern kann. Laut der Pressemitteilung des Forschungszentrums Jülich vom 23.10.2026 wurde dieses System bereits erprobt und zugänglich gemacht. Das ist die einzige Ausbaustufe, für die das Konsortium einen abgeschlossenen Zustand meldet.

Darauf aufbauend testet das Konsortium aktuell ein 30-Qubit-System, und zwar nach eigener Aussage „mit vielversprechenden Ergebnissen“. Das ist eine Herstellerangabe im weiteren Sinn: Das Projekt bewertet seine eigene Arbeit. Ein Testbetrieb ist weder ein Produkt noch ein offen verfügbarer Dienst. Ein fertiger 30-Qubit-Computer lässt sich aus der Mitteilung nicht ableiten.

Was „zugänglich“ bedeutet, lässt sich nur eingrenzen: Die Prototypen sind mit externem Cloud-Zugang verfügbar. Wer Zugang erhält, wie viele Nutzende es gibt und unter welchen Bedingungen gerechnet werden kann, nennt das Projekt nicht. Auch das ist keine Aussage über das Gegenteil, es fehlt schlicht die Angabe. Für eine Bewertung der Reichweite bleibt es deshalb bei der Feststellung, dass ein Cloud-Zugang existiert, dessen Umfang und Regeln offen sind.

Ebenso fehlen Messwerte, die die Qualität eines Quantenprozessors üblicherweise beschreiben. QSolid und das Forschungszentrum Jülich nennen weder Fehlerraten noch Kohärenzzeiten, also die Dauer, über die ein Qubit seinen Quantenzustand hält, noch Gatterfidelitäten. Auch einen Termin, zu dem ein fertiges 30-Qubit-System vorliegen soll, nennen sie nicht. Die „vielversprechenden Ergebnisse“ sind damit zwar berichtet, aber nicht überprüfbar.

Der Abschluss des Projekts wurde mit einer Veranstaltung vom 27. bis 29.10.2026 in Jülich begangen. Dort wird das Konsortium seine Ergebnisse präsentieren. Welche Daten darüber hinaus vorgelegt werden, ist offen. Die Bilanz auf q-solid.de und die Pressemitteilung des Forschungszentrums Jülich stammen beide aus dem Projektumfeld und sind insofern keine unabhängigen Darstellungen. Sie fassen Ergebnisse zusammen, ohne Messdaten auszuweisen.

Wie das Projekt aufgestellt ist

In QSolid arbeiten 26 Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen und Start-ups zusammen. Die Pressemitteilung formuliert, sie arbeiteten „seit knapp fünf Jahren“ gemeinsam an einem Quantencomputer. Ziel war bei Projektstart Anfang 2022 ein Quantenchip mit 30 Qubits und niedriger Fehleranfälligkeit. Laut Pressemitteilung ist QSolid das größte nationale Verbundprojekt dieser Art, koordiniert wird es vom Forschungszentrum Jülich.

Das Gesamtbudget beträgt „über 75 Millionen Euro“. Eine genauere Summe nennt das Projekt nicht, und es schlüsselt auch nicht auf, wie sich das Geld auf die Partner verteilt. Das Vorhaben ist Teil des Rahmenprogramms „Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“ des Bundesforschungsministeriums, abgekürzt BMFTR. Ob und in welchem Umfang Partner Eigenmittel eingebracht haben, geht nicht hervor, weshalb die Zahl als Gesamtbudget und nicht als reine Förderung zu lesen ist.

Die Laufzeit reicht laut Infobox der Pressemitteilung von Januar 2022 bis Dezember 2026. Das Projekt startete also Anfang 2022 und endet in wenigen Wochen. Die Formulierung „knapp fünf Jahre“ der Pressemitteilung trifft das, denn der letzte Monat steht noch aus. Damit deckt sich die genannte Dauer mit den Eckdaten der Laufzeit.

Der Zeitpunkt der Bilanz ist deshalb kein Zufall. Die Abschlussveranstaltung vom 27. bis 29.10.2026 in Jülich fällt in die Schlussphase der Laufzeit. Was danach mit dem 30-Qubit-System geschieht, ob es weiter getestet, ausgebaut oder in ein Folgeprojekt überführt wird, nennt das Projekt nicht. Das ist für Beobachtende die eigentlich interessante Frage, denn von ihrer Antwort hängt ab, ob aus dem Testsystem ein dauerhaft nutzbares Angebot wird (dm-Einordnung).

Einordnen lässt sich das Projekt auch im Verhältnis zu anderen Aktivitäten rund um Quantencomputer. Einen Überblick über das Wettrennen bietet der Text zum Wettbewerb im Quantencomputing. Dass QSolid mit einem kleinen, aber zugänglichen System im Test ist, sagt etwas über den Stand des Projekts aus, nicht über die Qualität der Technik.

Die dm-Rechnung zum Gesamtbudget

Symbolbild für das Verbundprojekt QSolid: stilisierter Quantenprozessor mit miteinander verbundenen Qubits auf einem ChipDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptStylized close-up of a superconducting quantum processor chip with interconnected qubit structures on its surface, glowing connection lines between the qubits, dark background, macro photography look. Photorealistic editorial magazine image, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.
Das Verbundprojekt QSolid arbeitet an supraleitenden Quantenprozessoren (Symbolbild)

Ein Gesamtbudget von über 75 Millionen Euro klingt groß, lässt sich aber auf handlichere Größen herunterbrechen. Die folgende dm-Rechnung nutzt ausschließlich die Angaben der Pressemitteilung und liefert deshalb nur Untergrenzen. Sie sagt nichts darüber aus, wie das Geld tatsächlich geflossen ist.

Erste Rechnung, bezogen auf die Zeit: 75 Millionen Euro geteilt durch 5 Jahre ergeben 15 Millionen Euro pro Jahr. Weil das Gesamtbudget „über“ 75 Millionen Euro liegt, ist der tatsächliche Wert höher. Weil die Laufzeit mit knapp fünf Jahren etwas kürzer ist als 5 Jahre, steigt der Jahreswert zusätzlich. Beide Abweichungen wirken in dieselbe Richtung, die 15 Millionen Euro sind also eine Untergrenze.

Zweite Rechnung, bezogen auf die Beteiligten: 75 Millionen Euro geteilt durch 26 Partner ergeben rund 2,9 Millionen Euro pro Partner. Auch das ist ein Mindestwert aus dem Gesamtbudget. Eine solche Gleichverteilung ist hypothetisch. Große Forschungszentren und kleine Start-ups erhalten in der Praxis sehr unterschiedliche Anteile, und die Quellen geben keine Verteilung an.

Was die Rechnung hergibt: Sie macht die Größenordnung greifbar. Über Jahre hinweg flossen mindestens zweistellige Millionenbeträge pro Jahr in das Projekt, auf viele Schultern verteilt. Was sie nicht hergibt: Sie sagt nichts über Kosten je Qubit. Das Gesamtbudget durch die Qubit-Zahl des Testsystems zu teilen, wäre unzulässig, denn es würde Forschung, Infrastruktur, Fertigungsentwicklung und Zusammenarbeit zu einem Preisschild für Hardware verrechnen. Das wäre eine Hochrechnung ohne Datengrundlage.

Auch ein Vergleich mit anderen Projekten wäre nur belastbar, wenn Budgetdefinition, Laufzeit und Leistungsumfang übereinstimmen. Das ist hier nicht belegt. Die Zahlen taugen daher als Kontext für die Frage, was ein öffentlich mitfinanzierter Verbund in knapp fünf Jahren erreichen kann, nicht als Effizienzmaß.

Was für eine Einordnung noch fehlt

Für eine technische Bewertung braucht es Kennzahlen, die die Projektangaben nicht liefern. Ohne Fehlerraten lässt sich das QSolid-System nicht mit Googles Willow oder Quantinuums Helios vergleichen. Ein Vergleich allein über die Qubit-Zahl wäre irreführend, denn die Qualität der einzelnen Operationen entscheidet darüber, ob sich Rechnungen sinnvoll ausführen lassen. Die dm-Einordnung lautet daher: Das Projekt hat ein nutzbares Kleinsystem, über dessen Leistungsfähigkeit sich aus den Projektangaben nichts sagen lässt.

Laut Pressemitteilung zählt ein besonders schnelles Quantengatter zu den technologischen Erfolgen von QSolid. Ein verwandtes Ergebnis ist das Quantengatter-Ergebnis aus Jülich, veröffentlicht als Paper am 23.10.2026. Dort geht es um ein einzelnes Qubit und damit um Grundlagenforschung auf Ebene der Gatter. Die QSolid-Bilanz betrifft dagegen Systeme als Ganzes und den Zugang zu ihnen, beide Meldungen lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen.

Dass die Bilanz ohne Messwerte auskommt, ist nicht ungewöhnlich für eine Abschlussmeldung. Presseberichte fassen zusammen, Messdaten stehen in Fachartikeln oder Berichten an die Geldgeber (dm-Einordnung). Ob solche Veröffentlichungen zu den QSolid-Systemen existieren oder folgen, ist nicht ersichtlich. Fehlende Angaben beweisen weder gute noch schlechte Werte.

Wer die Arbeit des Projekts einschätzen will, kann auf Veröffentlichungen mit Fehlerraten und Kohärenzzeiten achten, auf eine Beschreibung der Zugangsbedingungen für das 10-Qubit-System und auf einen Termin oder eine Nachfolgeplanung für das 30-Qubit-System (dm-Einordnung).

Laut Pressemitteilung floss das Know-how aus QSolid bereits in Produkte und Dienstleistungen ein. HQS Quantum Simulations nennt ein Produkt zur Materialanalyse auf Basis der Kernspinresonanz (NMR). Das Leibniz-IPHT will Ergebnisse in den FLUXONICS-Foundry-Service aufnehmen, und Zurich Instruments übernimmt Erfahrungen in die nächste Generation seines Steuerungssystems. Das sind Angaben der Partner, unabhängig überprüfbar sind sie bislang nicht.