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Retouren erreichen laut Uni Bamberg rund 560 Millionen Pakete, gratis sind sie nur für die Kundschaft

Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Uni Bamberg schätzt für 2026 rund 560 Millionen Retourenpakete, nach rund 542 Millionen 2025. Kostenlos ist die Rücksendung nur für die Kundschaft, die Shops tragen die Kosten und gewinnen zugleich Mehreinkäufe.

Retouren warten als Stapel von Paketen im Lager eines Shops auf die Bearbeitung.Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptLarge logistics warehouse with tall stacks of cardboard return parcels on conveyor belts, workers sorting packages, warm industrial light. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.
Gestapelte Pakete im Versandlager, Retouren erreichen 2026 laut Uni Bamberg voraussichtlich einen Höchstwert (Symbolbild)

Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg schätzt für 2026 rund 560 Millionen Retourenpakete in Deutschland, nach rund 542 Millionen im Rekordjahr 2025. Die Schätzung beruht auf einer von der Forschungsgruppe unverändert angesetzten Retourenquote von 24,2 Prozent und einem wachsenden Paketmarkt; gemessen ist die Zahl für 2026 also nicht, sie ist hochgerechnet. Wer die „kostenlose“ Rücksendung bezahlt, beantworten die Zahlen nicht direkt: Belegt ist nur, dass sie die Unternehmen Geld kostet, den Shops aber zugleich mehr Einkäufe bringt.

So kommt die Schätzung zustande

Die Forschungsgruppe hat ihre Schätzung auf einer Seite vom 30.09.2026 aktualisiert. Für 2025 rechnet sie mit 4,37 Milliarden Sendungen im KEP-Markt (Kurier-, Express- und Paketdienste). Davon entfallen 73 Prozent auf Sendungen an Privatpersonen (B2C), das sind rund 2,78 Milliarden Sendungen im Onlinehandel.

Bei der von der Forschungsgruppe angesetzten Quote von 24,2 Prozent ergeben sich rund 2,24 Milliarden Hinsendungen und rund 542 Millionen Retourenpakete. Das ist laut Forschungsgruppe der höchste Wert und löst das bisherige Rekordjahr 2021 ab. Der Paketanteil an den Sendungen liegt in dieser Rechnung 2025 bei 87,1 Prozent.

Für 2026 erwartet der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BPEX) 4,48 Milliarden KEP-Sendungen. Mit einem Paketanteil von 87,3 Prozent, den die Forschungsgruppe auf BPEX-Basis berechnet, und weiterhin 73 Prozent B2C kommt sie auf rund 2,86 Milliarden Onlinepakete. Davon seien etwa 2,3 Milliarden Hinsendungen und rund 560 Millionen Retouren. Die Quelle dazu ist die Seite der Forschungsgruppe Retourenmanagement.

Was 560 Millionen im Alltag bedeuten

Diese Werte sind eine dm-Rechnung auf Basis der Schätzung. Gegenüber 2025 wächst die Zahl um 560 ÷ 542 ≈ 1,033, also etwa 3,3 Prozent. Verteilt auf das Jahr sind es 560 Millionen ÷ 365 Tage ≈ 1,53 Millionen Retourenpakete täglich.

Bei den Quoten lohnt der Blick auf die Bezugsgröße. Die 24,2 Prozent beziehen sich auf versendete Pakete: 560 Millionen ÷ 2.300 Millionen Hinsendungen ≈ 24,3 Prozent (die Differenz entsteht durch Rundung). Setzt man die Retouren dagegen ins Verhältnis zu allen Onlinepaketen, also Hin- und Rückweg zusammen, läuft mit 560 ÷ 2.860 ≈ 19,6 Prozent knapp jedes fünfte Paket rückwärts. Beide Angaben stimmen, sie haben nur unterschiedliche Nenner.

Das Wachstum von 3,3 Prozent liegt im Rahmen der Marktdaten, die die Forschungsgruppe heranzieht: Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) meldet für das erste Halbjahr 2026 ein Umsatzplus von 4,3 Prozent, der Handelsverband HDE erwartet für das Gesamtjahr ebenfalls 4,3 Prozent. Der BPEX rechnet im B2C-Paketmarkt mit einem Plus von 2,5 bis 4,0 Prozent.

Warum die Quote von 24,2 Prozent konservativ ist

Die Quote stammt aus dem Europäischen Retourentacho 2022 und wird bewusst unverändert fortgeschrieben. Nach Angaben der Forschungsgruppe teilt auch das EHI Retail Institute die Einschätzung, dass die Retourenquoten stabil sind. Eine neuere, eigens gemessene Quote für 2026 gibt es in der Quelle nicht.

Ein möglicher Treiber der Quote sitzt in der Hosentasche. Asdecker hält es für denkbar, dass die Retourenquote tendenziell noch steigt, weil immer mehr über Handy-Apps eingekauft wird. Apps animierten stärker als Einkäufe am Computer zu schnellem, impulsivem Kaufen.

Seine Begründung: „Wenn man in einer App unterwegs ist, drückt man deutlich schneller den Bestell-Button, weil man sich, anders als vielleicht im Netz, Vergleiche mit anderen Angeboten bei anderen Händlern spart.“

Wichtig ist die Einordnung: Die Forschungsgruppe auf ihrer Seite vom 30.09.2026 spricht selbst von Indizien. Empirisch geprüft ist der Zusammenhang nicht. Für Händlerinnen und Händler ist das eine Hypothese, die sie im eigenen Shop prüfen können, aber kein belegter Befund.

Mode erzeugt den Großteil der Rücksendungen

Etwas über 80 Prozent der Retourenpakete und rund 90 Prozent der retournierten Artikel stammen laut Forschungsgruppe aus dem Modehandel. Das erklärt, warum Größen- und Passformfragen die Debatte prägen. Dass Shops ihre Rückgaberegeln nach Sortiment staffeln, zeigt etwa Amazon mit seinen Retourenfristen je Produktkategorie.

Eine Aufteilung der Retouren nach einzelnen Shops liefert die Schätzung nicht. Ebenso fehlen Angaben zu Umweltwirkungen, die hier deshalb unbeziffert bleiben.

Wer zahlt die „kostenlose“ Retoure?

Retouren im Onlinehandel: Kunde gibt ein Paket an der Haustür an den Paketboten zurückDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPerson at a home doorstep handing a cardboard parcel back to a delivery courier, packaging tape and a returned shoe box, overcast daylight. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.
Jede Retoure ist ein zusätzlicher Paketweg (Symbolbild)

Kostenlos ist die Rücksendung nur für die Person, die das Paket zurückschickt. Der Bamberger Retourenforscher Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement am Lehrstuhl für BWL der Universität Bamberg, sagte der tagesschau (Bericht vom 16.10.2026) zur Schätzung: „Das sind so viele wie noch nie.“ Laut tagesschau halten Gratis-Retouren das Volumen hoch.

Eine Rücksendung kostet die Unternehmen Geld, bringt ihnen aber zugleich mehr Einkäufe. Asdecker sagte dazu: „Die Kunden, die überdurchschnittlich viel retournieren, sind die profitabelsten Kundengruppen …“. Beträge pro Retoure nennen weder tagesschau noch die Forschungsgruppe, und sie werden hier nicht geschätzt.

dm-Einordnung: Wenn Rücksendungen Kosten verursachen und Shops sie nicht gesondert berechnen, müssen sie diese an anderer Stelle der Kalkulation unterbringen, etwa in Preisen oder Margen. Beziffert ist das nirgends, es ist die naheliegende Konsequenz aus der Aussage, dass die Retoure Geld kostet.

Warum Shops an Gratis-Retouren festhalten

Laut tagesschau fürchten große Versender eine gesetzliche Pflicht zur Gebühr. Asdecker begründet das so: „Das wollen die nicht, sonst würden sie es ja freiwillig machen.“ Wenn Gratis-Rücksendungen also ein Geschäftsmodell sind, das sich über Mehrumsatz trägt, wäre eine Gebührenpflicht ein Eingriff in die Kalkulation.

Welche Wirkung Gebühren auf Umsatz oder Conversion haben, beziffern weder Forschungsgruppe noch tagesschau. Jede Prozentzahl dazu wäre geraten.

Um solche Zusammenhänge im eigenen Geschäft zu erkennen, brauchen Shops belastbare Retourendaten im Onlinehandel.

Was Retouren für Paketnetz und Logistik bedeuten

Für die Logistik ist die Retourenflut zunächst eine Frage der Menge. Der Anteil der Rücksendungen hat sich nach Einschätzung des Bamberger Forschers Björn Asdecker nicht verändert. Weil aber immer mehr Artikel online bestellt werden, steigt die absolute Zahl der Retouren. Jede Retoure ist für das Netz eine zusätzliche Sendung.

Wie spürbar das im Alltag ist, schildert Michael Kiefer, Leiter der Abteilung Auslieferung bei der DHL Group in Mannheim. Sein Bereich umfasst die Regionen rund um Heidelberg, Ludwigshafen und Kaiserslautern. „Die Anzahl der Paketsendungen wurde im Vergleich zum Vorjahr an Spitzentagen vor Weihnachten mehr als verdoppelt“, sagt er über seinen Bereich. Ob es sich dabei um Bestellungen oder um Retouren handelt, lasse sich allerdings nicht sagen. Das ist eine wichtige Einschränkung: Aus Kiefers Beobachtung lässt sich kein Retourenanteil ablesen.

Auf Spitzen reagiert das Unternehmen mit Personal. An Weihnachten, Ostern und rund um Feiertage stellt Kiefer nach eigenen Angaben etwa 20 Prozent mehr Menschen ein. Diese Zahl bezieht sich ausdrücklich auf seinen Bereich und lässt sich nicht auf das gesamte Paketnetz übertragen. Sie zeigt aber, dass Lastspitzen nicht allein mit vorhandener Infrastruktur zu bewältigen sind.

Zugleich hat das hohe Paketaufkommen für den Konzern einen Nebeneffekt. Laut Kiefer lässt sich damit kompensieren, dass die Briefmenge zurückgeht. Für die Branche sind Pakete und damit auch Retouren also nicht nur Belastung, sondern ein Ausgleich für schrumpfende Geschäftsfelder.

Porto als zweiter Kostenblock

Jedes zurückgehende Paket belastet zusätzlich das Netz der Paketdienste. Zusätzlich hängen die Versandkosten der Shops an der Regulierung des Paketportos über den Price Cap der Post. Für Shops kommt die Retoure als zweiter Transportweg obendrauf; einen Preis pro Rücksendung weisen weder Forschungsgruppe noch tagesschau aus.

Welche Entscheidung jetzt ansteht

Für Shops mit hohem Modeanteil lautet die konkrete Frage, ob sie die Rücksendekosten im eigenen Betrieb getrennt von Hinversand und Marge ausweisen. Ohne diese Zahl lässt sich nicht beurteilen, ob die von Asdecker beschriebenen Vielretournierenden im eigenen Shop tatsächlich profitabel sind (dm-Einordnung). Die Bamberger Schätzung liefert dafür den Marktrahmen, die Rechnung muss jeder Shop mit eigenen Daten führen.

Ob die tatsächliche Zahl 2026 bei 560 Millionen landet, zeigt sich erst mit den Paketstatistiken nach Jahresende. Die Forschungsgruppe selbst nennt ihre Quote ausdrücklich eine fortgeschriebene Annahme.