Innovativ dank Bonpflicht – aus der Not eine Tugend machen

Gegen die Bonpflicht in Deutschland ist von Anfang an Kritik laut geworden. Sie sei ein Bürokratiemonster, umweltschädlich und würde dem eigentlichen Problem nicht gerecht werden. Viele Unternehmen suchen daher nach alternativen Lösungen für einen ausgedruckten Kassenbon und werden bei der Digitalisierung fündig. Neben dem Abscannen von QR-Codes bieten digitale Lösungen noch viele Zusatzfunktionen. Den Nutzern ist jedoch der Datenschutz besonders wichtig und sie wollen keinesfalls Insellösungen haben.

Seit Januar 2020 gilt die Bonpflicht in Deutschland

Das Ziel der neuen Kassensicherungsverordnung lautet: mehr Steuergerechtigkeit. Dem Staat gehen durch Umsatzsteuerbetrug nämlich jedes Jahr Milliarden verloren, wogegen er jetzt aktiv vorgeht. Das Gesetz in seiner aktuellen Form wurde bereits am 1. Juni 2017 verabschiedet und ist seit dem 1. Januar 2020 gültig. Betroffene hatten also Gelegenheit, sich vorzubereiten. Viele haben dies in der Hoffnung auf Ausnahmeregelungen für bestimmte Branchen jedoch nicht getan. Deswegen stehen Alternativlösungen zum ausgedruckten Kassenbon noch ganz am Anfang und müssen sich erst etablieren.

Von Anfang an ist gegen die Bonpflicht Kritik laut geworden. So sagen Kritiker beispielsweise, dass sie ein Bürokratiemonster sei, das vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen unzumutbar viel Arbeit aufbürde. Außerdem sei sie eine riesige Umweltsünde, da Kassenbons auf Thermopapier eigentlich im Sondermüll entsorgt werden müssten, was jedoch so gut wie nie geschehe. Eine durchschnittliche Bäckerei muss monatlich etwa 24 km an Bons herausgeben. Dass durch den Verbrauch von Papier, Tinte und Strom die Umwelt hier durch massiv belastet und auch Unmengen an Müll produziert wird, leuchtet ein. Nicht zuletzt wird kritisiert, dass die deutschen Unternehmen in Sachen Umsatzsteuer unter Generalverdacht gestellt werden, während echten Steuersündern mit geparktem Geld in Steueroasen nicht oder zu wenig nachgegangen würde.

Die Digitalisierung erleichtert die Arbeit und schont die Umwelt

Einige Unternehmen wollten sich mit der Mehrbelastung, die die Bonpflicht mit sich bringt, nicht abfinden. Sie suchten deswegen nach innovativen Lösungen, um die massive Steigerung der ausgedruckten Bons zu vermeiden. Hierbei stießen sie auf die Digitalisierung. Es besteht die Möglichkeit, eine Technologie zu nutzen, bei der der ein Kassenbon in einen QR-Code umgewandelt wird. Statt ihn auszudrucken, müssen die Kundinnen und Kunden ihn lediglich mit dem Smartphone abfotografieren. Selbst wenn sie das nicht tun, sind die Betriebe nicht dazu verpflichtet, einen Bon auszudrucken.

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Andere Lösungen sehen vor, dass den Kundinnen und Kunden der jeweilige Bon an Ihre E-Mail-Adresse geschickt wird. Hierfür ist es allerdings nötig, den jeweiligen Betrieben die persönlichen Daten zur Verfügung zu stellen. Dieses Verfahren nutzt beispielsweise REWE in Kombination mit seiner Payback Aktion.

Für die Unternehmen stellen diese neuen Technologien zunächst eine Investition dar. So müssen mehrere 1000 € investiert werden, um ein Kassensystem zur Verfügung zu haben, das QR-Codes erstellen kann. Auf lange Sicht lohnt sich diese Investition jedoch deutlich. Denn der Ausdruck der zahlreichen Bons verursacht auch Kosten. Zudem entstehen durch die Bons Umweltbelastungen, die ebenfalls Folge-und Entsorgungskosten mit sich bringen.

Zusatzfunktionen per App

Aktuell befördert die neue Bonpflicht einen Innovationsschub in der Branche. So gibt es zahlreiche Unternehmen, die Alternativlösungen zu einem ausgedruckten Kassenbon anbieten. Viele Firmen setzen hierbei auf Apps. Diese seien eine besonders gute Lösung, da sie immer auf dem Smartphone präsent seien und individuell angepasst werden könnten.

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Neben den reinen Optionen für Kassenbons bieten solche Apps in der Regel noch viele Zusatzfunktionen. So sind einige von ihnen in der Lage, den Bezahlvorgang zu erleichtern und zu beschleunigen. Andere bieten den Kundinnen und Kunden Rabatt- und Sonderaktionen, von denen sie bei ihrem Einkauf profitieren. Wieder andere bieten die Möglichkeit, die digitalen Bons strukturiert und gut auffindbar zu sortieren. Gerade wer die Bons für die eigenen Abrechnungen und die Steuer benötigt, ist für eine solche Funktion dankbar.

Nutzern ist der Datenschutz wichtig

Bei den Entwicklungen im Bereich der Kassen zeigt sich, dass den Nutzern der Datenschutz besonders wichtig ist. So wird die digitale Payback-Lösung, bei der der Bon an eine E-Mail-Adresse versendet wird, nur von wenigen Menschen genutzt. Das liegt daran, dass viele nicht willens sind, den Supermarktketten ihre E-Mail-Adressen beziehungsweise ihre persönlichen Daten zur Verfügung zu stellen.

Dieser Tatsache müssen sich Unternehmen stellen, die innovative Lösungen für Kassenbons entwickeln wollen. So müssen die Apps beispielsweise so gestaltet sein, dass nach Möglichkeit keine persönlichen Daten angegeben werden müssen und das ausgeschlossen ist, dass Informationen an Dritte weitergegeben werden. Nur wenn die jeweiligen Apps zuverlässig und sicher sind und die Menschen nicht noch gläserner machen, werden sie angenommen und genutzt werden.

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Insellösungen müssen vermieden werden

Aktuell zeichnet sich eine gefährliche Entwicklung ab: Es gibt eine gigantische Zahl an Firmen und Start-ups, die digitale Lösungen für Kassenbons entwickeln, heben Florian Kolf und Dawid Gryndzieluk in einem Beitrag auf app.handelsbaltt.com hervor. Diese setzen auf jeweils unterschiedliche Ansätze und Technologien. Das führt dazu, dass am Markt viele Einzellösungen zur Verfügung stehen, die weder kompatibel sind noch ineinandergreifen. Das sorgt bei vielen Anwenderinnen und Anwendern für Frust. Ebenso wie diese keine Karten von Anbietern und Firmen in ihrem Portemonnaie mit sich schleppen wollen, so wollen sie auch keine große Zahl an Apps auf dem Smartphone haben.

Das Ziel muss es daher sein, Universallösungen zu finden, die in allen Geschäften genutzt werden können. Ansonsten werden die digitalen Lösungen auf keine Akzeptanz bei den Nutzerinnen und Nutzern stoßen und nicht erfolgreich sein. Das hätte zur Folge, dass doch wieder überall Kassenbons ausgedruckt werden müssten, was weder im Sinne der Unternehmen noch im Sinne der Umwelt wäre.

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Patrick Tarkowski
Patrick Tarkowski
Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
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