Digitalisierte Medizin: ein neues Selbstverständnis der Ärzte ist gefragt

Die künstliche intelligenz (KI) allerdings nicht beherrscht, sind Empathie und Intuition. Das wird sich auch (vermutlich) niemals ändern. Deswegen sollten Ärzte genau auf diese Kompetenzen setzen und die Digitalisierung als Wissenspool verstehen und nutzen.

Alexa und Siri wissen nicht, wie ich mich fühle

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KI weiß vielleicht, wie es mir geht, aber nicht, wie ich mich fühle. Das ist aber eine wesentliche Kompetenz, die ein guter Arzt mitbringen muss. Durch die Digitalisierung kennen uns Maschinen sehr genau und haben alle erdenklichen Informationen über uns. Sie kennen unsere Blutwerte, unser Gewicht, unseren Herzrhythmus und vieles mehr. All diese Informationen sind für eine Diagnose und für die Analyse von Symptomen wichtig. Sie befähigen die KI aber nicht, die Patienten zu verstehen und Empathie für ihr Leiden zu zeigen. Das können nur menschliche Mediziner.

Diese Fähigkeit ist nicht zu unterschätzen. Patienten haben oft Angst, wenn sie mit ungeklärten Symptomen zum Arzt gehen. Umso mehr, wenn ihnen eine schlechte Diagnose unterbreitet wird. Diese Angst ist kein messbarer Faktor. Selbst wenn die KI den steigenden Puls, die Schweißbildung, das Zittern und alle weiteren Anzeichen von Angst kennt und richtig deutet, kann sie diese nicht nachempfinden und darauf reagieren. Ebenso versteht sie es nicht, wenn sich Patienten weigern, eine notwendige Behandlung in Anspruch zu nehmen, sei es aus Trotz, aus Angst oder um liebe Gewohnheiten nicht aufzugeben. Hier müssen die Ärzte eingreifen, den Patienten ins Gewissen reden und gegebenenfalls mit Nachdruck die möglichen Konsequenzen veranschaulichen. All das können Maschinen (noch) nicht.

Ärzte müssen ihr Berufsbild neu interpretieren

Die Digitalisierung verlangt von Ärzten also, ihr Berufsbild komplett zu überdenken. Sie sind nicht länger die wandelnden Lexika, die den Patienten vor allem durch Fachwissen überlegen sind. Vielmehr sind sie mitfühlende Wesen, die den kranken Menschen helfen, mit ihrer Krankheit fertig zu werden. Natürlich sind Kompetenz und Fachwissen nach wie vor unverzichtbare Voraussetzungen, um ein guter Arzt oder eine gute Ärztin zu werden. Angesichts der Flut an Studien und neuen Erkenntnissen ist es aber nicht möglich, alles zu wissen und immer auf dem neuesten Stand zu sein. Hier ist KI eine unglaublich große Hilfe.

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Sie stellt den Medizinern eine umfassende Datenbank mit gigantischem Wissen zur Verfügung. Die Ärztinnen und Ärzte haben dann die Aufgabe, die vorliegenden Symptome mit dem bekannten Wissen in Verbindung zu setzen, die richtigen Schlüsse zu ziehen und diese den Patienten einfühlsam begreiflich zu machen. Die KI verschafft ihnen die Zeit, mehr auf die Kranken einzugehen, sich auf diese einzulassen und ihnen nicht nur eine physische, sondern auch eine mentale Hilfe zu sein.

Ist KI die Lösung für den Fachkräftemangel und den Pflegenotstand?

Zuallererst bedeutet Digitalisierung für alle in der Medizin tätigen Menschen eine immense Zeitersparnis. So kann zum Beispiel die Anmeldung in einem Krankenhaus dank KI vollautomatisch ablaufen. Entsprechend müssen die Mitarbeiter hierfür keine Zeit mehr investieren, sondern können sich auf wesentliche Aufgaben konzentrieren. Ein Wegfall von Arbeitsplätzen droht hierdurch kaum, da die zwischenmenschliche Ebene nicht durch Roboter gefüllt werden kann. Vielmehr haben die Angestellten in Krankenhäusern und Arztpraxen mehr Zeit, um sich ganz dem Patienten zu widmen und diese zu pflegen und sich um sie zu kümmern.

Auf diese Weise beugt KI dem Personalmangel und der Überforderung von Mitarbeitern vor. Schon heute haben wir einen Pflegenotstand in Deutschland, da viele Menschen in Pflegeberufen am Rande der Belastungsgrenze arbeiten und einen riesigen Berg an Überstunden vor sich herschieben. Burnout, stressbedingte Krankheiten und ein Verlust der Leidenschaft und Motivation sind nur einige der Folgen. All diesen negativen Konsequenzen kann mit KI begegnet werden, um so eine Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Wohle der Patientinnen und Patienten zu erreichen.

Die digitale Medizin steckt noch in den Kinderschuhen

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Aktuell sind in Bezug auf die Digitalisierung in der Medizin erst wenige Schritte gegangen. Das zeigt sich zum Beispiel an den Produkten und Maschinen, die kreative Start-ups in diesem Bereich ins Leben rufen. Diese sind meist sehr innovativ und können Ärztinnen und Ärzten das Leben spürbar erleichtern. Häufig sind sie aber noch nicht ausgereift und müssen erst in der Praxis erprobt werden. Hierfür fehlen den meisten Medizinern allerdings die Ressourcen. Immerhin müssen die Maschinen angeschafft und in den Arbeitsalltag integriert werden. Mankos müssen erkannt, gemeldet und aus der Welt geschafft werden. Das kostet Zeit und stört die Arbeitsprozesse. Deswegen scheuen sich viele Praxen davor, solche Technologien einzusetzen, was den Entwicklungsprozess spürbar verlangsamt. Die Digitalisierung hat für die Medizin also ungeahnte Möglichkeiten zu bieten. Es wird aber noch eine ganze Weile dauern, bis diese vollkommen ausgeschöpft werden können.

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