Digitale Behörden: Fehlanzeige – der Staat übernimmt keine Vorbildfunktion

Nach wie vor hinkt Deutschland in Sachen Digitalisierung hinterher. Das zeigt sich nicht zuletzt an den deutschen Behörden, die zumeist kein klares Digitalkonzept verfolgen. Die Mitarbeiter sind nur bedingt auf die digitale Transformation vorbereitet und es gibt nur vereinzelte Projekte, aber keinen großen Gesamtansatz. Das ergab eine aktuelle Studie zur Digitalisierung in deutschen Behörden. Den Grund hierfür sehen die meisten Befragten in einem übertriebenen Datenschutz.

Deutsche Behörden sind zu wenig digital

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Eine „Smart Government“ verlangt ja schon niemand mehr. Aber eine „E-Government“ wäre doch zumindest einmal schön. Gerade für Menschen außerhalb von Ballungszentren wäre es dann möglich, sich Behördengänge zu ersparen und viele Aufgaben digital zu erledigen. Von diesem Ziel ist Deutschland aber noch ein gutes Stück entfernt. Zu diesem Ergebnis kommt, laut Tagesspiegel.de, eine aktuelle Studie von Ernst & Young (EY), für die 201 Behördenleiterinnen und -leiter sowie Personalentscheider und -entscheiderinnen der öffentlichen Verwaltung und kommunaler sowie bundeseigener Unternehmen zum Stand der Digitalisierung in ihrem Arbeitsbereich befragt wurden.

Laut dieser Befragung ist ein komplett digitalisierter Behördengang in keinem Fall möglich. In einigen Behörden können einzelne Aufgaben digital erledigt werden, vieles müssen die Bürgerinnen und Bürger aber noch persönlich vor Ort erledigen. Selbst die einfachen Dinge funktionieren noch nicht sonderlich gut. So ist es zum Beispiel gerade einmal in 20% der untersuchten Behörden möglich, online einen Termin zu vereinbaren. Die Onlinebezahlung von Gebühren ist bei gerade einmal 6% der Behörden möglich und 3% arbeiten mit dem digitalen Personalausweis.

Einschätzungen der Befragten zur Situation in Deutschland

Ein Hauptgrund für diese Situation ist vermutlich, dass das Personal der Behörden nicht auf die Digitalisierung ausgerichtet ist. Es gibt so gut wie nie Mitarbeiter, die ausdrücklich für die Realisierung digitaler Projekte in den Behörden verantwortlich sind. Die Digitalisierung läuft immer irgendwie nebenher mit, sie wird aber nicht proaktiv angegangen und umgesetzt. Gerade einmal 18% der Befragten sagte, dass ihre Behörde eine auf die Digitalisierung ausgerichtete Personalstrategie verfolge. Entsprechend steckt sie in den deutschen Behörden noch in den Kinderschuhen und ist quasi nicht konkurrenzfähig. Somit wird der Staat seiner Vorbildfunktion nicht gerecht und setzt keine Impulse für die deutsche Wirtschaft, in der ebenfalls deutlich mehr Digitalisierung wünschenswert wäre.

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Die Befragten sehen das Problem jedoch nicht bei sich, sondern empfinden den in Deutschland geltenden Datenschutz als zu streng. 66% der Befragten geben an, dass die digitalen Behörden schon deutlich weiter wären, wenn sie sich nicht immer Gedanken über die geltenden Datenschutzbestimmungen machen müssten. Eine Vereinfachung sei hier wünschenswert. Außerdem sorgen sich nur die Wenigsten vor dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). So geben 74% der Befragten an, dass in ihrer Behörde vermutlich weder durch die Digitalisierung noch durch KI Jobs wegfallen werden.

Einzelne Projekte statt großer Gesamtentwurf

Die Digitalisierung ist in Deutschland vorhanden, sie kommt aber viel zu langsam voran. Wenn gerade einmal 18% der Befragten sagen, dass eine auf die digitale Transformation ausgerichtete Personalstrategie bei ihnen gefahren wird, ist das einfach zu wenig. 50% geben demgegenüber an, dass es zwar einzelne Ansätze für digitale Maßnahmen in ihrer Behörde gebe, dass aber kein digitales Gesamtkonzept vorhanden sei. 32% der Befragten sehen zwar das grundlegende Bemühen, die HR an der Digitalisierung auszurichten, eine aktive Umsetzung sei jedoch quasi nicht zu erkennen.

Die große Aufgabe des Staates besteht also darin, ein Gesamtkonzept zur Digitalisierung zu entwickeln und proaktiv umzusetzen. Das gilt insbesondere dann, wenn das ehrgeizige Ziel, bis 2022 zu ermöglichen, dass 575 Verwaltungsdienstleistungen online erledigt werden können, noch erreicht werden soll. Deutschland braucht eine zukunftsweisende Digitalstrategie, an der sich das PersonalManagement ausrichtet. Nur dann besteht noch die Hoffnung, bei der Digitalisierung nicht endgültig ins Hintertreffen zu geraten.

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