Digitale Gesundheit – Gesundheitsminister Spahn treibt Projekte voran

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Es ist kein Geheimnis, dass Gesundheitsminister Jens Spahn mit dem Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen unzufrieden ist. Deswegen treibt er jetzt zahlreiche Projekte voran, die für mehr Geschwindigkeit bei der digitalen Transformation in seinem Zuständigkeitsbereich sorgen sollen. Hierzu gehören der Anschluss von Praxen und Krankenhäusern an das Gesundheitsdatennetz, die Verschreibung sogenannter Gesundheits-Apps, die Realisierung elektronischer Rezepte und einiges mehr. Hierdurch soll unter anderem Deutschlands katastrophale Position im Ranking der Bertelsmann-Stiftung zu den Ländern mit einem ausgeprägten digitalen Gesundheitswesen verbessert werden.

Jens Spahn will das deutsche Gesundheitswesen revolutionieren

Jens Spahn hat sein „Digitale-Versorgung-Gesetz“ vorgelegt und treibt hierin die digitale Transformation des deutschen Gesundheitswesens aktiv voran, berichtet Gregor Waschinski auf Handelsblatt.com. Hierbei verfolgt er stets das Ziel, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, in dem Patienten, Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und alle im Gesundheitswesen aktiven Personen digitale Technologien zu ihrem Vorteil nutzen können. In dem Gesetz beschäftigt sich der Gesundheitsminister unter anderem mit Gesundheits-Apps, mit dem Gesundheitsdatennetz und verschiedenen anderen Themen. Hierbei setzt Spahn auf eine Mischung aus Anreizen und Sanktionen, um zum Beispiel niedergelassene Ärzte zur Mitarbeit an einem digitalen Gesundheitswesen zu motivieren.

Das Gesundheitsdatennetz soll für Ärzte und Krankenhäuser zum Standard werden

Das Gesundheitsdatennetz hat die Aufgabe, alle im Gesundheitswesen beteiligten Personen zu vernetzen. Hierdurch sollen Daten effizienter genutzt und zum Wohle der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden. Spahns Ziel ist es zum Beispiel, innerhalb eines Jahres dafür zu sorgen, dass sämtliche Apotheken Deutschlands an das Gesundheitsdatennetz angeschlossen sind. Das ist eine große Aufgabe, da es immerhin rund 20.000 Apotheken hierzulande gibt. Die Vernetzung der Apotheken soll bis März 2020 abgeschlossen sein.

Ein weiteres Ziel des Gesundheitsministers ist es, die ansässigen Ärztinnen und Ärzte für das Gesundheitsdatennetz zu begeistern. Das funktioniert aber noch sehr schleppend. Von den rund 176.000 Fach-, Haus- und Zahnarztpraxen waren bis April lediglich 64.000 an das Netz angeschlossen. Um für etwas mehr Druck in diesem Themenfeld zu sorgen, arbeitet Spahns Ministerium mit Kürzungen bei den Arzthonoraren. Ab Juli bekommen Praxen, die nicht an das Gesundheitsdatennetz angeschlossen sind, 1% weniger Honorare als die Konkurrenz. Bis März 2020 soll dieser Wert auf 2,5% angehoben werden. Das Ministerium rechnet damit, dass bis Ende Juni 2019 etwa 110.000 Praxen Teil des Datennetzes sein werden.

Des Weiteren möchte Spahn die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit ins Boot holen. Das Ziel ist es, bis März 2021 die rund 2.000 deutschen Krankenhäuser an das Datennetz anzuschließen. Hier besteht also eine um ein Jahr längere Umstellfrist als bei den Apotheken. Bei den Pflegeinrichtungen setzt Spahn demgegenüber auf Freiwilligkeit. Die Betriebe haben die Möglichkeit, das Datennetz für sich zu nutzen, eine verpflichtende Regelung steht allerdings aktuell nicht zur Debatte.

Der Einsatz von Gesundheits-Apps

Ein weiteres großes Projekt, das Gesundheitsminister Spahn mit Nachdruck verfolgt, ist der Einsatz sogenannter Gesundheits-Apps. Diese bieten Patientinnen und Patienten zahlreiche Möglichkeiten, wie die Planung ihrer Medikamenteneinnahme oder die Möglichkeit, sich über Wechselwirkungen verschiedener Arzneimittel zu informieren, erklärt Waschinski in einem weitern Artikel. Außerdem eignen sich die Gesundheits-Apps zur Terminplanung bei Ärztinnen und Ärzten und erleichtern eine erste Vordiagnose der Patientinnen und Patienten. Das Interesse der Menschen an solchen Apps nimmt kontinuierlich zu. So sind laut „E-Patient Survey“ die Nutzerzahlen innerhalb eines Jahres von 11% auf 18% gestiegen.

Mit dem neuen Gesetzesentwurf möchte Spahn erreichen, dass Patientinnen und Patienten schneller und leichter an die Apps kommen und diese nutzen. Hierfür soll es den Ärztinnen und Ärzten möglich sein, die Apps zu verschreiben und die Kosten hierfür von den Krankenkassen erstattet zu bekommen. Diese Apps sollen dann medizinische Therapien unterstützen, indem sie zum Beispiel an die Einnahme eines Medikaments zu bestimmten Zeiten erinnern. Gerade für Diabetiker könnte ein solches Tool zudem sehr nützlich sein.

Welche Apps angeboten und verschrieben werden dürfen, definieren die Krankenkassen im Vorfeld. Unter anderem werden hierbei Aspekte wie der Datenschutz, die Nutzerfreundlichkeit und die Transparenz berücksichtigt. Sobald hier alles in Ordnung ist, kann die App an einem einjährigen Testlauf teilnehmen. Hier müssen die Anbieter nachweisen, dass ihre Applikationen einen echten Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer bringen und gesundheitliche Relevanz haben. Erst dann wird die App offiziell in das Programm aufgenommen. Welche Vergütung die Hersteller erhalten, handeln sie mit dem GKV-Spitzenverband direkt aus.

Weitere Projekte des Gesundheitsministers

Ein weiteres Herzensanliegen des Gesundheitsministers ist die digitale Patientenakte. Das Ziel ist es, dass sämtliche deutschen Krankenkassen bis spätestens 2021 für alle ihre Patientinnen und Patienten eine entsprechende Akte anlegen und diesen zugänglich machen. Die Ärztinnen und Ärzte wiederum müssen durch das neue Gesetz diese Akte befüllen, indem sie zum Beispiel Röntgenbilder, Impfdaten oder medizinische Befunde dort hineinladen. Auf diese Weise haben Patientinnen und Patienten immer Zugriff auf ihre Daten, was zum Beispiel bei einem Arztwechsel oder einer akuten Verletzung von Vorteil ist. Damit die Ärztinnen und Ärzte an diesem Projekt mitmachen, sollen sie für das Befüllen solcher Patientenakten eine zusätzliche Vergütung erhalten.

Zudem setzt sich der Gesundheitsminister dafür ein, dass Kranke schneller einen für sie passenden Arzt oder eine Ärztin finden und dort einen Termin bekommen. Hierbei sollen Onlinesprechstunden helfen. Ärztinnen und Ärzte können dann Diagnosen über das Internet stellen und ersparen den Patientinnen und Patienten somit weite Wege. Gerade alte und schwer kranke Menschen würden von dieser Regelung profitieren. Mittlerweile sind alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, dass Ärztinnen und Ärzte rechtlich sichere Diagnosen per Videochat stellen können, ohne den Patientinnen und Patienten zuvor persönlich begegnet zu sein.

Des Weiteren treibt das Gesundheitsministerium die Einführung von elektronischen Rezepten voran. Spahn zufolge würden Ärztinnen und Ärzte, die auf veraltete Technologien wie Karteikarten setzten, in Zukunft keine Chance mehr haben, von den Patientinnen und Patienten ernstgenommen zu werden. Aus diesem Grund setzt er sich für neue, digitale Technologien und Lösungen ein. Diese sollen allen Beteiligten die Arbeit und die Genesung erleichtern und das Gesundheitswesen gleichzeitig fit für die Zukunft machen.

Nicht zuletzt setzt sich Spahn für eine Modernisierung der Kommunikation zwischen Medizinerinnen beziehungsweise Medizinern und ihren Patientinnen und Patienten ein. Aktuell ist es noch so, dass die Praxen für jedes verschickte Fax Geld bekommen. Diese Vergütung ist deutlich höher als zum Beispiel die für den Versand eines elektronischen Arztbriefes. Hier will Spahn mit seinem Digitalisierungsgesetz nachbessern und moderne Technologien stärker fördern.

So reagieren die Krankenkassen auf Spahns Vorstöße

Grundsätzlich äußern sich die Krankenkassen positiv über die Pläne des Gesundheitsministers. Der TK-Chef sieht in den neuen Bestimmungen einen guten Weg hin zu einer digitalisierten Welt und der DAK-Chef betont, dass diese Regelungen dazu führen würden, dass Patientinnen und Patienten in Zukunft von digitalen Technologien besser profitieren könnten. Der Barmer-Chef sagt, dass die neuen Bestimmungen überfällig wären und dass die digitale Gestaltung des Gesundheitswesens nicht allein den Konzernen überlassen werden dürfe. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt jedoch, dass die neuen Technologien nicht zu einer Überforderung der Ärztinnen und Ärzte führen dürften. Wenn diese sich nur noch mit den Vor- und Nachteilen und den Abrechnungsmodi einzelner Hersteller von Gesundheits-Apps beschäftigen müssten, kämen sie nicht mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit.

Deutschlands Position im digitalen Gesundheitswesen muss besser werden

Im Jahr 2018 führte die Bertelsmann-Stiftung eine Untersuchung durch, welche Länder bereits ein gut funktionierendes digitales Gesundheitswesen hätten. Zu diesem Zweck wurden 17 Industriestaaten näher untersucht und Deutschland landete auf einem beschämenden 16. Platz. Deutlich zeigt sich der Nachholbedarf der Bundesrepublik am Gesundheitsdatennetz. Seit Jahren sind das Gesundheitsministerium, die Ärztinnen und Ärzte sowie die Krankenkassen damit beschäftigt, dieses auf- und auszubauen. Ein tatsächlicher Mehrwert für die Patientinnen und Patienten sei aber noch nicht erkennbar. Insgesamt laufe die digitale Transformation somit zu langsam ab. Spahns Vorstöße und Projekte wollen jetzt dabei helfen, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen an Fahrt aufnimmt.

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