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Monday.com Entlassungen: 630 Jobs als KI-Warnsignal

Monday.com streicht Hunderte Stellen und verweist auf KI. Warum der Schritt für Tech-Teams mehr ist als eine weitere Sparrunde – und welche Fragen offen bleiben.

Monday.com Entlassungen KI Automatisierung Enterprise Office
Leeres Büro nach KI-bedingten Stellenkürzungen bei Monday.com (Symbolbild)

Auch bei Meta hatten KI-Investitionen zuvor personelle Konsequenzen: In unserem Beitrag zu Metas Entlassungswelle für die KI-Wette zeigt sich ein ähnliches Muster.

Monday.com Entlassungen sorgen für Aufsehen: Hunderte Stellen weg, Begründung KI. Dieses Muster wiederholt sich 2026 mit einer Regelmäßigkeit, die nachdenklich stimmt. Nun hat Monday.com seinen Teil dazu beigetragen — und das ist kein kleines Unternehmen mit Nischenpublikum, sondern eine der meistgenutzten Enterprise-Plattformen weltweit.

Monday.com hat laut einem TechCrunch-Bericht vom 22. Juli 2026 rund 630 Stellen gestrichen, etwa 20 Prozent der Belegschaft. Als Begründung nennt das Unternehmen ein „leaner, more focused operating model“ und die stärkere Ausrichtung auf die eigene AI Work Platform – für die Restrukturierung kalkuliert Monday.com laut Bericht 45 bis 55 Millionen US-Dollar an Kosten. Das ist ungewöhnlich direkt formuliert für ein Unternehmen, dessen Kernprodukt — eine Projektmanagement- und Work-OS-Plattform — selbst massiv auf KI-Funktionen setzt und damit bei Geschäftskunden wirbt.

Das Unternehmen, das Produktivität verkauft, optimiert sich selbst weg

Monday.com ist eines der bekanntesten Work-OS-Unternehmen der Welt. Mit einer Plattform, die Teams hilft, Projekte zu verwalten, Workflows zu automatisieren, Daten zu visualisieren und Arbeit sichtbar zu machen, hat das israelisch-amerikanische Unternehmen eine Milliarden-Dollar-Bewertung erreicht und zählt Unternehmen wie Hulu, Canva, Coca-Cola und zahlreiche große Unternehmensberatungen zu seinen Kunden.

Das Ironie-Potenzial liegt auf der Hand: Ein Unternehmen, das seinen Kunden beibringt, effizienter zu arbeiten, entlässt eigene Mitarbeiter — weil es selbst effizienter geworden ist. Mit der eigenen Technologie. Das ist entweder ein überzeugender Beweis dafür, dass das Produkt tatsächlich funktioniert, oder ein ernüchternder Hinweis darauf, wohin die Reise für die gesamte Tech-Branche geht.

Die Frage, ob Monday.com mit dieser Entscheidung langfristig besser fährt, lässt sich noch nicht seriös beantworten. Was sich mit Sicherheit sagen lässt: Die Ankündigung hat Signalwirkung, die weit über das Unternehmen selbst hinausgeht.

Warum gerade jetzt? Die Marktbedingungen 2026

Mehrere Faktoren kommen in diesem Moment zusammen. KI-gestützte Software-Entwicklung hat die Entwicklungskosten in vielen Unternehmen signifikant gesenkt — wer früher zehn Entwickler für ein bestimmtes Feature brauchte, kommt heute oft mit fünf aus, die KI-Tools intensiv nutzen. Für Support- und Operations-Funktionen gibt es zunehmend leistungsfähige KI-Agenten, die Standardanfragen ohne menschliche Beteiligung bearbeiten können.

Für börsennotierte Unternehmen unter konstantem Margendruck ist ein KI-begründeter Stellenabbau gegenüber Investoren außerdem leichter zu kommunizieren als ein klassischer Sparplan. „Wir restrukturieren“ klingt nach Schwäche. „Wir optimieren mit KI“ klingt nach Zukunftsstrategie und technologischer Führungsstärke. Die Botschaft an die Märkte ist eine vollständig andere — auch wenn das Ergebnis für die entlassenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dasselbe ist.

Monday.com hat Anfang 2026 seine eigene KI-Integration deutlich ausgebaut. Monday AI — das Feature-Set, das KI-Funktionen direkt in die Plattform bringt — wurde mit neuen Automatisierungs- und Analyse-Features aufgewertet: KI-gestützte Spalten, die Aufgaben automatisch klassifizieren und priorisieren, automatische Zusammenfassungen von Board-Updates und Projektständen sowie Workflow-Empfehlungen auf Basis historischer Daten. Dass das Unternehmen nun intern dieselbe Logik anwendet, die es Kunden verkauft, ist konsequent — und macht die Aussage glaubwürdig, auch wenn sie unbequem ist.

https://digital-magazin.de/ki-agenten-geben-entscheidungen-zurueck-neue-grenzen-zwischen-autonomie-und-kont/

Was das für Enterprise-Teams konkret bedeutet

Der Monday.com-Fall ist symptomatisch für eine Entwicklung, die in vielen Unternehmen gerade intensiv diskutiert wird: Welche Aufgaben übernimmt KI wirklich zuverlässig — und welche Konsequenzen hat das für die Belegschaft?

Drei Szenarien zeichnen sich in der Praxis ab:

  • Redistribution: Mitarbeiter übernehmen anspruchsvollere Aufgaben, während KI Routinearbeit erledigt. Headcount bleibt konstant, Wertschöpfung pro Person steigt. Dieses Szenario klingt ideal, erfordert aber erhebliche Investitionen in Weiterbildung und einen langen Atem.
  • Reduktion: Unternehmen bauen Stellen ab, die KI vollständig ersetzt. Kurzfristiger Margenvorteil, mittelfristig ungeklärte Auswirkungen auf Innovationsfähigkeit, Unternehmenskultur und institutionelles Wissen.
  • Rekonfiguration: Neue Rollen entstehen — KI-Trainer, Prompt-Architekten, Qualitätssicherung für KI-Outputs, KI-Ethik und Compliance. Die Gesamtzahl der Stellen bleibt ähnlich, aber die Anforderungsprofile verschieben sich grundlegend.

Monday.com scheint sich für Variante zwei entschieden zu haben. Ob das langfristig die richtige Strategie ist, hängt davon ab, wie gut die KI-Tools tatsächlich die wegfallende Arbeit übernehmen können — und davon, wie viel institutionelles Wissen bei den entlassenen Mitarbeitern verloren geht, das sich nicht einfach in Datenbankzeilen übersetzen lässt.

Monday.com Entlassungen und KI-getriebener Stellenabbau
Wenn Automatisierung Arbeitsplätze verändert, bleibt der menschliche Preis sichtbar (Symbolbild)

Der Kontext: Kein Einzelfall in der Tech-Branche 2026

Monday.com ist weder das erste noch das letzte Unternehmen, das KI als Begründung für Stellenabbau anführt. IBM hat seit 2023 systematisch keine Stellen in bestimmten Back-Office-Funktionen nachbesetzt und offen kommuniziert, dass KI diese Lücken füllen soll. Klarna hat in einer viel diskutierten Pressemitteilung bekanntgegeben, dass KI-Agenten die Arbeit von hunderten Support-Mitarbeiterinnen übernehmen. Salesforce hat Anfang 2025 angekündigt, vorläufig keine neuen Software-Entwickler einzustellen, weil KI die interne Entwicklungskapazität deutlich erhöht hat.

Was 2026 neu ist, ist die Direktheit und Öffentlichkeit dieser Kommunikation. Frühere Stellenabbaumaßnahmen in der Tech-Branche wurden oft mit Restrukturierung, veränderten Marktbedingungen oder strategischen Pivots begründet. Jetzt heißt es direkt: KI. Das verändert die öffentliche Wahrnehmung und zwingt Unternehmen sowie die Politik zu einer ehrlicheren Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Konsequenzen der KI-Adoption.

In Deutschland ist die Diskussion besonders relevant, weil der Arbeitsmarkt anders strukturiert ist als in den USA. Betriebsräte, Mitbestimmungsrechte und stärkerer Kündigungsschutz verlangsamen solche Prozesse — aber sie verhindern sie nicht. Auch hiesige Unternehmen, die Monday.com oder vergleichbare Plattformen einsetzen, werden früher oder später dieselben Fragen intern diskutieren müssen.

https://digital-magazin.de/ki-governance-enterprise-sap-microsoft-und-google-ziehen-die-leitplanken-enger/

Was Führungskräfte jetzt entscheiden müssen

Für Enterprise-Teams und Führungskräfte, die Monday.com als Kunde nutzen oder ähnliche Entscheidungen intern diskutieren, ergeben sich konkrete strategische Fragen:

Erstens: Welche Aufgaben sind wirklich durch KI ersetzbar — und welche nur scheinbar? Viele Automatisierungsversprechen halten einer ehrlichen Prüfung nicht stand, wenn es um Komplexität, Kontext, Kundenbeziehungen und moralische Verantwortlichkeit geht. KI ist gut darin, strukturierte Aufgaben mit klaren Regeln schnell zu erledigen. Sie ist deutlich schwächer, wenn es um ambiguöse Situationen geht, die soziale Intelligenz, Empathie oder kreatives Querdenken erfordern.

Zweitens: Wie kommuniziert man transparent — nach innen und nach außen? Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sehen, dass ihr Unternehmen KI aktiv einsetzt, werden früher oder später fragen, ob ihre eigene Rolle mittelfristig sicher ist. Offenheit ist hier langfristig besser als Beschwichtigung.

Drittens: Welche KI-Kompetenzen braucht die verbleibende Belegschaft? Die Unternehmen, die am besten durch diese Transformation kommen, sind jene, die ihre Teams aktiv für die Zusammenarbeit mit KI qualifizieren — nicht jene, die einfach Stellen streichen und hoffen, dass der Rest sich die nötigen Fähigkeiten selbst beibringt.

Konkrete Handlungsoptionen für betroffene Teams

Wer heute in einem Unternehmen arbeitet, das Monday.com einsetzt oder ähnliche Transformationsdiskussionen führt, braucht mehr als abstrakte Ratschläge. Konkret hilfreich sind folgende Schritte:

Aufgaben-Audit durchführen: Erstellen Sie eine ehrliche Liste aller wiederkehrenden Aufgaben in Ihrem Team. Kategorisieren Sie diese nach Strukturierbarkeit (gut für KI) und Kontextsensitivität (weiterhin menschliche Stärke). Diese Übung liefert eine nüchterne Basis für Diskussionen statt vager Gefühle.

KI-Pilotprojekte gezielt starten: Beginnen Sie mit einem klar abgegrenzten Anwendungsfall, bei dem KI unterstützen kann — etwa automatische Statusberichte aus Projektdaten oder KI-gestützte Priorisierung von Aufgaben. Messen Sie den tatsächlichen Zeitaufwand vorher und nachher. Bauchgefühle ersetzen keine Zahlen.

Weiterbildungspfade frühzeitig planen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die heute am besten mit KI-Tools umgehen können, haben morgen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt — ob intern oder extern. Investitionen in KI-Kompetenzen zahlen sich für Unternehmen und Individuen aus.

Mitbestimmung ernst nehmen: In Deutschland haben Betriebsräte das Recht, bei technologischen Veränderungen, die Arbeitsplätze betreffen, einbezogen zu werden. Das ist kein Hindernis, sondern eine Chance: Frühzeitige Einbindung verhindert Widerstände und führt oft zu besseren Implementierungen, weil die Menschen, die täglich mit den Prozessen arbeiten, praktisches Wissen einbringen.

Die Zahlen, die sich Monday.com noch schuldet

Was öffentlich noch fehlt, ist eine klare Darstellung der Produktivitätsgewinne, die die Entlassungen rechtfertigen sollen. Monday.com hat KI als Begründung angeführt — aber welche KI-Funktionen konkret welche Stellen ersetzen, ist bisher nicht transparent kommuniziert worden.

Das ist eine Lücke, die das Unternehmen schließen muss — nicht nur gegenüber den entlassenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern auch gegenüber Kunden. Wer Monday.com einsetzt, fragt sich möglicherweise, ob dasselbe Effizienz-Argument eines Tages auf das eigene Unternehmen angewendet werden soll. Transparenz darüber, wie KI tatsächlich zu Produktivitätsgewinnen führt, würde das Vertrauen stärken — und wäre ein wertvoller Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Debatte.

Fazit: Ein Signal, das über Monday.com hinausgeht

Monday.com setzt 2026 ein Signal, das für jede Organisation relevant ist, die KI-Automatisierung einsetzt oder plant. Wenn ein Produktivitäts-Software-Anbieter — also ein Unternehmen, das sein Geld damit verdient, anderen Unternehmen zu helfen, effizienter zu werden — dieselbe KI-Effizienz nutzt, um die eigene Belegschaft zu reduzieren, ist das ein Zeichen dafür, wie ernst die Technologiebranche KI-Automatisierung inzwischen nimmt.

Für alle, die in Enterprise-Umgebungen arbeiten oder planen: Die Frage ist nicht mehr, ob KI Prozesse verändert. Die Frage ist, wie schnell, wie umfassend — und welche Rolle Menschen in einer solchen Organisation langfristig spielen sollen. Diese Frage sollte nicht erst dann beantwortet werden, wenn der Stellenabbau bereits entschieden ist. Die Unternehmen, die heute ehrliche Antworten erarbeiten, werden morgen besser aufgestellt sein — sowohl im Wettbewerb als auch als Arbeitgeber, dem die eigene Belegschaft auch in Zeiten technologischen Wandels vertraut.

Häufige Fragen zum Monday.com KI-Stellenabbau

Wie viele Stellen sind betroffen? Monday.com hat die genaue Zahl noch nicht offiziell bestätigt. Berichte sprechen von mehreren hundert Stellen, was einem signifikanten Prozentsatz der Gesamtbelegschaft entsprechen würde. Zum Vergleich: Monday.com beschäftigte zuletzt rund 2.700 Mitarbeitende weltweit.

Welche Abteilungen sind betroffen? Nach aktuellem Stand sind vor allem Support-, Operations- und Back-Office-Funktionen betroffen — also genau jene Bereiche, in denen KI-Tools die größten unmittelbaren Produktivitätsgewinne versprechen. Technische Kernteams in Produkt und Engineering sind nach derzeitigen Informationen weniger stark betroffen.

Ist das ein Trend, dem andere SaaS-Unternehmen folgen werden? Sehr wahrscheinlich. Unternehmen stehen unter Druck, Effizienzgewinne aus KI-Investitionen nachzuweisen. Stellenabbau ist der sichtbarste und kurzfristig messbare Weg — auch wenn er nicht immer der klügste ist.

Was bedeutet das für Monday.com als Produkt? Kurzfristig wahrscheinlich nichts Negatives. Mittelfristig hängt es davon ab, ob die verbleibende Belegschaft die Qualität von Entwicklung, Support und Innovation aufrechterhalten kann. Kunden sollten aufmerksam beobachten, ob sich Reaktionszeiten und Produktqualität verändern.

Sollten Unternehmen, die Monday.com nutzen, wechseln? Nicht unbedingt. Ein KI-bedingter Stellenabbau ist kein automatisches Qualitätssignal. Entscheidender ist, ob das Produkt weiterhin ihre Anforderungen erfüllt. Die Frage, die sich alle Unternehmen stellen sollten: Würden wir dasselbe mit unserer eigenen Belegschaft tun — und wenn ja, wie transparent würden wir dabei vorgehen?

Was kann ich als Einzelperson tun, wenn mein Unternehmen ähnliche Schritte plant? Zunächst: Informieren Sie sich über Ihre Rechte. In Deutschland gibt es klare Regelungen zu Kündigungsfristen, Abfindungen und Mitbestimmung. Investieren Sie parallel in Ihre eigenen KI-Kompetenzen — nicht weil das den Stellenabbau verhindert, sondern weil es Ihre Verhandlungsposition stärkt. Wer versteht, wie KI-Tools funktionieren und wo ihre Grenzen liegen, ist für jedes Unternehmen wertvoller als jemand, der sich verweigert oder keine Berührungspunkte hatte. Das gilt unabhängig davon, ob das Unternehmen gerade Stellen streicht oder wächst — denn KI-Kompetenz ist 2026 keine Nischenfähigkeit mehr, sondern eine Grundvoraussetzung in nahezu jeder technologieaffinen Branche.

https://digital-magazin.de/gartner-prognose-40-prozent-agentic-ai-in-enterprise-workflows-bis-2026/

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