Update: Amazon ist zahlungsunfähig – Auszahlungsprobleme beim Onlineriesen

Es mutet schon wie ein schlechter Witz an, dass ausgerechnet einer der reichsten und mächtigsten Konzerne der Welt seine Händler nicht ausbezahlen kann. Aktuell passiert bei Amazon aber genau das. Wenn Händler versuchen, sich ihr Guthaben auszahlen zu lassen, erhalten sie eine Fehlermeldung. Amazon arbeitet fieberhaft daran, das Problem in den Griff zu bekommen. Die Kommunikationspolitik des Unternehmens erweist sich hierbei aber als so mittel.

Händler bekommen Fehlermeldung angezeigt

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Bereits seit dem 30. Oktober ist es einigen Amazon-Händlern nicht möglich, eine Auszahlung ihres Guthabens zu beantragen. Wenn sie es versuchen, erhalten sie eine Fehlermeldung mit den Worten „unerwarteter Fehler“. In der Facebook Gruppe „Multichannel Rockstars“ und im SellerForum wird das Problem heiß diskutiert und immer mehr Betroffene melden sich zu Wort, wie onlinehaendler-news.de berichtet. Aktuell tritt das Problem vor allem in Deutschland und Großbritannien auf. Wie lange die Auszahlungsschwierigkeiten noch bestehen, lässt sich nur vermuten. Einige gehen aber davon aus, dass Amazon das Problem bereits behoben hat, es aber bis zu 36 Stunden dauern kann, bis wieder alles reibungslos läuft.

Amazon arbeitet an einer Lösung

Amazon hat über seinen Verkäuferservice sehr schnell eingeräumt, dass die aktuellen Auszahlungsprobleme auf einen technischen Fehler seitens des Konzerns zurückzuführen sind. Die Technikabteilung arbeite aber mit Eifer an einer Behebung des Problems. Bis diese Anstrengungen von Erfolg gekrönt sein werden, bliebe dem Konzern nichts anderes übrig, als die betroffenen Händler um Geduld zu bitten. In Großbritannien schaltete sich zusätzlich eine Mitarbeiterin des Verkäuferservices in die Diskussion ein, die in den Foren und sozialen Medien entbrannt ist.

Diese bestätigt, dass der technische Support fieberhaft an einer Lösung des Problems arbeite. Allerdings riet sie den betroffenen Händlern davon ab, ihre Bankdaten zu aktualisieren. Die Technikabteilung habe keinen Grund zu der Annahme gegeben, dass sich hierdurch das Problem beseitigen lasse. Im Gegenteil würde eine solche Aktualisierung immer mit einer dreitägigen Sperre einhergehen. Das habe sicherheitstechnische Gründe und nichts mit dem aktuellen Problem zu tun.

Die Kommunikationspolitik von Amazon könnte besser sein

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Insgesamt zeigt sich, dass die Kommunikationspolitik von Amazon in diesem Krisenfall wenig hilfreich ist. Zwar hat der Konzern sehr schnell mitgeteilt, dass die Ursache für das Problem bei ihm liege, und die Händler um Geduld gebeten. Seitdem ist es aber erstaunlich still von Seiten des Konzerns. Umso aktiver sind die Nutzer in den Foren und sozialen Netzwerken. Diese erzählen von ihren eigenen Problemen und Erfahrungen, stellen Mutmaßungen an und diskutieren hitzig über die aktuelle Lage.

Teilweise herrscht ein richtiges Chaos, weil einige Händler von erfolgreichen Buchungen berichten, während andere nach wie vor eine Fehlermeldung erhalten. Niemand weiß etwas über den aktuellen Stand der Arbeiten der Amazon-Technikabteilung, aber umso mehr wird gemutmaßt. Hier wären regelmäßige Updates seitens des Onlineriesen wünschenswert, um die betroffenen Händler auf dem neuesten Stand zu halten und Panik beziehungsweise Unsicherheiten durch fehlende Informationen oder wilde Spekulationen gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Update: 13.11.2017

Seit zwei Wochen ist Amazon nicht in der Lage, seinen Händlern ihr hart verdientes Geld auszuzahlen. Das Unternehmen arbeitet an einer Lösung, steht mittlerweile aber mit mehreren Millionen Euro in der Kreide. Für Händler haben diese Auszahlungsschwierigkeiten harte Konsequenzen. Sie können ihre Verbindlichkeiten nicht begleichen und fürchten teilweise um ihre Existenz.

Das sagen die Händler in einer aktuellen Umfrage

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Die Auszahlungsprobleme von Amazon halten jetzt bereits mehrere Wochen an. Der Händlerbund hat deshalb eine aktuelle Befragung unter 660 Amazon-Händlern gestartet, um herauszufinden, wie sich die Auszahlungsprobleme konkret auf ihr Alltagsgeschäft auswirken. Die Ergebnisse sind erschreckend. Von den Befragten warten 44 % seit dem 30.10.17, 15 % seit dem 29.10.17 und 9 % noch länger auf ihr Geld. Insgesamt belaufen sich die Ausstände allein bei diesen 660 Befragten auf 10,6 Millionen Euro. Das bedeutet, dass jeder Händler durchschnittlich noch 22.000 Euro von Amazon zu bekommen hat. Die Ausstände sind aber nicht gleichmäßig verteilt. So gibt zum Beispiel ein Händler an, dass er von Amazon noch 450.000 Euro zu kriegen habe.

Diese Konsequenzen ergaben sich bereits für viele Händler

Wenn so viel Geld auf dem eigenen Konto fehlt, hat das natürlich Konsequenzen für das Alltagsgeschäft. Vielen Händlern fehlt mittlerweile das Geld, um Waren nachbestellen zu können. Außerdem können durch die Ausstände bestellte und bezahlte Waren nicht ausgeliefert werden. Das hat zur Folge, dass die Kunden unzufrieden werden und die betroffenen Händler schlechte Amazon-Bewertungen erhalten. Einige sind zudem aktuell nicht in der Lage, ihre Geschäftsräume zu bezahlen, und sind somit auf die Kulanz ihrer Vermieter angewiesen.

In einigen Fällen mussten Mitarbeiter nachhause geschickt oder sogar schon entlassen werden. Zwar unternehmen die Händler Schritte, um gegenzusteuern, ihr Handlungsspielraum ist aber stark eingeschränkt. So haben 65 % der Befragten Amazon schriftlich und 47 % telefonisch informiert. 41 % haben sich Hilfe suchend an die sozialen Netzwerke gewandt und 4 % haben Verbände und Beratungsstellen informiert. Bisher haben diese Maßnahmen aber wenig konkrete Ergebnisse erzielt.

Ein Ende des Problems ist nicht abzusehen

Dass sich die Auszahlungsschwierigkeiten so lange hinziehen, zeigt, dass es sich um ein schwerwiegendes Problem handelt. Noch ist nicht abzusehen, bis wann der Onlineriese die technischen Probleme in den Griff bekommen haben wird und seine Händler wieder auszahlen kann. Das ist sowohl für die Onlinehändler selbst als auch für deren Kunden sehr unbefriedigend. Hieran zeigen sich sehr deutlich die Gefahren, die mit der aktuell vorherrschenden Marktmacht von Amazon einhergehen.

Während die Auszahlungsschwierigkeiten für den Konzern lediglich ärgerlich sind, sind sie für die betroffenen Händler teils existenzbedrohend. Viele von ihnen haben sich auf Gedeih und Verderb Amazon ausgeliefert und können auf keine alternativen Standbeine zurückgreifen, um zumindest über die Runden zu kommen. Wie dieser Teufelskreis aus Abhängigkeiten durchbrochen werden kann, ist aktuell aber ebenso ungewiss wie die Frage, wann Amazons Auszahlungsbetrieb endlich wieder normal läuft.

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