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Android-Apps sollen Ihr Adressbuch nur noch ausschnittweise sehen

Messenger und andere Apps greifen oft auf das gesamte Adressbuch zu. Google setzt bei Android auf eine Kontaktauswahl ohne Berechtigung, verlangt Begründungen im Play Store und bremst das Schreiben von Kontakten.

Android-Smartphone mit Kontaktauswahl in der HandDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptHand holding a modern smartphone over a wooden table, the screen showing an abstract contact picker with a single highlighted contact card among blurred entries, soft daylight, shallow depth of field. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.
Kontakte gezielt teilen (Symbolbild)

Apps sollen für einzelne Kontakte die systemeigene Kontaktauswahl nutzen, statt das gesamte Adressbuch zu lesen. Diese Auswahl gibt es seit Android 17, und sie braucht keine Berechtigung. Wer für Apps mit Zielversion API 37 oder höher weiterhin die Berechtigung READ_CONTACTS will, muss das in der Play Console begründen; die Deklaration ist ab dem 27.01.2027 Pflicht. Außerdem lehnt Google im kommenden Android-Release direkte Schreibzugriffe mit WRITE_CONTACTS ab. Apps sollen zum Anlegen und Bearbeiten von Kontakten Systemfunktionen verwenden. Google nennt für die Kontaktauswahl ausdrücklich keine Berechtigung als Voraussetzung.

Die Kontaktauswahl statt des ganzen Adressbuchs

Bisher läuft es oft so: Ein Messenger fragt beim Start, ob er auf „alle Kontakte“ zugreifen darf. Technisch steckt dahinter die Berechtigung READ_CONTACTS. Eine Berechtigung ist eine Erlaubnis, die eine App vom System anfordern muss, bevor sie bestimmte Daten lesen darf. Mit READ_CONTACTS sieht die App jeden Eintrag Ihres Adressbuchs.

Seit Android 17 gibt es dafür eine Alternative. Laut Android Developers Blog vom 21.10.2026 bietet das System eine Kontaktauswahl, im Englischen Contact Picker. Sie braucht keine Berechtigung. Die App ruft die Auswahl auf, und das System zeigt sie an. Welche Kontakte die App dann erhält, bestimmt die Auswahl und nicht ein Pauschalzugriff. Sie gehört zu den Neuerungen, die in den Alltagsfunktionen von Android 17 zusammenkommen.

Die Play-Console-Hilfe von Google beschreibt die Folge für Entwickler: Apps mit der Zielversion API 37 oder höher dürfen READ_CONTACTS nur anfragen, wenn die Kontaktauswahl für ihren Zweck nicht genügt. Die Zielversion (API-Level) legt fest, für welche Android-Version eine App gebaut wurde. API 37 entspricht Android 17. Bei älteren Zielversionen nennt die Hilfeseite diese Einschränkung nicht.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Stellen Sie sich vor, Sie möchten einer Freundin über eine Karten-App einen Treffpunkt schicken und dafür ihre Nummer eintragen. Bisher könnte die App dafür um Zugriff auf das komplette Adressbuch bitten, obwohl sie nur diese eine Nummer braucht. Mit der Kontaktauswahl tippen Sie die Freundin an, und die App erhält diesen einen Kontakt. Die übrigen Einträge, etwa der Zahnarzt, der Vermieter oder die Nummer der Schwiegereltern, bleiben für die App unsichtbar. Das Beispiel ist hypothetisch und zeigt nur das Prinzip.

Unsere Einordnung: Der Unterschied ist für Sie vor allem eine Frage der Menge. Ein einzelner geteilter Kontakt ist etwas anderes als ein dauerhaft lesbares Adressbuch, in dem auch Menschen stehen, die nie etwas von der App erfahren haben.

Ganz verschwinden wird der Zugriff auf das ganze Adressbuch damit nicht. Google veröffentlicht keine Liste betroffener Apps. Ob die Auswahl für eine App ausreicht, muss zunächst der Anbieter selbst einschätzen. Kommt er zu dem Ergebnis, dass sie nicht genügt, verlangt Google dafür eine Begründung. Für Sie heißt das: Dass eine App weiter auf alle Kontakte zugreift, kann einen erklärten Grund haben, ist aber nicht der Normalfall.

Welche Fristen für App-Anbieter gelten

Die Regel kam nicht über Nacht. Laut Play-Console-Hilfe hat Google die Richtlinie am 15.04.2026 angekündigt. Seit September 2026 zeigt die Play Console Entwicklern einen Hinweis dazu. Die Play Console ist das Verwaltungsportal, über das App-Anbieter ihre Apps im Google Play Store veröffentlichen und Angaben zu Berechtigungen machen.

Verbindlich wird es am 27.01.2027, einem Mittwoch. Ab diesem Tag ist die Deklaration Pflicht. Gemeint ist eine Erklärung, in der der Anbieter begründet, warum die Kontaktauswahl für seine App nicht ausreicht und er READ_CONTACTS braucht. Diese Angabe gilt für Apps mit Zielversion API 37 oder höher.

Die Hilfeseite erwähnt außerdem eine Selbstverlängerung um 30 Tage. Anbieter können also die Frist von sich aus um diese Zeitspanne verschieben. Wie das Verfahren in der Console im Einzelnen abläuft, erklärt Google auf der Hilfeseite nicht. Auch wie streng Google die Angaben prüft, bleibt offen.

Eine Ausnahme gibt es für Geräteverwaltungs-Apps. Das sind Apps, mit denen Organisationen Diensthandys verwalten. Sie sind laut Google-Hilfe von der Regel ausgenommen.

Verwechslungsgefahr bei der Versionsnummer

Das Nachrichtenportal t3n berichtet unter dem Titel „Android 18 …“ über das Thema und verknüpft die Play-Deklaration mit Android 18. Das stimmt mit der Google-Hilfe nicht überein. Dort betrifft die Deklaration READ_CONTACTS ab Zielversion API 37, also Android 17, mit Pflicht ab 27.01.2027. Die Bezeichnung „Android 18“ stammt deshalb allein von t3n.

Eine Deklaration ist im Alltag nichts anderes als eine Begründung: Der Anbieter muss Google schriftlich erklären, warum seine App das ganze Adressbuch lesen muss und die Kontaktauswahl nicht ausreicht. Er kann den Zugriff also nicht einfach voraussetzen, sondern muss ihn rechtfertigen. Für Sie als Nutzerin oder Nutzer bedeutet das eine zusätzliche Hürde für Apps, die mehr Daten wollen als nötig.

Unsere Einordnung: Bis zur Pflicht im Januar 2027 dürfte sich bei vielen Apps wenig sichtbar ändern. Die Frist betrifft zuerst die Anbieter, und erst deren Entscheidungen erreichen Sie als Nutzerin oder Nutzer, etwa wenn eine App statt des Pauschalzugriffs die Auswahl anzeigt.

Schreiben nur noch über das System

Hand hält ein Smartphone, auf dem unter Android eine einzelne Telefonnummer zum Teilen ausgewählt wird.Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptClose-up of a person on a sofa selecting one single contact on a smartphone screen with abstract avatar circles, a cup of coffee nearby, warm indoor light. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.
Eine Person wählt am Smartphone eine einzelne Nummer aus, statt einer App das ganze Adressbuch freizugeben, wie es unter Android vorgesehen ist (Symbolbild)

Google will aber auch das Anlegen und Ändern von Kontakten neu ordnen. Laut dem Android Developers Blog vom 21.10.2026 lehnt das „upcoming Android release“ direkte Schreibvorgänge mit WRITE_CONTACTS ab. Ein Datum nennt Google dafür nicht, auch keine Versionsnummer. Das Nachrichtenportal t3n nennt dieses Release „Android 18“.

Statt direkt in das Adressbuch zu schreiben, sollen Apps drei Intents nutzen: ACTION_INSERT, ACTION_EDIT und ACTION_INSERT_OR_EDIT. Ein Intent ist eine Anfrage einer App an das System, eine bestimmte Aktion auszuführen, hier etwa einen Kontakt anzulegen oder zu ändern. Laut Google erfordern diese drei Intents keine Berechtigung.

Der Gedanke dahinter lässt sich aus der Google-Angabe ableiten: Das System übernimmt den Schreibvorgang, die App stößt ihn laut Google über einen Intent nur an. Google beschreibt die Oberfläche dafür nicht.

MANAGE_CONTACTS und People Directory

Für Fälle, in denen Apps mehr brauchen, kündigt Google zwei Neuerungen an. Die neue Berechtigung MANAGE_CONTACTS kommt laut Blog mit Android 17 QPR2, geplant für das vierte Quartal 2026. QPR steht für Quarterly Platform Release, ein quartalsweises Plattform-Update zwischen den großen Android-Versionen. Ebenfalls mit „Android QPR2 (Q4 2026)“ nennt Google das People Directory.

Die Zeitachse lässt sich damit sauber trennen:

  • Android 17: Kontaktauswahl ohne Berechtigung.
  • Android 17 QPR2 (Q4 2026, laut Google): MANAGE_CONTACTS und People Directory.
  • Kommendes Release (ohne Datum, ohne Nummer von Google): Ablehnung direkter WRITE_CONTACTS-Schreibvorgänge.

Alles, was hier als Plan beschrieben wird, sind Angaben von Google. Google kennzeichnet die Termine als Plan und nennt keine Gerätelisten. Wann einzelne Funktionen auf Ihrem Gerät ankommen, lässt sich daraus nicht ablesen.

Ein hypothetisches Beispiel: Eine Notiz-App möchte nach einem Termin die Nummer eines neuen Ansprechpartners speichern. Statt still im Hintergrund einen Eintrag zu schreiben, würde sie den Intent aufrufen, und das System legt den Kontakt an.

Was Sie in den Einstellungen prüfen können

Ob die neue Linie bei Ihren Apps ankommt, entscheiden vor allem deren Anbieter. Sie können trotzdem selbst nachsehen, welche Apps Zugriff auf Ihr Adressbuch haben. Welche konkreten Apps von den Änderungen betroffen sind, gibt Google nicht an. Deshalb gilt der Blick der eigenen Geräteeinrichtung.

Unsere Einordnung: Android führt Berechtigungen in den Systemeinstellungen je App auf, darunter auch die für Kontakte. Wie der Weg dorthin heißt, hängt vom Gerät und von der Oberfläche des Herstellers ab; einen festen Menüpfad nennt Google nicht. Meist hilft die Suche in den Einstellungen nach dem Stichwort „Berechtigungen“ oder „Kontakte“.

Dazu gehört die Frage, die Sie bei jeder App mit Zugriff stellen können: Braucht sie das ganze Adressbuch? Ein Messenger, mit dem Sie Freunde finden wollen, hat dafür oft einen nachvollziehbaren Grund. Bei einer hypothetischen Taschenlampen- oder Spiele-App ist ein solcher Grund schwer vorstellbar. Entzogene Rechte lassen sich später wieder erteilen, wenn eine Funktion fehlt.

Mit der Kontaktauswahl erhält eine App laut Google nur den Kontakt, den Sie auswählen, und nicht Ihr ganzes Adressbuch. Das ist wichtig, denn dort stehen auch Daten von Menschen, die Sie nicht gefragt haben, ob ihre Nummer bei einem Dienst landen darf.

Zum Schutz des Handys gehört mehr als die Kontaktfreigabe. Android bringt dafür weitere Schutzfunktionen gegen Betrug mit, die im Artikel zum Betrugsschutz auf dem Android-Handy beschrieben sind. Die Kontaktberechtigung ist dabei nur ein Baustein.

Die drei Intents ACTION_INSERT, ACTION_EDIT und ACTION_INSERT_OR_EDIT erfordern laut Google keine Berechtigung. Eine App kann Kontakte also anlegen lassen, ohne Schreibrechte anzufragen. Das ist für Ihre Entscheidung nützlich: Fragen Sie bei jeder App, ob sie wirklich Schreib- oder Lesezugriff auf das Adressbuch braucht oder ob Auswahl und Systemfunktion genügen.