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E-Books: 55 Prozent lesen digital – und das Papierbuch bleibt

Laut einer am 29. September veröffentlichten Bitkom-Umfrage lesen 55 Prozent der Deutschen ab 16 zumindest hin und wieder E-Books, aber nur 4 Prozent ausschließlich. Am deutlichsten wächst die Nutzung laut Bitkom bei den Ab-65-Jährigen. Anna Meier sortiert zur Buchmesse, was die Zahlen sagen und was nicht.

Person liest E-Books auf einem E-Reader in einem Sessel am FensterDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic documentary photo of an adult reading on a plain unbranded e-reader in an armchair by a window, cozy living room, soft daylight, e-reader screen seen at an angle and not readable, no logos, no readable text, no watermarks, 16:9
Lesen auf dem E-Reader (Symbolbild)

Sonntagmorgen, Kaffee in der Hand, das Tablet liegt auf meinem Schoß. Ich lese ein paar Seiten, die Schrift ist schön groß, das Licht ist gedimmt. Auf dem Nachttisch wartet derweil ein zerlesenes Taschenbuch, in dem ein Zettel als Lesezeichen steckt. Beides gehört zu meinem Alltag (ja, wirklich, beides gleichzeitig). Das ist natürlich meine ganz private Szene und kein Studienergebnis.

Aber ich habe mich gefragt, ob ich damit allein bin. Bin ich offenbar nicht.

Laut einer am 29. September veröffentlichten Bitkom-Umfrage lesen 55 Prozent der Deutschen ab 16 zumindest hin und wieder E-Books – aber nur 4 Prozent ausschließlich. Die Details stehen in der Presseinformation des Bitkom, die inzwischen eine Woche alt ist. Ich habe sie mir heute, am Dienstag, 6. Oktober, in Ruhe angeschaut, denn die Frankfurter Buchmesse startet schon morgen. Bitkom schreibt in der Mitteilung, die Buchmesse beginne „kommende Woche“. Aus Sicht des 29. September stimmt das, und jetzt steht der Termin tatsächlich vor der Tür.

Klingt nach einer klaren Sache: Mehr als die Hälfte liest E-Books. Aber Moment mal. Was heißt das eigentlich?

Die Zahlen erzählen nämlich keine Geschichte von „digital gegen Papier“. Sie erzählen eher von Menschen, die sich bedienen, wie es gerade passt. Mal das eine, mal das andere. Genau das interessiert mich. Wenn mehr als die Hälfte E-Books liest, warum liegt dann bei fast allen trotzdem noch ein Papierbuch neben dem Bett?

Ich nehme Sie mit durch die Ergebnisse. Wir schauen auf den Lesemix, auf die Älteren, auf Schriftgrößen, aufs Kaufen und Leihen. Und wir klären, was die Umfrage nicht sagt. Das ist nämlich mindestens so wichtig wie das, was sie sagt.

55 Prozent lesen E-Books – aber was heißt „hin und wieder“?

Fangen wir mit der Schlagzeile an. 55 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren lesen laut Bitkom zumindest hin und wieder E-Books. Im Vorjahr waren es 51 Prozent. Das sind plus vier Prozentpunkte.

Bitkom spricht davon, dass es „erstmals deutlich mehr als die Hälfte“ ist. Das ist die Einordnung des Verbands, und sie passt zu den Zahlen.

Jetzt kommt mein „Moment mal“. „Zumindest hin und wieder“ ist eine ziemlich weite Definition. Wer im Urlaub einmal ein E-Book auf dem Handy aufgeschlagen hat, kann dazugehören. Wer jeden Abend ein Kapitel liest, ebenso. Beide landen in derselben Zahl. Hand aufs Herz: Das sind zwei sehr verschiedene Leseleben.

Ich will die Zahl damit nicht kleinreden. Im Gegenteil. Aber ich finde, man sollte sie mit dem richtigen Etikett versehen. Es geht um Nutzung überhaupt, nicht um Dauer, nicht um Häufigkeit. Wie oft und wie lange die Befragten lesen? Dazu sagt die Umfrage nichts.

Stellen Sie sich einmal zwei Menschen vor, die beide „ja“ gesagt haben. Die eine hat vor Monaten einmal eine Leseprobe angeklickt. Der andere hat im letzten Jahr ein Dutzend Romane durchgelesen. Für die Statistik zählen beide gleich. Das ist kein Vorwurf an Bitkom, so funktionieren solche Fragen nun einmal. Es ist nur ein Grund, die 55 Prozent nicht zu überdehnen.

Wie ist die Erhebung entstanden? Bitkom Research hat sie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt. Befragt wurden 1.006 Personen in Deutschland ab 16 Jahren, und zwar telefonisch. Der Zeitraum war KW 28 bis KW 32 2026. Laut Bitkom ist die Umfrage repräsentativ.

Die Leitfrage lautete: „Lesen Sie zumindest hin und wieder gedruckte Bücher oder E-Books?“ Für die Ausgaben gab es eine zweite Frage: „Wie viel Geld geben Sie im Monat für das Kaufen oder Leihen von E-Books aus bzw. lesen Sie kostenlose E-Books?“

Wichtig, und ich gebe zu, das vergesse ich selbst gern: Alles ist Selbstauskunft. Die Befragten haben erzählt, wie sie lesen und was sie ausgeben. Nachgemessen wurde nichts. Das macht die Zahlen nicht wertlos, aber es ist gut zu wissen.

Wir bei digital-magazin.de schauen bei solchen Umfragen immer zuerst auf die Fragestellung. Die verrät oft mehr als die Überschrift.

Bildschirm oder Papier? Meistens beides …

Jetzt zu meiner Eröffnungsfrage. Wie sieht der Lesemix aus? Die Antwort ist ziemlich eindeutig, und sie bezieht sich auf alle Befragten ab 16.

Nur 4 Prozent lesen ausschließlich E-Books. Das ist wenig. Dann sind da 51 Prozent, die digitale und gedruckte Bücher nutzen. Und 30 Prozent lesen ausschließlich gedruckte Bücher. Insgesamt greifen 85 Prozent zumindest hin und wieder zu einem Buch.

Die 51 Prozent teilen sich noch auf. 19 Prozent lesen häufiger E-Books als gedruckte, 17 Prozent beide etwa zu gleichen Teilen und 15 Prozent häufiger gedruckte als E-Books. Alle drei Gruppen sind also ähnlich groß. Kein klarer Favorit.

Jetzt rechne ich ein bisschen, und zwar auf eigene Rechnung: Von den 55 Prozent, die E-Books lesen, nutzen 51 Prozentpunkte auch gedruckte Bücher. Rechnerisch lesen damit gut neun von zehn E-Book-Lesenden auch gedruckt (eigene Rechnung, ca. 93 Prozent). Ich musste zweimal hinschauen, so deutlich ist das.

Dazu passt, was Dr. Sebastian Klöß von Bitkom sagt:

„Das E-Book für unterwegs, das gedruckte Buch zu Hause – für viele gehört heute beides zum Lesen dazu.“

Dr. Sebastian Klöß, Bitkom-Experte für Consumer Technology

Meine Lesart: Es ist kein Entweder-oder. Es ist ein „Je nachdem“. Je nach Ort, Stimmung, Gepäck. Das deckt sich mit meinem Sonntagmorgen, aber das ist, wie gesagt, mein Alltag und nicht die Studie.

Ein kleines Gedankenexperiment, ganz ohne Zahlen. Stellen Sie sich Ihre letzte längere Reise vor. Was lag im Gepäck? Bei mir ist es meistens so: Wenn der Koffer voll ist, zählt jedes Gramm, und das digitale Buch gewinnt. Wenn ich auf dem Balkon liege, will ich Papier in der Hand. Keine Regel, nur Gewohnheit. Und ich vermute, dass viele Menschen ähnlich ticken, aber das ist wirklich nur eine Vermutung.

Die Grafik zeigt zweierlei: als Balken den Anteil derer, die zumindest hin und wieder E-Books lesen (alle ab 16, 16 bis 29 Jahre, ab 65 Jahren), und als Kennzahlen den Lesemix aller Befragten ab 16.

E-Book-Lesen nach Alter und Lesemix – Bitkom-Umfrage

  • 4Nur E-Books
  • 51E-Book und gedruckt
  • 30Nur gedruckt

Ehrlich gesagt gefällt mir an dem Bild, dass es so gelassen ist. Das Papierbuch bleibt, das E-Book wächst. Beides darf nebeneinander existieren.

Was mir auffällt: Die drei Gruppen innerhalb der 51 Prozent liegen eng beieinander. 19, 17 und 15 Prozent. Es gibt also nicht „die“ typische Mischung. Manche greifen öfter zum E-Book, manche öfter zum gedruckten Buch, manche halten sich die Waage. Für mich ist das ein Hinweis darauf, dass sich niemand zwischen den Formaten entscheiden muss. Das ist meine Einschätzung, keine Aussage der Umfrage.

Und die 30 Prozent, die ausschließlich gedruckte Bücher lesen? Die gehören selbstverständlich dazu. Ich finde, man sollte sie in der Debatte nicht vergessen. Wer gern Papier umblättert, ist weder gestrig noch ein Sonderfall, sondern gehört zu einer ziemlich großen Gruppe. Warum sie beim Papier bleiben, hat Bitkom nicht gefragt. Dazu sagt die Umfrage nichts.

Bleibt noch die Zahl 85 Prozent. Sie sagt: Die große Mehrheit liest zumindest hin und wieder ein Buch, egal in welcher Form. Auch hier gilt wieder das weite „zumindest hin und wieder“. Trotzdem freut mich das, ganz ohne Einschränkung. Lesen ist offenbar immer noch ziemlich beliebt.

Moment mal, die Ab-65-Jährigen …

Jetzt wird es richtig interessant. Bitkom schreibt wörtlich: „Besonders deutlich wächst die E-Book-Nutzung unter älteren Menschen“.

Die Zahlen dazu: Ab 65 Jahren lesen 42 Prozent zumindest hin und wieder E-Books. Im Vorjahr waren es laut Bitkom 33 Prozent. Das sind plus neun Prozentpunkte. Krass, oder?

Am deutlichsten wächst die Nutzung laut Bitkom bei den Ab-65-Jährigen. Mehr behaupte ich nicht. Ich behaupte nicht, dass das Gesamtwachstum von dieser Gruppe stammt, denn das lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht herleiten. Für andere Altersgruppen nennt die Pressemitteilung keine Werte.

Und die Jüngeren? Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 64 Prozent. Sie liegen damit klar vorn. Einen Vorjahreswert nennt Bitkom für diese Gruppe nicht, einen Trend kann ich Ihnen also nicht liefern.

Warum ich das so betone? Weil ich dieses Bild im Kopf hatte: hier die Digitalen, dort die Analogen. Ich hab das auch erst nicht hinterfragt. Aber es stimmt nicht. Die Jüngeren liegen vorn, bei den Älteren wächst die Nutzung laut Bitkom am deutlichsten. Beide Gruppen sind dabei. Es gibt keinen Graben, es gibt eine Bewegung.

Eine kleine Szene aus meinem Umfeld, die keinerlei Beweiskraft hat. Neulich saß ich im Zug, und ein älterer Herr gegenüber las konzentriert auf einem Bildschirm. Ich habe nicht nachgefragt, was er las, das wäre aufdringlich gewesen. Aber ich habe mich ertappt, wie überrascht ich war. Und dann dachte ich: Warum eigentlich überrascht? Genau dieses Vorurteil wollte ich nicht mit mir herumtragen.

Warum das Wachstum gerade bei den Älteren stattfindet? Dazu sagt die Umfrage nichts. Motive der Älteren hat Bitkom nicht abgefragt. Es gibt nur die allgemeine Einordnung von Dr. Klöß:

„E-Books sind schnell verfügbar, platzsparend und bieten mit Funktionen wie anpassbaren Schriftgrößen zusätzlichen Lesekomfort. Auch deshalb ist digitales Lesen längst keine Frage des Alters mehr.“

Dr. Sebastian Klöß, Bitkom-Experte für Consumer Technology

Das ist eine Einordnung des Bitkom-Experten, kein Befragungsergebnis. Ich finde sie plausibel, belegt wird sie durch die Zahlen aber nicht.

Und doch: „keine Frage des Alters mehr“ klingt für mich nach einem guten Satz für die nächste Familienfeier.

Was ich außerdem bemerkenswert finde: Die Zahl 42 Prozent heißt umgekehrt, dass rechnerisch gut die Hälfte der Ab-65-Jährigen nicht einmal hin und wieder E-Books liest (eigene Rechnung). Das ist ebenfalls eine große Gruppe. Niemand muss umsteigen, und niemand sollte sich unter Druck gesetzt fühlen. Das ist meine Haltung, nicht die der Umfrage.

Was ich mir wünsche: dass wir über „die Älteren“ so reden, wie wir über andere Gruppen reden. Neugierig statt belehrend. Wer gern auf Papier liest, soll das tun. Wer gern auf dem Bildschirm liest, auch.

Wo stellen Sie eigentlich die Schriftgröße ein?

E-Reader für E-Books und ein gedrucktes Buch nebeneinander auf einem HolztischDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic photo of a plain unbranded e-reader lying next to a closed paperback book with a blank cover on a wooden table, cup of tea, soft light, no logos, no readable text, no watermarks, 16:9
Digital und gedruckt nebeneinander (Symbolbild)

Klöß nennt anpassbare Schriftgrößen. Das hat bei mir sofort ein Bild ausgelöst. Also kurz zu mir, nicht zur Studie.

Ich habe vor einiger Zeit meiner Mutter die Schrift größer gestellt. Sie hatte nie gemerkt, dass das geht. Einmal gezeigt, einmal angetippt, fertig. Ihr Satz danach: „Warum hat mir das keiner früher gesagt?“ (kein Witz). Auch bei einer Nachbarin lief es ähnlich. Das sind meine Erlebnisse, keine Daten.

Bei mir selbst ist es der Lesemodus am Abend. Wärmeres Licht, etwas dunkler, die Augen danken es. Das ist easy, aber man muss es wissen. Wo stellen Sie das eigentlich ein? Irgendwo hinter dem Aa-Symbol oder in den Einstellungen, würde ich sagen. Genauer will ich nicht werden, denn das sieht je nach Gerät und Programm anders aus.

Mal ehrlich: Solche kleinen Einstellungen entscheiden oft, ob man dranbleibt. Wer bei jedem Buch die Brille sucht, liest anders als jemand, der die Schrift einfach aufdreht. Das ist meine Beobachtung aus dem Alltag.

Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich unbedingt noch ein Kapitel schaffen wollte. Mein Bildschirm war viel zu hell, die Schrift zu klein, ich habe geblinzelt wie ein Maulwurf. Dann habe ich zwei Einstellungen geändert, und plötzlich war es ein anderes Lesen. Ich gebe zu, ich hab mich ein bisschen geärgert, dass ich das nicht früher gemacht hatte. Selbstironie inklusive.

Im Papierbuch geht das nicht. Dort ist die Schrift, wie sie ist. Das hat Charme, und ich mag es. Aber es ist eben auch ein Unterschied, und es ist ein Unterschied, den man nur bemerkt, wenn man beides kennt. Genau das scheint für viele zu gelten, wenn ich den Lesemix aus der Umfrage ernst nehme.

Ob das den Anstieg bei den Älteren erklärt? Dazu sagt die Umfrage nichts. Auch Geräte hat Bitkom nicht abgefragt. Ob Tablet, Lesegerät oder Smartphone, ob zu Hause oder unterwegs: unbekannt. Ich möchte hier nichts hineinlesen, was nicht drinsteht.

Falls Sie sich für solche Gewohnheiten interessieren: Wir bei digital-magazin.de haben darüber geschrieben, wie sich digitale Alltagsgewohnheiten und App-Nutzung insgesamt anfühlen. Zahlen daraus nenne ich hier bewusst nicht, das ist eine andere Geschichte.

Mein Punkt ist einfach: Komfort ist ein plausibler Faktor, aber eben nur ein Gedanke. Er passt zu dem, was Klöß sagt. Mehr nicht.

Vielleicht ein praktischer Gedanke zum Mitnehmen. Wenn Sie jemanden kennen, der sagt „Das Kleingedruckte kann ich auf dem Bildschirm nicht lesen“, dann fragen Sie nach, ob die Schrift schon angepasst wurde. Oft ist es eine Sache von zwei Minuten. Und manchmal wird aus dieser Sache plötzlich ein neues Hobby. Das ist wieder meine Erfahrung, und ich weiß, dass sie nicht für alle gilt.

Kaufen, leihen, gratis … wie kommen E-Books zu ihren Lesenden?

Jetzt wird es konkret. Alle folgenden Zahlen beziehen sich auf E-Book-Lesende, nicht auf alle Befragten.

89 Prozent der E-Book-Lesenden kaufen digitale Bücher. Im Vorjahr waren es laut Bitkom 81 Prozent. Das heißt: Der Anteil der Kaufenden unter den E-Book-Lesenden ist gestiegen, um acht Prozentpunkte.

Käuferinnen und Käufer geben durchschnittlich 12,40 Euro im Monat aus. Im Vorjahr waren es laut Bitkom 11,10 Euro. Wichtig: Das gilt nur für diejenigen, die tatsächlich kaufen.

Was heißt das nicht? Es heißt nicht, dass mehr E-Books verkauft wurden. Es sagt auch nichts über Branche oder Geschäftszahlen. Es geht um den Anteil und um die durchschnittlichen Ausgaben der Kaufenden, sonst nichts.

Ich nehme mir hier bewusst Zeit, weil dieser Punkt so leicht verrutscht. „Es wird mehr gekauft“ klingt griffig. Aber gemeint ist: Von denen, die E-Books lesen, kaufen heute anteilig mehr. Das ist eine Aussage über Menschen, nicht über Stückzahlen. Sie sehen, ich bin da pingelig. Aber es lohnt sich.

Zum Alltagskontext: Bücher online zu bestellen gehört bei mir längst dazu. Wir haben uns den Buchkauf im Netz schon einmal angeschaut. Mit den Bitkom-Zahlen hat das nichts zu tun, es ist nur ein Blick auf den Alltag rund ums Kaufen.

Beim Leihen sieht es anders aus. Bitkom schreibt: „Das Leihen von E-Books wird dagegen seltener genutzt“. 46 Prozent der E-Book-Lesenden leihen digitale Bücher, im Vorjahr waren es 54 Prozent. Leihende geben durchschnittlich 6,80 Euro im Monat aus.

Zusätzlich greifen 15 Prozent der E-Book-Lesenden auf kostenlose E-Books zurück. Und jetzt der wichtige Hinweis: Mehrfachnennungen sind möglich. Wer kauft, kann auch leihen und dazu noch Gratis-Titel lesen. Darum addiere ich diese Prozentwerte nicht. Die 12,40 Euro und die 6,80 Euro stelle ich ebenfalls nicht gegeneinander, denn es sind verschiedene Gruppen mit eigener Basis.

Stellen Sie sich eine Leserin vor, die ein neues Buch ihrer Lieblingsautorin sofort haben will. Sie kauft es. Ein anderes Buch, das sie nur mal anlesen möchte, leiht sie. Und ein drittes ist gratis zu haben, also nimmt sie es mit. Alles in einem Monat, alles bei derselben Person. Genau deshalb passen die Prozentwerte nicht in eine Rechnung, die auf hundert aufgeht. Das ist ein Gedankenexperiment von mir, kein Ergebnis.

Warum das Leihen seltener genutzt wird? Meine Lesart, rein als Vermutung: Vielleicht ist Kaufen für manche schlicht bequemer. Aber das ist mein Gedanke. Dazu sagt die Umfrage nichts.

Noch eine zweite Vermutung, ebenfalls nur meine: Ein Buch, das man besitzt, kann man jederzeit wieder aufschlagen, ohne an eine Frist zu denken. Ich merke bei mir selbst, dass mich Fristen stressen. Aber ob das bei den Befragten eine Rolle spielt, weiß ich nicht. Bitkom hat nach Gründen nicht gefragt.

Und was ist mit Abos? Bitkom fragt keine Abos ab. Wer wissen will, wie sich monatliche Ausgaben ansonsten summieren, findet bei uns einen Text über monatliche Abo-Ausgaben und die Müdigkeit damit. Für E-Books taucht das Thema in den Zahlen nicht auf.

Mir fällt noch etwas auf: Die Ausgaben von 12,40 Euro und 6,80 Euro sind Monatswerte, die Befragte selbst angegeben haben. Wer ehrlich ins eigene Konto schaut, kommt vielleicht auf andere Beträge. Das ist keine Kritik, nur ein Hinweis, dass Selbstauskunft eben Selbstauskunft bleibt.

Und die 15 Prozent mit kostenlosen E-Books? Ich finde die Zahl bemerkenswert, weil sie zeigt, dass der Weg zum E-Book nicht immer über den Geldbeutel führt. Was genau damit gemeint ist, steht nicht in der Mitteilung. Also bleibe ich bei dem, was sicher ist: 15 Prozent der E-Book-Lesenden greifen darauf zurück.

Was die Zahlen nicht verraten …

Jede Umfrage hat Lücken. Diese auch. Ich liste sie lieber offen auf, als sie zu überspielen.

Geräte? Keine Angaben. Ob E-Books auf dem Tablet, dem Lesegerät oder dem Smartphone gelesen werden, steht nicht in der Pressemitteilung. Marken oder Plattformen? Ebenfalls nicht. Auch Bibliotheks-Angebote nennt Bitkom nicht beim Namen.

Abos oder Flatrates? Kein Thema in der Umfrage. Hörbücher ebenso wenig. Wer sich dafür interessiert: Wir haben über Hörbücher bei Spotify geschrieben. Wichtig ist mir der Hinweis, dass Hörbücher nicht Teil der Bitkom-Zahlen sind.

Bei den 16- bis 29-Jährigen kennen wir nur den aktuellen Wert, 64 Prozent, aber keinen Vorjahreswert. Zu anderen Altersgruppen nennt die Pressemitteilung nichts. Auch die Ausgaben aller Lesenden werden nicht genannt, nur die von Käuferinnen und Käufern sowie von Leihenden.

Eine Fehlermarge nennt die Pressemitteilung nicht. Und, noch mal: Alles ist Selbstauskunft. Menschen schätzen ihre Ausgaben, sie erinnern sich nicht immer exakt. Das ist völlig normal, nur sollte man es nicht vergessen.

Offen bleibt auch, was die Befragten gerade lesen. Romane, Sachbücher, Ratgeber? Dazu sagt die Umfrage nichts. Genauso wenig erfahren wir, wo und wann gelesen wird, im Bett, in der Bahn oder im Park. Wenn ich ehrlich bin, wären das genau die Details, die mich am meisten reizen würden.

Mein Gefühl nach alldem: Die Umfrage gibt ein gutes Grundbild, aber sie ist kein Röntgenbild. Wo es still bleibt, sollten wir nicht laut raten. Wir bei digital-magazin.de bleiben deshalb lieber bei dem, was dasteht.

Und vielleicht ist das auch das Schöne an so einer Umfrage: Sie lässt Raum für eigene Fragen. Welche haben Sie? Ich sammle gern.

Und jetzt? Ab zur Buchmesse …

Der Anlass für die Umfrage steht vor der Tür. Die Frankfurter Buchmesse läuft vom 7. bis 11. Oktober, also von Mittwoch bis Sonntag. Privatbesuchende sind ab Freitag, 9. Oktober, dabei. Alle Infos zum Besuch finden Sie direkt bei der Buchmesse.

Bitkom schreibt in seiner Mitteilung vom 29. September nur, dass die Buchmesse „kommende Woche“ startet. Die Termine habe ich für Sie ausgeschrieben.

Was nehme ich persönlich mit? Zwei Dinge. Erstens: 55 Prozent lesen zumindest hin und wieder E-Books, aber nur 4 Prozent ausschließlich. Das Papierbuch bleibt, so wie bei mir auf dem Nachttisch. Zweitens: Den Satz von Klöß, digitales Lesen sei „längst keine Frage des Alters mehr“, finde ich nach diesen Zahlen nachvollziehbar. Die Jüngeren liegen mit 64 Prozent vorn, bei den Ab-65-Jährigen mit 42 Prozent wächst die Nutzung laut Bitkom am deutlichsten.

Ich finde, das ist eine ziemlich entspannte Nachricht. Niemand muss sich entscheiden. Wer unterwegs lieber das E-Book nutzt und zu Hause blättert, ist in bester Gesellschaft, so jedenfalls meine Lesart des Klöß-Satzes. Wer nur Papier liest, übrigens auch, denn 30 Prozent tun genau das.

Jetzt ein paar Tipps von mir, ausdrücklich aus meinem Alltag und ohne Zahlen. Wie liest man mit beidem, ohne dass es chaotisch wird?

Tipp eins: Nehmen Sie das Taschenbuch ruhig mit in den Rucksack, auch wenn das Tablet schon dabei ist. Papier braucht keinen Akku. Das ist beruhigend, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist und die Steckdose weit weg bleibt.

Tipp zwei: Probieren Sie abends den Lesemodus aus. Wärmeres Licht, weniger grelles Weiß. Irgendwo in den Einstellungen findet sich das, bei mir geht es in zwei Handgriffen. Und wenn die Schrift zu klein ist, ändern Sie sie einfach. Niemand schaut zu.

Tipp drei: Machen Sie sich Notizen. Ich schreibe Gedanken zu einem Buch gern in ein Heft, egal in welchem Format ich es lese. So bleibt die Geschichte an einem Ort, auch wenn ich zwischen Bildschirm und Papier wechsle. Das ist mein persönlicher Trick, vielleicht hilft er Ihnen auch.

Tipp vier: Gönnen Sie sich auf der Messe eine Pause. Wer stundenlang durch Hallen läuft, will abends nichts mehr schleppen. Dann ist das leichte digitale Buch Gold wert. Und am nächsten Morgen dürfen es wieder die Seiten aus Papier sein.

Ich werde auf der Messe wahrscheinlich beides dabeihaben. Tablet für die Bahn, Notizbuch für die Eindrücke, ein Taschenbuch für den Rucksack-Boden. Klingt banal, passt aber.

Und Sie so? Bildschirm, Papier oder beides?