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    Bots als Dichter und Autoren – wie kreativ ist künstliche Intelligenz wirklich?

    Bots genießen aktuell keinen guten Ruf. Sie gelten als Stimmungsmacher im Internet, die politisch Einfluss nehmen. Dass es auch anders geht, beweisen verschiedene Bots, die kreativ tätig werden. So gibt es immer häufiger künstliche Intelligenz, die Gedichte verfasst und an Romanen mitwirkt. Doch wie kreativ ist künstliche Intelligenz wirklich und wie geistreich sind ihre Werke? Die ersten Ergebnisse sind jedenfalls vielversprechend.

    Beispiele für Kunst von Bots

    Bereits im 19. Jahrhundert gab es erste Versuche, Kunst von Maschinen erschaffen zu lassen. Die Ergebnisse waren erstaunlich, haben aber sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz geht das deutlich schneller. Ein Beispiel hierfür ist der „Cybernetic Poet“, der vom Google-Ingenieur Ray Kurzweil entwickelt wurde. Dieser füttert seine Datenbank mit einer Vielzahl von Gedichten und speichert deren besondere Merkmale wie Rhythmus, Aufbau und Stil ab. Bei ausreichend großem Input kann er dann eigene Verse und Haikus erstellen. Außerdem hat Google 2016 eine künstliche Intelligenz entwickelt, die Gedichte verfassen kann. Grundlage hierfür waren 11.000 bis dahin unveröffentlichte Texte.

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    Ein weiteres Beispiel für künstliche Kunst sind die Werke des Schreibbots „Shelley A.I.„Dieser Bot wurde vom MIT Media Lab entwickelt und ist in der Lage, aus Tweets Horrorgeschichten zu kreieren. Es ist bemerkenswert, dass diese Geschichten Kernelemente der Literatur wie Spannungsbögen enthalten. Hierbei handelt es sich zwar noch um eine Kooperation aus Mensch (Twitter-Nutzer) und Maschine, aber das künstlerische Potenzial des Bots ist erstaunlich. Ebenso beachtlich ist die Leistung eines KI-Systems aus Japan, das 2016 bei der Erstellung eines Romans mitgewirkt hat. Dieser hat es bei einem Literaturwettbewerb in die zweite Runde geschafft.

    Besitzt künstliche Intelligenz Kreativität?

    Aktuell ist es so, dass künstliche Intelligenz ihre Werke immer nur auf Grundlage von bereits bestehenden Texten erstellen kann. Es wird ihr daher vorgeworfen, dass sie nicht eigenständig und kreativ arbeite, sondern lediglich kopiere. Aber ist das tatsächlich so? Denn auch menschliche Autoren arbeiten ja nicht im luftleeren Raum. Sie schaffen ihre Kunst nicht aus dem Nichts, sondern greifen auf all die Texte und Informationen zurück, die sie gelesen und sich angeeignet haben. Natürlich fließen auch persönliche Erfahrungen in den Schreibprozess, die ein Bot so nicht macht. Aber vielleicht sind die persönlichen Erfahrungen der künstlichen Intelligenz einfach nur andere als die der Menschen. Sind sie deswegen weniger wert?

    Tatsache ist jedenfalls, dass auch menschlichen Autoren von jeher fehlende Eigeninitiative unterstellt wurde. Wie oft wird Autoren bescheinigt, sie seien wie andere große Literaten und würden deren geistiges Erbe fortführen. Nicht umsonst werden sie in Interviews häufig gefragt, wer ihre Vorbilder und Inspirationen seien. Es ist für den Literaturbetrieb ganz natürlich, dass man auf frühere Werke aufbaut beziehungsweise – um Newton zu zitieren – „auf den Schultern von Riesen“ steht, um weiter sehen zu können. Warum soll also nicht auch künstliche Intelligenz auf Vorreiter zurückgreifen?

    Hinzu kommt eine weitere Frage: Lässt sich über die Qualität von Kunst überhaupt streiten? Es ist tatsächlich so, dass viele Texte von künstlicher Intelligenz noch holprig und teilweise kitschig sind. Aber welchem menschlichen Autor passiert das nicht auch hin und wieder? Zudem sind die Themen selten speziell aus der Lebenswelt der Bots gewählt, sondern haben noch sehr viel mit den Menschen zu tun. Aber auch in der humanen Literaturwelt gibt es nur noch sehr selten neue Themen. In den meisten Fällen geht es darum, bereits Bekanntes in einen neuen Kontext zu setzen und auf eine neue Art zu erzählen. Das wird künstliche Intelligenz irgendwann ebenfalls leisten können.

    Endliche Möglichkeiten – unendlicher Ehrgeiz

    Aktuell sind die kreativen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz begrenzt. Sie können ausschließlich solche Kunst schaffen, die auf den vorhandenen Quellen fußt. Eigene Ideen und Geistesblitze sucht man in den Kreationen der Bots vergeblich. Allerdings haben die Entwickler großen Ehrgeiz, das zu ändern. Das Ziel besteht durchaus darin, kreative Maschinen zu entwickeln, die lernen und eigenständig arbeiten. Viele Systeme können das schon heute. Zumindest, wenn man „lernen“ als das Sammeln und Auswerten von Informationen versteht. Das Gelernte aber anzuwenden und eigene, kreative Werke daraus zu entwickeln, ist die große Herausforderung für die Zukunft

    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
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