Für Onlinehändlerinnen und -händler in Deutschland ist easyShop eine Option mit klar benannten Kosten, aber ohne belegte Nachfrage in Deutschland: Der Standard-Tarif kostet laut OnCommerce 29 € im Monat zuzüglich MwSt. plus meist 15 % Verkaufsgebühr. Zugelassen wird laut wortfilter.de nur, wer anderswo bereits 50 Bewertungen mit mindestens 4,5 Sternen vorweisen kann. Ob sich der Aufwand rechnet, lässt sich für den deutschen Markt bislang nicht belegen.
Was ist easyShop, und wer steckt dahinter?
Laut Pressemitteilung von OnCommerce vom 13.10.2026 ist easyShop.com in 21 europäischen Ländern online. Betrieben wird der Marktplatz von OnCommerce, dem Unternehmen hinter OnBuy und dem angekündigten Marktplatz Comet. Die Marke easy geht auf Sir Stelios Haji-Ioannou zurück, den Gründer der easy-Markenfamilie; OnCommerce-Chef ist Cas Paton.
Nach eigener Aussage hält easyShop kein Lager, verkauft keine Eigenmarken und tritt nicht gegen die Verkaufenden an. Paton formuliert es so (sinngemäß übersetzt): Zu viele Händlerinnen und Händler bauten ihr Geschäft auf einer Plattform auf, die zugleich ihr größter Konkurrent sei. Das ist eine Herstellerangabe und zugleich ein Seitenhieb auf Amazon, der laut IFH-Angaben 63 Prozent des Onlinehandels in Deutschland auf sich vereint.
Technisch ist easyShop laut wortfilter.de (Mark Steier, 14.10.2026) eine zweite Verkaufsfront auf der bestehenden OnBuy-Infrastruktur. Angekündigt wurde das Projekt Anfang Juni 2026. Rechtsträger sind laut OnCommerce OnBuy Ltd (England und Wales) und OnBuy (EU) Ltd mit Sitz in Dublin.
Was kostet der Einstieg bei easyShop?
Die OnCommerce-Preisseite für Deutschland (Stand 19.10.2026) nennt drei Tarife, alle zuzüglich MwSt.: Standard für 29 € im Monat, „Partnergeführt“ für 79 € und Professional für 299 €. Standard enthält API-Zugang, Integrationen, Werbetools und keine zusätzlichen Angebotsgebühren. Die höheren Tarife ergänzen vor allem Sichtbarkeit und Gestaltung: eigenen Shop und priorisierten Support ab 79 €, Verkäuferabzeichen, Logo auf der Website und individuelles Shopdesign bei Professional.
Hinzu kommt die Verkaufsgebühr. Sie wird auf den Gesamtpreis inklusive Versandkosten berechnet und gilt laut OnCommerce seit dem 4. Februar 2026. Der Standardsatz beträgt 15 %, davon weichen einzelne Kategorien ab. Der Prozentsatz ist im Seller Control Panel sichtbar, bevor ein Produkt live geht.
Elektronikgeräte für den Privatgebrauch (das Gerät selbst, nicht das Zubehör) und Haushaltsgroßgeräte liegen bei 7 %, Spielkonsolen bei 8 %, Bier, Wein und Spirituosen bei 10 %, Werkzeuge und Heimwerken bei 13 %. Schmuck ohne Uhren kostet 20 %.
Verkaufsgebühr je Kategorie in % (Basis: Gesamtpreis inkl. Versand, zzgl. MwSt.)
Pro verkauftem Produkt gilt außerdem eine Mindestgebühr von 0,30 € (EUR-Märkte einschließlich Deutschland). Bei Erstattungen berechnet OnCommerce 20 % des Bestellwerts, mindestens 0,30 €, höchstens 6,00 €. Ein Streitfall kostet 8 €, eine Rückbuchung 17 €. Dieselben Gebühren gelten laut Preisseite bei OnBuy, easyShop und Comet, ohne separate Transaktionsgebühren.
dm-Rechnung: Was das konkret bedeutet
Die Grundgebühr im Standard-Tarif summiert sich auf 29 € × 12 Monate = 348 € netto pro Jahr. Bei einem Bestellwert von 100 € inklusive Versand fallen im Standardsatz 100 € × 15 % = 15 € Verkaufsgebühr an. Wird eine Bestellung über 50 € erstattet, ergäben 20 % rechnerisch 10 €; wegen der Obergrenze sind es 6 €. Gerade bei kleinen Warenkörben ist die Deckelung relevant, bei teuren Bestellungen kaum.
Wichtig für die Kalkulation: Die Provision wird auch auf den Versand erhoben. Wer Versandkosten durchreicht, zahlt darauf ebenfalls Gebühr.
Wer wird bei easyShop zugelassen?
Laut wortfilter.de, das sich auf die FAQ der easyShop-Händlerseite beruft, kommt nur hinein, wer einen Link zu einer bestehenden Verkaufsplattform mit mindestens 50 Bewertungen und 4,5 bis 5 Sternen angibt. Wir konnten das nicht gegenprüfen: Die Händlerseite von easyShop war am 19.10.2026 nicht abrufbar, auf der Preisseite steht die Hürde nicht. Auch ob sie in allen Märkten gleich gilt, ist offen. Ein Herausforderer, der von Neulingen erst anderswo erworbenen Ruf verlangt, hat ein bemerkenswert bescheidenes Verständnis von Starthilfe.
Weitere Voraussetzungen nennt wortfilter ebenfalls: Pflicht zu Barcodes (EAN, UPC oder ISBN), keine Gebrauchtware und eine Rücksendelösung für jedes Zielland. Neue Konten starten demnach mit 2.500 Listings. Die Auszahlung erfolgt laut wortfilter etwa sieben Tage nach dem erwarteten Lieferfenster, was für den Cashflow zu beachten ist.
Registriert wird über ein OnCommerce-Konto. Laut wortfilter braucht es dafür einen Ausweis der Geschäftsführung, einen Handelsregisterauszug, den Kontoauszug der letzten drei Monate und Umsatzsteuerdaten.
Welche Warenwirtschaft lässt sich anbinden?
Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPacking table in a small e-commerce warehouse, a person ticking off an abstract compliance checklist on a clipboard next to unbranded parcels ready for shipping, return labels without writing, warm work light. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.wortfilter zufolge nennt OnCommerce neun Integrationspartner: Linnworks, ChannelEngine, Rithum, Octopia, Shopify, Magento, PrestaShop, PlentyONE und Base. PlentyONE sei das einzige deutsche ERP-System in der Liste. JTL-Wawi, Billbee, Afterbuy, magnalister, Xentral und weclapp tauchen in der Dokumentation nicht auf; das beweist keine Unmöglichkeit, bedeutet aber laut wortfilter einen Umweg über die API oder einen Channel-Manager wie ChannelEngine.
Für Shops mit JTL oder Billbee entstehen damit voraussichtlich Zusatzaufwand oder Zusatzkosten, die in keiner der genannten Preislisten stehen. Wer ohnehin mehrere Kanäle über einen Channel-Manager steuert, kann diesen Weg nutzen.
API und zusätzliche Konnektoren für Shops ohne Partneranbindung
Wer nicht über einen der gelisteten Partner angebunden ist, hat laut wortfilter zwei Wege. Erstens gibt es eine REST-API, also eine Programmierschnittstelle, über die Systeme Daten automatisch austauschen. Der Zugang ist bereits im Standard-Paket für 29 Euro enthalten. Die Dokumentation (OnBuy API v2) liegt öffentlich als Postman-Collection vor, einer Sammlung vorbereiteter Abfragen, mit denen sich die Schnittstelle ausprobieren lässt. Im Seller Control Panel finden Sie unter „Inventory > Integrations > OnBuy API“ jeweils ein Test- und ein Live-Schlüsselpaar aus Consumer Key und Secret Key.
Mit diesen Schlüsseln fordern Sie ein zeitlich begrenztes Access Token an, eine Art befristeten Zugangsausweis, der bei jedem Aufruf im Authorization-Header mitgesendet wird. Die API deckt wortfilter zufolge Produkte, Listings, Bestellungen, Kategorien, Marken, Lieferprofile, Provisionssätze und eine Warteschlange für Massenverarbeitung ab. Neue Produkte entstehen in zwei Schritten: Zuerst wird das Produkt per Live-Key angelegt, anschließend muss es im Panel unter „Approve Products“ freigegeben werden. Eine easyShop-spezifische API existiert nicht; alle Marken nutzen dieselben OnBuy-Endpunkte.
Zweitens nennt wortfilter fertige Konnektoren von außen. Der Feed-Dienstleister Koongo bietet einen OnBuy-Connector, der laut Bericht auch easyShop abdeckt. Die iPaaS-Plattform Patchworks, ein Dienst zur Verbindung verschiedener Systeme, stellt einen vorgefertigten OnBuy-Konnektor bereit. Ein Entwicklerprogramm gibt es dagegen nicht, ebenso kein Entwicklerportal und keinen App-Marktplatz. Als inoffizielle Hilfe nennt wortfilter ein PHP-SDK auf GitHub, das zuletzt 2022 aktualisiert wurde.
Welche rechtlichen Pflichten bleiben bei den Verkaufenden?
Die Haftung für fehlende Pflichtangaben tragen laut wortfilter die Verkaufenden, nicht der Marktplatz. Das ist ein Befund von wortfilter, keine Rechtsberatung. wortfilter schildert eine Stichprobe vom 14.10.2026 auf der deutschen Seite: Ein Smartphone-Angebot eines Shops mit Sitz in Hongkong hatte weder E-Mail-Adresse noch Telefonnummer, Umsatzsteuer-ID, Widerrufsbelehrung oder Muster-Widerrufsformular. Die Felder für Herstellerangaben und verantwortliche Person in der EU nach Art. 19 der Produktsicherheitsverordnung (GPSR, Verordnung (EU) 2023/988) waren leer.
Zur Plattform selbst merkt wortfilter an, das Impressum der deutschen Seite nenne OnBuy (EU) Ltd mit irischer Registernummer, aber eine britische Umsatzsteuer-ID. Die AGB seien ein englischsprachiges PDF. Laut wortfilter lassen sich Herstellerangaben und EU-Verantwortlicher hinterlegen, eine Widerrufsbelehrung oder ein vollständiges Impressum dagegen nicht an der vorgesehenen Stelle.
Bei Anbietern aus Drittstaaten verlangen Verbände zudem, dass ein haftender Bevollmächtigter in der EU benannt wird; die Hongkong-Stichprobe passt genau in dieses Bild. Ob das für easyShop insgesamt typisch ist, belegt eine einzelne Stichprobe nicht.
Lohnt sich easyShop für Ihren Shop?
Die Kostenseite ist transparent dokumentiert: 348 € Grundgebühr im Jahr (dm-Rechnung) plus eine kategorieabhängige Provision, im Standardsatz 15 %. Entscheidend ist die Nachfrage, und dazu liegen keine Daten vor: weder Zahlen zu Verkaufenden noch zu Besuchen bei easyShop in Deutschland, noch eine Umsatzprognose. OnCommerce spricht lediglich von Hunderten Handelsbetrieben, die nach einem gestaffelten Start bereits verkaufen. Das ist eine Eigenangabe ohne Länderaufschlüsselung.
Die Reichweitenzahlen, die wortfilter nennt, betreffen OnBuy und lassen sich nicht auf easyShop übertragen; wir verwenden sie deshalb nicht. Wer bereits bei OnBuy listet, erscheint laut wortfilter unter Berufung auf OnCommerce automatisch auch auf easyShop, ohne gesonderten Antrag.
Marktplatz als Ergänzung, nicht als Fundament
Ein neuer Kanal verändert die Abhängigkeit vom bisherigen nur dann, wenn er nennenswerte Umsätze bringt. Bis dahin ist easyShop ein zusätzlicher Vertriebsweg mit Fixkosten, eigenem Pflegeaufwand und der Haftung für alle Pflichtangaben bei den Verkaufenden. Wer Amazon entkommen will, braucht zuerst Nachfrage, die sich messen lässt, und erst danach eine Umverteilung.




