Mein Router und ich hatten gestern Abend eine Meinungsverschiedenheit. Er wollte nicht mehr, ich wollte Licht. Die smarte Lampe im Flur, sonst die Zuverlässigkeit in Person, saß da wie ein Hund, der den Befehl verstanden hat und trotzdem nicht reagiert – und in der App drehte sich dieser kleine Ladekreis. Mein alter Feind. Solche Abende sammle ich inzwischen unter meinen ganz persönlichen Smart-Home-Fails, und ich habe sie nicht gezählt, weil ich Angst vor der Zahl habe.
Genau an solche Abende musste ich denken, als Samsung am Dienstag, 6. Oktober, im Samsung Global Newsroom das neue SmartThings-Update vorgestellt hat. Es heißt „SmartThings Now“, und es verspricht zwei Dinge: eine App, die Ihnen entgegenkommt, statt dass Sie Funktionen suchen, und eine lokale Steuerung, die über einen Hub statt über die Cloud laufen und dadurch schneller reagieren soll.
Die kurze Version: SmartThings Now schiebt Karten an den Anfang des Home-Tabs, und die schnellere lokale Steuerung – bis zu rund 30 % gegenüber der Cloud, laut einem Samsung-Test unter kontrollierten Bedingungen – gibt es nur mit Hub. Ohne Hub bleibt es bei der Cloud. Diese Fußnote entscheidet, ob bei Ihnen überhaupt etwas ankommt.
Ich lese Fußnoten, bevor ich mich freue. Das ist keine Charaktereigenschaft, das ist Selbstschutz, geboren aus zu vielen Keller-Abenden. Also nehmen wir das Update auseinander: was die Karten tun, was die Care-Karte offenlässt, welche Geräte als Hub zählen und was Samsung zu Rollout, Ländern und Preisen schreibt. Spoiler: nichts.
SmartThings Now: Die App dreht sich um
Zuerst die Eckdaten, die Samsung selbst nennt. SmartThings ist laut der Mitteilung eine globale Plattform für das vernetzte Zuhause mit 470 Millionen registrierten Nutzenden und mehr als 430 Marken, die als „Works with SmartThings“ zertifiziert sind. Das sind Herstellerzahlen, und ich gebe sie als solche weiter. Wir bei digital-magazin.de haben sie nicht überprüft und können es auch nicht.
Das Update tut dreierlei: Es setzt SmartThings Now an den Anfang des Home-Tabs, es frischt den Home-Tab insgesamt auf, und es erweitert die lokale Steuerung. Ein Update mit drei Baustellen, wie bei mir im Keller.
Der Kern ist die Umkehrung des Prinzips. Samsung beschreibt es im Zitat von Jaeyeon Jung, Executive Vice President und Leiter des SmartThings-Teams im AI Platform Center von Samsung Electronics, so (meine Übersetzung aus dem Englischen):
„Dieses Update ist ein weiterer Schritt in SmartThings’ fortlaufendem Bemühen, über ein Zuhause hinauszugehen, in dem Nutzende Funktionen suchen und starten. Indem SmartThings zur richtigen Zeit relevante Informationen und Steuerungen liefert, verschiebt es die Grenzen intelligenterer Smart-Home-Erlebnisse und unterstützt Nutzende dabei, ihren Alltag natürlicher zu organisieren.“
Jaeyeon Jung, Executive Vice President und Head of the SmartThings Team, AI Platform Center, Samsung Electronics (Übersetzung durch die Redaktion)
Übersetzt in Kellersprache: Bisher waren Sie der Kellner, der in der Speisekarte blättert. Künftig soll die App ungefragt den Teller bringen. Klingt einfach, ist es aber nicht – denn damit eine App zur richtigen Zeit das Richtige zeigt, muss sie vorher einiges über Sie wissen. Dazu kommen wir bei der Care-Karte noch.
SmartThings Now erscheint laut Mitteilung als Karten oben im Home-Tab und baut auf „Home Insight“ auf. Die Karten kombinieren relevante Informationen mit Aktionen, die Sie sofort ausführen können, abgestimmt auf Ihre aktuelle Situation. Wie genau die App Ihre „Situation“ erkennt, steht nicht in der Mitteilung – außer in den Beispielen, die wir uns gleich ansehen.
Zur Reichweite: Der neue Home-Tab samt SmartThings Now soll laut Fußnote 2 auf SmartThings-unterstützten Geräten laufen, genannt werden Mobilgeräte, Samsung Smart TVs, Family-Hub-Kühlschränke, Samsung-Hausgeräte mit 7- oder 9-Zoll-Screen und Windows-Geräte. Ob Ihr konkretes Modell dazugehört, müssen Sie selbst prüfen.
Wer jetzt „Moment, das wäre doch Samsung-only?“ fragt: Die App betrifft, so wie ich die Mitteilung lese, auch Geräte anderer Marken, sofern sie in SmartThings eingebunden sind – die Zahl der zertifizierten Marken deutet darauf hin. Das ist allerdings meine Lesart, keine Aussage aus der Mitteilung.
Licht, Lüfter, Lieblingskacheln: Die Karten im Alltag
Drei Szenen nennt Samsung, und jede zeigt eine andere Seite des Prinzips. Die erste: der Weg nach Hause. Wenn Sie in die Nähe eines Ortes kommen, den Sie in der SmartThings-App vorab als Zuhause hinterlegt haben, schlägt SmartThings Now vor, Lichter und Luftreiniger schon einzuschalten. Wenn Sie das tun, fragt die App anschließend, ob sie daraus eine Routine machen soll, damit dieselben Aktionen künftig automatisch laufen.
Das gefällt mir. Wirklich. Es ist die Version von „Lernen“, die ich nachvollziehen kann: Erst fragt die App, dann schlägt sie vor, dann bauen Sie die Automation selbst. Kein Geheimwissen im Hintergrund, sondern ein sichtbarer Dreischritt. Ich bin bei Automationen, die ich nicht verstehe, nämlich ungefähr so entspannt wie bei Pilzen aus dem Wald.
Die zweite Szene betrifft die Favoriten. SmartThings Now wertet die Aktivitäten der vergangenen Woche aus und schlägt Änderungen an den Favoriten des Home-Tabs vor – Geräte, Dienste, Routinen. Das Beispiel aus der Mitteilung: Die App kann empfehlen, die Klimaanlagen-Karte zu entfernen, wenn die Nutzung zu den kühleren Monaten hin abnimmt. Umgekehrt kann sie empfehlen, eine Karte für den AirDresser hinzuzufügen, wenn der im Wechsel der Jahreszeiten öfter läuft.
Ehrlich gesagt: Das ist die Art Komfort, die man erst vermisst, wenn man sie hat. Meine Klimaanlagen-Kachel (ja, ich habe eine, ja, sie ist im Oktober eine Zumutung) belegt seit Wochen den besten Platz auf meinem Bildschirm, und ich habe sie nie runtergeschoben. Warum auch? Die App hat mich ja nicht gefragt.
Bemerkenswert finde ich, dass Samsung hier „Vorschläge“ schreibt. Die Karte entscheidet nicht für Sie, sie schlägt vor. Ob und wie Sie Vorschläge ablehnen oder ausblenden können, ist offen – die Mitteilung beschreibt das nicht.
Routine Insight: Aufräumen im Automations-Keller
Die dritte Szene hat mich als Bastler am meisten gekitzelt. Über die Karte „Routine Insight“ in SmartThings Now landen Sie in einer Detailansicht Ihrer Routinen-Aktivität der letzten Woche. Dort können Sie prüfen, welche Routinen noch laufen, und die löschen, die Sie nicht mehr brauchen. Laut Fußnote 1 erreichen Sie Routine Insight auch über den Tab „Automations“ und dort „Suggestions“.
Kennen Sie das? Man baut im Eifer des Gefechts eine Routine („Wenn Bewegung im Flur, dann Licht“), vergisst sie, baut drei Monate später eine zweite, die das Gegenteil macht, und wundert sich, warum der Flur im Disko-Modus ist. Ein Überblick über die Aktivität der vergangenen Woche ist da Gold wert – vorausgesetzt, die Ansicht ist so übersichtlich, wie sie klingt. Das kann ich nicht beurteilen. Wir bei digital-magazin.de haben das Update nicht getestet, ich beschreibe, was in der Mitteilung steht.
Der neue Home-Tab: Floating Bar und lebendiger Hintergrund
Dazu sortiert Samsung den Home-Tab neu: Dashboards, Geräte-Karten und Service-Karten bekommen eine neue Anordnung, wobei die Service-Karten platzsparender sein sollen und Gerätestatus sowie Messwerte direkt zeigen. Der Live Wallpaper ändert sich im Tagesverlauf auf natürliche Weise. Und unten sitzt eine „Floating Bar“, die häufig genutzte Funktionen in Daumenreichweite bringt – gedacht für die einhändige Bedienung auf größeren Smartphones und im Einklang mit der aktuellen One-UI-Designrichtung.
Die Floating Bar ist, Hand aufs Herz, das Feature, das ich am schnellsten verstehe. Wer mit einem großen Handy in der einen und dem Einkaufsbeutel in der anderen Hand vor der Haustür steht, weiß, warum. Der Live Wallpaper dagegen? Nett. Meine Lampen dimmt er nicht.
Die Care-Karte: Eine Karte, viele offene Fragen
Jetzt wird es heikel, und zwar deshalb, weil die Idee so schlicht ist. Wenn ein Mitglied von Family Care – Samsung nennt als Beispiel ein älteres Elternteil – über längere Zeit keine Geräteaktivität zeigt, blendet SmartThings Now für die betreuende Person eine Care-Karte ein. Mit Optionen zum Nachfragen oder Anrufen. Mehr steht dazu nicht in der Mitteilung, und ich möchte auch nicht mehr hineinlesen: eine Karte, zwei Wege, Kontakt aufzunehmen.
Wichtig vorweg: Family Care ist kein neuer Dienst. Samsung bietet es schon länger an. Neu ist ausschließlich die Care-Karte in SmartThings Now, also die Art, wie das Thema im Home-Tab auftaucht. Das sage ich so deutlich, weil in der Aufregung um Updates gern aus „neue Karte“ ein „neuer Dienst“ wird.
Ich finde die Idee sympathisch. Wer Eltern hat, die allein wohnen und sich nicht gern kontrollieren lassen, kennt das Dilemma: anrufen, obwohl man nur wissen will, ob die Kaffeemaschine heute lief. Eine Karte, die nur dann auftaucht, wenn auffällig lange nichts passiert, ist weniger aufdringlich als ein täglicher „Alles gut?“-Anruf. Das ist meine Einschätzung, und sie gilt unter dem Vorbehalt, dass die Betroffenen davon wissen und einverstanden sind.
Was die Mitteilung nicht sagt
Hier hört mein Wohlwollen auf – nicht aus Misstrauen, sondern weil die Lücken sichtbar sind. Die Care-Karte arbeitet mit Aktivitätsdaten von Angehörigen. Das liegt in der Natur der Sache. Aber die Mitteilung lässt Fragen offen, und ich stelle sie ausdrücklich als Fragen, nicht als Unterstellung:
- Wer genau ist als Family-Care-Mitglied eingebunden, und wie läuft die Einwilligung ab?
- Welche Aktivitätsdaten werden erfasst – nur „Gerät wurde benutzt“ oder mehr?
- Was wird gespeichert, wo, und wie lange?
- Was zählt als „längerer Zeitraum“ ohne Aktivität, und können Betreuende oder Betreute das einstellen?
- Sehen die betreuten Personen, dass und wann eine Karte bei jemand anderem erscheint?
Zu all dem schweigt die Mitteilung. Auch zu Datenschutz, Einwilligung und Speicherort steht nichts drin. Das heißt nicht, dass es dazu nichts gibt – möglicherweise findet sich Antwort in den Family-Care-Einstellungen oder den Datenschutzhinweisen. Aber wer Aktivitätsdaten von Angehörigen verarbeitet, sollte diese Antworten vorab bereithalten, nicht nachreichen.
Ein Gedanke zum Weiterlesen: Wie sich ein Zuhause denken lässt, in dem solche Auswertungen im Haus bleiben, haben wir in unserem Stück über die Familien-KI, die im Haus bleibt, aufgeschrieben. Ob SmartThings Now etwas Ähnliches tut, kann ich nicht sagen. Die Mitteilung nennt weder ein Modell noch einen Verarbeitungsort.
Meine Lesart: Die Care-Karte ist eine gute Idee mit einer Dokumentationslücke. Und die Lücke ist ausgerechnet dort, wo Vertrauen zählt. Kurz: Erst fragen, dann freischalten – bei den Eltern ebenso wie bei Samsung.
Hub oder Cloud: Die Fußnote, auf die es ankommt
Jetzt zu dem, weshalb ich eigentlich den Taschenrechner und die Lesebrille geholt habe. Samsung schreibt, dass die lokale Steuerung die Reaktionszeit gegenüber der Cloud-Steuerung um bis zu rund 30 % verbessern kann – laut Samsung-Test, und nur mit Hub. Die Voraussetzungen stehen im Kleingedruckten, und das ist der Knackpunkt.
Die kurze Version: Bis zu rund 30 % schneller, laut Samsung-Test unter kontrollierten Bedingungen, gibt es nur mit Hub. Ohne Hub läuft Ihre Steuerung weiter über die Cloud, und die Zahl gilt für Sie nicht.
Was ein Hub überhaupt ist
Ein Hub ist, vereinfacht, die kleine Zentrale in Ihrem Zuhause, die mit Ihren Geräten spricht. Stellen Sie ihn sich als Dolmetscher im Wohnzimmer vor: Ihre Lampen, Sensoren und Steckdosen sprechen teils unterschiedliche Funk-Dialekte, der Hub versteht sie alle und gibt Ihrer App ein einheitliches Gegenüber. Ohne ihn muss Ihr Befehl den Umweg über die Cloud nehmen – also über Server irgendwo im Netz.
Der Alltagsvergleich: Mit Cloud-Steuerung rufen Sie quasi dem Nachbarn im Haus gegenüber zu, er solle bitte beim Hausmeister anrufen, damit der dem Licht im Flur Bescheid gibt. Mit lokaler Steuerung gehen Sie selbst in den Flur und knipsen. Es ist kürzer. Ob es überhaupt bis zu rund 30 % kürzer ist? Das hängt, wie Samsung selbst schreibt, von Ihrer Umgebung ab.
Die Bedingungen im Wortlaut
Wenn Mobilgerät und SmartThings-Hub im selben WLAN-Netz hängen, kann das Mobilgerät direkt mit dem Hub kommunizieren, statt die Befehle durch die Cloud zu schicken. Gegenüber Cloud-Steuerung kann lokale Steuerung die Reaktionszeit um bis zu rund 30 % verbessern – das ist Samsungs Testangabe, und sie gilt nur mit Hub. Das gilt generell für die lokale Steuerung im selben WLAN – nicht nur dann, wenn das Netz wackelt. Das ist ein wichtiger Punkt, den man in der Hektik leicht überliest.
Fußnote 4 sagt, woher die Zahl stammt: aus Tests, die Samsung unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt hat. Die tatsächliche Leistung kann je nach Umgebung der Nutzenden abweichen. Mehr nicht. Keine Millisekunden, keine Angabe, wie die Testumgebung aussah, welche Geräte angesteuert wurden, wie oft gemessen wurde. Es bleibt bei „bis zu rund 30 %“, als Relativwert, ohne Bezugsgröße.
Ich sage es freundlich: Mit einer Prozentangabe ohne Ausgangswert kann ich wenig anfangen. 30 % von sehr schnell sind wenig, 30 % von „Moment, ich überlege noch“ sind spürbar. Welche der beiden Welten bei Ihnen zu Hause gilt, hängt von Ihrem WLAN, Ihren Geräten und vermutlich auch von der Laune Ihres Routers ab. Gemessen hat hier niemand von uns etwas, deshalb nenne ich keine eigene Zahl.
Welche Geräte als Hub zählen – die Checkliste
Fußnote 3 zählt auf, wer mitspielen darf. Lokale Steuerung ist verfügbar auf Android- und iOS-Geräten mit installierter SmartThings-App, und zwar mit:
- SmartThings Station
- SmartThings Hub V2
- SmartThings Hub V3
- SmartThings Hub V4
- hubfähigen Samsung Smart TVs
- Family Hub (den smarten Kühlschränken)
Das ist die komplette Liste aus der Mitteilung. Ob Ihr Fernseher „hubfähig“ ist, steht nicht in einem Satz, den ich Ihnen vorlesen könnte – das hängt vom Modell ab, und die Mitteilung nennt keine Modellreihen. Hier hilft nur ein Blick in die Geräteeinstellungen oder ins Handbuch.
Besonders reizvoll finde ich den Family Hub in der Liste. Wer einen Samsung-Kühlschrank mit Screen hat, besitzt möglicherweise schon einen Hub und weiß es nicht. Einen Eindruck davon, was in so einem Kühlschrank steckt, gibt unser Stück zu Samsungs Bespoke-Kühlschrank mit KI. Ob genau Ihr Modell als Hub taugt, ist wiederum eine Frage fürs Datenblatt.
Zuhause lokal, unterwegs Cloud
Einen Satz aus der Mitteilung möchte ich noch hervorheben: SmartThings wechselt automatisch zwischen lokaler und cloudbasierter Fernsteuerung, je nachdem, ob sich das Mobilgerät zu Hause oder unterwegs befindet. Das ist praktisch, weil Sie nichts umstellen müssen. Gleichzeitig heißt es: Sobald Sie das Haus verlassen, sind Sie wieder in der Cloud-Welt. Die bis zu rund 30 % (Samsung-Test, nur mit Hub) betreffen den Zeitraum, in dem Ihr Handy im Heim-WLAN hängt – also die Momente, in denen Sie auch einfach selbst zum Schalter laufen könnten. Ein bisschen Ironie darf sein.
Und wer keinen Hub hat? Für den ändert sich bei der Steuerung offenbar nichts. Ob ein Hub-Kauf wegen des Updates sinnvoll ist, beantwortet die Mitteilung nicht, und Preise nennt sie ebenfalls nicht – weder für die Hubs noch für die App noch für Family Care.
Offline? Na ja – „temporary network fluctuations“
Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic close photo of a hand pressing a plain white wall light switch, warm lamp light in the background, no logos, no readable text, no watermarks, 16:9Samsungs Zwischenüberschrift zur lokalen Steuerung lautet im Original, frei übersetzt: „Verbesserte lokale Steuerung hilft, Geräte reaktionsfähig zu halten, selbst wenn sie offline sind.“ Im Fließtext wird das vorsichtiger: Die lokale Steuerung soll helfen, vernetzte Geräte zuverlässiger weiterzubedienen, wenn sich die Heimnetz-Umgebung ändert oder der externe Internetdienst gestört ist. Und weiter: Das helfe, die Steuerung während „temporary network fluctuations“ aufrechtzuerhalten, also bei vorübergehenden Netzschwankungen.
Ich lese diesen Unterschied zwischen Überschrift und Text sehr genau. Eine Überschrift klingt nach „läuft auch ohne Internet“, der Text nach „kurze Wackler überbrücken“. Beides kann stimmen. Ich unterstelle nichts. Aber die Frage, die ich stellen möchte, bleibt: Wie lange trägt das lokale Steuern ohne Internet? Minuten? Stunden? Bis zum Neustart des Routers? Die Mitteilung gibt darauf keine Antwort.
Offen ist außerdem, ob auch Ihre Automationen und Routinen lokal laufen oder nur das direkte Bedienen per App. Das ist für den Alltag ein Riesenunterschied: Ein Licht per Handy anschalten zu können ist schön, ein Heizungsprogramm, das trotz Internetausfall weiterläuft, ist noch schöner. Was Samsung hier meint, schreibt die Mitteilung nicht.
Ein Gedanke aus der Kellerwerkstatt: Wer Home Assistant kennt, hat bei „lokal“ eine klare Vorstellung – alles im Haus, Internet egal. Bei SmartThings Now und dem Hub bleibt der Begriff weicher. Das ist kein Vorwurf, nur ein Hinweis, dass „lokal“ nicht überall dasselbe bedeutet. Man sollte nachfragen, bevor man sich darauf verlässt.
Offline Device Diagnostics: Aufräumen nach dem Ausfall
Weniger kontrovers, dafür handfest: Die Seite „Offline Device Diagnostics“ wurde aktualisiert, sie ist also nicht komplett neu. Sie soll Nutzenden helfen, Geräte wieder online zu bringen, die ausgefallen sind, und zwar indem sie neue Netzwerkinformationen für alle registrierten Geräte auf einmal aktualisiert.
Das klingt nach einer Wohltat. Wenn Sie schon einmal Ihr WLAN umgezogen haben (neuer Router, neues Passwort, neuer Frust), kennen Sie das Spiel: Jedes Gerät einzeln neu verbinden, und das dritte Dutzend verweigert die Zusammenarbeit. „Alle auf einmal“ ist da ein Versprechen mit Sogwirkung. Ob es wirklich alle Geräte erreicht, auch die von Fremdherstellern, steht nicht in der Mitteilung.
Matter 1.6 und, getrennt davon, neue Gerätekategorien
Jetzt kommt der Teil für die Schrauber. Samsung hat Unterstützung für Matter 1.6 ergänzt, den aktuellen Smart-Home-Konnektivitätsstandard der Connectivity Standards Alliance (CSA). Laut Mitteilung soll das Stabilität und die Leistung der Group Control verbessern. Mehr steht dazu nicht da – keine Liste neuer Gerätetypen, keine Aussage, welche Geräte profitieren.
Für die Einordnung des Standards selbst, auch im Vergleich mit anderen Plattformen, lohnt ein Blick darauf, wie Home Assistant Matter 1.6 unterstützt. Das ist keine Konkurrenzbeobachtung, nur ein Vergleichsrahmen: Wie ein Standard in unterschiedlichen Systemen ankommt, ist oft spannender als der Standard allein.
Group Control klingt trocken, ist aber alltagsnah: Wenn Sie mehrere Lampen gemeinsam schalten und eine davon hängt, kennen Sie den Effekt – die einen Lampen gehen an, dann kurz nichts, dann die letzte, als hätte sie gerade gefrühstückt. Verbesserte Group Control soll genau das glätten. Ob und wie stark, kann ich nicht sagen. Das kann nur ein Test, und den hat niemand von uns gemacht.
Vier neue Gerätekategorien – ein eigener Punkt
Wichtig, weil es leicht verwechselt wird: Das Update fügt außerdem Unterstützung für vier neue Gerätekategorien hinzu. Das ist ein separater Punkt der Mitteilung, nicht Teil der Matter-1.6-Aussage. Ob die Kategorien Matter-Gerätetypen sind, steht nirgends. Ich schreibe es deshalb nicht.
- Energy Meters: Strommessung in Echtzeit
- Closures: besondere Tür- und Tortypen
- Irrigation: Bewässerung, etwa Sprinkleranlagen
- Soil Sensors: Sensoren, die den Bodenzustand messen
Für Bastelnde ist das ein spannender Köder. Bewässerung plus Bodensensor ist die Kombination, die jedem Balkongärtner Tränen der Rührung in die Augen treibt: Die Tomaten melden Durst, der Sprinkler antwortet. Ein Bastelprojekt, das ich mir sofort vorstellen kann – und das ich ohne Erfahrungswerte nicht empfehle. Welche konkreten Geräte und Marken das abdeckt, sagt die Mitteilung nicht.
Closures sind für mich das Kategorie-Rätsel. „Besondere Tür- und Tortypen“ kann Garagentore, Rollläden oder etwas ganz anderes meinen. Die Mitteilung hält es bei dieser Formulierung. Ich spekuliere nicht.
Energy Meters und die deutsche Brille
Energy Meters sind der Punkt, der in Deutschland sofort Resonanz findet, weil die Stromrechnung nicht verhandelbar ist. Eine Einordnung als Selbstauskunft: In einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Bitkom unter mehr als 1.000 Personen in Deutschland, darunter 597 Smart-Home-Nutzende, gaben 58 Prozent der Haushalte mit Smart-Home-Technologien an, dass dadurch ihr Strom- und Energieverbrauch gesunken sei. Das sind Angaben der Befragten, keine Messungen – und sie haben mit den Samsung-Angaben aus diesem Artikel nichts zu tun.
Was ich daraus mitnehme: Wer Verbrauch sehen will, findet in Echtzeit-Messung ein Werkzeug. Ob SmartThings dafür Geräte, Dashboards oder Auswertungen bereitstellt, bleibt offen. Die Kategorie kommt, mehr weiß ich nicht.
Fragen an Samsung – meine Hausaufgabenliste
Ein Artikel über ein Update, das noch keinen Termin hat, ist auch ein Fragebogen. Das sind die Punkte, die ich an Samsung richten würde, wenn ich im selben Raum säße:
- Wann kommt das Update, und in welchen Ländern? Die Mitteilung nennt weder ein Datum noch Regionen, auch nicht für Deutschland, Österreich oder die Schweiz.
- Was kostet was? Preise für App, Hubs oder Family Care stehen nicht in der Mitteilung.
- Wie lange funktioniert die lokale Steuerung ohne Internet, und laufen Routinen lokal?
- Unter welchen Bedingungen wurde der Samsung-Test gemacht, der die Angabe „bis zu rund 30 %“ ergibt (nur mit Hub) – und welche Ausgangswerte liegen dahinter?
- Wie funktioniert die Einwilligung bei Family Care, welche Daten werden gespeichert, und wo?
- Welche hubfähigen Samsung-TV-Modelle gibt es genau?
Sechs Fragen, eine Mitteilung, null Antworten. Das ist nicht unüblich bei Produktvorstellungen, und ich will nicht so tun, als wäre es ein Skandal. Aber es erklärt, warum ich bei aller Sympathie auf „Fußnote lesen“ bestehe. Wir bei digital-magazin.de beobachten weiter, ob Samsung Details nachliefert.
Und jetzt?
Zurück zu meinem Flur und der Lampe, die mich anstarrt. Würde SmartThings Now daran etwas ändern? Wenn ich einen passenden Hub hätte, mein Handy im Heim-WLAN hinge und der Router halbwegs bei Laune wäre: vielleicht ein bisschen. Samsung spricht von bis zu rund 30 % schneller als die Cloud – im eigenen Test unter kontrollierten Bedingungen, nur mit Hub. Und wenn der Router gerade ganz streikt? Dann trägt „temporary network fluctuations“ vermutlich eine Weile, aber wie lange, weiß nur Samsung.
Der Punkt ist: Die Grundidee gefällt mir. Karten, die sich nach Ihnen richten, statt dass Sie in Menüs wühlen; eine Routinen-Übersicht, die den Automations-Keller aufräumt; ein Licht-Vorschlag, aus dem Sie mit einem Tipp eine Routine machen. Das ist durchdacht. Die Fußnoten sind ehrlich, solange man sie liest. Und die Care-Karte ist eine freundliche Idee, deren Datenfragen ich erst beantwortet sehen möchte, bevor ich sie empfehle.
Offen bleiben Termin, Länder und Preise. Bis Samsung dazu etwas schreibt, bleibt SmartThings Now für mich ein gutes Versprechen mit kleingedrucktem Beipackzettel. Ich lese ihn weiter – und sage Bescheid, wenn die Lampe im Flur ihre Meinung ändert.




