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Google Beam: Videotelefonie, die sich anfühlt wie ein Gegenüber

Ihr Blick landet im Meet-Call ständig neben der Kamera? Google Beam will Videotelefonie mit Blickkontakt und 3D-Tiefe bieten, ganz ohne Headset. Ich habe mir angesehen, was das Gerät kann, was es kosten soll und für wen es gedacht ist.

Beam im Besprechungsraum mit lebensgroßem Gegenüber auf dem DisplayDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic 16:9 documentary photograph of a quiet modern meeting room with a large frameless light-field display showing a life-size remote colleague, two people at a curved table, no logos, no readable text
Gespräch mit einem lebensgroßen Gegenüber auf dem Display (Symbolbild)

Kennen Sie das? Sie sitzen im Meet-Call, der Chef redet, und Sie starren auf seine Nasenspitze. Nicht, weil sie so faszinierend wäre. Sondern weil die Kamera irgendwo oberhalb des Bildschirms klebt und Ihr Blick automatisch daneben landet.

Ich lächle dann ein bisschen zu starr. Nicke einen Tick zu oft. Und nach dem dritten Call des Tages fühle ich mich, als hätte ich mit einem Fernseher diskutiert (ja, wirklich).

Normale Videotelefonie ist flach. Sie funktioniert, keine Frage. Aber Präsenz? Eher nicht.

Und jetzt kommt Google Beam. Ein Gerät, das verspricht, dass Ihr Gegenüber lebensgroß, dreidimensional und mit echtem Blickkontakt vor Ihnen sitzt. Ohne Headset, ohne Brille. Klingt verrückt. Ändert das wirklich etwas an meinem Nasenspitzen-Problem?

Ich habe mir angesehen, was Google, HP und die Fachpresse dazu sagen. Und ich sage Ihnen gleich vorweg: Es ist ziemlich beeindruckend. Aber es ist auch nichts für den Küchentisch.

Was ist Google Beam eigentlich?

Beam ist die kommerzielle Weiterentwicklung von Project Starline. Das war ein Forschungsprojekt, das Google 2021 vorgestellt hat. Jahrelang blieb es eine Art Schaufenster-Experiment.

Auf der Google I/O am 20. Mai 2025 wurde daraus eine Plattform. Andrew Nartker, General Manager von Google Beam, stellte sie in einem Blogbeitrag zur Umbenennung von Starline in Beam vor.

Die Idee: Videokommunikation, bei der Sie Ihr Gegenüber in 3D sehen. Lebensgroß. Auf der Produktseite beam.google beschreibt Google das als „AI-first video communication“.

Wichtig: Sie brauchen dafür kein Headset. Keine VR-Brille, keine Goggles. Sie sitzen einfach vor einem Display und sehen Ihr Gegenüber, als säße es auf der anderen Seite des Tisches.

Genau das unterscheidet Beam von den VR-Meetings, die vor ein paar Jahren durch die Tech-Blogs geisterten. Da setzten Sie sich ein Gerät auf die Nase und wurden zum Comic-Avatar. Hier bleiben Sie Sie selbst.

Ist Beam der Nachfolger von Google Duo oder ein Meet-Ersatz?

Nein. Und das ist mir wichtig, weil dieser Irrtum schnell entsteht.

Google Duo wurde vor Jahren in Meet überführt. Das ist erledigt. Beam ist kein neues Duo und ersetzt auch nicht die Meet-App auf Ihrem Handy oder im Browser.

Meet bleibt die Software. Beam ist das Gerät drumherum, plus eine KI-Plattform, die in bestehende Calls eingehängt wird. Man könnte sagen: Meet ist der Dienst, Beam ist das Fenster, durch das Sie schauen.

Der Unterschied im Alltag ist ziemlich klar. Meet läuft auf Laptop, Handy oder Tablet. Es zeigt ein flaches Bild, kann viele Teilnehmende, hat Notizen und Kalenderanbindung. Beam ist ein separates Gerät im Raum, das vor allem für Gespräche gedacht ist, in denen es um Präsenz geht. Meist zu zweit.

Wer sich einen Überblick über die klassischen Dienste verschaffen will, findet ihn in unserem Vergleich, welche Videokonferenz-Tools es gibt und was sie unterscheidet.

Und Sprachübersetzung? Die hat Google auf der I/O gezeigt, aber das ist ein Meet-Feature (zuerst Englisch und Spanisch). Keine Beam-Serienfunktion. Das sollten wir sauber trennen.

Wie funktioniert das mit dem 3D-Effekt?

Jetzt wird es technisch. Ich versuche es in Alltagssprache.

Mehrere Kameras nehmen Sie gleichzeitig aus verschiedenen Blickwinkeln auf. Ein KI-Volumenmodell rechnet daraus ein räumliches Abbild. Google schreibt, das Modell verwandle Videostreams in realistische 3D-Erlebnisse.

Auf der anderen Seite steht ein Light-Field-Display. Es gibt Licht so aus, dass Ihre Augen je nach Position leicht unterschiedliche Bilder sehen. Genau das erzeugt Tiefe. Ohne Brille.

Das Ergebnis laut Google: Blickkontakt, Gestik, Tiefe. Sie schauen Ihrem Gegenüber in die Augen, und es schaut zurück. Nicht auf die Nasenspitze. Nicht knapp daneben.

Die Plattform läuft laut Google auf Google Cloud.

Und jetzt der Punkt, den ich ausdrücklich betonen will: Das ist kein Software-Trick, mit dem Ihre Laptop-Webcam plötzlich 3D kann. Ohne die Kameras, ohne das Display, ohne die Rechenleistung dahinter geht es nicht. Wer sagt, ein Handy reiche, erzählt Unsinn.

HP Dimension: Das erste Beam-Gerät im Detail

Das erste Gerät heißt HP Dimension with Google Beam. Die technischen Daten stammen aus einem Erklärtext von HP auf Tech Takes, den Filip Gromovic am 27. Juli 2025 veröffentlicht hat.

Eckdaten laut HP:

  • 65-Zoll-Display mit 8K-Auflösung (Light Field)
  • sieben KI-Kameras
  • vier Lautsprecher
  • zwölf Mikrofone mit Beamforming
  • jährliche Google-Beam-Lizenz, separat verkauft

Das ist kein Gerät, das Sie neben den Monitor stellen. Es ist ein Möbelstück.

Dazu kommen Anforderungen an den Raum. HP nennt eine Raumgröße von etwa 9×9 bis 15×15 Fuß. Sie brauchen mindestens zwei 15-Ampere-Steckdosen. Hinter dem Gerät soll eine weiße oder neutrale Wand stehen, direktes Sonnenlicht ist tabu.

Es gibt einen optionalen Standfuß und empfohlene Tische (von MillerKnoll). Klingt eher nach Konferenzraum-Einrichtung als nach Gadget-Kauf.

Ich stelle mir das gerade in meiner Wohnung vor. Neutrale Wand? Habe ich. Direkte Sonne? Leider ja. Zwei Steckdosen mit 15 Ampere? Keine Ahnung. Kurz: Mein Arbeitszimmer fällt durch.

Läuft Beam mit Meet, Zoom und Teams?

Ja, aber mit Nuancen. Beam ist keine Insel.

Laut HP ist das Gerät kompatibel mit Google Meet und Zoom. HP nennt außerdem Teams und Webex. Die AV Magazine ergänzt am 24. September 2026: native Unterstützung für Google Meet und Zoom Rooms, Interoperabilität mit Microsoft Teams und Webex.

Ich würde das vorsichtig lesen. „Native“ heißt bei Meet und Zoom etwas anderes als „Interoperabilität“ bei Teams und Webex. Das ist eine Angabe von Hersteller und Fachmedium, kein Praxistest von uns. Und keine Google-Aussage, die ich überhöhen möchte.

Was das praktisch heißt: Ihr Unternehmen muss nicht den Videodienst wechseln, um Beam zu nutzen. Der Anruf läuft weiter über Meet oder Zoom. Nur die Darstellung ändert sich, zumindest wenn beide Seiten ein Beam-Gerät haben.

Ob ein normales Meet-Fenster auf der anderen Seite denselben Effekt liefert, sagen die beiden Google-Blogposts nicht klar. Das Light-Field-Display steht jedenfalls nur dort, wo ein HP Dimension steht. Wer auf beiden Seiten Tiefe will, braucht sehr wahrscheinlich an beiden Enden so ein Gerät. Das ist meine Lesart, kein wörtliches Google-Zitat.

Wer sich für Googles Dienste im Büroalltag interessiert, findet in unserem Überblick zu den Neuerungen in Google Workspace weitere Anknüpfungspunkte.

Was hat Google im September angekündigt?

Am 23. September 2026 gab es Neuigkeiten. Aaron Luber, Director Business Development bei Google Beam, beschreibt die Ausweitung in einem Blogbeitrag zur Beam-Ausweitung.

Die wichtigste Nachricht für uns: Deutschland ist dabei. Die Geräte werden in sechs Länder geliefert:

  • USA
  • Kanada
  • Vereinigtes Königreich
  • Frankreich
  • Deutschland
  • Japan

Für Deployment und Support sind 18 Channel-Partner zuständig. Namentlich genannt wurden 2025 Diversified und AVI-SPL. Die komplette Liste der 18 kenne ich nicht, und ich erfinde sie auch nicht.

Auch die Integration mit Google Meet und Zoom bestätigt Google in dem Beitrag.

Als Kunden der Ausweitung nennt Google unter anderem Netflix und Capital Group. Dazu kommt ein Pilot mit Bain & Company: Campus-Recruiting, also Bewerbungsgespräche ohne Reise. Google verlinkt dazu ein Video. Konkrete Erfolgszahlen stehen im Blogtext nicht.

Moment mal, heißt das, Beam steht jetzt im Elektronikmarkt? Nein. Deutschland ist Lieferland. Aber es ist kein Consumer-Produkt im Online-Shop. Es läuft über Partner, also über Unternehmen, die Ihnen so etwas installieren.

Was sagt die Studie von Google zu Beam?

Beam-Kameraleiste mit mehreren Objektiven an einem großen DisplayDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic 16:9 editorial close-up of a large display bezel with several camera lenses, warm room light, blurred person, no logos, no readable text
Nahaufnahme einer Kameraleiste an einem großen Konferenzdisplay (Symbolbild)

Im September-Blog präsentiert Google auch Ergebnisse einer internen Studie über acht Wochen. Ich schreibe das bewusst so: Es ist eine Herstellerstudie. Kein unabhängiger Beweis.

Die Zahlen:

  • Teams fühlten sich 50 Prozent verbundener.
  • Es fiel 33 Prozent leichter, Feedback klar zu machen.
  • Es gab 21 Prozent weniger Bedarf an Folgemeetings.

Das klingt gut. Sehr gut sogar. Aber ich bin da skeptisch, wie ich es bei jeder Firmenstudie wäre. Wer misst, wer fragt, wer wählt die Teams aus? Das erfahren wir aus dem Blogtext nicht.

Ich sage nicht, dass die Zahlen falsch sind. Ich sage nur: Eine Bäckerei, die ihr eigenes Brot testet, findet es erfahrungsgemäß lecker.

Und die frühere Forschung zu Beam?

Es gibt noch andere Zahlen. Die stammen aber nicht aus der September-Studie, sondern aus früherer Google-Forschung. HP und die AV Magazine zitieren sie.

Im Vergleich zu klassischen Videocalls soll Beam laut dieser Forschung Folgendes bringen:

  • 28 Prozent mehr Erinnerung an Gesprächsinhalte
  • 14 Prozent mehr Blickzeit auf das Gesicht des Gegenübers
  • 39 Prozent mehr nonverbales Verhalten

Auch das ist Herstellerforschung. Keine unabhängige Prüfung. Ich halte die Richtung trotzdem für plausibel. Wer Blickkontakt hat, achtet mehr aufs Gesicht. Wer mehr aufs Gesicht achtet, bekommt mehr Mimik mit. Das ist kein Hexenwerk.

Aber Plausibilität ist kein Beweis. Ich halte beide Datensätze deshalb getrennt und ziehe daraus keinen Schluss, der über „interessant“ hinausgeht.

Kann man Beam mieten? Das Industrious-Modell

Nicht jede Firma will ein Gerät für viel Geld kaufen. Deshalb gibt es ein Modell, das ich richtig clever finde.

Industrious ist das erste „Beam extended network“. Ab Oktober 2026 lassen sich Beam-Räume an ausgewählten US-Standorten buchen: Atlanta, Chicago, New York City und Palo Alto. Ein Pilot lief schon früher im Jahr.

Sie gehen also in einen Co-Working-Raum, setzen sich vor das Display und führen Ihr Gespräch dort. Ohne eigene Hardware.

Und in Deutschland? Laut dieser Meldung ist das hier nicht buchbar. Nur USA. Punkt. Ich habe keinen Beleg für einen deutschen Standort gefunden, und ich spekuliere nicht darüber.

Schade eigentlich. Ich hätte es gern einmal ausprobiert, ohne gleich ein Büro umzubauen.

Was kostet Google Beam?

Jetzt zur heiklen Frage. Ich muss hier genau sein, weil die Datenlage dünn ist.

Google nennt im Blog vom 23. September 2026 keinen Preis. Keinen aktuellen Listenpreis. Nichts.

Fachmedien berichteten dagegen zum Start einen Hardwarepreis. Laut AV Magazine wurde bei der InfoComm 2025 für ausgewählte Kunden ab Ende 2025 ein Preis von 24.999 US-Dollar für die Hardware genannt. Die Google-Beam-Lizenzen kommen separat dazu.

Computerworld (Matthew Finnegan) schrieb um den 23. und 24. September 2026 von „reportedly around $25,000“. Google habe Hardware- und Lizenzkosten nicht beziffert.

Was wir also wissen: Fachmedien nannten 24.999 US-Dollar für die Hardware. Google bestätigt in der September-Meldung keinen aktuellen Listenpreis. Die Lizenz kostet extra, und die Höhe ist nicht öffentlich.

Einen Store-Preis gibt es nicht. Ich rechne hier bewusst nichts um und rechne auch keine Beispielsummen hoch. Das wäre geraten.

Für wen lohnt sich Beam wirklich?

Ich finde, das ist die eigentliche Frage. Nicht „ist es cool?“ (ja), sondern „wofür ist es gemacht?“

HP-Manager Carles Farré beschreibt das so, wiedergegeben in der Fachpresse:

„HP Dimension with Google Beam adds a more immersive layer to our collaboration portfolio, designed for the moments where routine tools are not enough, and a greater sense of presence can have a meaningful impact.“

Carles Farré, President, HP Collaboration Solutions, zitiert von AV Magazine

Sinngemäß heißt das: Beam soll eine zusätzliche, immersivere Ebene für Momente sein, in denen Standardwerkzeuge nicht genügen und mehr Präsenz wirklich etwas ausmacht.

Ich lese das so: Vorstandsgespräche. Bewerbungsinterviews. Die heikle Kundenrunde, bei der es um einen Vertrag geht und man dem Gegenüber in die Augen schauen will. Da kann ein Gefühl von Nähe tatsächlich etwas verändern.

Für den Familienanruf am Küchentisch? Nein. Dafür reicht das Handy. Und mal ehrlich: Meine Oma braucht kein 65-Zoll-Lichtfeld, um mir zu sagen, dass ich zu wenig esse.

Wer im Alltag ein Videotool sucht, das einfach funktioniert, dem helfen andere Wege eher. Etwa der Blick darauf, was WhatsApp Web bei Anrufen im Browser taugt. Das ist der andere Pol: kostenlos, bekannt, flach.

Beam gegen kompakte Konferenzgeräte: Wo liegt der Unterschied?

Zwischen Handy-Call und Beam gibt es eine breite Mitte. Ich denke an kompakte Konferenzgeräte, die ein Meeting in einem Raum für Hybrid-Teams besser machen.

Ein Beispiel dafür haben wir bei uns getestet: den Ricoh 360 Meeting Hub als 3-in-1-Konferenzgerät. Der macht etwas ganz anderes.

Solche Geräte sorgen dafür, dass alle im Raum gesehen und gehört werden. Es geht um Gruppen, um Hybrid-Arbeit, um praktische Bedienung. Beam will das nicht. Beam will, dass sich zwei Menschen ansehen, als säßen sie zusammen.

Anders gesagt: Das eine ist ein Werkzeug für Organisation, das andere eines für Nähe. Beides hat seinen Platz. Wir bei digital-magazin.de würden sie nie gegeneinander stellen, sondern nebeneinander.

Würde ich Beam selbst ausprobieren?

Ja. Sofort.

Ich will einmal in so einem Raum sitzen, mir jemanden auf der anderen Seite ansehen und prüfen, ob mein Gehirn den Trick schluckt. Ob ich instinktiv nach der Hand greife, wenn mein Gegenüber winkt. Oder ob ich nach zehn Minuten wieder auf die Nasenspitze starre.

Aber kaufen? Nein. Nicht fürs Homeoffice. Nicht bei dem, was Fachmedien zum Hardwarepreis berichten, nicht mit jährlicher Lizenz, nicht mit Raumanforderungen, die mein Arbeitszimmer sprengen.

Und dann ist da noch der Haken mit dem Gegenüber. Wenn die andere Seite kein solches Gerät hat, bleibt von der versprochenen Tiefe vermutlich wenig übrig. Bei mir hat sie das nicht. Bei meinen Kunden übrigens auch nicht.

Also bleibe ich vorerst bei Meet und meinem starren Lächeln. Aber ich bin neugierig geworden. Vielleicht sehe ich Beam in ein paar Jahren in einem Büro in Frankfurt oder Berlin. Dann melde ich mich zum Testen an.

Und Sie so? Würden Sie sich vor ein Display setzen, das Ihnen ein lebensgroßes Gegenüber zeigt? Oder reicht Ihnen der flache Bildschirm völlig?