Kaufprämien oder Digitalisierungsprämien – was tut in der Krise Not?

Gerade die Autoindustrie ist von der Corona-Krise massiv betroffen. Das liegt vor allem daran, dass diese Industrie stark auf analoge Prozesse ausgelegt ist und den Kontakt mit den Kunden braucht. Jetzt wird überlegt, die Autoindustrie durch Kaufprämien zu fördern. Der Wirtschaftsexperte Frank Riemensperger sieht das kritisch und fordert eine Digitalisierungsprämie. Er sagt, dass Deutschland in der digitalen Infrastruktur anderen Ländern hinterherhinke. Dieses Problem anzugehen und für eine verstärkte Digitalisierung der Autoindustrie zu sorgen, sei eine entscheidende Aufgabe.

Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher

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Der Deutschland-Chef von Accenture, Frank Riemensperger, sieht große Defizite bei der digitalen Infrastruktur in Deutschland. Er meint, dass andere Länder bereits deutlich weiter seien, digitale Prozesse und Technologien einzusetzen und für die alltägliche Unternehmensarbeit zu nutzen. Hierdurch würden einerseits die bestehenden Prozesse optimiert und andererseits neue Betätigungsfelder erschlossen. Für ihn besteht eine zentrale Aufgabe während und nach der Krise darin, den Rückstand bei der Digitalisierung zu verringern und die deutschen Unternehmen digital besser aufzustellen. Seiner Meinung nach sei das eine Aufgabe der Industrie- und Wirtschaftspolitik. Es müsste jetzt Geld in die Hand genommen werden, um zehntausende deutsche Unternehmen zu fördern und auf die Zukunft vorzubereiten.

Digitalisierung und Kaufanreize müssen Hand in Hand gehen

In diesem Zusammenhang spricht sich Riemensperger nicht grundsätzlich gegen Kaufprämien aus. Er versteht, dass unmittelbare Hilfen aktuell dringend benötigt werden. Er warnt jedoch davor, dass komplette vorhandene Geld in solche Kaufprämien zu stecken. Viel wichtiger sei es, die Betriebe digital gut aufzustellen, damit sie nicht mehr so abhängig vom direkten Kundenkontakt sind. Den Kunden muss eine attraktive und zeitgemäße Möglichkeit gegeben werden, Autos zu besichtigen, auszuprobieren und zu kaufen, ohne hierfür zwingend in ein Autohaus gehen zu müssen. Die hierfür vorhandenen Technologien müssten effizienter genutzt werden, damit die Autoindustrie bei einer Eventuellen späteren Krise nicht wieder vor so großen Problemen steht und dank der Digitalisierung besser damit klarkommt. Außerdem wären Innovationen extrem wichtig, um im digitalen Bereich nicht nur mitzulaufen, sondern führend zu werden.

Was analog klappt, muss digital werden

Für Riemensperger ist dieser Schritt hin zur Digitalisierung gar nicht so groß wie, er zunächst erscheinen mag. Er betont, dass Deutschland im analogen Bereich exzellent aufgestellt sei und gute Arbeit leisten würde. Das zeige sich am Gesundheitssystem und an der Arbeit der Gesundheitsämter, die Infektionsketten hervorragend nachvollziehen und Menschen telefonisch befragen und informieren könnten. Er ist davon überzeugt, dass diese analogen Kompetenzen mit wenig Aufwand auf den digitalen Bereich übertragen werden könnten. Seiner Meinung nach schaue sich Deutschland jedoch davor, diesen Schritt zu gehen und altbewährte Arbeitsmethoden neu zu denken und zukunftsfähig zu machen. Denn für eine effiziente Digitalisierung sind Investitionen und Prämien unerlässlich. Statt sich auf diese neuen Herausforderungen einzulassen, vertraue man hingegen lieber auf bewährte Strategien wie Kaufprämien.

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