tado will die KI-gestützte Erkennung offener Fenster für tado X gestaffelt im nächsten Monat ausrollen, die automatische Heizpause bei offenem Fenster bleibt aber Teil von AI Assist, dem Bezahlpaket für 3,99 € pro Monat oder 29,99 € pro Jahr. Das berichten heise und ComputerBase. ComputerBase hat die Informationen nach eigener Angabe unter NDA erhalten, es handelt sich also um Herstellerangaben. Ein festes Startdatum nennt keiner der beiden Berichte.
Wer die Heizung automatisch stoppen lassen will, sobald jemand lüftet, braucht demnach auch künftig das Abo. Was ohne AI Assist mit der neuen Erkennung passiert, ist bisher nicht belegt. Dazu kommen ein Schimmelindex und einige kostenlose App-Neuerungen.
Woran die KI ein offenes Fenster erkennen soll
tado verbaut in seinen Thermostaten keinen Kontaktsensor, der am Fensterrahmen meldet, ob der Flügel offen ist. Stattdessen werten die Geräte laut heise per Softwareanalyse die Raumbedingungen aus. Als Beispiel nennt der Bericht einen plötzlichen Abfall der Luftfeuchte.
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Beim Lüften tauscht sich Raumluft gegen Außenluft aus, und die enthält im Winter meist deutlich weniger Wasserdampf als die Luft im Zimmer. Die Luftfeuchte fällt dann binnen Minuten, oft gemeinsam mit der Temperatur. Das ist eine physikalische Einordnung von dm, keine Aussage des Herstellers über sein Verfahren.
Schwierig wird es, wenn kaum ein Unterschied zwischen drinnen und draußen besteht. Genau dort setzt die Neuerung laut heise an: Die KI soll offene Fenster auch im Frühjahr und Herbst zuverlässiger erkennen, wenn Temperatur und Luftfeuchte beim Lüften nur wenig fallen, weil es draußen kaum kälter ist als drinnen. Für die Heizperiode ist das der entscheidende Fall, denn gerade an milden Tagen bleiben die Signale schwach.
Die Erkennung arbeitet raumspezifisch. Beide Berichte beschreiben, dass das System pro Raum lernt, was typische Lüftungsmuster sind. Die App zeigt dazu an, ob ein Raum noch lernt oder bereits optimiert ist. Ein kleines Bad reagiert beim Lüften anders als ein Wohnzimmer mit hoher Decke, und auch die Gewohnheiten unterscheiden sich: Im Schlafzimmer wird morgens stoßgelüftet, im Wohnzimmer vielleicht kippt jemand abends das Fenster. Ein Lernverfahren pro Raum ist dafür sinnvoller als eine starre Schwelle für alle. Wie lange die Lernphase dauert, steht allerdings in keinem der Berichte.
Zum Zeitplan gilt: heise schreibt von einem Rollout im kommenden Monat, ComputerBase von einem gestaffelten Start im nächsten Monat. Ein Datum ist nicht genannt. Die Angaben beziehen sich auf tado X. Zur Erkennungsgenauigkeit der neuen KI machen weder der Hersteller noch die Berichte Zahlen, die Funktion lässt sich bis zum Start also nur nach ihrem Konzept beurteilen.
Was davon im Abo steckt
Die automatische Heizpause bleibt Teil von AI Assist. Das Paket kostet nach den Berichten 3,99 € pro Monat oder 29,99 € pro Jahr. Die Heizpause bedeutet, dass das Thermostat die Heizleistung zurückfährt, solange das Fenster offen ist, und danach wieder normal weiterheizt. Die neue Erkennung verbessert also vor allem die Grundlage dieser Funktion, ändert aber nichts daran, wer sie nutzen darf.
Die Zahlen lassen sich leicht gegeneinander rechnen. dm-Rechnung: 12 Monate × 3,99 € = 47,88 € bei monatlicher Zahlung, dagegen 29,99 € beim Jahrespreis. Die Differenz beträgt 47,88 € − 29,99 € = 17,89 € pro Jahr. Der Jahrespreis entspricht umgerechnet 29,99 € ÷ 12 ≈ 2,50 € pro Monat. Wann sich das Jahresmodell lohnt, hängt davon ab, wie lange Sie das Abo wirklich nutzen.
Wie viel Energie die Heizpause spart, bleibt offen. tado nennt in den Berichten keine Prozentwerte, und dm ergänzt keine. Wie viel adaptive Heizungssteuerung per KI grundsätzlich bei den Energiekosten bringen kann, ist ein eigenes Thema, das mit eigener Datenlage betrachtet werden sollte. Für die neue tado-Funktion fehlt eine solche Zahl.
Ob die Erkennung ohne Abo wenigstens einen Hinweis in der App auslöst, ist offen. dm-Einordnung: Klarheit dürfte erst der Rollout bringen.
Kostenlos kommen dagegen mehrere App-Neuerungen:
- Ein anpassbarer Startbildschirm, der laut Berichten ab sofort verfügbar ist.
- Live Activities für die Boost-Funktion, also Statusanzeigen außerhalb der App.
- Multi-Home, das bereits gestartet ist.
Ältere Geräte der Generation V3+ erhalten laut heise nur die neue Startseite, nicht die übrigen Neuerungen. Wer noch ein V3+-System betreibt, profitiert von der KI-Erkennung nach aktuellem Stand also nicht. Zu Multi-Home nennen die Berichte keine Einzelheiten, die über den Start hinausgehen. Der kostenlose Teil ist damit vor allem Bedienkomfort. Der Nutzen für den Geldbeutel, nämlich weniger Heizen bei offenem Fenster, liegt im Abo.
Was der neue Schimmelindex anzeigt
Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptTilted open window above a radiator in an apartment, autumn leaves visible outside, curtains moving slightly, cool air mood. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.Der Schimmelindex ist die zweite größere Neuerung. Er folgt einem Modell von VTT und kennt drei Stufen: Niedrig, Erhöht und Hoch. Die Anzeige läuft über den Skill Raumluft-Komfort, also über jenen Bereich der App, in dem tado die Raumluft bewertet.
Wichtig ist, was der Index tatsächlich leistet. Laut heise wertet er aus, wie sich Temperatur und Luftfeuchte in einem Raum über die Zeit entwickeln, und leitet daraus eine Prognose zum Schimmelrisiko ab. Es handelt sich also um eine Berechnung aus Verlaufsdaten und nicht um eine Messung von Schimmel selbst. Das Thermostat kann keine Sporen erkennen und keine Wand inspizieren.
Das hat Folgen für die Einordnung der drei Stufen. Sie beschreiben ein Risiko, das aus den Klimadaten eines Raums folgt, nicht einen Befund. Ein Raum mit Stufe Hoch hat nach dieser Logik Bedingungen, bei denen Schimmel eher entstehen kann. Ob dort schon etwas wächst, sagt der Index nicht.
Ein hypothetisches Beispiel zeigt, warum der Zeitverlauf zählt: Ein Bad, in dem nach dem Duschen stundenlang hohe Luftfeuchte herrscht, sieht in einer Momentaufnahme ähnlich aus wie ein Bad, das nur kurz feucht war. Erst der Verlauf unterscheidet beide Fälle. Ein Modell, das über die Zeit auswertet, kann das abbilden, eine einzelne Messung nicht.
Die Verbindung zum Thema Fenster liegt nahe, ist aber eine dm-Einordnung: Die Luftfeuchte, die die Fenster-Erkennung als Signal nutzt, ist auch eine Eingangsgröße des Schimmelindex. Beide Funktionen greifen auf dieselben Sensordaten im Raum zu. Ob tado sie intern koppelt, erwähnen die Berichte nicht.
Offen bleibt, ob der Index zum kostenlosen Umfang gehört oder ebenfalls im Abo steckt. Zum Preis nennen weder heise noch ComputerBase etwas. Auch Handlungsempfehlungen für den Fall einer hohen Stufe sind in den Berichten nicht enthalten, und dm ergänzt hier bewusst keine gesundheitlichen Ratschläge. Wer sich für die Auswertung interessiert, sollte nach dem Rollout in der App prüfen, welche Empfehlungen tado selbst anzeigt.
Warum tado weiter auf Kontaktsensoren verzichtet
Ein Kontaktsensor ist ein kleiner Funkmelder am Fensterrahmen. Er erkennt über einen Magneten, ob der Flügel offen ist, und meldet das sofort. Das ist robust, weil es kein Schätzen braucht. tado geht trotzdem einen anderen Weg: Laut heise hält der Hersteller die eigenen Algorithmen schon bisher für treffsicher genug und verweigert sich deshalb Kontaktsensoren.
Diese Haltung ist nicht unumstritten. Nach heise löste die Erkennung in früheren Tests der Redaktion nicht immer aus. Welche Tests das genau waren und unter welchen Bedingungen, geht aus dem Bericht nicht hervor. Ob die neue KI diese Lücke schließt, lässt sich ohne Messwerte noch nicht sagen. tado nennt, wie erwähnt, keine Zahlen zur Trefferquote.
Der Verzicht hat durchaus Vorteile. Ohne zusätzliche Hardware muss niemand Sensoren an jedem Fenster anbringen, Batterien tauschen oder Geräte koppeln. Der Preis dafür ist, dass die Software aus indirekten Signalen schließen muss. Wenn Temperatur und Luftfeuchte kaum reagieren, fehlt ihr die Grundlage. Das ist die Situation, die tado mit der KI im Frühjahr und Herbst verbessern will.
Bei den Kosten bekommt tado zudem neue Konkurrenz: IKEA bringt laut heise im Januar das Matter-Thermostat Liljebagge nach Deutschland, voraussichtlich für 14,99 €. Preis und Starttermin sind bislang Ankündigungen, ein verfügbares Produkt gibt es noch nicht. Zu einer eigenen Fenster-offen-Erkennung des Geräts nennt heise keine Details.
Wer Thermostate verschiedener Hersteller in einer Smart-Home-Zentrale zusammenführen möchte, findet die Grundlagen in einem Einsteiger-Guide zu Home Assistant.
Für die Entscheidung zwischen den Abo-Varianten hilft eine weitere dm-Rechnung: 29,99 € ÷ 3,99 € ≈ 7,5; ab dem achten Monat (8 × 3,99 € = 31,92 €) ist das Jahresmodell also günstiger als die monatliche Zahlung. dm-Einordnung: Wer die Heizpause nur in der kalten Jahreszeit nutzen will, läge mit dem Monatsmodell eher gut, sofern es sich jederzeit kündigen lässt. Ob das geht, ist offen. Sinnvoll ist es deshalb, nach dem Rollout zuerst in der App zu prüfen, ob die Räume als „optimiert“ erscheinen, und erst dann zu entscheiden, ob das Abo für Sie wirklich nötig ist.




