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Künstliche Intelligenz

ChatGPT bekommt Knöpfe, Karten und Rechner – Rollout auch gratis mit GPT-6 Luna

Mit GPT-6 kann ChatGPT laut OpenAI Antworten mit Knöpfen, Formularen, Karten und kleinen Rechnern bauen. Am 8. Oktober beginnt der Rollout schrittweise auch für Free und Go – gratis heißt dabei GPT-6 Luna, im Abo gibt es GPT-6 Sol, und wie groß der Abstand ist, sagt OpenAI nicht. Anna Meier erklärt, was das am Küchentisch bringt und was noch offen ist.

ChatGPT plant den Sonntagsbraten: Person bereitet in der Küche ein Familienessen vor, daneben ein TabletDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic documentary photo of an adult standing at a kitchen counter on a Sunday morning, planning a family meal on a tablet propped against the wall, tablet screen seen at an angle and not readable, raw vegetables, herbs and a roasting dish nearby, warm daylight, face not visible, no logos, no readable text, no watermarks, 16:9
KI-Hilfe beim Planen im Alltag (Symbolbild)

Sonntag kommen Gäste. Sechs? Neun? Keine Ahnung, die Zahl ändert sich gefühlt täglich. (Ja, ich kenne das.)

Bisher sah mein Küchentisch-Ritual so aus: ChatGPT liefert eine Textwand mit Rezept und Mengen, und ich rechne alles im Kopf um. Mit Zettel. Und einem Kugelschreiber, der natürlich nicht schreibt. Irgendwo zwischen dem zweiten Durchstreichen und dem dritten Neuanfang verliere ich den Faden.

Jetzt soll es anders werden. ChatGPT kann mit GPT-6 laut OpenAI Antworten bauen, die Buttons, Formulare, Karten und kleine Rechner enthalten. Für Gratis-Nutzende mit GPT-6 Luna beginnt der Rollout heute, am Donnerstag, 8. Oktober, schrittweise.

OpenAI zeigt dazu selbst ein Beispiel: einen Sonntagsbraten-Plan mit Menü, Zeitplan und Einkaufsliste. Dazu gehört ein Bedienelement, mit dem man die Gästezahl ändert. Die Einkaufsmengen rechnen sich dann mit.

Krass praktisch.

Moment mal. Da ist ein Haken, und der hat sogar einen Namen. Gratis heißt GPT-6 Luna. Abo heißt GPT-6 Sol. Was das für den Alltag bedeutet, schauen wir uns gleich genauer an.

Ehrlich vorweg: Bei mir ist es noch nicht aufgetaucht. Ich schreibe Ihnen also keine Testerfahrung, sondern was OpenAI ankündigt, was ich daraus lese und was noch offen ist. Okay?

Was ist diese „Intelligent UI“ überhaupt?

OpenAI hat die Ankündigung am Mittwoch, 7. Oktober, veröffentlicht. Den Originaltext finden Sie bei OpenAI unter „GPT‑6 and Intelligent UI for everyone“. Zur Grundidee heißt es dort, übersetzt:

GPT‑6 in ChatGPT führt Intelligent UI ein, eine neue Fähigkeit, mit der ChatGPT schnell mit voll interaktiven Benutzeroberflächen antworten kann. Sie machen alltägliche Antworten visueller, erleichtern das Lernen komplexer Themen und können im Moment schnell ein Werkzeug für eine Aufgabe erstellen.

OpenAI, Ankündigung vom 7. Oktober (übersetzt)

Klingt erst mal nach Marketing. Der Kern ist aber ziemlich greifbar, und er besteht aus drei Versprechen.

Erstens: Alltägliche Antworten werden visueller. Zweitens: Komplexe Themen sollen sich leichter lernen lassen, und OpenAI zeigt dafür eine interaktive Explosionszeichnung eines 7-Gang-Fahrrads. Drittens: ChatGPT kann mitten im Gespräch ein kleines Werkzeug für genau Ihre Aufgabe bauen.

Was das konkret heißen kann, beschreibt OpenAI so, übersetzt:

Mit Intelligent UI können Antworten Grafiken, antippbare Buttons, Formulare, Charts und interaktive Erfahrungen enthalten, die Sie direkt in Ihrem Gespräch nutzen können.

OpenAI, Ankündigung vom 7. Oktober (übersetzt)

Das Wort, auf das es ankommt, ist „können“. Nicht „müssen“.

OpenAI schreibt nämlich auch, übersetzt: Wenn eine einfache Textantwort die nützlichste ist, kann ChatGPT genau die geben. ChatGPT entscheidet also selbst, wann Text reicht. Wenn ich wissen will, wie man „Gesundheit“ auf Französisch sagt, brauche ich keinen Rechner. (Hoffentlich versteht ChatGPT das auch so.)

Ich stelle mir vor, wie ich damit Neues lerne, zum Beispiel, wie eine Gangschaltung am Fahrrad aufgebaut ist. Statt drei Absätzen über Kettenblätter und Ritzel sehe ich die Teile auseinandergezogen und kann sie anschauen. Das ist nur mein Gedankenspiel, kein Test. Aber ich ahne, dass mein Kopf das lieber mag als Fließtext.

Wie sehen OpenAIs Beispiele im Alltag aus?

OpenAI nennt ein paar Szenen. Ich nehme sie als Ideen, nicht als Garantie, dass es bei Ihnen genau so aussieht.

Der Zeitplan für den Sonntagsbraten kann laut OpenAI neben dem Rezept stehen. Die Stopps eines Roadtrips können auf einer Karte erscheinen, mit Hinweisen, was einen Umweg wert ist. Dazu kommen kleine Werkzeuge: ein Rechner, mit dem man ausprobiert, wie Erspartes wachsen könnte, ein Rechnungsteiler fürs Abendessen mit Freunden und ein Spiel, das man im Gespräch spielen kann.

Ich stelle mir vor, ich sitze nach dem Essen mit vier Leuten im Restaurant. Einer hat nur Salat gehabt, zwei haben geteilt, einer will unbedingt Trinkgeld geben. Statt auf dem Handy-Taschenrechner zu tippen, baut mir ChatGPT einen Rechnungsteiler. Ein Gedanke von mir, kein Test. Aber ein ziemlich verlockender.

Oder die Herbstferien. Ich stelle mir vor, ich plane einen Roadtrip und sehe die Stopps endlich dort, wo sie hingehören: auf einer Karte statt in einer Liste mit Ortsnamen, die ich dauernd nachschlage. Dazu eine Notiz, was sich lohnt und was man links liegen lassen kann. Das wäre für mich die Art Antwort, die ich sonst mühsam aus drei Tabs zusammensammle.

Und die Gästezahl am Küchentisch? Genau mein Fall. Gästezahl ändern, Einkaufsmengen rechnen sich mit. Ob das bei OpenAI ein Schieberegler ist oder Plus und Minus, steht in der Ankündigung nicht. Ich bleibe deshalb bei „Gästezahl einstellen“.

Eine Sache gefällt mir daran besonders: Ich muss kein Formular „bauen“ und nichts programmieren. Ich beschreibe, was ich brauche, und ChatGPT entscheidet, ob dafür ein Knopf, eine Karte oder doch nur ein Satz taugt. So jedenfalls beschreibt es OpenAI.

Wer bekommt das wann? Und wo genau?

Der Rollout ist gestaffelt. Das ist wichtig, damit niemand beim Blick aufs eigene Konto an sich zweifelt.

OpenAI schreibt, übersetzt:

GPT‑6 mit Intelligent UI beginnt heute weltweit für die Tarife ChatGPT Plus, Pro, Business und Enterprise im Chat-Tab auszurollen. Ab morgen weitet sich der Rollout auf die Tarife Free und Go aus. Die Verfügbarkeit bei Enterprise hängt von den Einstellungen der Admins im Unternehmen ab.

OpenAI, Ankündigung vom 7. Oktober (übersetzt)

„Heute“ meinte dort den Mittwoch, 7. Oktober. „Morgen“ meinte aus OpenAIs Sicht Donnerstag, den 8. Oktober. Für Free und Go beginnt der Rollout also an diesem Donnerstag.

Beginnt. Nicht: ist bei allen da.

OpenAI schreibt „weltweit“. Eine Reihenfolge nach Ländern nennt die Ankündigung nicht. Ich kann Ihnen also nicht sagen, ob Ihr Konto früher oder später dran ist als das einer Freundin am anderen Ende der Welt. Und ich will auch nicht raten.

Einen Termin, bis zu dem jedes Free- oder Go-Konto Intelligent UI sieht, nennt OpenAI ebenfalls nicht. Wer es heute noch nicht sieht, hat nichts falsch gemacht.

Was können Sie als Gratis-Nutzende tun? Ehrlich gesagt: nicht viel, und das ist okay. Schauen Sie im Chat nach, nicht in Work oder Codex. Das Update betrifft nur den Chat in ChatGPT, die Modelle hinter Work und Codex ändern sich mit diesem Release nicht. Und dann: Geduld. Es kommt nach und nach. (Ich übe das auch noch.)

Wer ChatGPT Enterprise über den Arbeitgeber nutzt, schaut am besten bei der IT oder den Admins nach. Dort hängt es laut OpenAI von den Einstellungen ab, ob und wann die Funktion da ist.

„GPT-6 gratis“: Was steckt hinter Luna?

Jetzt zum Moment-mal-Teil.

OpenAI schreibt zum Start, übersetzt: Im vergangenen Monat habe man die ersten GPT‑6-Modelle für zahlende Kunden eingeführt. Heute bringe man diese nächste Generation von Intelligenz zu mehr Menschen, mit einem neuen GPT‑6-Modell, gebaut für mehr als 1,2 Milliarden Menschen, die ChatGPT jede Woche nutzen. Die 1,2 Milliarden sind eine Angabe von OpenAI, weltweit und pro Woche.

Wichtig für die Einordnung: GPT-6 ist also nicht erst am 7. Oktober erschienen. Neu ist GPT-6 im Chat mit Intelligent UI. Wenn Sie wissen wollen, wo die Familie herkommt, hilft unser Text zu GPT-6 Astra.

Und die Modelle? OpenAI sagt, übersetzt: GPT‑6 in ChatGPT wird für Plus, Pro, Business und Enterprise von GPT‑6 Sol angetrieben und für Free und Go von GPT‑6 Luna. Beide seien auf Alltagsgespräche abgestimmt.

Also: Gratis heißt GPT-6 Luna. Abo heißt GPT-6 Sol.

Wie groß der Unterschied zwischen Luna und Sol im Chat ist, sagt OpenAI nicht. Kein Satz dazu. Deshalb behaupte ich auch keinen Gleichstand. Das wäre geraten.

„Auf Alltagsgespräche abgestimmt“ klingt erst mal nach einer Floskel, ist aber für beide Modelle dieselbe Beschreibung. Ich lese daraus: Die Richtung stimmt für beide, nämlich Fragen, wie wir sie im Alltag stellen. Was das für Tiefe und Genauigkeit heißt, lese ich daraus nicht.

Zur Einordnung der beiden Namen: Laut OpenAI sind Sol und Luna schnellere, günstigere GPT-6-Modelle neben GPT-6 Astra. Das steht in der Ankündigung vom 22. September. Dort schrieb OpenAI auch, dass Free- und Go-Nutzende GPT-6 Luna in der Desktop-App nutzen können, die Modelle aber noch nicht im Chat seien. Luna ist also nicht der erste Kontakt. Neu ist, dass Luna jetzt im Chat ankommt, samt Intelligent UI.

Wer sich für die Sol-Seite interessiert: Wir bei digital-magazin.de haben aufgeschrieben, wie GPT-6.1 Sol in Microsoft Copilot auftaucht. Das ist eine andere Baustelle als der ChatGPT-Chat, zeigt aber, dass die Sol-Familie unterwegs ist.

Meine Einschätzung: „Gratis“ ist trotzdem eine gute Nachricht. Wer kein Abo hat, bekommt mit GPT-6 Luna ein Modell der neuen Generation im Chat, dazu Intelligent UI. Mehr als das kann ich seriös nicht sagen. Ob sich Luna im Alltag anders anfühlt als Sol, wird sich erst zeigen, wenn viele Menschen es ausprobiert haben.

Und da wird es knifflig. Sobald die ersten Erfahrungsberichte im Netz auftauchen, lohnt ein genauer Blick: Wer schreibt da eigentlich, mit welchem Tarif? Ein begeisterter Bericht von Abo-Nutzenden sagt nämlich erst mal etwas über GPT-6 Sol. Er sagt nichts darüber, was Luna im Chat kann.

Mein Vorschlag für einen fairen Vergleich: Probieren Sie Luna an Ihren eigenen Aufgaben aus. Der Einkaufsplan, die Reiseroute, der Rechnungsteiler. Und setzen Sie Ihre Erfahrung nicht gleich mit dem, was andere über ein anderes Modell erzählen. Solange OpenAI keinen Abstand nennt, ist jeder Vergleich zwischen den Stufen ein Bauchgefühl. (Meines eingeschlossen.)

Und ehrlich: Für einen Rechnungsteiler oder einen Einkaufsplan brauche ich vermutlich nicht das teuerste Abo. Vermutlich. Das ist eine Vermutung, kein Befund.

Meine Vermutung kann auch danebenliegen. Vielleicht merke ich bei kniffligen Aufgaben schnell, wo die Grenzen sind. Dann schreibe ich es hier auf, versprochen.

Die 44 %: Wer antwortet da eigentlich früher?

Interaktive ChatGPT-Antworten: Hände halten ein Smartphone mit Knöpfen und Schieberegler über dem gedeckten TischDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic close photo of hands holding a smartphone above a set dinner table with a roast dish, the phone screen shows only abstract colorful buttons and a slider shape without any text, blurred family table in background, warm evening light, no faces, no logos, no readable text, no watermarks, 16:9
Antworten mit Knöpfen und Reglern (Symbolbild)

Jetzt eine Zahl, die schnell falsch verstanden wird. Ich lese sie zweimal.

OpenAI schreibt, übersetzt: Bei Fragen, die eine Websuche brauchen, beginnt GPT‑6 Instant im Schnitt 44 % früher zu antworten als GPT‑5.6 Instant.

Das ist eine Angabe von OpenAI. Es geht um den Antwortbeginn, nicht um die fertige Antwort. Und nicht um die Genauigkeit.

Ein Beispiel ohne Zahlen: Ich frage nach den Öffnungszeiten eines Ladens, und dafür muss ChatGPT im Netz nachschauen. Der Antwortbeginn ist der Moment, in dem die ersten Worte erscheinen. Die fertige Antwort ist der Moment, in dem der Satz zu Ende ist. Die 44 % betreffen laut OpenAI den ersten Moment, nicht den zweiten.

Verglichen werden GPT-6 Instant und GPT-5.6 Instant. Nicht mehr, nicht weniger. Wie OpenAI das gemessen hat, steht nicht dabei. In Sekunden umrechnen kann ich es deshalb auch nicht.

Und jetzt die offene Frage, die uns Gratis-Nutzende betrifft: OpenAI sagt nicht, ob GPT-6 Instant Luna ist oder Sol. Ob die 44 % also für das gelten, was Gratis-Nutzende im Chat bekommen, ist unklar. Ich schreibe deshalb nicht, dass Gratis-Nutzende früher Antworten bekommen. Das wäre eine Behauptung ohne Beleg.

Wer sich fürs Thema Suche interessiert: Wir bei digital-magazin.de haben aufgeschrieben, was passiert, wenn KI zur Suchmaschine wird. Da geht es genau um die Frage, was mit der Trefferliste geschieht, wenn Antworten sie ersetzen.

Zur Suche sagt OpenAI außerdem: In einer internen Evaluation schwieriger Probleme habe GPT-6 den Kern der Nutzerfrage öfter getroffen als GPT-5.6. Eine Zahl nennt OpenAI dazu nicht. Also nehme ich es als Hinweis, nicht als Beweis.

Denken und Antworten gleichzeitig?

Noch ein Satz aus der Ankündigung, übersetzt: ChatGPT kann jetzt Nachdenken und Antworten verschränken.

Was heißt das? Das Modell muss nicht erst alles zu Ende denken und dann loslegen. Es kann beides abwechselnd tun. Das ist meine Lesart, und sie passt zu dem, was OpenAI schreibt.

Dazu nennt OpenAI eine interne Evaluation alltäglicher agentischer Aufgaben. Danach beginnt GPT-6 Extra High in derselben Zeit zu antworten wie GPT-5.6 Medium und erzielt dabei ein besseres Gesamtergebnis als GPT-5.6 Extra High. Zahlen dazu gibt es nicht.

Ich lasse das so stehen. Es ist OpenAIs eigene Messung. Ob Sie im Gratis-Chat mit Luna etwas davon spüren, lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie baut sich so eine Oberfläche mitten in der Antwort auf?

Kurzer Blick unter die Haube, ganz ohne Nerd-Overload.

OpenAI schreibt, übersetzt: Man habe eine Bibliothek nativer, streambarer Komponenten gebaut, dazu einen Compiler, der die Oberfläche verarbeitet, während das Modell sie erzeugt. Und weiter: Der Compiler lasse die Oberfläche schrittweise erscheinen, ohne dass die komplette Antwort fertig sein muss.

Was heißt „streambar“? Ich stelle es mir so vor wie bei einem Video, das schon läuft, während der Rest noch lädt. Die Bausteine, also Knöpfe, Karten, Rechenfelder, liegen in einer Art Werkzeugkasten bereit. Das Modell greift hinein und setzt sie zusammen. Und der Compiler sorgt dafür, dass man schon etwas sieht, bevor alles fertig ist. Das ist mein Bild, nicht OpenAIs.

Übersetzt in Küchentisch-Sprache: Der Plan baut sich vor Ihren Augen auf. Erst das Menü, dann der Zeitplan, dann die Einkaufsliste. Sie müssen nicht warten, bis alles da ist.

Die Erfahrung soll laut OpenAI „schnell und vertraut“ sein, im Web und auf dem Handy. Welche Apps oder Versionen genau gemeint sind, nennt OpenAI nicht.

Gerade aufs Handy schaue ich dabei gern. Dort habe ich wenig Platz und noch weniger Geduld. Ein leerer Bildschirm, der erst nach einer gefühlten Ewigkeit alles auf einmal ausspuckt, wäre unterwegs ziemlich lästig.

Eine Oberfläche, die mitwächst, wirkt dagegen lebendig. Ich sehe schon, dass etwas passiert, und kann früh erkennen, ob die Richtung stimmt. Wenn nicht, unterbreche ich eben. Das ist meine Einschätzung, keine Messung. Aber für Bahnfahrten, Supermarkt-Gänge und Warteschlangen klingt es nach genau dem richtigen Tempo.

Ich finde den Gedanken schlau. Eine Oberfläche, die erst nach langem Schweigen komplett erscheint, wäre nervig. Eine, die wächst, fühlt sich nach Gespräch an.

Wo es hakt: Wann hilft ein Knopf und wann nervt er?

Fair bleiben. OpenAI selbst tut das auch.

Im Text steht, übersetzt: Es liege noch Arbeit vor einem, um das Design-Urteil des Modells zu verbessern und zu erweitern, was es erstellen kann.

Das ist ein ehrlicher Satz. Er heißt: ChatGPT entscheidet, wann es eine Oberfläche baut, und diese Entscheidung ist noch nicht perfekt.

Und genau da liegt für mich die Messlatte. Ein Knopf hilft, wenn er mir Rechnerei abnimmt. Er nervt, wenn ich nur eine Antwort wollte und plötzlich ein Formular ausfüllen soll. Wer will schon ein Formular, um zu erfahren, wie man Eier trennt?

Weitere Beispiele aus meiner Fantasie. Ich frage, ob es morgen regnet: Ein Satz reicht, bitte keine Wetterkarte zum Antippen. Ich bitte um ein kurzes Gedicht zum Geburtstag: Text. Ich will einer Freundin nach einem miesen Tag etwas Tröstendes schreiben: bitte keine Buttons.

Bei anderen Fragen wäre ich dagegen dankbar. Wenn ich fünf Reiseziele vergleiche, hilft mir eine Karte. Wenn ich wissen will, wie viel ich monatlich zurücklegen muss, damit es für ein neues Fahrrad reicht, hilft mir ein kleiner Rechner. Und wenn ich einen Abend planen will, hilft mir ein Zeitplan, den ich anpassen kann.

Und wenn ChatGPT trotzdem eine Oberfläche baut, die ich gar nicht wollte? Mein Tipp, ausdrücklich eine Vermutung und keine Aussage von OpenAI: einfach schreiben, dass ich lieber Text hätte. Zum Beispiel „Bitte nur als Text, ohne Buttons.“

Ob das jedes Mal klappt, weiß ich nicht. Ich hoffe es. Denn wenn ChatGPT mit mir redet wie mit einem Menschen, sollte es auch auf ein freundliches „Nö, danke, bitte anders“ hören. Probieren lohnt sich. Sie verlieren dabei nichts außer einer Nachricht.

Das ist meine Einschätzung, nicht OpenAIs Aussage. Aber ich glaube, dass sich an dieser Stelle entscheidet, ob Intelligent UI im Alltag ankommt: nicht daran, ob es kann, sondern daran, ob es das Richtige zur richtigen Zeit tut.

Zur Sicherheit nur ein Halbsatz, weil OpenAI sie erwähnt: GPT-6 soll laut OpenAI stärker widerstehen, wenn jemand das Sicherheitstraining umgehen will, besonders über mehrere Runden, und dabei harmlose Anfragen seltener unnötig ablehnen.

Was ich mich als Gratis-Nutzende frage? Drei Dinge.

Wie groß ist der Abstand zwischen Luna und Sol im Chat? Erscheinen die Beschriftungen der Buttons und Formulare auf Deutsch? Und wann taucht es auf meinem eigenen Konto auf?

Zu allen dreien sagt OpenAI in der Ankündigung nichts. Sobald wir mehr wissen, schreiben wir es auf. Wir bei digital-magazin.de bleiben da dran, versprochen. Und wir sagen auch dazu, wenn etwas nicht klappt.

Was bleibt von den Textwüsten?

OpenAI formuliert einen großen Gedanken dazu. Übersetzt und als Vision von OpenAI gekennzeichnet: Statt dass Menschen sich an Software anpassen, passt sich Software an Menschen an.

Schöner Satz. Ob er stimmt, entscheidet nicht die Ankündigung, sondern der Alltag.

Meine ehrliche Einschätzung: Die Idee ist ziemlich überzeugend. Antworten, die ich bedienen kann, sind für Planen und Rechnen oft besser als Absätze, die ich im Kopf nachbauen muss. Ich habe in meinem Leben schon genug Mengenangaben auf Zettel gekritzelt. Und dass Text bleibt, wo Text reicht, finde ich genau richtig, denn nicht jede Frage braucht eine Oberfläche.

Der Haken bleibt: Gratis heißt GPT-6 Luna, nicht GPT-6 Sol. Wie viel das ausmacht, weiß ich nicht. OpenAI sagt es nicht. Wer kein Abo hat, schaut also erst mal aufs eigene Konto und wartet, bis die Funktion ankommt (ja, ich auch).

Trotzdem finde ich es bemerkenswert, dass Gratis-Nutzende überhaupt dabei sind. Dass der Rollout für Free und Go mit nur einem Tag Abstand zu den Abo-Tarifen beginnt, ist zumindest ein gutes Zeichen. Mehr als ein Zeichen ist es nicht.

Ich freue mich trotzdem. Weil der Sonntagsbraten vielleicht endlich ohne Kugelschreiber auskommt, und weil ich beim nächsten Mal nicht mehr raten muss, ob es sechs oder neun Gäste werden.

Und Sie so? Lieber Gästezahl antippen oder lieber Rezepttext?