Neulich, Sonntagabend, Sofa, Tee in der Hand. Im Warenkorb lag eine Winterjacke, olivgrün, ziemlich schick. Und ich dachte: Sehe ich darin nicht aus wie ein Feldwebel im Ruhestand? Genau für diese Frage hat ChatGPT jetzt einen Knopf. Selfie rein, Jacke drauf, Bild da.
Der Knopf heißt „Try on“. Bequem, keine Frage. Aber Moment mal: Das Referenzfoto bleibt laut OpenAI gespeichert, damit es beim nächsten Mal schneller geht. Die Anprobe ist ein generiertes Bild, und Ihr Selfie liegt danach in den Einstellungen.
Was hat OpenAI am 1.10. eigentlich angekündigt?
Die Quelle ist trocken und kurz: die Release Notes vom 1.10.. Dort schreibt OpenAI, dass auf Produktlistings für Kleidung und Accessoires in ChatGPT ein „Try on“-Button erscheinen wird.
„Will appear“ – das ist Zukunftsform. Der Knopf wird ausgerollt, nicht jede Person hat ihn schon. Ob und ab wann er in Deutschland auftaucht, steht in den Quellen nicht. Ich behaupte hier also nichts.
Am selben Tag kommen zwei weitere Dinge dazu. Erstens Favorites und Ordner in der ChatGPT Library, also eine Art Merkliste. Zweitens ein Scan-Modus in der ChatGPT-Kamera, der Rollout läuft laut OpenAI auf iOS.
Das Shopping-Feature ist der Aufmacher. Der Scan ist der heimliche Alltagsheld. Und beide haben etwas gemeinsam: Sie machen aus dem Chat ein Werkzeug, in das Sie Dinge hineinlegen, Fotos, Produkte, Papiere.
Wir bei digital-magazin.de schauen bei solchen Neuerungen zuerst auf den Alltag. Was passiert, wenn man es wirklich benutzt? Nicht: Was steht im Marketingtext?
Selfie, Jacke, Bild: So läuft die Anprobe in ChatGPT ab
Der Ablauf ist denkbar einfach. Laut Hilfeseite „Shopping with ChatGPT Search“ gehen Sie so vor:
- Auf einem Produktlisting für Kleidung oder Accessoires den „Try on“-Button wählen.
- Ein Selfie aufnehmen oder hochladen.
- Das generierte Try-on-Bild ansehen.
Erzeugt wird das Ganze mit ChatGPT Images. Es gibt also keine Kabine, sondern einen Bildgenerator, der aus Ihrem Foto und dem Produkt ein neues Bild macht. Die Hilfeseite formuliert vorsichtig: Sie sehen, wie der Artikel an Ihnen aussehen könnte.
Dieses „könnte“ trage ich im Kopf mit. Es ist das wichtigste Wort der ganzen Seite.
Verfügbar ist das laut OpenAI in ChatGPT mobil und im Web. Praktisch heißt das: Sie können am Handy auf dem Sofa anfangen oder am Laptop im Büro, wenn die Mittagspause lang genug ist. Ob Sie den Button schon sehen, hängt vom Rollout ab.
Die alternative Variante: eigenes Foto vom Teil
Es gibt noch einen zweiten Weg, und der ist für mich fast der interessantere. Sie laden in einer Unterhaltung ein Foto eines Kleidungsstücks oder Accessoires hoch und bitten ChatGPT zu zeigen, wie es an Ihnen aussehen könnte. So steht es auf der Hilfeseite.
Was heißt das im Alltag? Der Button hängt am Produktlisting, also an dem, was ChatGPT Ihnen als Treffer zeigt. Mit dem eigenen Foto sind Sie davon unabhängig.
Ein paar Situationen, die mir dazu einfallen. Auf dem Flohmarkt hängt ein Ledergürtel, und Sie fragen sich, ob er zu Ihrem Wintermantel passt. Im Kleiderschrank Ihrer Schwester liegt ein Schal, den sie Ihnen leihen würde. Im Schaufenster steht eine Tasche, der Laden hat zu, und Sie haben ein Foto durch die Scheibe gemacht (mit Spiegelung, versteht sich).
Ob das Ergebnis in jedem dieser Fälle überzeugt, kann ich nicht versprechen. Das hängt von der Qualität Ihres Fotos ab, und dazu schreiben die Quellen nichts. Aber die Idee gefällt mir: Das Bild vom Teil aus der echten Welt, nicht nur vom Teil aus dem Shop.
Ein Gedanke noch, ganz praktisch. Wenn Sie im Gespräch ein Foto Ihres Gesichts oder Ihres Oberkörpers brauchen, gilt für diesen Weg dieselbe Vorsicht wie für den Button. Was Sie hochladen, ist ein Foto von Ihnen, das irgendwo ankommt. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Das Selfie bleibt… und wo genau?
Jetzt der Teil, den man leicht überliest. In den Release Notes steht: „Your reference photo is saved for future try-ons.“ Das Referenzfoto wird für künftige Anproben gespeichert. Der Grund laut Hilfeseite: Sie müssen es nicht jedes Mal neu hochladen.
Das ist Komfort. Ehrlich, ich mag das. Wer schon mal dreimal hintereinander ein Selfie im Flurlicht gemacht hat, weil der Schatten blöd fiel, versteht den Reiz.
Aber Komfort und Dauerhaftigkeit sind zwei Seiten derselben Münze. Ein Foto, das „für später“ bereitliegt, liegt eben da. Auch wenn Sie nie wieder an die olivgrüne Jacke denken.
Ich urteile hier nicht über Datenschutz. Die Quellen beschreiben dazu schlicht nichts, und ich erfinde nichts. Ich zeige Ihnen, wo der Schalter ist. Und frage, wer ihn kennt.
Referenzfoto löschen: Der Weg in die Einstellungen
Die Hilfeseite nennt den Pfad. Ich lasse die Menünamen englisch, so stehen sie in den Quellen. Die deutsche Oberfläche kann sie anders beschriften, orientieren Sie sich dann am Sinn, nicht am Wortlaut:
- Settings öffnen.
- Personalization wählen.
- Reference photos antippen.
- Das Foto auswählen, das Sie verwalten wollen.
- „Change photo“ wählen, um es zu ersetzen, oder das Löschen-Icon, um es zu entfernen.
Fünf Schritte. Nicht kompliziert. Nur muss man eben wissen, dass es diesen Ort gibt.
Mein Vorschlag: Schauen Sie nach dem ersten Try-on gleich nach, ob und was dort liegt. Das dauert eine halbe Minute, und Sie bekommen ein Gefühl dafür, wie das Feature mit Ihrem Foto umgeht.
Die Alltagstest-Frage für den Sofa-Abend
Hier die Frage, die ich Ihnen für den Sofa-Abend mitgebe: Probieren Sie die Jacke abends auf dem Sofa an — und wissen Sie noch, dass Ihr Selfie seitdem in den Einstellungen liegt?
Es ist keine Anklage. Es ist dieselbe Frage, die wir uns bei jeder App-Berechtigung stellen sollten. Kamerazugriff, Fotozugriff, Standort: Man tippt „Erlauben“ und vergisst es. Wie Sie das in Ruhe nachholen, steht in unserem Beitrag, wie Sie App-Berechtigungen prüfen.
Ein Selfie in einem Shopping-Feature verdient diesen Blick genauso. Nicht, weil etwas Schlimmes passiert wäre. Sondern weil Sie die Kontrolle nur haben, wenn Sie wissen, wo sie liegt.
Und Sie so? Haben Sie schon mal nachgesehen, welche Fotos eine App von Ihnen vorhält? Ich gebe zu: Bei mir war die Antwort lange „Nö“.
Was das Bild kann – und was nicht…
Jetzt zur Ehrlichkeit über das Bild selbst. Es ist generiert. Nicht fotografiert, nicht gemessen. OpenAI sagt das auf der Hilfeseite selbst. Sinngemäß übersetzt:
Try-on-Bilder bilden das Produkt oder Ihr Aussehen möglicherweise nicht exakt ab und garantieren weder Passform noch Größe. Prüfen Sie vor dem Kauf die Maße, Produktdetails und Rückgaberegeln des Händlers.
Übersetzung nach der OpenAI-Hilfeseite „Shopping with ChatGPT Search“
Das ist deutlich, und ich finde, man sollte es nicht weichspülen. Weder Passform noch Größe sind garantiert. Punkt.
Stoff, Fall, Größe, Licht
Gehen wir es an vier Stichworten durch. Dazu eine Einschätzung von mir, keine Aussage von OpenAI: Das, was ein Bild schlecht abbilden kann, sind genau die Dinge, die beim Kleiderkauf am Ende zählen.
Stoff. Ist die Jacke steif oder weich, rauscht sie, kratzt sie? Ein Bild zeigt Oberfläche, keine Haptik. Ein Wollmantel und ein Polyestermantel können im Foto verblüffend ähnlich wirken. Die Materialangabe der Produktseite sagt hier mehr als jedes Bild.
Fall. Wie fällt der Stoff, wenn Sie die Arme heben, sich setzen, den Rucksack aufschnallen? Ein einzelnes Bild friert einen Moment ein. Ihr Alltag besteht aus Bewegung.
Größe. Das ist der Punkt, den die Hilfeseite ausdrücklich nennt. Ob M an Ihnen M ist, entscheidet die Größentabelle des Händlers, nicht das Bild. Ein Foto kann zu weit aussehen und trotzdem zu eng sein, oder umgekehrt.
Licht. Ihr Selfie hat ein bestimmtes Licht, die Produktfotos haben ein anderes. Ob die Farbe der Jacke bei Ihnen im Flur genauso wirkt wie im Bild, bleibt offen.
Stellen Sie es sich wie eine Skizze vor, die ein sehr schneller Zeichner von Ihnen anfertigt. Hilfreich für die Idee. Untauglich für den Schneider.
Vier Szenen: Jacke, Sonnenbrille, Gürtel, Hochzeit
Die Winterjacke. Hier hilft das Bild bei der Grundsatzfrage: Olivgrün oder doch Dunkelblau? Wirkt der Schnitt kastig? Bei der Passform hilft es nicht. Dafür gibt es die Größentabelle.
Ich würde die Jacke im Bild ansehen, mir eine Meinung bilden und dann die Maße vergleichen. Mit einer Jacke, die mir gut passt, daneben auf dem Bett. Maßband, Armlänge, Brustumfang. Unglamourös, aber zuverlässig.
Die Sonnenbrille. Vermutlich der dankbarste Fall. Gesichtsform, Farbe, Gesamteindruck: Das lässt sich in einem Bild eher beurteilen als bei einem Mantel. Aber auch hier gilt der Hinweis der Hilfeseite: Das Bild muss Ihr Aussehen nicht exakt treffen. Wie breit der Bügel wirklich sitzt, sehen Sie erst auf der Nase.
Der Gürtel. Klingt banal, ist aber ein gutes Beispiel für die Grenze. Ob die Schnalle zu den Schuhen passt, sieht man vielleicht. Ob die Länge reicht, sicher nicht. Für Gürtel gilt: Nehmen Sie einen vorhandenen, messen Sie ihn aus, vergleichen Sie.
Die Hochzeitseinladung. Samstag in drei Wochen, Kleid oder Anzug, Bauchgefühl unentschlossen. Mehrere Varianten durchzuspielen kann Spaß machen und Ordnung in die Ideen bringen. Für die Entscheidung am Ende gilt aber: Anprobe im Laden oder großzügige Rückgabe.
Wer ein Outfit für einen festen Termin braucht, sollte Lieferzeit und Rückgabefrist im Blick haben, bevor das Herz an einem Bild hängt. Nichts ist ärgerlicher als ein Anzug, der am Freitag ankommt und am Samstag nicht passt.
Library im Alltag: Der Chat als Merkliste
Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic close photo of a plain unbranded jacket on a wooden hanger next to a smartphone lying face down on a bed, soft morning light, no logos, no readable text, no watermarks, no screen UI, 16:9Der unscheinbare Teil der Ankündigung gefällt mir fast besser. Produkte lassen sich per Bookmark-Icon in Favorites speichern. Oder Sie legen Ordner in Ihrer ChatGPT Library an, um Funde zu sortieren.
Kennen Sie das? Sie suchen abends nach Geschenken, finden vier Ideen, und am nächsten Tag ist der Chat irgendwo weit unten im Verlauf verschwunden. Eine Merkliste behebt genau dieses kleine Alltagsärgernis.
Laut Hilfeseite tippen Sie auf das Bookmark-Icon, und das Produkt landet in den Favorites. Sie können außerdem speichern und dabei einen neuen Ordner anlegen. Zum Entfernen gehen Sie zurück in die ChatGPT Library und sehen Ihre gespeicherten Produkte und Ordner durch.
Ordner, die ich anlegen würde
Ein Geschenkeordner für Mama, mit drei, vier Ideen, die Sie am Wochenende vergleichen. Ein Ordner „Hochzeitsgast“, in dem Kleider, Schuhe und Accessoires nebeneinander liegen, damit Sie das Gesamtbild sehen, statt Einzelteile. Ein Ordner „Winter“ für Jacke, Mütze, Handschuhe.
Und dann, ganz banal, ein Ordner „Vielleicht später“. Dort landet, was Sie nicht sofort kaufen wollen. Eine Nacht darüber schlafen kostet nichts und spart manchen Fehlkauf.
Eine Sache sagen die Quellen nicht: wie lange Favorites bleiben und ob die Library sich mit Ihren Chats vermischt. Ich beschreibe daher nur, was dasteht. Mehr zu solchen Handgriffen finden Sie in unseren Alltagstricks für die ChatGPT-App.
Wer wählt eigentlich aus, was ich in ChatGPT zu sehen bekomme?
Gute Frage, denn Shopping-Ergebnisse sind selten neutral, wenn jemand Geld verdienen will. OpenAI behauptet dazu: Produktergebnisse wählt ChatGPT unabhängig aus. Sie seien keine Anzeigen und nicht von OpenAI-Partnerschaften beeinflusst. Anzeigen seien davon getrennt.
Das ist ein Claim von OpenAI. Ich kann ihn nicht überprüfen, und die Hilfeseite liefert dafür keine Belege. Wie sich das Thema Werbung rund um ChatGPT entwickelt, haben wir in unserem Stück über Werbung in ChatGPT beschrieben.
Memory, Custom instructions und die Clownskostüme
Was die Hilfeseite zur Auswahl sagt, ist ziemlich anschaulich. Ein Produkt erscheint im Karussell, wenn ChatGPT es für relevant hält. Dabei berücksichtigt es Ihre Anfrage und Kontext wie Memory oder Custom instructions.
Das Beispiel dort: Wer erwähnt, keine Clowns zu mögen, bekommt womöglich keine Clownskostüme angezeigt. Praktisch. Aber das Modell deutet Ihre Absicht, und OpenAI schreibt selbst, dass es dabei Fehler machen kann. Vielleicht hätten Sie die Clowns ja doch gemocht.
Wenn etwas komisch aussieht, können Sie ChatGPT bitten, nachzubessern. Sagen Sie, was Sie wollen, und die Auswahl kann sich ändern. Das ist die Gegenseite der Personalisierung: Sie bekommen weniger Zufall und mehr Ihr eigenes Echo.
Je nach Anliegen wiegen verschiedene Faktoren unterschiedlich schwer. Nennen Sie ein Budget, schaut ChatGPT laut Hilfeseite stärker auf den Preis. Nennen Sie keins, können andere Aspekte wichtiger werden. Und: Nicht alle verfügbaren Produkte werden zwingend gezeigt.
Labels sind keine Garantie, der erste Preis auch nicht
Zwei Stellen aus dem Kleingedruckten finde ich besonders nützlich. Erstens die Labels auf Produktbildern, etwa „Budget-friendly“ oder „Most popular“. Die erzeugt ChatGPT selbst, auf Basis verfügbarer Informationen. Laut OpenAI sind sie keine Garantien und keine geprüften Aussagen. „Budget-friendly“ kann heißen, dass Rezensierende oft ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erwähnen, nicht, dass es das billigste Angebot ist.
Zweitens die Preise. Der Preis in der ersten Antwort entspricht typischerweise dem ersten gelisteten Händler und ist nicht unbedingt der niedrigste. Wenn Sie ins Produkt klicken, sehen Sie womöglich weitere Händler, zum gleichen oder zu einem anderen Preis. Ändern Händler Preise oder Versandbedingungen, kann es dauern, bis das in ChatGPT ankommt.
Für einige berechtigte Produkte und Händler gibt es außerdem Instant Checkout, also den Kauf direkt in ChatGPT. Bequem, ja. Prüfen Sie trotzdem vorher, was Sie bestellen und bei wem.
Die Checkliste vor dem Kauf, in Prosa
Ich mag keine Checklisten mit Häkchen, die man nie abhakt. Hier deshalb als Gedankenkette.
Erst das Bild. Gefällt Ihnen, was Sie sehen, und zwar auch am nächsten Morgen? Wenn nicht, ist die Sache erledigt, bevor sie Geld gekostet hat.
Dann die Maße des Händlers. Legen Sie ein Kleidungsstück daneben, das Ihnen gut passt, und messen Sie Brust, Schulter, Ärmel, Länge. Bei Schuhen die Fußlänge, bei Gürteln den Bund. Vergleichen Sie Zahlen mit Zahlen, nicht Zahlen mit Bauchgefühl.
Dann die Produktdetails: Material, Futter, Pflegehinweis, Herkunft des Händlers. Lesen Sie Rezensionen mit gesundem Misstrauen. Die Zusammenfassungen in ChatGPT beruhen laut Hilfeseite auf Bewertungen öffentlicher Webseiten, und OpenAI prüft diese Bewertungen nicht.
Dann die Rückgaberegeln. Wie viele Tage haben Sie Zeit? Wer zahlt die Rücksendung? Muss das Etikett dranbleiben? Das steht beim Händler, nicht im Bild.
Danach der Preis. Klicken Sie ins Produkt und sehen Sie sich weitere Händler an. Und wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Label wie „Budget-friendly“ hält, was es sagt, fragen Sie ChatGPT einfach nach dem Preisvergleich oder schauen Sie in Ruhe nach.
Zuletzt, wenn Sie schon dabei sind, ein kurzer Blick in Reference photos. Das klingt nach viel. Es dauert zehn Minuten und spart im besten Fall ein Paket, das zurückmuss.
Der Kamera-Scan: Aus fünf Zetteln wird ein PDF
Jetzt zum zweiten Teil der Notes, der ohne Mode auskommt. In der ChatGPT-Kamera gibt es einen Scan-Modus. Sie nehmen mehrere Seiten hintereinander auf, ChatGPT kombiniert sie automatisch zu einem PDF, bereit zum Hochladen in den Chat.
So geht’s: Kamera in ChatGPT öffnen, Drei-Punkte-Menü antippen, Scan wählen. OpenAI schreibt, der Rollout laufe auf iOS. Wer ein iPhone hat und die Funktion nicht findet, sollte also nicht verzweifeln. Sie wird eben erst ausgerollt.
Scan-Alltag: Elternbrief, Nebenkosten, Bedienungsanleitung
Drei Szenen, in denen ich das ausprobieren würde.
Der Elternbrief der Schule: zwei Seiten Text und ein Rückmeldezettel, irgendwo steht ein Termin, irgendwo eine Frist. Statt fünf Einzelfotos in der Galerie ein PDF, das Sie in den Chat schieben und fragen: Was muss ich bis wann erledigen?
Die Nebenkostenabrechnung: fünf Seiten, bei denen Sie endlich wissen wollen, was „Umlage Allgemeinstrom“ bedeutet und ob die Zahlen plausibel wirken. Ein PDF mit allen Seiten in der richtigen Reihenfolge ist da Gold wert. (Kein Witz, ich scanne so etwas sonst mit drei Apps und fluche.)
Die Bedienungsanleitung der Kaffeemaschine, 30 Seiten Mehrsprachigkeit, und Sie haben nur eine Frage: Wie entkalke ich das Ding? Ein Scan der relevanten Seiten, eine Frage, fertig.
Weitere Ideen. Ein handgeschriebener Zettel mit Rezept von der Oma. Die Garantiekarte plus Kassenbon. Ein Mietvertragsauszug, den Sie jemandem zeigen wollen. Eine Speisekarte im Ausland, die Sie übersetzt haben möchten.
Und was liegt da eigentlich auf dem Papier?
Ein Gedanke, ganz in der Logik des Selfie-Abschnitts. Auf der Nebenkostenabrechnung stehen Name, Adresse, Beträge. Auf dem Elternbrief vielleicht der Name Ihres Kindes. Wer solche Seiten hochlädt, sollte wissen, was da alles mitreist.
Wie ChatGPT mit gescannten Dokumenten umgeht, beschreiben die Quellen an dieser Stelle nicht. Ich bewerte das also nicht. Mein Tipp ist schlicht: Erst die Bedienungsanleitung scannen, dann das Heikle.
Und noch etwas Praktisches: Mehrere Seiten hintereinander aufzunehmen heißt, dass Sie auf die Reihenfolge achten sollten. Ein PDF mit vertauschten Seiten macht aus der Abrechnung ein Puzzle.
Was die Quellen offenlassen… und was ich heute tun würde
Ein paar Fragen bleiben. Ich stelle sie als Fragen, nicht als Behauptungen.
Ist „Try on“ in Deutschland, in der EU oder in bestimmten Regionen verfügbar? Dazu sagen die Quellen nichts. Für welche Tarife gilt das Feature, Free, Plus oder andere? Auch dazu steht nichts.
Werden Referenzfotos fürs Modelltraining genutzt? Die Hilfeseite sagt dazu nichts. Wie lange bleiben sie gespeichert? Ebenfalls offen. Wie viele Händler machen mit? Keine Angabe.
Ich lasse das bewusst so stehen. Wir bei digital-magazin.de bewerten nur, was belegt ist. Wer vor dem ersten Selfie-Upload Antworten braucht, muss vorerst mit offenen Fragen leben – oder bei OpenAI direkt nachhaken.
Was ich an Ihrer Stelle heute tun würde
Erstens: Warten Sie, bis der Knopf bei Ihnen wirklich auftaucht. Zweitens: Wenn Sie ihn nutzen, nehmen Sie ein Selfie, das Sie ohne Bauchschmerzen in einem Online-Konto wissen. Neutraler Hintergrund, nichts Privates im Bild.
Drittens: Gehen Sie danach in Settings → Personalization → Reference photos und sehen Sie nach. Entscheiden Sie, ob das Foto bleiben soll. Ersetzen oder löschen geht in wenigen Tippern.
Viertens: Legen Sie in der Library einen Ordner an und probieren Sie die Merkliste. Fünftens: Testen Sie den Scan mit einem harmlosen Dokument. Wir bei digital-magazin.de würden mit der Bedienungsanleitung anfangen.
Und wer sich fragt, wo seine Bilder sonst noch herumliegen, findet im Beitrag über das Ende des Google-Drive-Foto-Backups einen guten Anlass für den nächsten Frühjahrsputz.
Und jetzt?
Die olivgrüne Jacke habe ich übrigens noch nicht gekauft. Das Bild würde vermutlich gut aussehen. Zu gut vielleicht, und genau das ist der Punkt: Ein hübsches Bild ist keine Passform.
Was bleibt, ist eine kleine Gewohnheit. Jedes Mal, wenn ein Feature sagt „geht schneller, weil wir uns etwas merken“, lohnt sich die Frage, wo das Gemerkte liegt. Bei ChatGPT liegt es unter Reference photos. Sie wissen es jetzt.
Wer in Ihrem Freundeskreis weiß es noch nicht?

