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    Privatsphäre in Gefahr – welche Standards sollen in der digitalen Welt gelten?

    In einer digitalisierten Welt privat zu sein und persönliche Daten zu schützen, wird immer schwieriger. Unternehmen haben ein Interesse daran, die Privatsphäre aufzuweichen, da Daten die wichtigste Ressource ihres Geschäftsmodells sind. Deswegen dürfen die Gesellschaften dieser Welt die Definition digitaler Standards keinesfalls den Unternehmen überlassen. Vielmehr ist ein einheitliches Konzept zum Schutz der Privatsphäre vonnöten. Ansonsten wissen Google, Facebook und Co. bald mehr über uns, als wir selbst.

    Unternehmen wollen die Privatsphäre abschaffen

    Welche Regeln und Standards in der digitalen Welt gelten, definieren immer seltener die Gesellschaften selbst. Stattdessen übernehmen große Konzerne diese Aufgabe. So hat zum Beispiel Mark Zuckerberg bereits im Jahr 2009 die Standardeinstellungen von Facebook geändert. Diese waren mit einem Mal viel öffentlicher als zuvor. Er selbst sagte hierzu, dass diese Öffentlichkeit „jetzt die gesellschaftlichen Normen“ seien, betont Ingrid Brodnig in einem Beitrag auf tagesspiegel.de.

    Wollen wir aber wirklich in einer Gesellschaft leben, in der einige wenige Konzernchefs entscheiden, was die „gesellschaftlichen Normen“ sind? Wäre es nicht viel angenehmer, wenn wir selbst entschieden, wie viel Öffentlichkeit wir zulassen und wie viel Privatsphäre wir uns bewahren wollen? Nun, in einer von Google und Facebook dominierten Welt ist das aktuell sehr schwierig.

    Darum ist Privatsphäre Gift für das digitale Geschäft

    Moderne Unternehmen haben private Daten als Geschäftsmodell erkannt. Diese zu sammeln, auszuwerten und zu verkaufen, gehört zum täglich Brot vieler großer Konzerne. Sie haben also ein Interesse daran, dass Nutzerinnen und Nutzer ihrer Angebote nicht genau nachvollziehen können, welche Daten von ihnen gesammelt werden. Das gilt für PCs und Laptops ebenso wie für Apps. Denn wer nicht genau weiß, welche Daten gesammelt werden, kann auch nicht wissen, wie diese weiter genutzt und zu Geld gemacht werden.

    Gegen dieses Geschäftsmodell sind die verschiedenen Gesellschaften zu spät oder zu halbherzig vorgegangen. Das zeigte sich zum Beispiel daran, dass Facebook WhatsApp kaufen durfte, was ihm eine enorme Marktmacht verschafft hat. Ähnliches gilt für den Kauf des Unternehmens DoubleClick durch Google. Hierdurch wurde der Internetriese quasi zur unangefochtenen Nummer Eins im Bereich der Onlinewerbung. Aktuell versuchen viele Gesellschaften gegenzusteuern, aber noch heute zahlen große Konzerne mit einem digitalen Geschäftsmodell meist nur sehr wenige Steuern. Das ist ein riesiger Vorteil gegenüber der Konkurrenz und erleichtert die Ausweitung des eigenen Einflussbereichs.

    In 24 Stunden lernt Google uns kennen

    Wenn bei einem neuen Google-Gerät die Standardeinstellungen beibehalten werden, dauert es gerade einmal 24 Stunden, bis der Internetriese nahezu alles über uns weiß. Das liegt daran, dass Google standardmäßig Zugriff auf unsere Standortdaten und unsere Web-Aktivitäten hat. Hierdurch erkennt das Unternehmen schnell, an welchen Orten wir uns aufhalten und für welche Themen wir uns interessieren. Entsprechend ist Google in der Lage, passende Werbung zu schalten und auf bestimmte Angebote aufmerksam zu machen.

    Solche Services bringen einerseits viele Vorteile mit sich, sie zerstören aber kontinuierlich unsere Privatsphäre. Den Nutzerinnen und Nutzern scheint das Problem allerdings zu wenig bewusst zu sein. Mit digitalen Sprachassistenten holen Sie sich Geräte in ihre eigenen vier Wände, mit denen große Konzerne ihr Leben hautnah mitverfolgen und kostbare persönliche Daten über sie sammeln können. Ein Schutz der Privatsphäre ist hierbei quasi nicht mehr gegeben.

    Zu viel Verantwortung bei den Nutzerinnen und Nutzern

    Zumeist wird den Nutzerinnen und Nutzern aber auch sehr viel abverlangt, was den Schutz ihrer Privatsphäre anbetrifft. Die großen Internetunternehmen betonen immer wieder, dass es Möglichkeiten gäbe, sich vor dem Sammeln von Daten zu schützen. Doch sollte es wirklich die Aufgabe von Nutzerinnen und Nutzern sein, eine vorhandene Überwachung zu lokalisieren und zu beseitigen, oder wäre es nicht an den Unternehmen, standardmäßig private Einstellungen vorzunehmen und eine Öffnung der eigenen Informationen lediglich möglich zu machen?

    Heutzutage sind die Standardeinstellungen nahezu überall so, dass zunächst ein öffentliches Profil vorhanden ist. Erst durch individuelle Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen können Nutzerinnen und Nutzer hieran etwas ändern. Die Konzerne rechnen hierbei mit der Trägheit der Anwenderinnen und Anwender, die dazu führt, dass sie möglichst viele kostbare Daten von diesen bekommen. Es wäre im Sinne der Gesellschaften, etwas dagegen zu unternehmen und die Privatheit jedes einzelnen Menschen wieder zum Standard werden zu lassen.

    Wie lässt sich die Privatsphäre schützen?

    Es gilt zu prüfen, ob die von den Unternehmen gewählten Standardeinstellungen mit der DSGVO konform gehen. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen die Gesellschaften gegensteuern und Maßnahmen gegen ein unrechtmäßiges Sammeln von Daten ergreifen. Hier ist vor allem der Europäische Gerichtshof in der Verantwortung. Ebenso besteht aber auch seitens der Wettbewerbsbehörden eine Verantwortung. Diese müssen prüfen, welchen Einfluss die von den Konzernen gewählten Standardeinstellungen auf die Marktmacht und die Konkurrenz haben. Jede marktverzerrende Maßnahme muss sofort unterbunden werden.

    Um einen Missbrauch möglichst weitgehend ausschließen zu können, ist es zudem empfehlenswert, rechtliche Standards festzulegen. So können die einzelnen Gesellschaften klar definieren, welche Standardeinstellungen erlaubt sind und welche keinesfalls vorgenommen werden dürfen. Hiermit würden die Gesellschaften das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Sie könnten entscheiden, welche Standards für sie gelten und müssten diese Entscheidungen nicht mehr großen Unternehmen und deren Konzernchefs überlassen.

    Hierbei genügen einige kleine Maßnahmen an der einen oder anderen Stellschraube nicht aus. Vielmehr geht es um ein ganz grundsätzliches Umdenken der Gesellschaften und eine Aufwertung der Privatsphäre. Nur wenn der Schutz des Individuums die Normalität ist und Öffentlichkeit eine bewusste und freiwillige Entscheidung voraussetzt, sind die Gesellschaften wirklich frei und nicht abhängig von Konzernen.

    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
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