Eve Systems und Aqara haben Ende Juni 2026 Firmware-Updates veröffentlicht, die unter dem Label „Matter 2.1″ neue Energy-Dashboards, verbesserte Multi-Admin-Verwaltung und erweiterte Gerätekategorien mitbringen. Spoiler: Die Funktionen sind real und nützlich – aber die Versionsnummer verdient einen zweiten Blick. Was steckt wirklich drin, was funktioniert schon heute, und wo zeigt das Smart-Home-Ökosystem noch Lücken?
Matter 2.1 – Versionsnummer oder Marketing-Label?
Mein persönlicher Smart-Home-Tiefpunkt war ein Samstagnachmittag, an dem ich drei Stunden lang versuchte, eine einzelne Steckdose gleichzeitig in Apple Home und Alexa zum Laufen zu bringen. Das Gerät tauchte in beiden Apps auf, reagierte aber nur in einer – und welche das war, wechselte scheinbar nach Laune. Matter sollte das endlich beenden. Jetzt reden Hersteller von „Matter 2.1″, und ich war neugierig, ob das wirklich ein offizielles Release ist oder eher ein cleveres Label.
Ehrliche Antwort: Die Connectivity Standards Alliance (CSA) dokumentiert in ihrer öffentlich zugänglichen Matter-Spezifikations-Timeline derzeit Matter-Releases bis Version 1.4, die 2024 erschienen ist. Ein prominenter offizieller Eintrag „Matter 2.1″ fehlt dort zum Zeitpunkt dieses Artikels. Wer also Eve oder Aqara-Changelogs liest und „Matter 2.1″ sieht, sollte das einordnen: Es handelt sich wahrscheinlich um interne SDK-Versionierung, herstellereigene Feature-Bezeichnung oder vorauseilendes Marketing – nicht zwingend um eine neue, separat verabschiedete CSA-Spezifikation.
Das ändert aber nichts daran, dass die Features real sind. Energy Reporting, stabileres Multi-Admin und neue Gerätekategorien sind keine Luftschlösser, sondern Erweiterungen, die schrittweise seit den 1.x-Releases aufgebaut wurden und jetzt von Herstellern aktiv in Firmware ausgerollt werden. Im Ernst: Für den Alltag zählt weniger die Versionsnummer auf dem Changelog als das, was die Steckdose oder der Hub tatsächlich tut.
Eve Energy: Endlich Stromverbrauch für alle Plattformen
Eve Systems hat die Eve Energy – jene kleine smarte Zwischensteckdose, die lange als Vorzeigeprodukt für HomeKit galt – zu einem der ersten Geräte gemacht, die Energy Reporting über den offenen Matter-Standard liefern. Das klingt technisch, ist aber im Alltag ein echter Sprung: Bisher lagen Verbrauchsdaten nur in der Eve-App oder in Apple Home vor. Mit Matter wandern diese Daten in jeden Matter-kompatiblen Controller.
Konkret bedeutet das: Wer ein Home Assistant Dashboard betreibt, sieht Watt-Werte und Verbrauchshistorie der Eve Energy dort genauso wie in Apple Home. Alexa-Nutzer können Automationen auf Basis von Verbrauchsdaten bauen, ohne sich an ein proprietäres System zu binden. Das ist genau das, was Energy-Management als offener Standard verspricht – und was bisher an Hard-coded-API-Grenzen scheiterte.
Nerd-Alarm: Multi-Admin funktioniert dabei so, dass das Gerät mehrere „Fabric“-Verbindungen gleichzeitig hält. Eve Energy kennt also Apple Home, Alexa und Home Assistant parallel – jede Plattform hat ihren eigenen verschlüsselten Kanal zum Gerät. In der Praxis müssen Nutzer den Matter-Setup-Code aus der Eve-App oder iOS entnehmen und manuell in die zweite bzw. dritte Plattform eingeben. Das ist kein Ein-Klick-Erlebnis, funktioniert aber grundsätzlich.
Ein wichtiger Hinweis für alle, die bisher rein mit HomeKit gearbeitet haben: Nach der Migration auf Matter kann der alte HomeKit-Kopplungscode unbrauchbar werden. Der neue Matter-Code ist dann der einzige Schlüssel zum Gerät. Diesen Code sollte man sichern, bevor man Geräte aus bestehenden Plattformen entfernt – sonst wird aus dem Bastelprojekt schnell eine Recovery-Session.
Aqara: Matter 1.4 mit 50 Gerätekategorien und Advanced Bridging
Aqara fährt einen anderen Ansatz: Statt einzelne Endgeräte nativ mit Matter auszustatten, setzt der Hersteller auf seinen Hub als zentrale Matter-Bridge. Das Modell ist bekannt – aber der aktuelle Rollout bringt laut Herstellerangaben eine deutliche Erweiterung. Aqara unterstützt nun Matter 1.4 und rund 50 Gerätekategorien, darunter explizit Energy Management als neue Funktionsgruppe.
Das Konzept „Advanced Matter Bridging“ geht dabei über simples An/Aus hinaus. Aqara-Geräte können erweiterte Funktionen – inklusive KI-basierter Erkennungen wie Personendetektion oder Paketbenachrichtigungen – als Automations-Trigger an andere Matter-Controller weitergeben. Ein Google Home oder Home Assistant kann also auf einen Aqara-Kamerasensor reagieren, ohne Aqara-Cloud zwingend im Weg zu haben. Das ist für Nutzer interessant, die ein gemischtes Ökosystem betreiben.
Für den Rollout gelten konkrete Firmware-Anforderungen: Der Aqara Matter-Controller benötigt mindestens Firmware-Version 4.3.5, die Aqara Home App mindestens Version 5.1.4. Wer diese Versionen noch nicht hat, sollte vor dem Aktivieren neuer Matter-Features zunächst updaten – sonst kann es zu inkonsistenten Zuständen kommen, die in Smart-Home-Setups besonders lästig sind, weil sie sich oft erst nachts beim Automations-Durchlauf zeigen.
Der Aqara M3 Hub ist dabei das aktuelle Flaggschiff für Matter-Bridging. Welche exakte Matter-Protokollversion (1.3, 1.4 oder ein zukünftiges Release) jeweils aktiv ist, kommuniziert Aqara in öffentlichen Foren nicht immer transparent. In Community-Threads wird genau das von Nutzern aktiv nachgefragt. Meine Einschätzung: Hersteller sollten hier klarer werden – eine Versionsangabe im Gerätemenü wäre kein Hexenwerk.
Smart-Home-Update im Alltag: Was Multi-Admin wirklich bedeutet
Multi-Admin ist seit Matter 1.0 ein Kernversprechen. Die Idee: Ein Gerät, alle Plattformen gleichzeitig. Die Realität in den ersten Jahren war ernüchternder – Verbindungsabbrüche, Ghost-Geräte in Apps und unterschiedliche Funktionsumfänge je nach Ökosystem haben das Feature in den Ruf gebracht, eher Lab-Experiment als Produktiv-Feature zu sein.
Der aktuelle Stand ist besser, aber nicht problemfrei. Basisfunktionen – An/Aus, Helligkeit, einfache Sensorik – laufen bei vielen Nutzern stabil über mehrere Plattformen hinweg. Komplexere Szenarien wie Energy-Automationen oder erweiterte Gerätezustände hängen stark von der Controller-Firmware-Version und der jeweiligen Plattform ab. Apple Home, Google Home, Alexa und Home Assistant setzen Matter-Spezifikationen unterschiedlich konsequent um, was zu Darstellungsunterschieden führt.
Ein konkretes Beispiel: Das Smart-Home-Update der Eve Energy liefert Watt-Werte zuverlässig in Home Assistant, zeigt aber in Alexa möglicherweise keine Verbrauchshistorie an – nicht weil das Gerät es nicht kann, sondern weil Alexa diese Datenklasse noch nicht vollständig aus dem Matter-Cluster liest. Das ist kein Fehler des Geräts, sondern eine Lücke im Ökosystem. Wer mehrere Plattformen parallel nutzt, sollte realistische Erwartungen mitbringen.
Dynamische Stromtarife und Energiemonitoring gewinnen gerade stark an Relevanz – und genau hier zahlt sich standardisiertes Energy Reporting aus. Wenn Verbrauchsdaten plattformunabhängig verfügbar sind, können Automationen über Tarif-APIs auf tatsächliche Verbrauchswerte reagieren, ohne proprietäre Cloud-Verbindungen zu benötigen. Das ist der langfristig interessante Aspekt dieser Smart-Home-Updates, jenseits der Versionsnummern-Diskussion.

Neue Gerätekategorien: Was Matter jetzt noch unterstützt
Spoiler: Matter ist längst kein reines Lampen-und-Steckdosen-Protokoll mehr. Mit den aktuellen 1.x-Releases und den neuen Firmware-Rollouts wächst die Gerätebasis deutlich. Aqara allein nennt rund 50 unterstützte Gerätekategorien – darunter Sensoren, Schlösser, Thermostate, Rollladenaktoren und Kameras.
Für Smart-Home-Thermostate ist das besonders relevant. Wer bisher einen herstellerspezifischen Thermostat in nur einer App steuern konnte, kann ihn nach Matter-Update potenziell in Apple Home, Google Home und Home Assistant gleichzeitig verwenden – inklusive Automationen, die plattformübergreifend greifen. Das ist keine Kleinigkeit für Menschen, die etwa Heizungssteuerung und Beleuchtung in verschiedenen Ökosystemen betreiben.
Weniger glamourös, aber praktisch wichtig: Matter definiert auch Energiemess-Cluster für Aktoren und Schalter. Das bedeutet, dass nicht nur smarte Steckdosen Verbrauchsdaten liefern können, sondern perspektivisch auch Unterputzschalter, Rollladenmodule und andere fest verbaute Geräte. Für ein vollständiges Energie-Dashboard im Home Assistant sind das die Bausteine, die bisher fehlten oder nur über proprietäre Integrationen kamen.
Risiken und typische Fallstricke beim Update
Wer jetzt enthusiastisch alle Geräte auf den neuesten Matter-Stand bringen will, sollte kurz innehalten. Bestehende, stabile HomeKit-Setups profitieren kurzfristig weniger vom Wechsel als gemischte Ökosysteme. Eine Migration von reinem HomeKit auf Matter ist nicht reversibel ohne erneutes Pairing – und der alte HomeKit-Code verliert dabei oft seine Funktion.
Praktische Checkliste vor dem Update: Matter-Setup-Code des Geräts notieren und sicher aufbewahren. Firmware-Versionen aller beteiligten Hubs und Apps prüfen (bei Aqara: Controller ≥ 4.3.5, App ≥ 5.1.4). Automationen, die auf dem alten Gerätezustand basieren, dokumentieren. Und: Das Update idealerweise an einem Gerät testen, das keine kritische Funktion übernimmt – nicht an der Alarmanlage oder dem Türschloss als erstem Kandidaten.
Ein weiteres Risiko betrifft die Transparenz über Matter-Versionen. Weder Eve noch Aqara kommunizieren in jedem Changelog klar, welche exakte CSA-Spezifikationsversion gerade aktiv ist. Wer wissen will, ob sein Gerät Matter 1.3, 1.4 oder etwas anderes spricht, muss oft in Entwickler-Foren nachhaken oder auf Hersteller-Support hoffen. Für ein Protokoll, das mit Interoperabilität wirbt, ist das eine merkwürdige Lücke – und ein Punkt, den die CSA adressieren sollte.
Home Assistant als Testlabor für Matter-Realität
Wer die tatsächliche Matter-Implementierung seiner Geräte verstehen will, kommt an Home Assistant kaum vorbei. Das Home Assistant Dashboard zeigt Matter-Geräte mit deutlich mehr Rohdetails als Apple Home oder Alexa: Cluster-Typen, Attributwerte, Verbindungsstatus. Das macht Home Assistant zum idealen Bastelprojekt für alle, die wissen wollen, was ihr Smart-Home-Update wirklich mitgebracht hat.
Ein Home Assistant Matter Hub – entweder über einen Yellow, einen Green oder schlicht einen Raspberry Pi mit Thread Border Router – kann als dritte oder vierte Fabric in ein bestehendes Matter-Setup eingebunden werden, ohne die anderen Plattformen zu stören. So lassen sich Energy-Daten von Eve Energy parallel in Home Assistant loggen und für Langzeitauswertungen nutzen, während Apple Home weiter die Alltagssteuerung übernimmt.
Die Matter-Energie-Reporting-Funktion von Eve Systems zeigt in der Praxis genau, wohin die Reise geht: Verbrauchsdaten verlassen den proprietären App-Silo und werden zu einem offenen Datenpunkt, den jeder kompatible Controller lesen kann. Für Nutzer mit Home Assistant und dynamischen Stromtarifen öffnet das direkte Automatisierungsmöglichkeiten, die vorher umständliche Custom-Integrationen erforderten.
Lücken im Ökosystem: Was noch fehlt
Bei allem Fortschritt bleibt die Frage berechtigt: Wo hakt es noch? Erstens bei der Konsistenz der Plattformen. Apple Home, Google Home und Alexa unterstützen Matter-Cluster unterschiedlich vollständig. Energy-Daten, die ein Gerät laut Spezifikation liefert, kommen nicht überall an – nicht wegen des Geräts, sondern wegen der Controller-Implementierung. Das ist ein strukturelles Problem, das kein einzelner Hersteller lösen kann.
Zweitens fehlt eine klare Kommunikation über unterstützte Matter-Versionen. Wenn Aqara und Eve von „Matter 2.1″ sprechen, aber die CSA-Timeline bei 1.4 steht, entsteht Verwirrung. Nutzer können kaum einschätzen, welche Features ihr Gerät tatsächlich unterstützt. Eine eindeutige Versions-Anzeige in der Hersteller-App wäre ein kleiner, aber wirkungsvoller Schritt.
Drittens: Die Migration bestehender Installationen bleibt fehleranfällig. Wer ein gewachsenes Smart-Home mit dutzenden Geräten betreibt, wird nicht alle auf einmal migrieren können. Ein klares Update-Pfad-Konzept von den Herstellern – welches Gerät wann, in welcher Reihenfolge – würde helfen. Aktuell ist das Vorgehen für viele Nutzer noch ein Bastelprojekt mit offenem Ausgang.
Das Interoperabilitätsversprechen unter der Lupe
Matter wirbt seit seiner Ankündigung damit, das Siloproblem des Smart Home ein für alle Mal zu lösen. In der Theorie stimmt das Versprechen: Ein zertifiziertes Matter-Gerät sollte in jedem zertifizierten Ökosystem funktionieren. In der Praxis zeigt sich, dass Zertifizierung und vollständige Funktionalität zwei verschiedene Dinge sind. Ein Gerät kann Matter-zertifiziert sein und trotzdem nur einen Bruchteil seiner Fähigkeiten über bestimmte Plattformen zugänglich machen.
Das liegt daran, dass Matter-Cluster optional implementiert werden können. Ein Controller muss nicht jeden Cluster lesen, den ein Gerät anbietet – er muss nur die Pflicht-Cluster unterstützen. Alexa, Apple Home und Google Home entscheiden intern, welche optionalen Cluster sie auswerten. Für Endnutzer ist das unsichtbar, führt aber zu der frustierenden Erfahrung, dass dasselbe Gerät in App A mehr kann als in App B. Transparenz darüber, welche Plattform welche Matter-Cluster tatsächlich auswertet, wäre ein wichtiger Beitrag der großen Ökosystem-Anbieter.
Langfristig ist das lösbar: Je mehr Nutzerfeedback die Plattformanbieter erhalten, desto stärker ist der Druck, fehlende Cluster-Unterstützung nachzuliefern. Wer also bemerkt, dass Energy-Daten in Alexa fehlen, obwohl das Gerät sie bereitstellt, sollte das aktiv zurückmelden – in App-Bewertungen, Community-Foren oder direkt beim Hersteller-Support. Das ist kein Trost, aber ein realistischer Hebel.
Was bleibt und was kommt als nächstes?
Eve Systems und Aqara zeigen, dass Matter als Standard reift. Energy Reporting, Multi-Admin und Advanced Bridging sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern Funktionen, die heute in Firmware-Updates ankommen. Das Smart-Home-Update dieser Woche ist kein Umbruch, aber ein deutlicher Schritt in Richtung eines Ökosystems, in dem Geräte tatsächlich miteinander reden – und nicht nur so tun als ob.
Die Versionsnummern-Debatte – ist es nun Matter 1.4, 2.0 oder 2.1? – ist letztlich eine Frage der Kommunikation, nicht der Funktion. Wer heute updatet, sollte die offiziellen CSA-Release-Notes im Blick behalten und Hersteller-Versprechen gegen die dort dokumentierten Features abgleichen. Und wer noch zögert: Ein einzelnes Gerät als Testkandidat zu migrieren, kostet wenig und zeigt schnell, ob das eigene Ökosystem bereit ist.
Welche Funktion aus dem aktuellen Matter-Rollout würde Ihr Smart-Home am stärksten verändern – Energy-Dashboards, stabileres Multi-Admin oder die neuen Gerätekategorien?





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