Ich erinnere mich noch gut an den Abend, an dem ich drei Stunden damit verbracht habe, meinem Home-Assistant-Dashboard die richtige Entitätskarte für einen neuen Temperatursensor zu verpassen – und am Ende die falsche Karte gewählt hatte, weil der Picker damals einfach alle Kartentypen gleichzeitig anbot wie ein Buffet ohne Beschilderung. Home Assistant 2026.6 macht genau damit Schluss. Spoiler: Das Update vom 3. Juni 2026 hat es in sich – und zwar an Stellen, die viele Bastler erst merken, wenn sie ihr nächstes Dashboard öffnen oder die alte Fernbedienung in die Hand nehmen.
Was in Home Assistant 2026.6 wirklich neu ist
Home Assistant hat am 3. Juni 2026 die stabile Version 2026.6 veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen zwei Änderungen, die auf den ersten Blick klein wirken, aber in der täglichen Nutzung richtig viel ausmachen: ein überarbeiteter Karten-Picker im Dashboard-Editor und eine erweiterte Infrarot-Plattform, die ab sofort auch Signale empfangen kann. Dazu kommen Verbesserungen im Automation-Editor und – laut mehreren Community-Berichten – neue Verwaltungsfunktionen für Z-Wave-Smart-Locks.
Wer sein Smart Home auf einem Raspberry Pi, einem Home Assistant Green oder einem Yellow-Board betreibt, sollte das Update gezielt angehen: nicht blind einspielen und hoffen, sondern vorher verstehen, was sich verändert. Das ist kein Drama, aber ein paar Minuten Nachdenken lohnen sich. Im Ernst.
Der offizielle Release-Blog von Home Assistant listet die Neuerungen detailliert auf und ist die verlässlichste Anlaufstelle, bevor Sie irgendwelchen Sekundärquellen glauben – inklusive diesem Artikel.
Der neue Karten-Picker: Endlich entitätszentriert
Nerd-Alarm: Der Karten-Picker ist die UX-Änderung, auf die ich persönlich am längsten gewartet habe. Bisher war der Workflow im Dashboard-Editor so: Kartentyp auswählen, dann mühsam die passende Entität suchen. Wer beim Vergleich von Home Assistant mit HomeKit und Google Home schon festgestellt hat, dass konkurrierende Plattformen ihre Dashboard-Erstellung intuitiver gestalten, bekommt mit 2026.6 ein starkes Gegenargument.
In Home Assistant 2026.6 dreht sich die Logik um. Sie wählen zuerst die Entität – also das konkrete Gerät oder den Sensor – und der Editor schlägt dann passende Karten vor. Das klingt simpel, ist aber ein erheblicher Qualitätssprung: Wer einen neuen Bewegungsmelder einbindet, bekommt sofort sinnvolle Visualisierungsoptionen statt einer generischen Karten-Liste mit zwanzig Einträgen.
Praktische Folge: Bestehende Dashboards funktionieren weiterhin, aber neue Karten werden über den neuen Dialog angelegt. Wer viele manuell gepflegte Dashboards hat, sollte sich den neuen Workflow einmal aktiv anschauen – nicht weil es Breaking Changes gibt, sondern weil sich die Pflege spürbar verändert. Die Community hat den Karten-Picker bereits ausgiebig im offiziellen Community-Thread zu 2026.6 diskutiert, und die Resonanz ist überwiegend positiv.
Was das für komplexe Dashboards bedeutet
Wer Dashboards für mehrere Räume, Personen oder Gerätegruppen verwaltet, wird feststellen: Der entitätszentrierte Picker beschleunigt das Anlegen neuer Karten deutlich. Das ist besonders relevant, wenn Sie regelmäßig neue Geräte einbinden – etwa Matter-fähige Hardware, die 2026 in immer mehr Haushalten ankommt. Ältere Dashboards mit vielen manuell konfigurierten YAML-Karten bleiben unberührt, solange Sie nichts anfassen.
Meine persönliche Einschätzung: Der Karten-Picker ist die wichtigste UX-Änderung seit dem Lovelace-Übergang vor Jahren. Nicht weil er die Plattform neu erfindet, sondern weil er einen der nervigsten Reibungspunkte beseitigt. Wer heute neu mit einem Home Assistant Dashboard anfängt, hat deutlich weniger Orientierungsprobleme.
Gegenargument: Verlieren erfahrene Nutzer Kontrolle?
Eine Frage, die in der Community vereinzelt auftaucht: Schränkt der geführte Karten-Picker erfahrene Nutzer ein, die gezielt ungewöhnliche Karten-Kombinationen bauen wollen? Die kurze Antwort lautet nein – die manuelle Auswahl per YAML und der direkte Eingriff in die Konfigurationsdatei bleiben vollständig erhalten. Der neue Picker ist eine zusätzliche Einstiegsebene, keine Einschränkung. Wer weiterhin Custom Cards, Mushroom-Karten oder eigene Lovelace-Ressourcen einbinden will, tut das wie bisher. Der Unterschied ist lediglich, dass der Standardweg jetzt intuitiver ist – was für erfahrene Nutzer bedeutet, dass Einsteiger seltener mit Grundsatzfragen anklopfen.
IR-Empfang: Die Fernbedienung wird zum Eingang
Das zweite große Feature in Home Assistant 2026.6 ist die erweiterte Infrarot-Plattform. Bisher war IR in Home Assistant eine Einbahnstraße: Sie konnten Signale senden, also etwa einen TV oder eine Klimaanlage steuern. Jetzt kommt die Gegenrichtung dazu. Die IR-Plattform kann ab 2026.6 auch Signale empfangen – was bedeutet, dass eine physische Fernbedienung, die Sie in die Hand nehmen, als Trigger für Automationen dienen kann.
Das ist für Bastler mit älteren AV-Geräten, Beamern oder TVs ohne Smart-Home-Anbindung besonders interessant. Statt aufwendige Workarounds zu bauen, kann die originale Fernbedienung des Geräts direkt als Eingang genutzt werden. Ein IR-Empfänger, der an Home Assistant angebunden ist, lauscht auf Signale und kann diese als Automations-Trigger weitergeben.
Wichtig beim Fact-Check: Die IR-Empfangsfunktion ist eine Erweiterung der IR-Plattform in Home Assistant. Das bedeutet nicht automatisch, dass jede bestehende IR-Integration oder jedes IR-Gerät diese Funktion sofort unterstützt. Welche Hardware konkret für IR-Empfang benötigt wird, sollten Sie direkt in der offiziellen Integrations-Dokumentation von Home Assistant nachschlagen – das ist keine Stelle, an der Ratschläge aus zweiter Hand weiterhelfen.
Typische Anwendungsfälle für IR-Empfang
Stellen Sie sich vor: Sie drücken auf der originalen Sony-Fernbedienung die Lautstärke-Taste, und Home Assistant dimmt gleichzeitig die Wohnzimmerlampen. Oder: Ein Tastendruck auf der alten Klimaanlagen-Fernbedienung löst eine Szene aus, die Rollläden, Thermostat und Beleuchtung koordiniert. Das waren früher entweder Bastelprojekte mit eigener Hardware-Logik oder schlicht nicht möglich. Mit IR-Empfang in 2026.6 wird das zu einer regulären Automations-Aufgabe im Editor.
Wer bisher nur IR-Sender genutzt hat – etwa über ESPHome oder einen Broadlink-Adapter –, sollte prüfen, ob die vorhandene Hardware auch Empfang unterstützt. Nicht alle IR-Adapter können beides. Das ist der erste praktische Prüfschritt nach dem Update.
Warum IR-Empfang mehr ist als ein Nischenfeature
Auf den ersten Blick klingt IR-Empfang nach einem Feature für eine kleine Bastler-Minderheit. Tatsächlich steckt dahinter ein breiterer Anwendungsbereich: Viele Haushalte haben AV-Receiver, Projektoren oder Klimaanlagen, die über kein WLAN-Modul und keine API verfügen – und damit für klassische Smart-Home-Integrationen unsichtbar bleiben. IR-Empfang ist der pragmatische Brückenbau zwischen diesen Geräten und einer modernen Automatisierungslogik. Wer beispielsweise einen älteren Beamer im Heimkino betreibt und die Kinoabend-Szene bisher per Sprachbefehl oder App-Tipp auslöst, kann den Auslöser jetzt auf einen physischen Tastendruck der vorhandenen Fernbedienung legen – ohne zusätzliche Hardware kaufen zu müssen, sofern ein kompatibler IR-Empfänger bereits vorhanden ist. Das ist kein Luxusfeature, sondern eine sinnvolle Erweiterung für alle, die analoge und digitale Gerätewelten im gleichen Raum betreiben.
Automation-Editor: Notizen und mehr Kontext
Weniger spektakulär, aber im Alltag sehr nützlich: Home Assistant 2026.6 bringt Verbesserungen im Automation-Editor. Konkret gibt es mehr Kontext-Hinweise innerhalb der Editor-Oberfläche und eine Notizen-Funktion, mit der Sie Automationen direkt kommentieren können.
Wer kennt das nicht – ein Bastelprojekt aus dem vergangenen Winter, bei dem eine Automation mit fünf Triggern, drei Bedingungen und einer Action-Kette hinterlassen wurde, die niemand mehr versteht. Oder genauer: die man selbst nicht mehr versteht, wenn man drei Monate später reinschaut. Notizen im Automation-Editor sind keine Revolution, aber sie sind genau das Werkzeug, das komplexe Smart-Home-Setups wartbar hält.
Für Einsteiger senken die zusätzlichen Kontext-Hinweise die Hürde beim Anlegen neuer Automationen. Für erfahrene Nutzer bedeutet die Notizen-Funktion, dass gemeinsam gepflegte Setups – etwa in Mehrpersonenhaushalten oder kleinen Maker-Communities – endlich eine interne Dokumentationsebene haben.
Praktischer Einsatz der Notizen-Funktion
Die Notizen-Funktion klingt nach einem Detail, entfaltet aber gerade in gewachsenen Setups echten Mehrwert. Empfehlenswert ist es, direkt nach dem Update die fünf bis zehn komplexesten Automationen im System aufzurufen und jeweils eine kurze Notiz zu hinterlegen: Was soll diese Automation leisten? Welche Ausnahmen gibt es? Warum wurden bestimmte Trigger-Bedingungen gewählt? Wer das einmal systematisch durchgeht, spart sich bei der nächsten Fehlerbehebung erhebliche Einarbeitungszeit. Besonders in Haushalten, in denen mehr als eine Person das Smart Home pflegt, verhindert eine sauber dokumentierte Automation die klassische Situation, in der nach einem Eingriff plötzlich andere Abläufe nicht mehr funktionieren – ein häufiger Auslöser für die bekannten typischen Smart-Home-Probleme, die sich mit etwas Systematik lösen lassen.

Z-Wave-Smart-Locks: Was bisher bekannt ist
Mehrere Sekundärquellen und Community-Berichte erwähnen für Home Assistant 2026.6 neue Verwaltungsfunktionen für Z-Wave-Smart-Locks, insbesondere bei Zugangsverwaltung und Nutzer-Codes. Im offiziellen Release-Blog ist das zum Zeitpunkt dieser Recherche weniger prominent hervorgehoben als Karten-Picker und IR-Empfang.
Wer Z-Wave-Schlösser im Einsatz hat – also etwa einen Yale, Schlage oder einen anderen Z-Wave-fähigen Türöffner –, sollte den offiziellen Changelog direkt prüfen. Die Berichte klingen plausibel und passen zur generellen Entwicklungsrichtung der Plattform, aber konkrete Feature-Details sollten Sie nicht aus Sekundärquellen übernehmen, wenn es um Türschlösser und Zugangssicherheit geht. Das ist einer der Bereiche, in denen ein Smart-Home-Fail unangenehme Folgen haben kann.
Was Sie nach dem Update konkret prüfen sollten
Hier ist die kurze Checkliste, die ich jedem empfehle, bevor das Update eingespielt wird – oder direkt danach:
- Dashboards inventarisieren: Welche Dashboards haben Sie manuell konfiguriert? Der neue Karten-Picker verändert den Workflow für neue Karten, aber bestehende Konfigurationen bleiben erhalten. Trotzdem lohnt ein Blick, ob alte Kartenkonfigurationen vereinfacht werden könnten.
- IR-Hardware prüfen: Haben Sie IR-Sender im Einsatz? Unterstützt Ihre Hardware auch Empfang? Wenn ja, bieten sich neue Automationsmöglichkeiten. Wenn nein, ändert sich für Ihr Setup nichts.
- Automation-Notizen anlegen: Nutzen Sie die Notizen-Funktion direkt nach dem Update für Ihre komplexesten Automationen. Das ist ein einmaliger Aufwand mit langfristigem Nutzen.
- Z-Wave-Schlösser: Betreiben Sie Z-Wave-Smart-Locks, lesen Sie den offiziellen Changelog zu diesem Punkt, bevor Sie Änderungen vornehmen.
- Backup vor dem Update: Das ist keine 2026.6-spezifische Empfehlung, aber eine, die bei jedem Home-Assistant-Update gilt. Snapshot anlegen, dann updaten.
Die Richtung der Plattform: Weniger YAML, mehr Assistent
Home Assistant entwickelt sich seit einigen Releases erkennbar in eine Richtung: weg vom YAML-first-Paradigma der frühen Jahre, hin zu einer geführten, visuellen Konfigurationsoberfläche. Der neue Karten-Picker ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Die Notizen-Funktion im Automation-Editor auch. Das ist kein Abschied vom YAML – wer seine Konfiguration direkt bearbeiten will, kann das weiterhin tun – aber es ist eine klare Aussage, dass die Plattform auch für Menschen nutzbar sein soll, die nicht erst eine Woche Dokumentation lesen wollen.
Das ist eine interessante Spannung, die Home Assistant von anderen Smart-Home-Plattformen unterscheidet: Es bleibt das mächtigste Bastelprojekt für Selberbauer, wird aber gleichzeitig zugänglicher für alle, die einfach nur ihr Smart Home verwalten wollen, ohne Integrationen von Hand zu schreiben. Dieser Spagat gelingt 2026.6 besser als in vielen früheren Releases.
Wer Home Assistant bisher gemieden hat, weil der Einstieg zu technisch schien, sollte sich die aktuelle Version noch einmal anschauen. Der Einsteiger-Guide, der immer wieder in der Community empfohlen wird, ist mit 2026.6 noch relevanter geworden – weil viele der Punkte, die früher manuelle Konfiguration erforderten, jetzt im Editor abgebildet sind.
Home Assistant 2026.6 auf einen Blick
Karten-Picker, IR-Empfang, Automation-Notizen – das klingt nach einem soliden, aber nicht dramatischen Release. Und das ist es auch, zumindest auf dem Papier. Was Home Assistant 2026.6 besonders macht, ist die kumulative Wirkung dieser Änderungen: Wer ein aktives Smart Home betreibt und regelmäßig neue Geräte einbindet, wird den Unterschied nach ein paar Wochen spüren – in weniger Frustrationsmomenten beim Dashboard-Bau, in neuen Automatisierungsideen rund um vorhandene Fernbedienungen und in Automationen, die endlich dokumentiert sind.
Für Hardware-Bastler auf Raspberry-Pi-Basis, Home Assistant Green oder Yellow-Boards gilt dasselbe wie immer: Update testen, Backup davor, Changelog lesen. Aber diesmal gibt es konkrete Gründe, sich die neuen Features aktiv anzuschauen, statt nur auf Bugfixes zu warten.
Was bleibt: IR-Empfang als Automationstrigger klingt nach einem Nischenfeature – aber wie viele Fernbedienungen liegen in Ihrem Wohnzimmer, die eigentlich längst Teil Ihres Smart-Home-Setups sein sollten?





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