Die Zukunft des Fernsehschauens – gibt es sie überhaupt?

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Nach Hause kommen, den Fernseher anschalten und die Füße hochlegen. In den 1980er- Jahren war das Standard. Damals konnte noch längst nicht jeder Haushalt auf private TV-Sender zurückgreifen, stellenweise war nur das öffentlich-rechtliche Programm verfügbar. In den letzten 40 Jahren hat sich in Sachen Fernsehen eine ganze Menge verändert, VOD (Video on Demand) ist heute moderner denn je. RTL, VOX, Sat1 – die namhaften Sender wurden durch Disney Plus, Netflix und Amazon Prime ergänzt oder gar ersetzt. Aber wie sieht die Zukunft des Fernsehens aus?

Das lineare Fernsehen – auf dem absteigenden Ast?

Lineares Fernsehen bedeutet, dass Tausende oder oft sogar Hunderttausende Menschen gleichzeitig das gleiche Programm im Fernsehen schauen, beispielsweise über das klassische Fernsehprogramm. Das ist nicht nur inländisch, sondern sogar aus dem Ausland möglich. Hier braucht es Services wie VPN-Netzwerke. VPN-Netzwerke können die Herkunft eines Zuschauers verschlüsseln und machen es so möglich, dass auch im Auslandsurlaub das deutsche TV-Programm empfangen werden kann.

Aber braucht es das denn noch? Ja, eindeutig, denn auch wenn Marktforschungsinstitute feststellen, dass es einen Unterschied zwischen der jüngeren und älteren Zuschaueranzahl gibt, bleibt das lineare Fernsehen nach wie vor ein wichtiges Thema. Die Differenz ist dabei nicht neu, schon vor 20 Jahren waren es mit einer Mehrheit von rund zwei Dritteln ältere Menschen ab 50, die zu den wichtigsten Konsumenten der Fernsehsender gehörten.

Die Herausforderung liegt bei den Fernsehsendern selbst, die den Spagat zwischen Programmen und Ansprüchen von und für ältere und den neuen Wünschen der jungen Generation schaffen müssen. Netflix und Co. haben sich einen entscheidenden Vorteil erarbeitet, sie können nicht nur unterwegs, sondern auch werbefrei konsumiert werden.

Qualität wird eine wichtige Rolle beim Fernsehen der Zukunft spielen

Ein Blick auf die Statistiken der Fernsehzuschauer in Deutschland bestätigt die Diskrepanz zwischen jung und alt, wobei nicht zwangsläufig darauf zu schließen ist, dass Menschen über 50 Jahre keinen Gebrauch von Streamingdiensten machen. Entscheidend für die Zukunft des linearen Fernsehens sind Experten zufolge nicht die parallel dazu entstehenden Möglichkeiten wie VOD, sondern vor allem die Qualitätsmerkmale des TVs.

Statistik: Fernsehkonsum: Tägliche Sehdauer der Deutschen in Minuten nach Altersgruppen in den Jahren 2020 und 2021 | Statista

Nach wie vor sind es Live-Formate, die Zuschauer jeder Altersgruppe begeistern. Nicht umsonst haben Ereignisse wie die Weltmeisterschaft, der Eurovision Song Contest oder Live-Duelle wie Schlag den Star eine erhöhte Einschaltquote.

Quote gibt es aber auch durch umstrittene TV-Sendungen, über die am nächsten Tag jeder spricht. RTL ist mit seinem Format „Das Dschungelcamp“ seit mehreren Jahren erfolgreich, auch hier spielt der Livefaktor eine Rolle. Verändert hat sich, dass nicht nur mit Freunden kommuniziert wird, sondern auch „live“ in den sozialen Netzwerken. Der Austausch über Sendungen ist wichtig geworden, bei Facebook, Twitter und Instagram glühen die Leitungen, wenn der Bachelor seine nächste Rose vergibt.

Ist das digitale Fernsehen wirklich in der Lage, lineare Angebote zu ersetzen?

Die Welt digitalisiert sich und auch wenn Deutschland ein Schlusslicht darstellt, ist der Fortschritt unaufhaltsam. Digitales Lernen, digitale Arztbesuche, digitales Fernsehen – doch wird wirklich ein kompletter Ersatz denkbar? Genau bei diesem Punkt herrschen berechtigte Zweifel, denn am Beispiel des Fernsehens hat der klassische lineare Nutzfaktor immer noch einige Vorteile, die vom digitalen Angebot ala Netflix nicht aufgefangen werden können. Dazu gehören:

  • persönliche Ansprache durch Moderation
  • Animation der Zuschauer, Motivation zur Teilhabe
  • schnelle Möglichkeit das Programm zu wechseln
  • familiär orientierte Unterhaltung

Für viele TV-Zapper ist der Fernseher außerdem zu einem Ritual geworden. Abends zwei Stunden schauen, danach ausschalten. Streamingportale hingegen verleiten zum Binge-Watching und dazu, mehr als nur eine Folge einer Serie zu schauen. Es wird von den Diensten bereits experimentiert, indem wöchentlich neue Folgen von Serien veröffentlicht werden.

Moderne Smart-TVs werden über WLAN genutzt
Moderne Smart-TVs werden über WLAN genutzt und bieten mehr als nur Fernsehen. | Pixabay © ADMC CCO Public Domain

Das Internet ist mit dem Fernsehen verschmolzen

Internet und Fernsehen sind mittlerweile allerdings miteinander verschmolzen, die heute verkauften Geräte sind fast ausschließlich Smart-TVs, die nicht nur den klassischen digitalen Programmkanal abspielen, sondern zudem mit einem Browser den Zugang zum World-Wide-Web ermöglichen. Hinzu kommt, dass sich viele Nutzer erst gar keinen Vertrag mehr gönnen, sondern direkt übers Netz TV schauen. Die Abwechslung ist größer, die Preise dafür aber nicht zwingend geringer.

Streamen übers Netz ist vor allem deshalb interessant, weil die meisten großen Fernsehsender mittlerweile Mediatheken aufgebaut haben, um Zuschauern bereits gesendete Inhalte noch immer zur Verfügung zu stellen. Während das bei den öffentlich-rechtlichen Sendern kostenlos ist, verlangen RTL und Co. teilweise Gebühren für den Abruf. Damit wird ein Schritt in Richtung Streaming-Dienst gemacht.

Fazit: Modernes Fernsehen am Ende ein Mix aus alt und neu

Prognostisch kann davon ausgegangen werden, dass das moderne Fernsehen nicht zwingend durch die neuen Möglichkeiten dominiert wird, sondern dass sich eine Mischung beider Welten etabliert. Die Sendeanstalten müssen sich der heutigen Zeit anpassen, nicht umsonst sind ARD und ZDF mit einem etwas angestaubten Image versehen, während Sender wie Pro 7 – Maxx als modern und zukunftsorientiert denken. Wenn es den Streamingdiensten gelingt, das ältere Publikum stärker abzuholen und die Medienanstalten mehr auf junge Bedürfnisse eingehen, kann die Zufriedenheit beim Fernsehen weiter gestärkt werden.

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