Zum Inhalt springen
Ihr Kompass für die digitale Welt.
Business & Karriere

BaFin-Umfrage: 27 Prozent der Krypto-Anlegenden stecken über ein Fünftel ihres Vermögens in Krypto

Laut BaFin haben 27 Prozent der Befragten mit Krypto-Bezug mehr als 20 Prozent ihres Vermögens in digitale Assets gesteckt, bei 5 Prozent ist es mehr als die Hälfte. Zum Einfluss von Finfluencern nennt die BaFin zwei Werte: 30 Prozent folgten deren Tipps, an anderer Stelle ist von knapp der Hälfte die Rede. Dieser Widerspruch bleibt offen; unsere Rechnung zu einem möglichen Kursrückgang ist ausdrücklich nur eine Annahme.

BaFin-Umfrage zu Krypto und Finfluencern: junge Person blickt abends auf ihr SmartphoneDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic documentary photo of a young adult on a couch in the evening looking at a smartphone, face lit by the screen, screen not visible to the viewer, dim living room, no logos, no readable text, no watermarks, 16:9
Anlagetipps kommen oft aus sozialen Medien (Symbolbild)

27 Prozent der Befragten gaben in einer Umfrage der BaFin an, mehr als 20 Prozent ihres Vermögens in digitale Assets investiert zu haben. Bei 5 Prozent war es sogar mehr als die Hälfte. Das ist die Zahl, die ich aus dem BaFin-Fachartikel vom 1. Oktober 2026 herausgreifen möchte, denn sie steht im Schatten der Schlagzeile über Finfluencer und Krypto. Dabei verdient sie mehr Aufmerksamkeit.

Die Schlagzeile lautet: „Soziale Medien treiben Kryptoinvestments“. Finfluencerinnen und Finfluencer haben demnach starken Einfluss auf die Kryptoinvestments von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Das ist der Befund der Aufsicht, und er ist ernst zu nehmen. Wir bei digital-magazin.de fragen zusätzlich nach der stillen Frage dahinter: Was bedeutet es für Anlegende, wenn ein großer Teil des Vermögens an einer einzigen, stark schwankenden Anlageklasse hängt?

Dazu gleich mehr. Eine Rechnung mit einem angenommenen Kursrückgang folgt später in diesem Artikel, ausdrücklich als Annahme und nicht als Ergebnis der BaFin. Vorab sortieren wir, was die Umfrage überhaupt hergibt. Und was nicht.

Das ist weniger selbstverständlich, als es klingt. Umfragezahlen wandern schnell in Überschriften, ohne ihre Basis mitzunehmen. Ich finde, genau dort entstehen die Missverständnisse, die am Ende Anlageentscheidungen färben.

1.000 Antworten, eine klare Konzentration bei Krypto

Zunächst zur Methode. Ein Marktforschungsinstitut befragte für die BaFin 4.340 Verbraucherinnen und Verbraucher im Alter von 18 bis 59 Jahren, und zwar online, vom 26. März bis 6. April 2026. Ausgewertet wurden die Antworten von 1.000 Personen, die zu dem Zeitpunkt Kryptowerte besaßen oder in den vorausgegangenen Jahren besessen hatten.

Der Haken liegt in diesem letzten Halbsatz. Die 1.000 sind eine ausgewertete Teilgruppe, keine Quote für die Gesamtbevölkerung. Wer aus 1.000 von 4.340 ableitet, wie verbreitet Krypto in Deutschland ist, rechnet auf falscher Basis. Das gibt die Umfrage nicht her, und die BaFin behauptet es auch nicht. Zudem endet die Altersspanne bei 59 Jahren; über Ältere sagt die Erhebung nichts.

Was sagt sie stattdessen? Die meisten Befragten hatten sich für Bitcoin (79 Prozent) und Ether (39 Prozent) entschieden. Genutzt wurden diese Kryptowerte vor allem zur Geldanlage. Dass die Summe über 100 Prozent liegt, überrascht nicht: Offenbar besaßen viele beide Werte, jedenfalls ist das meine Lesart, die BaFin schreibt es so nicht aus.

Interessanter sind die Motive. 39 Prozent erklärten, sie wollten mit ihren Käufen „etwas Neues ausprobieren“. 30 Prozent lockte die Aussicht auf hohe Renditen, und ein ebenso hoher Anteil wollte die Kryptowährungen als Beimischung nutzen. Neugier vorn, Renditehoffnung und Beimischung gleichauf. Das ist ein nüchternes Bild, wenn man bedenkt, wie laut das Thema in sozialen Netzwerken geführt wird.

Und dann kommt die Konzentration. 27 Prozent der Befragten haben mehr als 20 Prozent ihres Vermögens in digitale Assets investiert, bei 5 Prozent war es mehr als die Hälfte. Meiner Einschätzung nach ist das der eigentliche Kern des Fachartikels, auch wenn er weniger Klicks bringt als das Wort Finfluencer. Denn Neugier ist legitim. Doch ein Fünftel des Vermögens oder mehr in einer Anlageklasse, deren Kurs nach Aussage der BaFin bei vielen Werten nicht an eine Währung oder einen Sachwert gekoppelt ist, verlangt eine Begründung, die über „Das macht gerade jeder“ hinausgeht.

30 Prozent gefolgt – oder knapp die Hälfte?

Nun zu einer Unstimmigkeit, die beim ersten Lesen leicht übersehen wird. Im Einstieg des Fachartikels heißt es: Rund die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher, die mit Kryptowerten handeln, achte auf Empfehlungen von Finfluencerinnen und Finfluencern. Danach: 30 Prozent der Befragten gaben an, den Tipps gefolgt zu sein. Und weiter unten ist von „knapp die Hälfte der 1.000 Kryptoanlegerinnen und -anleger“ die Rede, die schon einmal einer Finfluencer-Empfehlung gefolgt waren.

Drei Formulierungen, zwei Größenordnungen. Passt das zusammen?

Ehrlich gesagt: Ich kann es aus dem Fließtext nicht auflösen. Möglich ist, dass „gefolgt zu sein“ im ersten Fall etwas anderes abfragt als „schon einmal einer Empfehlung gefolgt“ im zweiten. Möglich ist auch, dass die Basis wechselt, etwa die ausgewerteten 1.000 gegenüber einer anderen Teilgruppe. Der Fachartikel nennt dazu nichts. Also lasse ich es offen.

Festhalten lässt sich zweierlei. Erstens: „Achten auf“ ist nicht „gefolgt“. Wer Empfehlungen zur Kenntnis nimmt, handelt nicht zwangsläufig danach; die Aufmerksamkeit ist die weichere Messlatte. Zweitens: Wer beide Zahlen in einem Satz verrührt, erzeugt eine Präzision, die es nicht gibt. Je nach Lesart liegt der Anteil der Anlegenden mit Finfluencer-Folgeverhalten irgendwo zwischen 30 Prozent und knapp der Hälfte. Eine Personenzahl daraus zu machen wäre Spekulation.

Zum Vergleich: Dass Finanzinfluencer nicht automatisch gute Ergebnisse liefern, haben wir schon aus anderer Perspektive beleuchtet, nämlich in unserem Beitrag über Finanzinfluencer und ihre Performance. Das ist eine andere Quelle und ein anderer Winkel; die BaFin-Umfrage misst nicht, was aus den Tipps wurde. Sie misst, ob und warum Befragte ihnen folgten.

Mal ehrlich: Für die Praxis ändert die Spanne wenig. Ob 30 Prozent oder fast die Hälfte, in beiden Fällen ist der Einfluss groß genug, dass man ihn nicht als Randphänomen abtun sollte. Nur sollte man ihn eben nicht präziser darstellen, als die Datenlage ist.

Finfluencer und bezahlte Tipps

Wer folgt, sollte wissen, wem. Etwa 40 Prozent war dabei nicht bewusst, dass Finfluencerinnen und Finfluencer oft für ihre Empfehlungen bezahlt werden. So steht es im Fachartikel. Auf welche Gruppe sich diese 40 Prozent beziehen, geht aus dem Text nicht eindeutig hervor; ich verzichte deshalb darauf, daraus eine Zahl von Menschen abzuleiten.

Als Information bleibt es trotzdem aufschlussreich. Eine bezahlte Empfehlung ist nicht automatisch falsch. Sie ist aber nicht dasselbe wie die unabhängige Einschätzung, als die sie gelesen werden kann. Der Haken: Auf einem Bildschirm sehen beide gleich aus.

Dazu passt, was die BaFin über die Gründe berichtet. Anlegende, die schon einmal einer Finfluencer-Empfehlung gefolgt waren, nannten Motive, die auf Eile deuten. 35 Prozent dieser Gruppe investierten, weil eine Finfluencerin oder ein Finfluencer behauptet hatte, jetzt sei der richtige Zeitpunkt. 29 Prozent kauften, weil dies laut Finfluencerin oder Finfluencer viele andere aktuell täten, also aus Fear of missing out, kurz FOMO.

Eine Einschränkung muss ich machen. Der Fachartikel nennt als Gruppe „knapp die Hälfte der 1.000“, und genau diese Formulierung hängt am oben beschriebenen Widerspruch. Die Basis der 35 und 29 Prozent bleibt damit unscharf. Ich rechne sie deshalb nicht in Köpfe um.

Was sich dennoch sagen lässt: Beide Argumente sind keine Argumente über den Wert eines Kryptowerts. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“ ist eine Behauptung über Timing. „Viele andere kaufen“ ist Social Proof, also der Eindruck, dass Masse Richtigkeit bedeutet. Das eine lässt sich nicht prüfen, das andere beweist nichts. Wer so überzeugt wird, kauft ein Gefühl.

Die BaFin warnt ausdrücklich vor übereilten Käufen. Konkret heißt es im Fachartikel, es bestehe die Gefahr, dass Finfluencerinnen oder Finfluencer Verbraucherinnen und Verbraucher zu übereilten Krypto-Käufen verleiten. Ein einfacher Prüfstein: Hält die Empfehlung auch dann, wenn Sie sie erst in einer Woche umsetzen dürften? Und wenn nicht, was sagt das über das Argument?

Dr. Markus Nielsen, Verbraucherschutzexperte der BaFin, sagt: „Die Bedeutung von Finfluencerinnen und Finfluencern auf den Kryptomarkt steigt.“ Das schaffe Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher, so der Fachartikel. Als Finfluencerin oder Finfluencer könnten auch Personen mit unzureichendem Fachwissen oder fragwürdigen Motiven auftreten.

Das ist der Teil, den ich am wichtigsten finde. Reichweite sagt nichts über Sachkenntnis. Ein Kanal mit vielen Abonnierenden kann von jemandem betrieben werden, der selbst nicht weiß, wie sich der gepriesene Kryptowert verhält. Er kann aber auch von jemandem betrieben werden, der es sehr wohl weiß und gerade deshalb Interessen hat. Von außen erkennen Sie den Unterschied selten.

Wer sich also orientieren will, fragt besser nach der Person als nach dem Tipp. Wer spricht hier? Mit welchem Fachwissen? Wird die Empfehlung bezahlt, und steht das irgendwo? Wer die Antworten nicht findet, hat auch eine Antwort.

27 Prozent über ein Fünftel – rechnen wir nach

Bleiben wir bei den Zahlen, die der BaFin-Fließtext tatsächlich hergibt. Von den ausgewerteten 1.000 Personen mit Krypto-Bezug gaben 27 Prozent an, mehr als 20 Prozent ihres Vermögens in digitale Assets investiert zu haben, bei 5 Prozent war es mehr als die Hälfte. Das klingt abstrakt, solange man es nicht in Köpfe übersetzt. Genau das tun wir jetzt, vorsichtig und mit klarer Kennzeichnung dessen, was Ableitung ist und was nicht.

BaFin-Umfrage: Krypto-Käufe und Vermögensanteil (Anteile der 1.000 ausgewerteten Befragten mit Krypto-Bezug)

  • 1000Ausgewertete Personen mit Krypto-Bezug
  • 79Bitcoin gekauft
  • 39Ether gekauft
  • 19Schon Memecoins gekauft

Das sind Fließtext-Zahlen der BaFin, keine Infografik-Werte.

Nun die dm-Rechnung, ausdrücklich als Ableitung: 27 Prozent von 1.000 ergibt 270 Personen, 5 Prozent ergibt 50 Personen. Die Differenz beträgt 220. Diese 220 wären demnach jene, die mehr als 20 Prozent, aber nicht mehr als die Hälfte ihres Vermögens in digitalen Assets halten. Der Haken: Die BaFin nennt diese Zwischengruppe nirgends wörtlich. Wir rechnen sie uns, weil die 5 Prozent vermutlich in der 27-Prozent-Gruppe enthalten sind. Ich sage bewusst „vermutlich“, denn die Quelle formuliert es nicht ausdrücklich.

Ehrlich gesagt, finde ich die 50 Personen bemerkenswert, auch wenn es nur eine Handvoll in einer Stichprobe ist. Wer mehr als die Hälfte seines Vermögens in einer einzigen Anlageklasse hält, deren Werte laut dem BaFin-Verbraucherschutzbeauftragten Christian Bock zum größten Teil „sehr spekulativ“ sind, hat sein Vermögen nicht mehr breit gestreut. Das ist keine Anlageberatung, sondern schlicht Arithmetik der Konzentration.

Wichtig für die Einordnung: Die 1.000 Personen sind keine Abbildung der Krypto-Verbreitung in Deutschland. Es sind Befragte zwischen 18 und 59 Jahren, die Kryptowerte besaßen oder früher besessen hatten. Über Ältere sagt die Umfrage nichts. Und über die Höhe des Vermögens ebenso wenig: Ein Fünftel von wenig ist weniger als ein Fünftel von viel.

Wie man Schwankungen in schwierigen Marktphasen einordnet und was Streuung damit zu tun hat, lesen Sie in unserem Beitrag über Bitcoin, Diversifikation und Stressphasen. Hier genügt der Gedanke dahinter: Je größer der Anteil einer einzelnen, stark schwankenden Position, desto stärker bestimmt sie das Gesamtbild. Wir bei digital-magazin.de halten es deshalb für sinnvoll, den eigenen Anteil überhaupt einmal auszurechnen. Viele tun das nie.

Was die BaFin nicht misst: den angenommenen Kursrückgang

BaFin zu Krypto-Risiken: Münzen ohne Prägung neben einem Smartphone auf einem TischDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptPhotorealistic close photo of a few generic golden coins without symbols or lettering lying next to a smartphone with a dark screen on a dark wooden table, moody light, no logos, no readable text, no symbols, no watermarks, 16:9
Wie viel Vermögen steckt in Krypto? (Symbolbild)

Die BaFin-Umfrage fragt nach Anteilen, Motiven und Empfehlungen. Sie misst keinen Kursrückgang und nennt keine Euro-Beträge. Alles, was jetzt folgt, ist deshalb eine hypothetische dm-Rechnung und kein Ergebnis der Umfrage. Das Szenario ist frei gewählt, die Zahlen sind es auch.

Angenommen, die Kurse halbieren sich

Nehmen wir an, der Wert der Krypto-Position gäbe um 50 Prozent nach. Rechnen wir nach, was das für das Gesamtvermögen bedeutet. Die 27-Prozent-Gruppe hält mehr als 20 Prozent in Krypto: 0,20 × 0,50 ergibt mindestens 10 Prozent des Gesamtvermögens, die verloren gingen. Die 5-Prozent-Gruppe hält mehr als die Hälfte: 0,50 × 0,50 ergibt mindestens 25 Prozent des Gesamtvermögens.

Zum Vergleich: Die zweite Gruppe müsste demnach in diesem Szenario mindestens ein Viertel ihres gesamten Vermögens abschreiben. Das ist ein Szenario, kein Befund.

Warum „mindestens“?

Die BaFin schreibt „mehr als 20 Prozent“ und „mehr als die Hälfte“. Das sind Untergrenzen, keine exakten Werte. Daher ist auch der rechnerische Anteil am Gesamtvermögen immer nur eine Untergrenze. Deshalb können wir nur Untergrenzen ausweisen. Wie hoch die tatsächlichen Anteile liegen, bleibt in der Quelle offen. Und wie die Befragten ihr Vermögen definiert haben, ebenfalls.

Hypothetisch: minus 80 Prozent bei Memecoins

Nun eine schärfere Annahme, die ausdrücklich keine BaFin-Zahl ist. Der BaFin-Verbraucherschutzexperte Dr. Markus Nielsen vergleicht Memecoin-Investments mit dem Einsatz bei einem Glücksspiel. Nehmen wir hypothetisch an, eine Position verlöre 80 Prozent ihres Werts. Dann ergibt 0,20 × 0,80 mindestens 16 Prozent des Gesamtvermögens, bei der Gruppe mit mehr als der Hälfte 0,50 × 0,80, also mindestens 40 Prozent.

Ob und in welchem Umfang die Befragten überhaupt Memecoins in diesen Größenordnungen halten, wissen wir nicht. Die Quelle sagt nur: 19 Prozent haben schon welche gekauft. Mehr nicht. Die Verknüpfung mit dem Vermögensanteil ist meine Annahme, nicht die der BaFin.

Warum rechne ich das überhaupt vor? Weil Prozentwerte allein trügerisch sind. Ein Rückgang um die Hälfte wirkt weniger dramatisch als die Frage, wie viel des gesamten Vermögens daran hängt. Meiner Einschätzung nach ist genau diese zweite Zahl die, die sich viele nie ausrechnen.

Ein Gedanke noch zum größeren Rahmen. Wenn Aufsichtsbehörden und Zentralbanken über Risiken im Finanzsystem sprechen, geht es meist um andere Größenordnungen als um das private Depot, wie unser Beitrag zu Risiken im Finanzsystem zeigt. Für Einzelne zählt trotzdem die kleine Rechnung: Was passiert mit meinem Gesamtvermögen, wenn eine einzelne Position stark nachgibt?

Die Rechnung verändert nichts an den Kursen. Sie verändert nur den Blick darauf. Und sie beantwortet nicht, ob jemand zu viel oder zu wenig in Krypto hält, das hängt von Ziel, Zeithorizont und Verlusttoleranz ab. Wie würde Ihre Zahl aussehen?

Memecoins: Spaß, Zocken, Glücksspiel-Vergleich

19 Prozent der Befragten gaben in der BaFin-Umfrage an, schon einmal Memecoins gekauft zu haben. Als Motiv nannten sie auch „Spaß“ und „Zocken“. Beides sind Wörter, die man in einem Anlagegespräch selten hört, in einer Umfrage zu Kryptowerten aber offenbar ganz selbstverständlich. Ich finde das bemerkenswert, weil die Selbstauskunft damit ehrlicher ausfällt als manche Werbebotschaft.

Wichtig ist die Einordnung. Die 19 Prozent beziehen sich auf die Befragten der Auswertung, also auf Menschen, die Kryptowerte besaßen oder früher besessen hatten. Sie sagen nichts darüber, wie verbreitet Memecoins in der Bevölkerung wären.

Wie deutlich die BaFin den Vergleich zum Glücksspiel zieht, zeigt Dr. Markus Nielsen, Verbraucherschutzexperte der Behörde: „Tatsächlich gleichen Investitionen in Memecoins dem Einsatz bei einem Glücksspiel. Sie sind deshalb besonders risikoreich.“ Klarer geht es kaum.

Christian Bock, der Verbraucherschutzbeauftragte der BaFin, ordnet das Feld breiter ein. „Das Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher an Kryptowerten steigt“, sagt er, und weiter: „Dabei sind die meisten dieser Vermögenswerte sehr spekulativ.“ Die Kursentwicklung vieler dieser Investments sei weder an eine bestimmte Währung noch an einen Sachwert gekoppelt. Das gelte besonders für Memecoins, deren Preis allein von der Nachfrage abhänge. Es gebe keine Angebotsbegrenzung.

Was heißt das konkret? Wenn der Preis allein an der Nachfrage hängt, gibt es keinen Anker, an dem Sie ihn messen könnten. Keinen Sachwert, keine Währung, keine Obergrenze beim Angebot. Übrig bleibt Aufmerksamkeit, und die lässt sich lenken.

Hier kommen die Finfluencer ins Spiel. Laut Nielsen ist bei Memecoins die Gefahr besonders groß, dass Finfluencerinnen oder Finfluencer den Kurs stark beeinflussen. Sie können Kryptowerte entweder übertrieben anpreisen oder schlechtreden, und bei Memecoins ist der Effekt besonders groß. Wer allein von Nachfrage lebt, reagiert eben empfindlich auf jeden, der Nachfrage erzeugen kann.

Meiner Einschätzung nach liegt genau darin der Haken der Kombination: Ein Preis ohne Anker trifft auf Stimmen mit Reichweite. Die dm-Rechnungen aus den vorigen Abschnitten mit den angenommenen Kursrückgängen sind für diese Gruppe von Kryptowerten ausdrücklich nur ein Gedankenspiel, kein BaFin-Ergebnis. Die BaFin misst keine Kursverläufe, sie fragt nach Verhalten und Motiven.

Was das für Ihr Portfolio heißt

Eine Empfehlung bekommen Sie von mir nicht, weder zum Kaufen noch zum Verkaufen. Was ich Ihnen anbieten kann, sind Prüffragen. Sie kosten nichts und lassen sich in zehn Minuten beantworten.

Erste Frage: Wo endet Ihr Feed, und wo beginnt Ihr Portfolio? Die BaFin berichtet, dass Finfluencerinnen und Finfluencer Anlegende zu übereilten Krypto-Käufen verleiten können. Als Beispiele nennt die Umfrage Aussagen wie „jetzt sei der richtige Zeitpunkt“ oder den Verweis darauf, dass viele andere gerade kauften. Beides kommt aus dem Feed, nicht aus Ihrer Finanzplanung. Trennen Sie also, was Sie lesen, von dem, was Sie entscheiden. Ein Post ist ein Anlass zum Nachdenken, mehr nicht.

Zweite Frage: Wer bezahlt die Empfehlung? Etwa 40 Prozent war laut BaFin nicht bewusst, dass Finfluencerinnen und Finfluencer oft für ihre Empfehlungen bezahlt werden. Die Basis dieser Angabe lässt die Quelle offen, ich lese sie daher als Hinweis, nicht als exakte Größe. Prüfen Sie dennoch bei jeder Empfehlung, ob eine Kooperation erkennbar ist. Und fragen Sie sich: Was hat die Person davon, wenn ich kaufe?

Dritte Frage: Wie viel Ihres Gesamtvermögens steckt schon in Kryptowerten? 27 Prozent der Befragten gaben an, mehr als 20 Prozent ihres Vermögens in digitale Assets investiert zu haben, bei 5 Prozent war es mehr als die Hälfte. Mal ehrlich: Wissen Sie Ihren eigenen Anteil auf Anhieb? Wer ihn nicht kennt, kann die Konzentration auch nicht einschätzen. Wie solche Anteile in unruhigen Marktphasen wirken können, lässt sich nur mit Annahmen durchspielen, und Zahlen aus anderen Quellen übernehme ich hier bewusst nicht.

Vierte Frage: Verstehen Sie, was Sie halten? Die BaFin betont, dass Anlegende sich mit Kryptowerten gut auskennen sollten, bevor sie investieren. Eine weitere Studie der Behörde ergab, dass vielen das erforderliche Wissen fehlt. Zahlen daraus nenne ich nicht, die Aussage genügt. Ehrlich gesagt ist das die unbequemste Prüffrage von allen, denn sie richtet sich nicht an den Finfluencer, sondern an Sie.

Ein Wort zum Kontext: Digitale Assets sind nicht nur ein Thema für Privatanlegende. Auch die Finanzbranche beschäftigt sich damit, wie sich solche Werte verwahren lassen, etwa im Beitrag über Infrastruktur für Digital Assets. Das ist reiner Hintergrund, kein Qualitätsurteil über einzelne Kryptowerte.

Wir bei digital-magazin.de halten es für sinnvoll, Entscheidungen über Kryptowerte schriftlich zu begründen, und sei es nur mit drei Sätzen. Wer nach einem Monat nicht mehr weiß, warum er gekauft hat, hat vermutlich einem Impuls nachgegeben. Das ist keine Anlageberatung, sondern Selbstkontrolle.

Was bleibt?

Zahlen, die sich nicht zu einem Bild fügen wollen. Rund die Hälfte achtet auf Finfluencer, 30 Prozent sind ihren Tipps gefolgt, knapp die Hälfte der 1.000 hat schon einmal einer Empfehlung entsprochen. Ob das ein Widerspruch ist oder nur unterschiedliche Fragen, lässt die Quelle offen. Und ein Teil der Befragten hat einen großen Teil des Vermögens in Kryptowerten, manche suchen laut eigener Aussage „Spaß“ oder „Zocken“.

Welche Stimme in Ihrem Feed hat zuletzt Ihre Entscheidung beeinflusst, ohne dass Sie es bemerkt haben?