Künstliche Designer: Braucht noch irgendwer Designer?

Die meisten Menschen ahnen zumindest das Potenzial künstlicher Intelligenz (KI), viele Branchen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nachhaltig zu verändern. Auch die Designbranche wird betroffen sein. Aber wie weit wird das wirklich gehen: Wird KI bahnt sich ihren Weg.

Kann künstliche Intelligenz einen Künstler ersetzen?

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Künstliche Intelligenz kann Kunstwerke produzieren, die auch kritischen Blicken standhalten und als Kunst durchgehen. Einen Beleg dafür lieferten Wissenschaftler 2016 an der Universität Delft in den Niederlanden. Sie fütterten einen „Deep-Learning“-Algorithmus mit Scan-Daten von mehreren Hundert Rembrandt-Gemälden. Der Algorithmus nutzte sie zur Produktion eines völlig neuen Rembrandt-Gemäldes. Vorgestellt wird das Projekt heute unter NextRembrandt.com.

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt das mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Programm „The Painting Fool“. Es benötigt keinerlei Referenzobjekt wie etwa eine Fotovorlage, um selbst Kunst zu schaffen. Noch variantenreicher ist das, was die Roboter-Künstlerin Ai-Da produziert. Sie kann nicht nur zeichnen, sondern kreiert auch Skulpturen und Gemälde. Aber ist das bereits Kunst, was auf diese Weise entsteht?

Nein! Es fehlt etwas ganz Entscheidendes: das Bewusstsein, die Seele und der menschliche Geist.

Professor Holger Felten, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg

„Nein“, sagt Professor Holger Felten von der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. „Es fehlt etwas ganz Entscheidendes: das Bewusstsein, die Seele und der menschliche Geist“: Mit diesen Worten wird er im Artikel „KI in der Kunst – künstlerische Intelligenz“ vom Juni 2019 auf ZDF.de zitiert. Kunst hat gesellschaftliche Relevanz, fährt er fort. Künstliche Intelligenz kann das nicht leisten.

Bei alledem bleibt jedoch die Frage: Muss die Intention eines menschlichen Künstlers gegeben sein, um etwas mit gesellschaftlicher Relevanz zu schaffen? Oder reicht es aus, wenn der Betrachter eine solche Relevanz in ein „Kunstwerk“ hineininterpretiert? Der Erlanger Zukunftsforscher Bernd Flessner antwortet auf ZDF.de mit einem „Ja, es reicht aus“. Und dann wird KI durchaus etwas, was den Namen Künstler verdient haben könnte.

Künstliche Intelligenz kann Unternehmensdesign

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Unternehmensdesign ist weniger als Kunst und zugleich mehr. Ein Künstler hat in der Regel den Anspruch hoher Innovationskraft, die seine Kunst zu einem herausragenden und in die Zukunft ragenden Ausdruck menschlicher Kreativität macht. Der Designer arbeitet dagegen zweckorientierter. Seine „Kunst“ in Form von Logos, Briefpapier und Unternehmensfarben soll für ein Unternehmen begeistern. Sie soll Vertrauen erwecken, soll neugierig machen, interessieren und dazu beitragen, dass der Betrachter zum Kunden wird.

Dafür muss sie innovativ genug sein, um positiv zu überraschen und nicht zu langweilen. Sie darf aber nicht derart innovativ sein, dass sie sich allzu weit von den aktuell gültigen ästhetischen Normen wegbewegt. Das kann sie sich schlichtweg nicht leisten. Die Arbeit künstlicher Intelligenz wird hier nicht anhand der Urteile von Kunstkritikern gemessen. Man misst sie am wirtschaftlichen Erfolg, zu dem das Design beiträgt oder eben nicht.

Anders als die Kunst produzierende Künstliche Intelligenz kann die künstliche Unternehmensdesignerin verstärkt auf Bewährtes zurückgreifen, auf das, was bereits funktioniert hat. Künstliche Intelligenz kann ihre Stärken hier voll ausspielen, weil sie eine Fülle an Daten in kurzer Zeit verarbeiten kann. So kann sie Bewährtes herauszukristallisieren, neue Trends entschlüsseln und so ein komplettes und passendes Unternehmensdesign entwerfen. Wie gut so etwas bereits funktioniert, zeigen Beispiele wie Tailor Brands.

Das Unternehmen bietet seinen Businesskunden einen Logo-Baukasten sowie Branding-Tools, mit denen sich ein komplettes Corporate Design erzeugen lässt. Tailor Brands bezeichnet sich selbst als eine „von KI gesteuerte Branding-Agentur“ und ist laut eigener Angaben die weltweit größte ihrer Art. Die Aufgabe der Künstlichen Intelligenz bei der Produktion eines Logos beschreibt das Unternehmen wie folgt:

Zur Logoerstellung gleicht unser Algorithmus Tausende von Schriftarten, Fontpaaren, Farbpaletten und Layoutstrukturen ab, während er gleichzeitig aktuelle Trends analysiert.

Das ist etwas, was kein Mensch in vergleichbarer Zeit kann.

Künstliche Intelligenz arbeitet. Der Mensch entscheidet.

Das Beispiel Tailor Brands zeigt sehr gut den Vorteil künstlicher Intelligenz gegenüber dem Menschen. Sie kann schnell viel produzieren und dabei Ergebnisse entstehen lassen, die ihren Zweck gut erfüllen und modernen ästhetischen Ansprüchen vollauf genügen. Dennoch gilt: Künstliche Intelligenz wird die Designbranche wohl nicht komplett übernehmen. Zumindest bis auf Weiteres. Der Mensch wird vermutlich eine wichtige Funktion im Designprozess behalten, aber er wird sich seine Arbeit mit künstlicher Intelligenz teilen. Sie könnte dann auf der Basis zahlreicher Daten Designentwürfe bauen. Er entscheidet, was davon am Ende verwendet wird. Ein sehr interessanter Ansatz besteht allerdings darin, das Design einer künstlichen Intelligenz mit sogenannten A/B Tests im Internet zu verknüpfen. Bei ihnen werden zwei Layouts einer Website mit geringen Unterschieden in Echtzeit mit echten Besuchern getestet, um auf diese Weise herauszufinden, welche Variante eher dem Marketingziel der Seite dient, zum Beispiel zu mehr Käufen führt.

Gekoppelt an A/B Tests kann Künstliche Intelligenz selbstständig entscheiden, welches ihrer Designs funktioniert und weiterentwickelt wird und welches sie fallenlässt. Auch für solche Prozesse gibt es längst erste Lösungen. Durch sie könnte dem Menschen nochmals ein Teil seiner Aufgaben im Design abhandenkommen. Und dann? Ende offen!

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