„Hey, Siri, google doch mal Sex mit Alexa“

Damit ist die Digitalisierung endgültig im Mainstream angekommen: Die Ärzte haben ihre neue Single „True Romance“ herausgebracht und beschäftigen sich hierin mit der Digitalisierung, den sozialen Medien und digitalen Endgeräten. Aber auch zahlreiche weitere Künstler haben Alexa, Siri und Co. schon Lieder gewidmet und setzen sich mit der Digitalisierung auseinander. Hieran zeigt sich eine Diskrepanz zwischen der privaten und der öffentlichen Digitalisierung. Beim Song der selbsternannten besten Band der Welt wird allerdings nicht ganz deutlich, ob der Text ein Beitrag zur Digitalisierung oder doch eine kritische Satire sein möchte.

Die Digitalisierung erreicht die Popkultur

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„Hey, Siri, google doch mal Sex mit Alexa“ singt Farin Urlaub in gewohnt ohrwurmhafter Weise zu einer Melodie mit deutlichen Ska-Anklängen. Im Text der neuen Single von Die Ärzte hat es sich das lyrische Ich in einer unglaublich romantischen Nacht in einer tollen Atmosphäre mit seiner Liebsten bequem gemacht: seinem Smartphone. Hier fantasiert es über Sex mit Alexa, der allemal besser sein müsste, als der Sex mit seiner Verflossenen, der für ihn im Nachgang eine glatte 6 war. Die Reime sind ärztetypisch äußerst gesucht, das Thema trifft jedoch den Nerv der Zeit.

Denn Die Ärzte sind längst nicht die einzige Band, die sich mit der Digitalisierung und den damit verbundenen Chancen und Gefahren auseinandersetzen. So haben sich beispielsweise Deichkind in ihrem Song „Illegale Fans“ mit dem Downloaden und Filesharing beschäftigt und die Band Adam Angst geht mit ihrem Song „Alexa“ ebenso wie Die Ärzte auf virtuelle Assistenten ein. Das Thema Digitalisierung hat für die Menschen somit eine große Relevanz und wird daher in der Popkultur verarbeitet und künstlerisch dargestellt.

Diskrepanz zwischen privater und öffentlicher Digitalisierung

An dieser Präsenz der Digitalisierung in der Popkultur zeigt sich, dass digitale Medien im privaten Umfeld deutlich stärker vertreten sind als im öffentlichen Raum. Während Google, Siri und Alexa aus der Lebenswelt der Menschen nicht mehr wegzudenken sind, kommen digitale Technologien in den Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung kaum zum Einsatz. Für Privatleute ist ein Tag geschweige denn ein Leben ohne digitale Endgeräte und soziale Netzwerke kaum noch vorstellbar, viele Betriebe gehen diesen Weg aber bis heute.

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Es stellt sich die Frage, ob und inwieweit Kunst in der Lage ist, etwas gegen diese Entwicklung zu tun. Muss das Thema Digitalisierung einfach nur präsent genug sein, damit es von allen Beteiligten aufgegriffen und ernsthaft angegangen wird? Oder unterstreichen solche Lieder bloß die individuelle Entwicklung der Digitalisierung im Privatbereich, ohne einen Einfluss auf andere Ebenen zu haben? Fest steht jedenfalls, dass in den Menschen ein Bedürfnis besteht, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen und je nach Einstellung über sie zu lachen, sie zu fürchten und zu verteufeln oder große Chancen für die Menschheit aus ihr abzuleiten. Ansonsten wären Lieder zu diesem Thema nicht so populär und erfolgreich.

Ein Beitrag zur digitalen Transformation oder kritische Satire?

Es ist nicht ganz klar, in welche Richtung sich der Song der Die Ärzte bewegt. Auf der einen Seite zeigt eine intime Beziehung zu einem Smartphone die Bedeutung auf, die digitale Technologien für die Menschen bereits gewonnen haben. Für viele ist ein solches Gerät deutlich vertrauter als tatsächliche Menschen. Die Leute vertrauen ihrem Handy viele Dinge an und nehmen es sogar mit aufs Klo. Von welchem Menschen könnte man das schon behaupten?

Aus dem Song geht allerdings nicht klar hervor, welche Haltung zu dieser Entwicklung die beste Band der Welt einnimmt. Möchte sie den Umgang der Menschen mit ihren digitalen Endgeräten lächerlich machen oder aufzeigen, wie die Zukunft eventuell aussehen könnte? Ist der Song ein möglicher Ausblick auf das was kommt oder eine reine Satire und Kritik an dem, was momentan besteht? Angesichts der bisherigen Songs und Arbeitsweise der Band aus Berlin (aus Berlin!) ist jedoch eines völlig klar: der unterhaltsame Unsinn ist nur vordergründig, in der Tiefe steckt immer etwas mehr.

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