Agenten in Microsoft Copilot Studio bekommen eigene Konten, und meiner Einschätzung nach ist das der Moment, in dem Ihr Unternehmen eine unbequeme Frage beantworten muss: Wer ist dieser Agent eigentlich? Laut Microsoft arbeiten Agenten künftig in Microsoft 365 mit eigenen Zugangsdaten, ähnlich wie eine Person. Das ist meine These für diesen Artikel: Die Agenten-Identität kommt vor der agentenspezifischen Governance. Ein Teil der Kontrolle ist schon da, ein anderer Teil ist erst für die „kommenden Monate“ angekündigt. Was IAM, Compliance und Controlling jetzt klären sollten, schauen wir uns Schritt für Schritt an.
Wir bei digital-magazin.de ordnen ein, was Microsoft tatsächlich geschrieben hat, und trennen es sauber von dem, was ich daraus schließe. Beides kennzeichne ich. Herstellerangaben stehen immer als „laut Microsoft“, meine Meinung steht als „meine These“ oder „meiner Einschätzung nach“.
Was Microsoft für Agenten in Copilot Studio angekündigt hat
Quelle ist ein Blogbeitrag vom Donnerstag, 15. Oktober 2026. Autor ist Jason Moore, Vice President of Product bei Microsoft Copilot Studio. Der Titel lautet „Delegate shared business processes to agents that are more persistent and proactive with Microsoft Copilot Studio“. Sie finden ihn im Original beim Hersteller.
Microsoft spricht dort von „managed agents that belong to the organization, persist beyond any one individual’s role or tenure“. Sinngemäß übersetzt: verwaltete Agenten, die der Organisation gehören und über die Rolle oder Amtszeit einzelner Personen hinaus bestehen bleiben. Das ist die Kernidee. Der Agent hängt nicht mehr an der Person, die ihn gebaut hat.
Agentenkonten: Arbeiten mit eigenen Zugangsdaten
Laut Microsoft erlauben Agentenkonten, dass Agenten in Microsoft 365 mit eigenen Zugangsdaten arbeiten, ähnlich wie es jede Person tun würde (sinngemäße Übersetzung von „Agent accounts allow agents to work in Microsoft 365 with their own credentials, similar to how any person would“). Konkret nennt Microsoft:
- Ansprache in Microsoft Teams und Outlook: Fragen stellen, Arbeit zuweisen, Updates beitragen, ohne für jede Aufgabe einen separaten Agenten-Chat zu öffnen.
- @Erwähnung in Kommentaren von Word, Excel und PowerPoint.
- Delegation von Aufgaben durch Teammitglieder per Teams oder E-Mail. Der Agent arbeitet zwischen den Interaktionen weiter.
Wichtig ist der zweite Teil. Laut Microsoft ermöglichen die Konten auch, dass Agenten mit anderen Agenten, Tools, Apps und Diensten arbeiten, und zwar mit ihren eigenen genehmigten Zugangsdaten und begrenzten Berechtigungen, ohne auf die Zugangsdaten einzelner Nutzender oder Makers angewiesen zu sein. Sinngemäß übersetzt heißt es weiter: Arbeit lässt sich den Agenten zuordnen, während Prozessverantwortliche die Kontrolle über den Umfang behalten. Die klarere Attribution erhöht laut Microsoft Beobachtbarkeit und Nachvollziehbarkeit, also die Frage, welche Aktionen Agenten und welche Menschen ausgeführt haben.
Klartext: Das ist ein sinnvoller Schritt. Ein Agent, der mit den Zugangsdaten seines Erstellers arbeitet, ist ein Albtraum für jedes Berechtigungskonzept. Ein eigenes Konto ist die richtige Richtung.
Verfügbarkeit: Frontier, nicht allgemein
Laut Microsoft werden diese Funktionen „now through the Frontier program“ ausgerollt, neue Fähigkeiten folgen bald (sinngemäß übersetzt). Das ist das Frontier-Programm und keine allgemeine Verfügbarkeit. Wer das als Produktivfreigabe für alle liest, liest falsch.
Ein Kundenbeispiel nennt Microsoft ebenfalls, und zwar als Herstellerangabe: Bei Ooredoo Qatar prüft ein in Copilot Studio gebauter Agent für Executive-Business-Cases über Outlook, Teams und Word eingehende Vorschläge, wendet Firmenrichtlinien und Präzedenzfälle an und bereitet entscheidungsreife Briefings vor.
Weiterlesen können Sie in der Dokumentation zu Microsoft Copilot Studio.
Was Admins schon jetzt steuern können
Jetzt kommt der Punkt, an dem viele Debatten schiefgehen. Die bequeme Lesart lautet: Erst gibt es den Login, später irgendwann Kontrolle. Falsch.
Laut Microsoft gilt für Admins (sinngemäß übersetzt): Sie können für diese Agenten jetzt den Zugriff eingrenzen, zusätzliche Kontrollen nutzen und den Lebenszyklus verwalten. Das steht im Original als „They can now scope access, have additional controls, and manage lifecycle for these agents.“ Es gibt also bereits drei Hebel:
- Zugriff begrenzen (Scope),
- zusätzliche Kontrollen,
- Lebenszyklus verwalten.
Was das im Detail heißt, welche Schalter es gibt und wie sie sich zu bestehenden Verzeichnisdiensten verhalten, beschreibt der Blogbeitrag nicht. Dazu sagt Microsoft dort nichts, auch nicht zum Verhältnis zu Entra ID. Das ist eine dm-Einordnung, kein Vorwurf: Ein Blogbeitrag ist keine Referenzdokumentation. Aber Sie sollten genau dort nachlesen, bevor Sie planen.
Fragen, die IT-Verantwortliche jetzt stellen sollten
Die folgenden Fragen sind meine eigene Einordnung, keine Aussagen von Microsoft. Sie helfen Ihnen, die drei vorhandenen Hebel in konkrete Arbeitsaufträge zu übersetzen.
- Zugriff begrenzen: Welche Postfächer, Dokumente, Kanäle und Dienste darf ein Agent erreichen, und wer entscheidet das? Beginnt der Scope bei null und wächst nur auf Antrag, oder beginnt er breit und wird später beschnitten?
- Zusätzliche Kontrollen: Welche davon aktivieren Sie standardmäßig für jeden Agenten, und welche nur auf Antrag? Wer genehmigt Ausnahmen?
- Lebenszyklus: Wer legt Agenten an, wer überprüft sie regelmäßig, wer schaltet sie ab? Gibt es ein Ablaufdatum, das eine aktive Verlängerung verlangt?
- Einordnung: Wie verhält sich ein Agentenkonto in Ihren bestehenden Prozessen für Rezertifizierung und Berechtigungsanträge? Dazu sagt Microsoft im Beitrag nichts, also klären Sie es mit der Dokumentation und Ihrem Ansprechpartner.
Seien wir ehrlich: Die technischen Hebel nützen wenig, wenn niemand die Entscheidung trifft, wie sie eingestellt werden. Das Wort „kann“ in Microsofts Aussage ist keine Garantie, dass es auch jemand tut. Meiner Einschätzung nach scheitert Governance selten an fehlenden Schaltern, sondern an fehlender Zuständigkeit.
Ein weiterer Gedanke: Wenn Admins den Lebenszyklus bereits verwalten können, müssen Sie auch definieren, wann ein Agent als „fertig“ gilt. Ein Prozess, der sich ändert, verändert die Aufgabe des Agenten. Wer prüft, ob die ursprüngliche Freigabe noch zum neuen Prozess passt? Auch das ist keine Funktion, sondern eine Verabredung innerhalb Ihrer Organisation.
Was für Agenten erst in den kommenden Monaten kommt
Dann gibt es den zweiten Satz aus dem Beitrag. Laut Microsoft sind „additional access policies, quality, cost management, and lifecycle controls specific to these agents“ für die kommenden Monate geplant (sinngemäße Übersetzung). Einen Zeitplan nennt Microsoft nicht.
Halten Sie die Differenz fest, denn sie ist der Kern:
- Schon jetzt: Zugriff begrenzen, zusätzliche Kontrollen, Lebenszyklus verwalten.
- Erst geplant: agentenspezifische zusätzliche Zugriffsrichtlinien, Qualitäts- und Kostenmanagement sowie Lifecycle-Kontrollen, die speziell für diese Agenten gedacht sind.
Meiner Einschätzung nach ist das die Lücke, in der Ihre Organisation Entscheidungen treffen muss. Die Identität ist da, die Spezialwerkzeuge sind angekündigt. Preise oder Lizenzkosten pro Agent nennt der Beitrag nicht, ebenso wenig die Verfügbarkeit in Deutschland oder der EU. Dazu sagt Microsoft in diesem Beitrag nichts. Planen Sie also nicht mit Annahmen, sondern fragen Sie Ihren Microsoft-Ansprechpartner schriftlich.
Agent refinements: Verbesserungsvorschläge aus der Aktivität
Ebenfalls „over the coming months“ geplant sind laut Microsoft sogenannte Agent refinements. Agenten nutzen ihre Aktivität, um Makern Verbesserungen vorzuschlagen: stabile Schritte in Workflows erkennen, wiederverwendbare Ansätze als Skills festhalten, mehrdeutige Instruktionen aufspüren, ein passenderes Modell vorschlagen. Ziel laut Microsoft: Qualität und Kosteneffizienz.
Seien wir ehrlich: Ein System, das Vorschläge zu Modellwahl und Instruktionen macht, berührt Qualität und Kosten gleichzeitig. Wer solche Vorschläge freigibt, braucht einen Verantwortlichen, der sie bewertet. Das ist keine Technikfrage, das ist eine Zuständigkeitsfrage.
Fragen an die Planung der kommenden Monate
Auch hier gilt: Die folgenden Fragen sind meine Einordnung, keine Herstellerangabe.
- Übergangsphase: Wie überbrücken Sie die Zeit, bis agentenspezifische Zugriffsrichtlinien da sind? Reichen die vorhandenen Hebel für Ihre ersten Anwendungsfälle, oder warten Sie mit sensiblen Prozessen?
- Kosten: Wer trägt die Kosten, solange das Kostenmanagement für diese Agenten noch geplant ist? Wie wollen Sie später vergleichen, was ein Agent im Verhältnis zur menschlichen Arbeit leistet, wenn Sie jetzt keine Ausgangswerte erfassen?
- Qualität: Woran messen Sie, ob ein Agent gut arbeitet? Wer definiert Fehler, und wer bekommt die Rückmeldung?
- Vorschläge: Wer darf Agent refinements annehmen? Ändert sich durch einen Modellwechsel die Risikobewertung, und wird sie dann neu geprüft?
- Planung: Ohne Zeitplan lässt sich nichts fest einplanen. Bauen Sie Ihre Roadmap so, dass sie auch funktioniert, wenn die Zusatzkontrollen später kommen als gehofft.
Klartext: „In den kommenden Monaten“ ist keine Zusage für ein Datum. Wer jetzt Prozesse an Agenten übergibt, die später zwingend eine Kontrolle brauchen, die es noch nicht gibt, trägt das Risiko selbst. Das ist kein Grund zur Panik. Es ist ein Grund, den Umfang bewusst klein zu halten.
Trigger und Memory: Agenten ohne Prompt
Zwei Mechanismen verändern, wie Agenten arbeiten. Beide sind für Governance relevant, weil sie den Menschen aus der Auslösung herausnehmen.
Trigger im GitHub-Copilot-Harness
Laut Microsoft bleiben Agenten im GitHub-Copilot-Harness „always on“. Ein externes Signal, etwa eine E-Mail, oder ein fester Takt startet einen Agentenzyklus, „no additional prompt required“ (sinngemäß: ohne zusätzlichen Prompt). Die Verfügbarkeit ist angekündigt. Dazu kommt eine „upcoming“ Fähigkeit: Agenten sollen einen eigenen browserfähigen Cloud-Computer nutzen können. Das ist angekündigt, aber noch nicht verfügbar.
Was heißt das? Ein Agent, der auf eine eingehende E-Mail reagiert, handelt, ohne dass jemand ihn bewusst anstößt. Hand aufs Herz: Wer ist dann der Auslöser in Ihrem Protokoll? Das Konto des Agenten. Genau deshalb ist die Attribution so wichtig.
Meiner Einschätzung nach verschiebt sich damit die Frage von „Wer hat den Agenten gefragt?“ zu „Wer hat erlaubt, dass dieses Signal den Agenten startet?“. Das sind Governance-Fragen, die ich Ihnen mitgeben möchte:
- Welche Signale dürfen einen Zyklus starten? Jede E-Mail an ein Postfach, oder nur Nachrichten bestimmter Absender?
- Was passiert bei einer Nachricht von außen, die wie eine Anfrage aussieht, aber keine ist? Wer prüft, ob ein Signal legitim ist, bevor der Agent handelt?
- Wie legen Sie den festen Takt fest, und wer darf ihn ändern? Ein Agent, der regelmäßig läuft, erzeugt regelmäßig Aktionen, Protokolle und Kosten.
- Gibt es eine Möglichkeit, einen laufenden Agenten anzuhalten, und wer darf das tun? Dazu sagt der Beitrag nichts.
- Falls der angekündigte browserfähige Cloud-Computer erscheint: Welche Seiten und Dienste darf ein Agent damit erreichen? Laut Microsoft ist das erst angekündigt, die Frage sollten Sie aber früh stellen.
Business Process Memory
Laut Microsoft tragen Agenten Präferenzen der Nutzenden und Geschäftsprozess-Kontext in jeden neuen Zyklus weiter. Eine Eigenheit, die eine Person dem Agenten mitteilt, wird zur geteilten Ressource für alle. Makers steuern über Instruktionen, wie der behaltene Kontext wirkt, und legen fest, welche Geschäftsdatensätze und Richtlinien maßgeblich sind.
Stellen Sie sich vor, eine Mitarbeitende bittet den Agenten, bei Rückfragen immer zuerst eine bestimmte Abteilung zu kontaktieren. Laut Beschreibung wirkt das künftig für alle, die mit diesem Agenten arbeiten. Das ist praktisch. Es ist aber auch Wissen, das irgendwo liegt, und für das jemand zuständig sein muss. Wie lange es gespeichert wird und wer es einsehen darf, beantwortet der Beitrag nicht.
Die folgenden Fragen sind meine Einordnung zum geteilten Kontext:
- Wer prüft, was zur geteilten Ressource wird? Eine persönliche Vorliebe kann für andere unpassend sein, und eine falsche Annahme verbreitet sich dann schneller.
- Wie korrigieren Sie einen falsch behaltenen Kontext, und wer darf das? Gibt es einen Weg, Einträge nachvollziehbar zu entfernen?
- Können Präferenzen einer Person Daten enthalten, die nicht für alle bestimmt sind? Hier sollten Datenschutz und Compliance mitreden, bevor der Agent produktiv geht.
- Welche Geschäftsdatensätze und Richtlinien erklären Makers für maßgeblich, und wer verantwortet diese Auswahl? Veraltete Richtlinien als Grundlage sind ein stilles Problem.
Als Beispiel nennt Microsoft einen Budget-Agenten und bezeichnet ihn ausdrücklich als „illustrative example of a hypothetical“ Agent, also als anschauliches Beispiel für einen hypothetischen Agenten. Er bereitet jeden Dienstag mit eigenen genehmigten Zugangsdaten die Wochenrunde vor, vergleicht Forecasts mit Begründungen, fragt Budgetverantwortliche nach und eskaliert Entscheidungen ans Finanzteam, das entscheidet. Beachten Sie den letzten Halbsatz: Die Entscheidung bleibt bei Menschen. Das ist die Designaussage, die Sie in Ihren eigenen Richtlinien wiederfinden sollten.
Wie solche Zielgrenzen bei Autopilot-Funktionen diskutiert werden, haben wir bei Copilot-Autopilot und Zielgrenzen aufgegriffen.
Der Kontrast: ServiceNow AI Passport
Dieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellgpt_image_2PromptAbstract visualization of a digital ID badge with a simple robot silhouette on a glass desk next to a laptop and a padlock, clean corporate lighting. Photorealistic editorial magazine photo, 16:9. Absolutely no text, no letters, no numbers, no logos, no brand marks.Als Kontrast, nicht als zweiter Hauptaufhänger: ServiceNow kündigte am selben Tag, dem 15. Oktober, AI Passport an. Die Pressemitteilung von ServiceNow beschreibt AI Passport laut ServiceNow als „new authority layer“, also eine neue Autoritätsschicht. Sie gibt Unternehmen Laufzeit-Kontrolle darüber, was KI-Agenten und MCP-Server in Multi-Agenten-Workflows tun dürfen.
Technisch ist es laut ServiceNow ein „cryptographically signed credential“, ein kryptografisch signierter Nachweis. Agenten greifen zur Laufzeit darauf zu, um ihren autorisierten Scope zu prüfen, laut ServiceNow auch in Umgebungen wie NVIDIA OpenShell. Bei Abweichungen sind abgestufte Reaktionen vorgesehen: umleiten, einschränken, mit Kontext neu verbinden, bis hin zum Kill-Switch. Laut ServiceNow basiert das Ganze auf offenen Spezifikationen.
Zur Verfügbarkeit: AI Passport, Shadow-AI-Erkennung und AI Cost Management werden laut ServiceNow voraussichtlich im vierten Quartal 2026 verfügbar sein.
Warum erwähne ich das? Weil der Vergleich zeigt, wie unterschiedlich man das Thema greifen kann. Microsoft beschreibt in diesem Beitrag Konten, Scope und Lebenszyklus. ServiceNow beschreibt eine Laufzeitprüfung mit abgestuften Reaktionen. Ob und wie sich beides ergänzt, behaupte ich nicht. Es sind zwei Herstellerangaben, keine Testergebnisse.
Meine These: Schatten-IAM und digitale Kollegen ohne Personalakte
Jetzt wird es persönlich. Das Folgende ist meine These, kein Faktum.
Meiner Einschätzung nach entsteht mit Agentenkonten ein Schatten-IAM, wenn Fachbereiche Agenten bauen und ihnen Konten geben, ohne dass IAM, Compliance und Controlling davon wissen. Microsoft beschreibt Makers, die Agenten bauen, und Admins, die sie steuern. Wer wann welchen Agenten anlegt, ist eine organisatorische Frage, die der Blogbeitrag nicht beantwortet.
Warum Schatten? Weil ein Konto im Verzeichnis noch keine Verwaltung bedeutet. Wenn Fachbereiche eigenständig Agenten bauen, entsteht eine zweite Ebene von Identitäten, die niemand zentral kennt. Sie taucht in keiner Rezertifizierung auf, solange niemand sie dort einträgt. Das ist kein Vorwurf an die Fachbereiche, die ihre Arbeit erleichtern wollen. Es ist ein Hinweis, dass Geschwindigkeit und Überblick selten gleichzeitig entstehen.
Zweite Zuspitzung, ebenfalls meine These: Agenten werden zu digitalen Kollegen ohne Personalakte. Ein Mitarbeitender hat einen Vertrag, eine Führungskraft, eine Kostenstelle, ein Eintrittsdatum und ein Austrittsdatum. Ein Agent mit eigenem Konto hat laut Microsoft ein Konto und Berechtigungen. Alles andere müssen Sie selbst definieren.
Man kann das Bild weiterdenken, ohne es zu überdehnen. Eine Personalakte beantwortet Fragen: Wer ist zuständig? Was darf diese Person? Seit wann ist sie dabei? Wer entscheidet über ihre Zukunft? Für einen Agenten brauchen Sie dieselben Antworten, nur in anderer Form, etwa als Eintrag in einem Register mit Owner, Zweck, Scope, Kostenstelle und Ablaufdatum. Das ist meine Empfehlung, keine Vorgabe von Microsoft.
Die harte Wahrheit: Die Reihenfolge ist umgekehrt zu dem, was man sich wünscht. Erst kommt die Identität, dann die Spezialkontrollen. Meiner Einschätzung nach ist das nicht unseriös, Produkte wachsen eben schrittweise. Aber es heißt, dass die Lücke in Ihrer Verantwortung liegt, nicht in der des Herstellers.
Dazu kommt ein Punkt, den ich für unterschätzt halte: Ein eigenes Konto macht Agenten sichtbarer, aber auch selbstverständlicher. Wenn ein Agent in Teams antwortet, in Outlook schreibt und in Word kommentiert, verhält er sich im Alltag wie ein Kollege. Meine Vermutung: Einem vermeintlichen Kollegen schenkt man schneller Vertrauen als einem Werkzeug. Genau deshalb sollten Sie vorab festlegen, was ein Agent darf und was nicht, bevor sich eine Gewohnheit bildet, die später schwer zu korrigieren ist.
Was das für IAM, Compliance und Controlling bedeutet
- IAM: Agentenkonten gehören in Ihr Berechtigungs- und Rezertifizierungsverfahren, auch wenn sie keine Menschen sind. Wie das technisch mit Ihrem Verzeichnisdienst zusammenspielt, sagt Microsoft in diesem Beitrag nicht.
- Compliance: Wenn Arbeit laut Microsoft den Agenten zuordenbar ist, brauchen Sie Regeln, wie lange diese Zuordnung nachweisbar bleibt und wer sie auswerten darf.
- Controlling: Kostenmanagement für diese Agenten ist laut Microsoft erst geplant. Bis dahin müssen Sie selbst entscheiden, wer die Kosten trägt. Preise nennt der Beitrag nicht.
Wie andere Hersteller Agenten-Identität angehen, zeigt unser Beitrag zur Agent-Identität bei Google Gemini Enterprise. Und wer über eine Art Ausweis für Agenten nachdenkt, findet bei uns den Beitrag zum Agenten-Ausweis. Beide dienen nur als Verweis, ich übertrage keine Aussagen daraus auf Microsoft.
Auch das Inventar ist Thema: Wer Agenten nicht erfasst, kann sie nicht verwalten. Dazu passt unser Beitrag zum IT-Asset-Management im KI-Agenten-Zeitalter.
Checkliste vor dem ersten Agentenkonto
Wir bei digital-magazin.de empfehlen: Klären Sie die folgenden fünf Punkte, bevor Sie im Frontier-Programm das erste Konto anlegen. Das sind meine Empfehlungen, keine Microsoft-Vorgaben.
- Attribution und interne Verantwortung: Laut Microsoft lässt sich Arbeit den Agenten zuordnen. Legen Sie fest, wer intern für die Handlungen des Agenten geradesteht. Ein Name, nicht „die Abteilung“. Zuordnung im Protokoll ist nur die halbe Antwort, denn sie sagt, was geschah, nicht, wer dafür einsteht. Ohne benannte Person bleibt im Zweifel jede Rückfrage ohne Adressat.
- Owner und Kostenstelle: Jeder Agent bekommt einen benannten Owner und eine Kostenstelle. Kostenmanagement ist laut Microsoft erst geplant, also führen Sie die Zuordnung vorerst selbst. Das Controlling braucht diese Zuordnung später ohnehin, wenn Werkzeuge erscheinen. Wer sie jetzt anlegt, muss später nichts mühsam rekonstruieren.
- Rechte-Scope: Nutzen Sie die schon vorhandene Möglichkeit, den Zugriff zu begrenzen. Starten Sie eng und erweitern Sie nur mit Begründung. Prüfen Sie, welche Dokumente, Postfächer und Dienste der Agent wirklich braucht. Ein enger Anfang ist leicht zu erweitern, ein zu weiter Scope wird im Alltag selten wieder verkleinert.
- Entzug und Offboarding: Laut Microsoft bestehen die Agenten über Rollen und Amtszeiten einzelner Personen hinaus. Definieren Sie, was passiert, wenn der Owner das Unternehmen verlässt, und wann das Konto stillgelegt wird. Den Lebenszyklus können Admins laut Microsoft bereits verwalten. Gerade weil der Agent länger bleibt als die Person, braucht er eine benannte Nachfolge. Sonst existiert ein Konto, für das niemand mehr zuständig ist.
- Log-Aufbewahrung: Klären Sie mit Compliance, welche Protokolle wie lange aufbewahrt werden und wer Zugriff hat. Welche Protokolle Microsoft liefert, steht in der Dokumentation, nicht im Blogbeitrag. Nachvollziehbarkeit hilft nur, wenn die Daten noch da sind, wenn jemand fragt. Legen Sie außerdem fest, wer Auswertungen anfordern darf, damit Protokolle nicht zum Selbstbedienungsladen werden.
Ergänzend: Prüfen Sie, wer Business Process Memory pflegt, denn laut Microsoft wird eine einzelne Anweisung zur geteilten Ressource. Und klären Sie, ob Trigger wie eingehende E-Mails Ihre Prozesse ohne menschlichen Anstoß in Gang setzen dürfen.
Genau. Das ist kein Hexenwerk. Es ist Handwerk, und es kostet vor allem Abstimmungszeit.
Häufige Fragen
Sind die Agentenkonten in Copilot Studio allgemein verfügbar?
Nein. Laut Microsoft werden die Funktionen über das Frontier-Programm ausgerollt, neue Fähigkeiten sollen bald folgen. Eine allgemeine Verfügbarkeit nennt der Beitrag nicht.
Können Admins Agenten schon jetzt kontrollieren?
Teilweise, und zwar bereits jetzt. Laut Microsoft können Admins den Zugriff eingrenzen, zusätzliche Kontrollen nutzen und den Lebenszyklus verwalten. Erst die agentenspezifischen zusätzlichen Zugriffsrichtlinien sowie Qualitäts-, Kostenmanagement- und Lifecycle-Kontrollen sind für die kommenden Monate geplant. Einen Zeitplan nennt Microsoft nicht.
Was kostet ein Agent mit eigenem Konto, und gilt das in der EU?
Dazu sagt Microsoft in dem Beitrag nichts. Weder Preise oder Lizenzkosten pro Agent noch die Verfügbarkeit in Deutschland oder der EU sind genannt. Auch das Verhältnis zu Entra ID bleibt offen. Fragen Sie das direkt bei Microsoft nach.
Wie unterscheidet sich ServiceNow AI Passport davon?
Laut ServiceNow ist AI Passport eine Autoritätsschicht mit signiertem Nachweis, den Agenten zur Laufzeit prüfen, inklusive abgestufter Reaktionen bis zum Kill-Switch. Laut ServiceNow steht es voraussichtlich im vierten Quartal 2026 bereit. Microsoft beschreibt im Beitrag Agentenkonten mit Scope und Lebenszyklus. Ein Leistungsvergleich wäre aus diesen Herstellerangaben allein nicht seriös.




