24/7 online: wenn die Digitalisierung krank macht

24/7 online – wenn die Digitalisierung krank macht
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Technische Geräte und digitale Arbeitsweisen haben unseren Alltag massiv vereinfacht. Dennoch gehen mit diesen Veränderungen Entwicklungen einher, die Körper und Geist belasten und auf lange Sicht sogar krank machen. Die Diagnose „Burnout“ nimmt nicht umsonst in rasender Geschwindigkeit zu. Es ist daher wichtig, gesundheitliche Fragen bei der digitalen Transformation mitzudenken. Nur so können wir uns von allen Einflüssen befreien, die uns schaden.

Alltagsstress oder: Warum uns ein Säbelzahntiger im Büro fehlt

Früher war das Leben einfacher: Ein Säbelzahntiger kam. Der Körper schüttete Stresshormone aus. Die Menschen waren in der Lage, zu fliehen oder zu kämpfen. Über die Jahrtausende differenzierte sich unser Hormonsystem immer weiter aus und passte sich unserer Lebensweise an. Aus diesem Grund gibt es heute Schlaf-, Stress- und Sexualhormone, die jeweils andere Aufgaben erfüllen. Allerdings hat sich unsere Art zu leben und zu arbeiten seit damals massiv verändert. Bisher hat das aber noch niemand unserem Hormonsystem verraten. Das führt immer wieder zu Problemen und nicht selten zu unangenehmen Krankheiten.

Denn heutzutage müssen wir keinen Säbelzahntiger mehr erlegen, um Nahrung für uns und unsere Familien zu haben. Stattdessen sitzen wir in Büros und müssen Deadlines einhalten und an Meetings teilnehmen. Wir haben also nach wie vor einen hohen Stresspegel, reagieren aber nicht mehr mit Flucht oder Kampf darauf. Wenn die Vorgesetzten etwas von uns verlangen, muss die Aufgabe einfach erledigt werden. Wir sind also angefüllt mit Stresshormonen, ohne diese jedoch mit Bewegung oder Kämpfen abzubauen. Auf lange Sicht schadet das Körper und Geist gleichermaßen.

Burnout ist auf dem Vormarsch

Es gibt also keine Automatismen mehr, durch die wir mit unserer Arbeit unsere Stresshormone abbauen. Unsere Arbeit ist nicht bedrohlich, löst aber dieselben Stressreaktionen aus, wie eine lebensgefährliche Situation. Wir sind sozusagen in einer permanenten Anspannung, ohne dieser durch körperliche Arbeit begegnen zu können. Das geht eine Zeit lang gut, wird aber nach und nach zu einer echten Überforderung. Immer weniger Menschen gelingt es, zur Ruhe zu kommen, sich zu regenerieren und die eigenen Akkus aufzuladen.

Unter anderem deshalb nimmt die Rate an Burnout-Diagnosen immer mehr zu. Zahlreiche Menschen leiden unter Burnout oder Depressionen und werden hierdurch berufsunfähig. 37% aller Berufsunfähigkeitsdiagnosen sind auf solche psychischen Erkrankungen zurückzuführen. Das entspricht einer Steigerung um 40% innerhalb der letzten 10 Jahre, berichtet t3n.de. Die Menschen überfordern sich in Beruf und Alltag immer mehr und brennen sprichwörtlich von innen aus. Wir machen uns mit unserer Art zu leben und zu arbeiten somit selbst krank.

Der Einfluss der Digitalisierung auf die Gesundheit der Menschen

Neben der veränderten Arbeitswelt ist es vor allem die Digitalisierung, die massiven Einfluss auf die steigende Zahl von Burnout-Fällen hat. Denn immer mehr Unternehmen erwarten von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine ständige Erreichbarkeit. Selbst abends und am Wochenende müssen sie über ihr Smartphone erreichbar sein oder auf E-Mails zeitnah reagieren. Eine klare Trennung von Beruf und Freizeit findet nicht mehr statt und entsprechend schmal sind die Zeitfenster, in denen wir uns regenerieren und neue Kräfte tanken können. Das zeigt sich nicht zuletzt an der wachsenden Zahl von Home Offices hierzulande. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben lösen sich immer mehr auf, sodass wir uns nahezu immer in Bereitschaft und im Dienst befinden.

Doch auch unsere Freizeit nutzen wir immer seltener für Freizeitaktivitäten außerhalb der digitalen Welt. Apps, Fotogalerien und Messenger gehören zu unserem Alltag dazu. Wir spielen digital, kommunizieren digital und optimieren und selbst digital. Beim Joggen begleitet uns die Smart Watch, auf Urlauben das Smartphone und kontinuierlich wandeln wir unsere Lebenswelt in Smart Homes um. All diese Entwicklungen bringen Vorteile mit sich, keine Frage. Sie verhindern aber gleichzeitig, dass wir zur Ruhe kommen und uns vom Stress und der Hektik des Alltags erholen. Die digitale Welt bietet eine mediale Reizüberflutung, die das Entstehen von Burnout und anderen Krankheiten fördert.

Mögliche Lösungen für weniger Reizüberflutung und eine gesündere Lebensweise

Ein wichtiges Stichwort bei der Vermeidung digitaler Krankheiten lautet: Bewegung. Wer sich bewegt und Sport treibt, baut Stresshormone ab, schüttet Glückshormone aus und baut überschüssige Fettreserven ab. Zudem bleibt beim Joggen, Schwimmen, Radfahren und Bergwandern selten Zeit, um auf das Smartphone zu gucken oder andere digitale Technologien zu nutzen. Die Bewegung stellt einen wichtigen Kontrast zu unserer Arbeitswelt dar, die vor allem durch Sitzen und Arbeiten am PC geprägt ist. Auf diese Weise werden wir unserer früheren Rolle als Säbelzahntigerjäger und den damit verbundenen körperlichen Ansprüchen gerecht.

Des Weiteren ist es wichtig, digitale Technologien bewusst einzusetzen. In der U-Bahn oder beim Warten beim Arzt sind Apps eine wunderbare Sache. Sie vertreiben uns die Zeit und machen sehr viel Spaß. Zu Hause, im Urlaub oder auf Ausflügen mit der Familie gibt es aber sehr viele Alternativen zum Spielen mit dem Smartphone. Diese sollten wir nutzen, um Körper und Geist vor einer medialen Reizüberflutung zu schützen. Auf diese Weise kommen wir häufiger zur Ruhe und können das Aufkommen von Krankheiten vermeiden.

Die schwierigste Aufgabe besteht in der Anpassung unserer Arbeitsweise. Denn natürlich ist es im Büro nicht möglich, auf digitale Technologien zu verzichten oder nur noch im Stehen oder Laufen zu arbeiten. Außerdem kann man nicht einfach das Smartphone abstellen, wenn man für die Führungsetage erreichbar sein muss. Dennoch sollte das Ziel sein, eine klare Trennung zwischen Beruf und Freizeit zu erreichen. Das Stichwort hierbei ist die berühmte Work-Life-Balance. Es sollte mit den Vorgesetzten besprochen werden, ob bestimmte Ruhetage möglich sind, an denen das geschäftliche Smartphone einmal komplett aus bleibt. Vielleicht können im Büro zudem bestimmte Angebote gemacht werden, mit denen Bewegung in den Arbeitsalltag gebracht wird. Ein paar Fitnessgeräte im Freizeitraum sind hierbei nur die erste Idee.

Häufig zeigen sich Arbeitgeber solchen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Immerhin haben sie auch ein Interesse daran, dass ihre Belegschaft gesund ist und nicht ausfällt. Deswegen lohnt es sich, das Gespräch zu suchen und gemeinsam Möglichkeiten zur Vermeidung von Stress und Burnout zu erarbeiten. In einigen Fällen sind die direkten Vorgesetzten die richtigen Ansprechpartner, in anderen Fällen ist ein Gang zum Betriebsrat angebracht. Den hiermit verbundenen Aufwand sollte im Namen der eigenen Gesundheit niemand scheuen.

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