Verkappte Pioniere – der schwere Stand der CDOs in Unternehmen

Verkappte Pioniere – der schwere Stand der CDOs in Unternehmen
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CDOs nehmen eine Pionierrolle in Unternehmen ein. Sie setzen eine digitale Transformation um, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass diese Aufgabe sehr schwierig ist. Es bleibt den CDOs selten Zeit für die tatsächliche Umsetzung ihrer guten Ideen und die Zusammenarbeit mit CEOs und CFOs könnte besser sein. Denn selbst der beste CDO kann die digitale Transformation nicht alleine bewältigen.

Der CDO im Zeitalter der Digitalisierung

Mit dem Aufkommen der Digitalisierung mussten Unternehmen ihre Geschäftsprozesse neu denken und ummodellieren. Bis heute befinden sie sich in einer digitalen Transformation, die zahlreiche Veränderungen in Sachen Technologie, Methodik und Arbeitsweise mit sich bringt. Da ist es nur logisch, eine eigene Führungsposition zu schaffen, die diesen digitalen Wandel plant, umsetzt und begleitet. Die Zuständigkeiten für digitale Angelegenheiten sollen in einer Hand liegen, um ein Unternehmen effizient auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorzubereiten.

Hier kommt der CDO ins Spiel. Es handelt sich hierbei um die jüngste der C-Level-Positionen in Unternehmen, also den Führungspositionen. Der CDO nimmt in Betrieben eine Vorreiterrolle ein. So wie die Menschen nach der Entdeckung Amerikas immer weiter gen Westen zogen und Schritt für Schritt die USA entstehen ließen, so tauchen CDOs heutzutage in die weite Welt der Digitalisierung ein. Die Hoffnung besteht darin, irgendwann eine digitalisierte Welt zu erreichen, in der alle Unternehmensprozesse und die gesamte Belegschaft vernetzt sind.

Der CDO als digitaler Pionier

Auf dem Weg hin zu dieser digitalisierten Welt sind viele Aufgaben zu erledigen. Die Betriebe müssen von einer analogen Arbeitsweise hin zu digitalen Prozessen und Methoden geführt werden. Wie das abzulaufen hat und welche Herangehensweise hierbei die Beste ist, muss jede Firma für sich selbst herausfinden. Es hat noch niemals einen digitalen Wandel solchen Ausmaßes in der Wirtschaft gegeben. Deswegen fehlt es allerorten an Erfahrungen, wie mit der digitalen Transformation am besten umzugehen ist.

Der CDO übernimmt somit eine Pionierrolle in Unternehmen. Er ist eine Art Abenteurer, dem es vergönnt ist, eine ganz neue Welt zu entdecken und zu erobern. Allerdings sind seine Aufgaben hierbei nicht klar umrissen. So wie ein Abenteurer vielleicht irgendwann im Dschungel steht und nicht weiß, was als Erstes zu tun ist, so stehen CDOs heutzutage vor der Mammutaufgabe Digitalisierung. Da wird mal hier ein Baumhaus gebaut und dort mal ein Werkzeug geschnitzt – um im Bild zu bleiben – doch ein großes Gesamtkonzept fehlt noch. Fest steht nur eines: Es geht ums Überleben.

Denn kein Unternehmen kann langfristig bestehen, wenn es sich den digitalen Möglichkeiten verschließt. Wer heutzutage noch wie vor 10 Jahren arbeitet, hat immense Wettbewerbsnachteile und wird vermutlich mit der Zeit aussterben. Der CDO muss daher unbedingt erfolgreich sein. Ein Scheitern der digitalen Transformation ist einfach keine Option. Und deswegen muss sich ein CDO schrittweise eine eigene Agenda erarbeiten und herausfinden, was seine eigentliche Aufgabe und Rolle im Unternehmen ist.

„Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“

Dieser Buchtitel des Philosophen Richard David Precht beschreibt die Situation von CDOs in Unternehmen sehr gut. Obwohl es ihre Funktion inzwischen seit mehreren Jahren in Deutschland gibt, sind CDOs nach wie vor auf der Suche nach sich selbst. Ihre Rolle in den Betrieben ist nicht klar geregelt und ihre Aufgaben teilweise sehr vage formuliert. Sie sollen die Planung, Durchführung und Instandhaltung der Digitalisierung übernehmen und für eine effiziente Umsetzung der digitalen Transformation sorgen.

Das das nicht so einfach ist, zeigt die aktuelle Studie „CDO decoded – The First Wave of CDOs Speaks“ (Download am Ende des Artikels), an der 107 CDOs aus 20 Ländern teilnahmen. Hier gibt die Mehrheit der Befragten (54%) an, dass sie mehr Zeit in die Planung der digitalen Transformation investieren, als in deren tatsächliche Umsetzung. Somit ist die Digitalisierung für viele Unternehmen ein lohnenswertes und attraktives Konzept, das im Arbeitsalltag aber zu wenig Anwendung findet.

Zudem zeigt die Studie, dass die CDOs mit ihren Aufgaben weitestgehend alleingelassen werden. So geben zwar 64% der Befragten an, dass sich ihr CEO mit der digitalen Transformation auskenne, aber nur 40% sagen das von ihrem CFO. Das bedeutet, dass die Digitalisierung in vielen Betrieben den CDOs überlassen bleibt, in der Erwartung, dass diese sie schon irgendwie stemmen würden. Eine Verschmelzung von Kompetenzen und eine Vereinigung von Fachwissen findet noch zu selten statt.

CDOs müssen einen Mentalitätswechsel erzeugen

Eine Hauptaufgabe von CDOs besteht darin, einen Mentalitätswechsel in ihrem Betrieb zu erreichen. Die gesamte Belegschaft von der Aushilfskraft bis zur Führungskraft muss sich über die Bedeutung der Digitalisierung bewusst werden. Die digitale Transformation funktioniert nämlich nur dann, wenn sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktiv gelebt wird. Die besten Konzepte bringen nichts, wenn sie nicht angewendet werden oder sich in der Praxis als untauglich erweisen. Deswegen müssen CDOs die Belegschaft dazu anhalten, digitale Prozesse aktiv in ihre bisher analogen Arbeitsprozesse zu integrieren.

Das funktioniert keinesfalls allein. Deswegen müssen sich CDOs ein eigenes Netzwerk aufbauen. Sie müssen eng mit CEOs und CFOs zusammenarbeiten und ihre Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit neuen Technologien und Arbeitsweisen schulen. Die Umsetzung der Digitalisierung darf nicht im Sinne von „Der macht das schon“ auf den CDO abgewälzt werden. Erst wenn sich alle auf die Digitalisierung einlassen und diese nutzen, kann sie erfolgreich sein.

Die C-Level-Positionen müssen besser kooperieren

Um diesen vielfältigen Herausforderungen gerecht zu werden, ist es wichtig, dass CDOs mit den anderen C-Level-Positionen eng zusammenarbeiten. Der CEO ist für die „Exekutive“ verantwortlich, also für die Umsetzung der erarbeiteten Konzepte und Ideen. Der CFO ist für die „Finances“ zuständig, also für die Finanzierung der angeregten Projekte. Nur wenn diese drei Funktionsträger miteinander arbeiten und die digitale Transformation als gemeinsame Aufgabe begreifen, kann sie gelingen.

Ein CDO muss sich in einem Betrieb ein zuverlässiges Team zusammenstellen. Erst eine Vernetzung der vorhandenen Kompetenzen und Energien sorgt dafür, dass es bei der Digitalisierung vorangeht. CDOs müssen das vielfach noch verbreitete Silo-Denken aufbrechen und Brücken zwischen den einzelnen Abteilungen sowie zwischen Belegschaft und Führungskräften schlagen. Denn die Digitalisierung ist ein Gemeinschaftsprojekt, dass nur gemeinsam zu meistern ist.

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