Wer braucht schon Digitalexperten? – Deutsche Unternehmen schlagen gefährlichen Weg ein

Eine Rezession steht vor der Tür. Das legen nicht zuletzt die Stellengesuche nahe, die deutsche Unternehmen in letzter Zeit veröffentlicht haben. Es gibt nämlich immer weniger davon. In Zeiten der digitalen Transformation sollte man meinen, dass die Betriebe alles daransetzen, um Digitalexpertinnen und -experten für sich zu gewinnen. Stattdessen scheinen alle zu hoffen, dass es irgendwie schon weitergehen werde wie bisher, hebt Dr. Holger Schmidt in seinem Beitrag auf handelsblatt.com hervor. Eine gefährliche Hoffnung.

Stellenangebote in der Digitalbranche sind erstmals rückläufig

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Der digitale Job-Monitor des Handelsblatts zeigt einen Rückgang der Stellenangebote in 16 Digitalberufen. Das ergab eine Untersuchung von gedruckten Stellenangeboten, Online-Stellenbörsen und 130.000 Websites. So waren im zweiten Quartal 28.800 Stellen ausgeschrieben, was einer Reduzierung um neun Prozent entspricht. Alle 16 untersuchten Digitaljobs sind von dieser Entwicklung betroffen. Die Unternehmen investieren in unruhigen Zeiten somit nicht in eine digitale Zukunft, sondern halten sich schüchtern zurück.

Ähnlich sieht es bei den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) aus. Hier ist sogar ein Rückgang um 18% festzustellen. Das ist eine neue Erfahrung für diesen Bereich, der bisher immer von starkem Wachstum geprägt war. Somit zeigt sich auch hier eine beginnende Rezession und eine starke Zurückhaltung der Unternehmen. Aus Sorge, falsch zu investieren, wird lieber gar nicht investiert.

Diese Berufe leiden besonders stark unter der schwachen Nachfrage

Im Bereich 3D-Druck ist der Rückgang an Stellenangeboten besonders dramatisch. Waren im ersten Quartal 2019 noch 202 Stellen ausgeschrieben, so waren es im zweiten Quartal 2019 noch 140 Stellen. Das entspricht einem Minus von 30,7%. Ähnlich sieht es im Bereich Robotics aus. Von 1021 Stellen im ersten Quartal 2019 sind im zweiten Quartal desselben Jahres noch 856 Stellenangebote übrig. Das entspricht einem Rückgang von 16,2%. Und das, obwohl beiden Bereichen eine große Zukunft und eine entscheidende Bedeutung bei der digitalen Transformation zugeschrieben wird.

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Ähnlich massiv ist der Rückgang bei den Digital-Projektmanagern. Hier waren im ersten Quartal 2019 noch 559 Stellen ausgeschrieben. Im zweiten Quartal 2019 waren es noch 466. Hier beläuft sich der Rückgang somit auf 16,6%. Das ist besonders alarmierend, da solche Projektmanager in Unternehmen für die erfolgreiche Umsetzung der digitalen Transformation verantwortlich sind. Sie sind keine Experten für einen einzelnen Bereich, sondern Allroundtalente, die sich mit der Digitalisierung besonders gut auskennen. Auf sie zu verzichten bedeutet also immer auch den Verzicht auf digitale Kompetenz und Expertenwissen.

Deutschlands Standing in der digitalen Welt muss besser werden

Optimisten werden sagen, dass ein Rückgang der Stellenangebote bedeutet, dass die Unternehmen qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber für ihre freien Stellen gefunden haben. Häufig ist der Grund für einen solchen Rückgang aber nicht so positiv. Im Gegenteil besetzen Unternehmen freie Digitalstellen aus Sorge um Ressourcen nicht oder lassen sie gar nicht erst entstehen. Ganz im Sinne von „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“ statten sich die Betriebe nicht mit digitalem Fachpersonal aus, sondern hoffen, dass die Digitalisierung für ihren Bereich schon nicht so wichtig werden wird.

Das zeigt sich bereits schmerzlich am Digital Economy and Society Index, der von der Europäischen Union erhoben wird. Hier belegt Deutschland nur Rang 12 und liegt somit unter anderem deutlich hinter den skandinavischen Ländern und Großbritannien. In diesen Ländern sind digitale Technologien sowohl in Wirtschaftsbetrieben als auch in den Behörden deutlich stärker verbreitet als hierzulande. Ein Verzicht auf Digitalexperten dürfte diese Entwicklung noch beschleunigen und Deutschlands Rolle in einer digitalen Welt weiter gefährden. Die Betriebe wären also gut beraten, nicht aus Angst vor Fehlinvestitionen auf digitale Expertise zu verzichten. Gerade jetzt, wo sich althergebrachte Geschäftsmodelle und Unternehmensprozesse auflösen und sich die Wirtschaft massiv verändert, wäre es Zeit für mutige Investitionen und eine gezielte Entwicklung beziehungsweise Umsetzung einer professionellen Digitalstrategie.

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