Scheitern als Chance: so wird die Digitalisierung zum Kinderspiel

Auch in der Digitalisierung lernt man durch Fehler

Das Scheitern wird von vielen Unternehmen als Gefahr angesehen, die es unbedingt zu vermeiden gilt. Die Folge: Sie trauen sich in Fragen der Digitalisierung nichts Neues, schreibt der Chief Digital Officer (CDO) der DKB,Arnulf Keese, auf handelsblatt.com. Die meisten Betriebe setzen neue Technologien nicht so ein, wie es nötig wäre, aus Angst, einen Fehler zu begehen. Dabei haben gerade diejenigen Betriebe Wettbewerbsvorteile, die kalkulierbare Risiken eingehen und über den Tellerrand hinausschauen. Wer den Mut zum Scheitern hat, erkennt schnell, dass die Digitalisierung im Grunde ein Kinderspiel ist.

Unternehmen müssen lernen, gezielt zu scheitern

Lernen bedeutet, Fehler zu begehen. Nur wer schon alles kann, muss nichts ausprobieren. In Fragen der Digitalisierung sind wir aber noch weit davon entfernt, schon alles zu können. Es steht noch überhaupt nicht fest, wohin uns das digitale Zeitalter führen wird und was die richtigen Entscheidungen für die Zukunft sind. Da hilft nur eines: sich auszuprobieren. Unternehmen müssen sich auf neue Dinge einlassen, spannende Ideen testen und unbekannte Wege beschreiten. Nur so entdecken Sie die Vorteile der Digitalisierung für sich und sind der Konkurrenz immer einen Schritt voraus.

Ein solches Vorgehen bringt aber auch Risiken mit sich. Denn natürlich kann und wird es passieren, dass sich eine scheinbar geniale Idee nicht als tragfähig erweist. Dann wurde Zeit und Geld in ein Projekt gesteckt, das nichts bringt. Das ist aber allemal besser, als nichts zu tun. Die Digitalisierung macht man sich nicht zunutze, indem man jedes Risiko meidet. Vielmehr müssen Betriebe gezielt Risiken eingehen und aus einem Scheitern lernen, wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen.

Die Digitalisierung erfordert eine Rückbesinnung auf die Kindheit

Aktuell befinden sich Unternehmen weltweit in ihrer Kleinkindphase. Sie haben die Grundlagen der Digitalisierung verstanden und krabbeln – um im Bild zu bleiben – neugierig durch die Wohnung. Jetzt richten sie sich langsam auf und machen ihre ersten Schritte. Dass hierbei noch nicht alles reibungslos verläuft, ist selbstverständlich. Jedes Kind fällt unzählige Male hin, bevor es richtig laufen kann. Doch dieses Fallen gehört zum Lernprozess dazu. Wenn Kinder aus Angst, dass sie hinfallen könnten, immer nur krabbeln würden, hätten sie keine Chance, laufen zu lernen. Dasselbe gilt für Unternehmen, die aus Angst vor dem Scheitern keine Schritte hin zu einem digitalen Betrieb machen.

Die große Aufgabe besteht darin, defensive Strategien zu vermeiden und offensive Strategien zu antizipieren. Das bedeutet, dass Unternehmen die Digitalisierung nicht einfach geschehen lassen, sondern aktiv an deren Umsetzung mitarbeiten und sie gestalten. Nur so können sie neue Märkte für sich erobern und diese besetzen, statt in bereits besetzte Märkte einzusteigen und ein Anbieter unter vielen zu sein. Wie Kinder müssen Unternehmen die Welt als Abenteuerspielplatz begreifen, den sie erobern wollen, und nicht als Gefahr, vor der sie sich schützen müssen.

Sich an neue Gegebenheiten anpassen

Ein typisches Beispiel für den Mut zum Scheitern stellt die Musikindustrie dar. Durch die Erfindung der CD gingen die Verkäufe durch die Decke und viele Firmen konnten satte Umsätze und Gewinne verbuchen. Mit der Entwicklung des MP3-Formats verschob sich jedoch die Art, wie wir Musik konsumieren und nutzen. Heutzutage gibt es kaum noch jemanden, der eine CD in die Musikanlage steckt und zu Hause im Sessel Musik hört. Musik ist digital geworden und begleitet uns auf unserem Smartphone überall hin. Unternehmen, die diesen Trend frühzeitig erkannt und sich nicht krampfhaft an den CDs festgehalten haben, genießen heutzutage große Wettbewerbsvorteile.

Die klassische Musikindustrie hat kaum einen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet. Sie war viel zu sehr in Sorge, weil ihr bekanntes Geschäftsmodell einbrach. Entsprechend hatten es kreative Unternehmen wie Spotify leicht, in die vorhandenen Lücken zu stoßen und ein eigenes, neues Geschäftsmodell mit Abonnements und Download-Angeboten zu entwickeln. Dieses Modell hat sich durchgesetzt und ist heutzutage allgemein anerkannt. Die Angst der klassischen Industrie hat sich nicht bezahlt gemacht, sondern der Mut, sich auszuprobieren und das Scheitern als Risiko zu akzeptieren wurde belohnt.

Zwischen gutem und schlechtem Scheitern unterscheiden

Wenn ein Kind beim Klettern vom Baum fällt und sich beide Arme und Beine bricht, ist das ein Beispiel für schlechtes Scheitern. Im schlimmsten Fall hat es Angst vor Bäumen, vor dem Klettern und vor Abenteuern. Wenn es aber so fällt, dass es lediglich ein paar Kratzer abbekommt, lernt es etwas und verbessert seine Kletterfähigkeiten. Ebenso müssen Unternehmen gutes Scheitern anstreben. Ein gescheitertes Projekt darf zum Beispiel nicht dazu führen, dass ein kompletter Jahresumsatz verloren geht. Das gefährdet die Existenz des Betriebes. Wenn jedoch mal ein bisschen Geld verloren geht, dafür aber wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, hat sich die Investition geloht.

Es geht also darum, ein sicheres Umfeld zu schaffen, in dem das Scheitern keine Katastrophe darstellt. Hierbei sollten kreative Ideen erwünscht sein und durch professionelle Coachings ergänzt werden. So nutzen Sie das kreative Potenzial Ihrer Belegschaft und bilden deren Qualitäten und Fähigkeiten immer weiter aus. Hierbei müssen klare Spielregeln für das Arbeiten gesetzt sein. Es gibt nur eine bestimmte Menge an Ressourcen und es müssen konkrete Ergebnisse erreicht werden. Ansonsten endet das Ausprobieren im Chaos. In diesem klar strukturierten und sicheren Umfeld ist das Ausprobieren dann par excellence möglich. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich mit ihren Ideen und Projekten austoben und erleben die Digitalisierung als das, was sie im Grunde ist: ein Kinderspiel.

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