Digitalisierung & Bildung: wie wir uns auf die Zukunft vorbereiten

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In all unseren Lebensbereichen spielt die voranschreitende Digitalisierung eine Rolle – so auch im Bildungsbereich. Spätestens seit Ausbruch der Corona-Pandemie erhält die Digitalisierung des Bildungswesens aber die angemessene Aufmerksamkeit. Die Zukunft des Lernens geht mit viel Potenzial einher, allerdings gibt es an verschiedenen Stellen Nachhol- bzw. Verbesserungsbedarf. Wie das Bildungswesen fit für die Zukunft wird, ist Gegenstand dieses Artikels.

Wie sieht digitalisierte Bildung aus?

Digitale Bildung, digitales Lernen oder einfach E-Learning bedeutet im Grunde, dass analoge bzw. in Büchern abgedruckte Inhalte durch digitale Medien unterstützt bzw. ersetzt werden. Digital bedeutet in diesem Zusammenhang nicht zwingend online, denn der Begriff bezieht sich sowohl auf herunterladbare Inhalte, auf die man offline über ein Endgerät zugreift, als auch auf Medien, die man auf einem Gerät streamt.

Beispiele für solche Inhalte sind herunterladbare Videos, die eine Lehreinheit enthalten, PDFs bzw. E-Books, die an Schüler*innen oder auch im Zuge der Erwachsenenbildung verteilt werden und virtuelle Klassenräume, in denen die Lernenden zusammenfinden.

Um diese Angebote auch nutzen zu können, brauchen Lernende angemessene Endgeräte, auf denen die Inhalte abgespielt bzw. geöffnet werden können. Zudem muss eine stabile und leistungsfähige Internetverbindung, über die sie die Inhalte herunterladen oder unter Umständen streamen können, konstant verfügbar sein.

Standards in Sachen E-Mail-Client, Messenger, Bandbreite, Endgeräte und mehr haben sich noch nicht in dem Maße etabliert, dass man von gleichen Bildungschancen für alle sprechen könnte. Der Bildungsplan offenbart zudem Lücken im Bereich digitale Bildung bzw. Medienkompetenz, die im Grunde die Basis aller Bemühungen darstellt.

Die Infrastruktur – Hardware, Software und Standards

e-learning Infrastruktur – Hardware, Software, Standards
Photo by Arthur Lambillotte on Unsplash

Die digitale Infrastruktur an Schulen hinkt der allgemeinen Digitalisierung unserer Gesellschaft um Jahre hinterher. Fehlende Standards in Sachen Kommunikation – synchron und asynchron – und unausgereifte, nutzerunfreundliche Lernplattformen bzw. Lernmanagementsysteme behindern alle weiteren Vorhaben, die die digitale Bildung fördern sollen. Zudem kommen nach wie vor veraltete Peripheriegeräte zum Einsatz, die für moderne Inhalte nicht geeignet sind.

Um die Chancen der durch die Pandemie gezwungenermaßen etablierten Digitalisierungsmaßnahmen nicht vorüberziehen zu lassen, muss in Sachen Infrastruktur nachgebessert werden. Nur so lassen sich die Vorteile von Zeit- und Ortsunabhängigkeit, Aktualität, Kooperation, Interaktivität, Kreativität und Barrierefreiheit auch nutzen.

Das bedeutet, dass sowohl zeitgemäße Endgeräte bereitgestellt werden müssen als auch die Bandbreite der Internetzugänge den Ansprüchen genügen muss, die Streaming und andere datenintensive Inhalte an sie stellen. An Universitäten und Fachhochschulen kann von einer guten Infrastruktur ausgegangen werden, nicht aber an Pflicht- und weiterführenden Schulen und noch weniger in den Haushalten aller Lernenden.

Bund und Länder haben sich, um explizit Schulen für die digitalen Erfordernisse unserer Zeit fit zu machen, auf den DigitalPakt Schule geeinigt. 5 Milliarden Euro stehen für den Ausbau der digitalen Infrastruktur zur Verfügung. Als Reaktion auf die Schulschließungen im Zuge der Pandemie wurde dieser Geldtopf nochmal um 1,5 Milliarden Euro aufgestockt.

Der sozioökonomische Hintergrund – privilegiert und benachteiligt

Der Zugang zur digitalen Infrastruktur wird maßgeblich vom sozioökonomischen Hintergrund der Lernenden (und ihrer Eltern) bestimmt. Erfreulicherweise haben beinahe alle Schüler*innen heute Zugang zu einem Computer mit Internetanschluss – zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern gibt es natürlich gravierende Unterschiede. In Deutschland haben aber zwischen 90 und 100 % der Lernenden die Möglichkeit, online zu sein.

Laut einer Bestandsaufnahme der digitalen Infrastruktur der OECD-Länder gibt es aber Unterschiede zwischen privilegierten und benachteiligten Schulen. So sind Schüler*innen aus bildungsfernen Umfeldern an Schulen häufig mit dem bereits genannten Problem unzureichender Infrastruktur konfrontiert. Laut der Erhebung liegt die Quote der gut vernetzten Schulen in Deutschland bei 40-50 % und so unter dem OECD-Durchschnitt.

Die Nutzung digitaler Hilfsmittel im Bildungswesen ist eine Methode, die Medienkompetenz der Lernenden zu verbessern und sie zu sensibilisieren. Um sich in einer digitalisierten Welt zurechtzufinden und Falschinformationen von seriösen Inhalten unterscheiden zu können, ist es unabdingbar, dass auch bildungsfernere Milieus erreicht werden.

Die Medienkompetenz – technisch-pädagogische Anforderungen

Medienkompetenz – technisch-pädagogische Anforderungen
Photo by Thomas Park on Unsplash

Allerdings ist es nicht damit getan, allen Lernenden und Lehrenden bzw. Ausbildenden ein iPad auszuhändigen und sie dann sich selbst zu überlassen. Viel eher soll hinter dem Einbinden digitaler Medien bzw. Endgeräte auch ein Konzept stehen, das seitens der Lehrenden pädagogische mit digitalen Kompetenzen vereint. Der Erfolg digitaler Bildung ist unmittelbar von den Fähigkeiten und der Bereitschaft des Lehrkörpers abhängig.

Lehrpersonal – ob in der Schule oder in der Erwachsenenbildung – soll im Umgang mit technischen Hilfsmitteln umfassend weitergebildet werden. Für den Lernerfolg ist es unabdingbar, dass Lehrer*innen auch bei Problemen, die nicht explizit den Stoff betreffen, Hilfe leisten können – am besten in Echtzeit oder zumindest sehr zeitnah. Zudem braucht es abgesehen von schnellem Internet und modernen Geräten auch Anlässe für ein häufigeres Einbinden von digitalen Hilfsmitteln in Unterricht und Ausbildung.

Ein weiterer problematischer Aspekt im Bereich der Medienkompetenz ist wiederum ein fehlender Standard – vor allem im Bereich Kommunikation. Jüngere Semester setzen auf Instant Messaging und Voice-Chat-Software, während Lehrende, die keine Digital Natives sind, E-Mail nutzen. Die Erreichbarkeit Lehrender kann so nicht umfassend gewährleistet werden – was für benachteiligte Lernende aus bildungsferneren Schichten zu weiteren Schwierigkeiten führt.

Der Lehrplan – unzeitgemäße Lücken

Distance Learning, Blended Learning, Learning Management Systeme, Webinare und virtual Classrooms – die Methoden im Bereich der digitalen Bildung offenbaren viel Potenzial. Neue Technologien – ob als Unterstützung für verschiedene Ausbildungsmethoden oder als Ersatz für veraltete Lehrmethoden – sind im Lehrplan jedoch noch nicht ausreichend integriert.

Eine Reform oder zumindest Anpassung des Lehrplans soll den Unterricht bzw. die Ausbildung fachdidaktisch weiterentwickeln und dafür sorgen, dass der inhaltliche Aspekt nicht dem technischen untergeordnet wird. Wenn digitale Hilfsmittel wie Software für Experimente, interaktive Lernspiele, soziale (Lern-)Plattformen mit den Inhalten des Lehrplans bzw. den Bildungszielen in Einklang gebracht werden, dann kommen die überzeugendsten Vorteile einer digitalisierten Bildung zum Tragen:

  • Interaktivität
  • Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden bzw. Gruppen
  • Kollaboration
  • Erreichbarkeit
  • Flexibilität (Zeit und Ort)
  • Zugang zu Ressourcen
  • Effiziente Planung und Organisation
  • Selbstbestimmung
  • Kreativität
  • Aktualität der Inhalte
  • Spielerisches Lernen
  • Barrierefreiheit

Fazit

Die Digitalisierung ist das Um und Auf, wenn es darum geht, die Bildung an die Ansprüche des 21. Jahrhunderts anzupassen. Dafür braucht es Investitionen in die Infrastruktur, ein Weiterentwickeln der technischen, pädagogischen und fachdidaktischen Kompetenzen und einen Lehrplan, der die Integration und Nutzung digitaler Inhalte in den Mittelpunkt stellt. Die Digitalisierung des Bildungswesens muss ganzheitlich angegangen werden – die beste Infrastruktur erfüllt ihren Zweck nicht, wenn dem Lehrkörper Kompetenz und Anreize zur Nutzung fehlen.

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