Digital-Natives-Quote – bringt sie den Digitalstandort Deutschland voran?

Personen, die heute unter 35 Jahre alt sind, gelten als Digital Natives. Sie sind in die digitale Welt hineingeboren und kennen diese besonders gut. Um die digitale Transformation in Deutschland zum Erfolg zu führen, müssten diese Digital Natives in Politik und Wirtschaft das Sagen haben. Die Realität sieht aber anders aus. Die Entscheider in Unternehmen und im Bundestag sind meist deutlich älter als 35 und bremsen die „jungen Wilden“ häufig genug aus. Eine Digital-Natives-Quote ist eine von mehreren Möglichkeiten, diesem Problem zu begegnen und den Digitalstandort Deutschland voranzubringen.

Zu wenige Digital Natives haben das Sagen

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In einer Handelsblatt-Kolumne beschäftigt sich Valerie Mocker mit dem Thema „Digital Natives“ und deren Bedeutung für die Digitalisierung in Deutschland. Sie weist nach, dass nur sehr wenige Digital Natives – also Menschen, die aktuell jünger als 35 sind – in Wirtschaft und Politik etwas zu sagen haben. So sind Digital Natives gerade einmal zu 5,6% im Bundestag vertreten und in der Bundesregierung sogar zu 0%. In der Wirtschaft beträgt das Durchschnittsalter 54 Jahre und es wird davon ausgegangen, dass diese Menschen noch etwa 20 Jahre zu den Entscheidern in Deutschland gehören werden. Die Digital Natives kämen somit erst etwa 2040 zum Zug, was für eine erfolgreiche Digitalisierung in Deutschland deutlich zu spät wäre.

Denn schon heute hinkt Deutschland vielen Ländern in Sachen Digitalisierung hinterher. In Europa gibt es zahlreiche Länder, in denen kostenloses WLAN im öffentlichen Raum zum Alltag gehört. In einigen Fällen ist der ÖPNV bereits digitalisiert und die Bürgerinnen und Bürger können viele Behördengänge dank E-Government bereits digital erledigen. Deutschland scheint diese Entwicklung aktuell massiv zu verschlafen. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass Digital Natives in Führungsetagen und Entscheidergremien viel zu wenig zu sagen haben.

Gute Gründe für Digital Natives in Führungsetagen

Dabei gibt es so viele gute Gründe, in Sachen Digitalisierung auf den Rat von Digital Natives zu setzen. So zeigt zum Beispiel der D21-Digital-Index, dass bei den 20-29-Jährigen sowohl das Interesse an als auch die Fachkenntnis zur Digitalisierung besonders ausgeprägt ist. Menschen diesen Alters interessieren sich aktuell besonders stark für Themen wie das Internet oder Künstliche Intelligenz und kennen sich in diesen Bereichen gut aus. Sie haben Praxiserfahrungen gesammelt und wissen, welche digitalen Möglichkeiten existieren und welche davon im Alltag tatsächlich sinnvoll und hilfreich sind. Diese Expertise wird aber wenig genutzt, da die aktuellen Machthaber die Energie der „jungen Wilden“ zu fürchten scheinen.

Das ist für die Digitalisierung im Speziellen aber auch für Deutschland im Allgemeinen ein riesiger Verlust. Denn zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass Menschen zwischen 25-35 besonders offen für Neuheiten sind und sich auf Wandel und Veränderung sehr gut einstellen können. Menschen diesen Alters brechen durchaus einmal mit Traditionen, wenn sich eine neue Idee als tragfähiger oder effizienter erweist. Außerdem kennen sie sich mit den neuen Arbeitsformen aus und sind flexiblem Arbeiten gegenüber aufgeschlossen. Hierdurch brechen sie die gängigen Hierarchien und Strukturen auf und lassen sich auf neue Arbeitsweisen ein. All dies sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Transformation.

Nicht zuletzt ist diese Altersgruppe sehr begeisterungsfähig. Zu ihren größten Führungskompetenzen gehört, dass sie andere mitreißen und begeistern kann. Das ist gerade in Unternehmen wichtig. Hier kann die Digitalisierung nur erfolgreich sein, wenn die gesamte Belegschaft mit ins Boot geholt wird und aktiv an den neuen Unternehmensprozessen mitarbeitet. Da ist es hilfreich, wenn sich eine Führungskraft selbst für das Thema Digitalisierung begeistert und andere mit ihrer Leidenschaft und ihrem Feuer anstecken kann.

Ansätze für eine Förderung der Digital Natives

Schon heute bieten Digital Natives in Politik und Wirtschaft zahlreiche Ideen und Lösungsansätze für vorherrschende Probleme. Sie arbeiten aktiv an der Umsetzung der Digitalisierung mit und versuchen zu verhindern, dass Deutschland aus digitaler Sicht noch weiter in die Mittelmäßigkeit oder gar die Bedeutungslosigkeit absinkt. Allerdings werden die Ideen dieser jungen Menschen meist als „nicht umsetzbar“ abgetan. Häufig sind solche Ideen aber durchaus umsetzbar, laufen aber den Vorstellungen der aktuellen Führungspersonen zuwider. Vielleicht macht die Umstellung Mühe, kostet Geld oder sorgt dafür, dass man bestimmten Gruppen auf den Schlips treten muss. Einige Führungskräfte lassen zudem keine Ideen gelten, auf die sie nicht selbst gekommen sind. All diese Hindernisse erschweren eine erfolgreiche digitale Transformation. Deswegen schlägt Valerie Mocker drei Lösungen vor, um diesen Problemen zu begegnen:

  • Digital-Natives-Quote
    Um gegen verkrustete Strukturen vorzugehen, könnte eine Digital-Natives-Quote ein hilfreiches Tool sein. Natürlich wäre es schön, wenn ausschließlich Qualität und Kompetenz über den Erfolg eines Menschen entscheiden würden. Das ist aber in unserer Gesellschaft leider nur selten der Fall. Deswegen könnte testweise eine Quote eingeführt werden, um zu sehen, ob sie effektiv ist. Auf diese Weise könnten die heutigen Entscheidungsträger dazu gebracht werden, jungen Menschen eine Chance zu geben und Digital Natives an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Eine Quote von 50% Digital Natives in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft erscheint hierbei durchaus sinnvoll.
  • Jobsharing
    Jobsharing gewinnt in deutschen Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Das zeigt sich unter anderem an der wachsenden Zahl und Beleibtheit von Jobsharing-Plattformen. Bei diesem Modell teilen sich zwei Führungskräfte eine Position. Auf diese Weise können verschiedene Kompetenzen gebündelt und Synergien freigesetzt werden. Dieses Konzept bietet wie kein anderes die Möglichkeit, ältere Generationen und Digital Natives miteinander in Kontakt zu bringen und gemeinsam arbeiten zu lassen.
  • Anonymisierte Bewerbungen
    Jungen Menschen gegenüber existieren in der Wirtschaft viel zu oft Vorbehalte. Sie seien überambitioniert, ihnen fehle es an Erfahrung und sie wären daran interessiert, die aktuellen Führungskräfte zu ersetzen. Deswegen werden sie in Bewerbungsprozessen häufig besonders streng bewertet. Dies könnte durch anonymisierte Bewerbungen verhindert werden. Die Entscheider wären dann gezwungen, Einstellungen ausschließlich aufgrund von Qualifikationen und Kompetenzen vorzunehmen. Auf diese Weise wäre die Chance größer, dass Digital Natives in Führungspositionen kommen und dort etwas zu sagen haben.

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Mit diesen drei Methoden könnte es erreicht werden, dass mehr Digital Natives in Führungspositionen gelangen und dort etwas zu sagen bekommen. Auf diese Weise käme die Digitalisierung in Deutschland endlich vom Fleck und wir könnten mit anderen Ländern gleichziehen.

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