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FINMA: 72 % ohne PQC – wie teuer wird Harvest now, decrypt later?

FINMA befragt 60 Institute: 72 % ohne Massnahmen, nur 8 % mit PQC-Roadmap. VR-Strategie und Fahrplan bis Mitte 2027 — plus Beispielrechnung zu Harvest-now-decrypt-later bei Start 2028.

FINMA PQC Institute RoadmapDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2PromptPhotorealistic editorial: Swiss bank boardroom table with abstract holographic lock and quantum particle motif above risk papers, cool daylight through blinds, fountain pen and binders, no logos, no readable text, no bank branding, serious institutional finance-magazine atmosphere, 16:9
Sitzungsraum mit Risikoakte und Laptop – Sinnbild für Institute ohne PQC-Fahrplan (Symbolbild)

72 Prozent. So viele der von der FINMA befragten Institute hatten zum Umfragezeitraum noch keine Massnahmen zu quantensicherer Verschlüsselung geplant oder umgesetzt. Nur 8 Prozent verfügen über eine konkrete Roadmap. Rund zwei Drittel erwarten, binnen sieben Jahren direkt von Cyberrisiken kryptografisch relevanter Quantencomputer betroffen zu sein. Rechnen wir nach: Wenn die Aufbewahrung sensibler Kundendaten sechs bis zehn Jahre beträgt und der Migrationsstart erst 2028 greift — wie teuer wird dann „Harvest now, decrypt later“ wirklich?

Die Zahl kommt nicht aus einer Analystenfolie. Sie stammt aus der FINMA-Aufsichtsmitteilung 05/2026 vom 9. Juli: einer Umfrage unter 60 bewilligten Banken, Versicherungsunternehmen, Verwaltern von Kollektivvermögen und Finanzmarktinfrastrukturen (November 2025 bis Januar 2026). Unter dem Strich: Bewusstsein ist da, Fahrplan oft nicht. Und die Aufsicht empfiehlt klar — Strategie des Verwaltungsrats, PQC-Roadmap spätestens Mitte 2027.

These: Wer die Migration aufschiebt, kauft keine Zeit — sondern verlängert das Fenster, in dem heute gestohlene Ciphertexte morgen lesbar werden. Beleg: Die FINMA selbst nennt Harvest-now-decrypt-later bereits als reales Risiko, obwohl kryptografisch relevante Quantencomputer (CRQC) noch nicht existieren. Beispiel und Einordnung folgen — inklusive einer Kostenrechnung, die bewusst als Schätzung gekennzeichnet ist.

60 Institute, 72 % ohne Massnahmen: Was die FINMA-Umfrage konkret zeigt

Zuerst die Genauigkeit, die der Hook oft verschluckt: Es geht nicht „nur um Banken“. Die Stichprobe umfasst 60 autorisierte Institute — Banken, Versicherer, Manager von Kollektivvermögen und Finanzmarktinfrastrukturen. Wer „Banken-Umfrage“ liest, denkt zu eng. Wer „Finanzplatz Schweiz“ liest, denkt richtig.

Die Kernzahlen der Aufsichtsmitteilung sind eindeutig:

  • 72 % hatten noch keine Massnahmen zu quantum-safe encryption geplant oder umgesetzt.
  • 28 % haben eine strategische Entscheidung getroffen; 20 % haben zudem ein laufendes Projekt.
  • Nur 8 % verfügen über eine spezifische Roadmap für quantensichere Verschlüsselung — typischerweise mit vier bis fünf Jahren bis zur Absicherung kritischer Daten und Prozesse.
  • Rund die Hälfte plant, in den nächsten ein bis drei Jahren eine Roadmap zu erstellen; 43 % haben noch keine Entscheidung getroffen.
  • Rund zwei Drittel erwarten, innerhalb von sieben Jahren direkt von QC-Cyberrisiken betroffen zu sein.
  • Rund zwei Drittel erwarten, dass innerhalb von zehn Jahren ein Quantencomputer RSA-2048 binnen 24 Stunden knacken kann.

Das grösste Risiko sehen die Befragten bei der Datensicherheit. Weitere Punkte: unvollständige Migration, fehlende Expertise, Harvest-now-decrypt-later sowie Interoperabilität mit Legacy-Systemen. Kryptoagilität halten 73 % für wichtig oder sehr wichtig; ein Inventar der eingesetzten Verfahren stufen 76 % als hohen oder sehr hohen Mehrwert ein. 60 % sind bereits mit Software-Zulieferern im Kontakt oder planen das. Fast zwei Drittel rechnen damit, selbst erst in acht oder mehr Jahren QC-Anwendungen zu nutzen.

Geschäftlichen Nutzen sehen Institute vor allem in Risiko- und Portfolioanalyse, Transaktionsmonitoring, algorithmischem Handel und besserer Zufallszahlenerzeugung. Der Haken: Der erwartete Nutzen kommt später als das erwartete Risiko. Wer nur die Opportunity-Folie liest, verpasst die Zeitschiene der Aufsicht.

Kennzahl (FINMA-Umfrage)WertEinordnung
Befragte Institute60Banken, Versicherer, Kollektivvermögen-Verwalter, FMI
Keine Massnahmen geplant/umgesetzt72 %Frühe Phase der Transition
Strategische Entscheidung getroffen28 %Davon 20 % mit laufendem Projekt
Konkrete PQC-Roadmap8 %Meist 4–5 Jahre bis kritische Daten/Prozesse
Roadmap in 1–3 Jahren geplant~50 %43 % noch ohne Entscheidung
QC-Cyberrisiken binnen 7 Jahren~⅔Erwartung der Institute
RSA-2048 in 24 h binnen 10 Jahren~⅔Erwartung der Institute
Kryptoagilität wichtig/sehr wichtig73 %Konsens bei den Befragten
Inventar hoher/sehr hoher Wert76 %Grundlage jeder Migration
Kontakt zu Software-Zulieferern (aktuell/geplant)60 %Vendor-Abhängigkeit zentral

Die Tabelle ist Absicht. Wer nur „Quantenangst“ liest, verpasst die Rendite der Detailarbeit: Die FINMA dokumentiert eine Lücke zwischen Erwartung und Umsetzung — und setzt darauf eine Handlungsempfehlung mit Datum.

Rechnen wir die Lücke noch einmal anders: Bei 60 Instituten und 8 Prozent mit spezifischer Roadmap bleiben rechnerisch rund fünf Institute, die bereits Meilensteine und einen Vier-bis-fünf-Jahres-Horizont für kritische Daten benennen können. Der Rest verteilt sich auf strategische Entscheide ohne Fahrplan, laufende Beobachtung und explizite Nichtentscheidung. Unter dem Strich ist das kein Wissensproblem — die Befragten kennen HNDL, Legacy-Interoperabilität und Expertise-Mangel. Es ist ein Priorisierungs- und Kalenderproblem. Genau dort setzt die Aufsicht an: nicht mit einem neuen Spezialgesetz, sondern mit dem Hinweis, dass bestehende, technologie-neutrale Pflichten zu Governance und operationeller Resilienz die QC-Cyberrisiken bereits erfassen.

8 % Roadmap, Deadline Mitte 2027: Was der Verwaltungsrat beschliessen soll

FINMA empfiehlt als Grundlage der Migration eine vom Verwaltungsrat (board of directors / Oberleitungsorgan) verabschiedete Strategie, aus der ein Umsetzungsplan mit Meilensteinen und Prioritäten folgt. Konkret: Zieldaten für die vollständige Migration und für kritische Geschäftsprozesse. Die PQC-Roadmap soll spätestens Mitte 2027 vorliegen. Die Strategie darf Teil einer bestehenden Cyberrisiko-Strategie sein — sie muss aber existieren.

These: Ohne VR-Beschluss bleibt PQC ein IT-Nebenthema. Beleg: Die Aufsicht bindet die Roadmap ausdrücklich an die Governance-Ebene, nicht an ein Shadow-Projekt im Security-Team. Beispiel: Ein Institut mit 8-Prozent-Vorbildern plant vier bis fünf Jahre bis zur Absicherung kritischer Daten — wer Mitte 2027 erst startet, landet mit Fertigstellung leicht jenseits 2031. Einordnung: Das ist kein „Nice-to-have bis irgendwann“, sondern Anschluss an bestehende Pflichten zu Governance, operationellen Risiken und Resilienz.

Die Empfehlungen beschränken sich bewusst auf den Übergang zu quantensicheren Algorithmen — nicht auf Quantum Key Distribution (QKD). Das spart Ablenkung: QKD ist eine andere Technologieklasse; die Aufsichtsmitteilung zielt auf algorithmische Migration, Inventar und Agilität.

Konkret für die Sitzungsunterlage des Verwaltungsrats lohnt sich eine knappe Agenda-Logik: Erstens Risikoakzeptanz dokumentieren — welches Schutzhorizont-Profil gilt für welche Datenklasse? Zweitens Budget- und Kapazitätsrahmen für Inventar und Pilot freigeben, bevor Vendor-Sonderpreise greifen. Drittens Verantwortlichkeiten zwischen CISO, CIO, Risikomanagement und Legal so schneiden, dass Outsourcing-Klauseln und Release-Planung nicht zwischen Zuständigkeiten liegen bleiben. Der Haken vieler Programme: Security schreibt die Roadmap, Einkauf verlängert Verträge ohne Agilitätsklausel, und das Oberleitungsorgan sieht erst den Ampelreport, wenn der Termin Mitte 2027 schon knapper wird.

Wer die technische Seite der Migration vertiefen will, findet den Überblick zur Post-Quanten-Kryptografie bereits bei uns sortiert — inklusive der Frage, warum Hybridansätze und Inventar vor dem Algorithmusnamen kommen.

73 % Kryptoagilität, 76 % Inventar: Der Haken sitzt in TLS, VPN und Signaturen

Aus Sicht der FINMA beginnt die Transition mit einer Risikoanalyse — zu den eingesetzten kryptografischen Verfahren und zu kritischen Daten mit langfristigem Schutzbedarf. Daraus soll ein umfassendes Inventar entstehen: Verschlüsselung bei Übertragung (VPN, TLS, HTTPS) und ruhende Daten; digitale Signaturen; Schlüsselverwaltung; Authentisierungsmechanismen. Erfasst werden ICT-Systeme, Anwendungen, Infrastruktur und neue Technologien wie Distributed-Ledger-Technik (Art. 973d OR) — egal ob intern betrieben, ausgelagert oder as-a-service bezogen.

Das Inventar macht sichtbar, welche Algorithmen quantenanfällig sind — etwa RSA, ECDSA, EdDSA, DH, ECDH — und wo ein risikogerechter Migrationsplan nötig ist. Ein laufend gepflegtes Inventar trägt zur Wirksamkeit bei; ein einmaliges Excel-Sheet von 2024 nicht.

Kryptoagilität beschreibt die Fähigkeit, Algorithmen flexibel auszutauschen, ohne die Softwarearchitektur gross umzubauen. 73 % der Befragten halten das für wichtig oder sehr wichtig — und die FINMA empfiehlt Agilität als Anforderung bei Beschaffung und Entwicklung. Der Haken: Viele Legacy-Stacks sind das Gegenteil von agil. Wer heute Verträge ohne Agilitätsklausel verlängert, zahlt später in Sonderprojekten.

Für kritische Daten gilt Priorität: Langfristige Vertraulichkeit und Integrität (bzw. Nichtabstreitbarkeit bei Signaturen) entscheiden die Reihenfolge. Harvest-now-decrypt-later heisst: Ciphertexte, die heute abgefangen werden, können später mit leistungsfähigen Quantencomputern entschlüsselt werden. Daten, die lange geschützt bleiben müssen, gehören zuerst auf hybrid klassisch plus PQC — kurz- bis mittelfristig, weil Langzeiterfahrung mit reinen PQC-Algorithmen noch fehlt. Hybrid erhöht Komplexität und Implementationsrisiko; die interne Risikoanalyse entscheidet, wo es sich lohnt.

Externe Dienstleister und Schnittstellen sind Teil des Problems und der Lösung. 60 % der Institute sind bereits bei Software-Zulieferern oder planen Kontakt. Verantwortung bleibt beim auslagernden Institut — Verweis auf FINMA-Rundschreiben 2018/3 Outsourcing. Kryptoagilität sollte Voraussetzung neuer Outsourcing-Arrangements im Software- und Datenbereich werden; bestehende Arrangements möglichst früh nachziehen. Wer Vendor-Readiness ignoriert, hat am Tag X schöne interne Roadmaps und unsichere Schnittstellen.

NIST FIPS 203–205: ML-KEM, ML-DSA, SLH-DSA — die korrekten Namen

Die Aufsichtsmitteilung verweist auf die NIST-Standards. In der PDF-OCR tauchen gelegentlich Schreibweisen wie „ML-EM“ oder „ML-DAS“ auf — die korrekten Bezeichnungen lauten:

Unter dem Strich: Für Vertraulichkeit von Kanälen und ruhenden Daten zählen Key-Encapsulation und hybride TLS-Profile; für Authentizität und Integrität zählen Signaturverfahren. Wer nur Cipher Suites tauscht, aber Signing- und Identity-Stacks unangetastet lässt, hat die Rechnung unvollständig. Das gilt auch für Payment- und Clearing-Pfade — dort, wo Payment Security unter Druck durch Quantencomputer-Angriffe längst kein Randthema mehr ist.

CRQC existieren noch nicht. Die FINMA sagt das ausdrücklich. Gleichzeitig: Technologischer Fortschritt hat Tempo gewonnen; Migrationen dauern Jahre; Interdependenzen zwischen Instituten und Zulieferern sind real; Harvest-now-decrypt-later ist bereits ein Risiko. Wer wartet, bis die erste öffentlich demonstrierte Maschine RSA-2048 in Stunden bricht, plant rückwärts — und rückwärts planen hat bekanntermaßen schlechte Rendite.

Rechnung: Wie teuer wird Harvest-now-decrypt-later bei Migrationsstart 2028?

Harvest now decrypt later PQCDieses Bild wurde komplett mit KI generiertProviderhiggsfieldModellflux_2PromptPhotorealistic close-up of a secure server rack reflection in glass with soft blue LEDs, metaphor for harvest-now decrypt-later and post-quantum cryptography migration, cool documentary data-room mood, no logos, no readable labels, cinematic teal grade, 16:9
Archivierte Datenträger im Rechenraum – Harvest now, decrypt later als Symbolbild (Symbolbild)

Rechnen wir nach — klar als Beispielrechnung und Schätzung gekennzeichnet, keine FINMA-Zahl. Annahmen (illustrativ für ein mittelgrosses Institut):

  • Schutzhorizont kritischer Kundendaten und Transaktionsarchive: 7 Jahre (Bandbreite 6–10 Jahre üblich in Compliance- und Aufbewahrungslogiken).
  • Angenommenes frühestes realistisches CRQC-Szenario in der Planung: ab ca. 2032–2035 (die Institute selbst: ~⅔ erwarten Relevanz binnen sieben Jahren ab Umfrage; das ist Erwartung, kein Datum der Aufsicht).
  • Szenario A: Geordneter Start Inventar + Hybrid-Pilot 2026/27, kritische Daten bis Ende 2029 quantum-safe (hybrid).
  • Szenario B: Roadmap erst Mitte 2027, Umsetzung startet 2028, kritische Daten erst 2031/32.

Der ökonomische Kern ist nicht der Algorithmuspreis. Es ist das Expositionsfenster: Jeder Monat, in dem langfristig schützenswerte Daten nur klassisch verschlüsselt über Leitungen und Backups laufen, verlängert die Menge potenziell geharvesteter Ciphertexte.

Position (Beispielrechnung)Szenario A: Start 2026/27Szenario B: Start 2028Kommentar
Inventar + Risikoanalyse0,8–1,5 Mio. CHF1,2–2,2 Mio. CHFSpäter oft teurer durch Nacharbeit und Vendor-Druck
Hybrid-PQC kritische Kanäle (TLS/VPN, Key Mgmt)2,5–4,5 Mio. CHF3,5–6,5 Mio. CHFPanikaufschläge, knappe Expertise
Signatur-/Auth-Migration (teilweise)1,5–3,0 Mio. CHF2,0–4,0 Mio. CHFHSM/KMS, Zertifikatsprofile, Clients
Vendor-/Outsourcing-Nachverhandlung0,4–0,9 Mio. CHF0,8–1,8 Mio. CHFRelease-Zyklen, Sonderprojekte
Schulung, Governance, Tests0,3–0,7 Mio. CHF0,5–1,0 Mio. CHFBeschäftigte, Audit, Rollback
Direktkosten Summe (Band)~5,5–10,6 Mio. CHF~8,0–15,5 Mio. CHFIllustrativ, institutsspezifisch
Expositionsfenster kritischer Daten (klassisches Crypto)~3–4 Jahre ab heute~5–6 Jahre ab heuteMehr geharvestetes Volumen in B
Erwarteter HNDL-Schadenshebel*Basis 1,01,4–1,8×*Schätzung: mehr Ciphertext × gleiche Breach-Wahrscheinlichkeit
Illustrativer Residualschaden bei Grossvorfall50–150 Mio. CHF70–270 Mio. CHFReputation, Busse, Kundenverlust — nicht FINMA-Zahl

Was sagt die Rechnung? Unter dem Strich kann der Aufpreis eines späten Starts (2028 statt 2026/27) in der Direktkostenbandbreite leicht 30–50 Prozent betragen — bevor überhaupt ein Schadensfall eintritt. Der eigentliche Hebel ist das Expositionsfenster: Wer bei sieben Jahren Schutzbedarf und Migrationsfertigstellung 2032 plant, überlappt stark mit dem Zeitraum, in dem viele Institute selbst QC-Risiken für relevant halten. Lohnt sich frühes Inventar? Die Rendite liegt weniger in gesparten Lizenzzeilen als in vermiedener Panikmigration und kürzerem Harvest-Fenster.

Noch eine Schicht Mathematik, ebenfalls illustrativ: Angenommen, ein Institut archiviert jährlich ein Volumen V an langfristig schützenswerten, klassisch verschlüsselten Datenobjekten. Bei Migrationsstart 2028 und Fertigstellung kritischer Kanäle 2032 summieren sich grob vier zusätzliche Jahresvolumina gegenüber einem Abschluss 2029. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen späteren Decrypts klein ist, skaliert der Conditional Loss mit dem geharvesteten Bestand — nicht mit dem Algorithmusnamen auf der Folie. Sechs bis zehn Jahre Aufbewahrung heisst: Was 2026 über die Leitung ging, kann 2032–2036 noch relevant sein. Wer das ignoriert, optimiert CapEx gegen eine falsche Zielfunktion.

Zum Vergleich der Kostenblöcke: Inventar und Governance sind die günstigsten Hebel pro vermiedenem Risiko-Euro. Hybrid-TLS und Key Management sind der teure, aber notwendige Kern. Signatur- und Auth-Migration lassen sich oft staffeln — sofern das Inventar die Abhängigkeiten kennt. Vendor-Nachverhandlungen werden teurer, je näher Sonder-Releases an feste Cut-over-Termine rücken. Deshalb steht in der FINMA-Logik die Roadmap vor dem Tooling: ohne Zieldaten keine sinnvolle Verhandlungsmacht gegenüber Zulieferern.

Der Haken an jeder solchen Tabelle: Sie ist kein Budgetvorschlag für Ihr Institut. Headcount, Outsourcing-Quote, FMI-Anbindung und Datenklassifikation verschieben die Bänder massiv. Was sie leistet: Sie macht den Trade-off sichtbar, den die FINMA-Empfehlung „Roadmap bis Mitte 2027“ ökonomisch unterfüttert.

Wer die aufsichtliche Linie im deutschsprachigen Raum parallel lesen will: Auch BaFin und Tech-Pflichten rund um Quantencomputing und digitale Infrastruktur setzen Zeitdruck — siehe unsere Einordnung zu BaFin, Quantencomputing und digitalem Euro. Der Vergleich lohnt sich, weil Vendor- und FMI-Ketten nicht an der Landesgrenze enden.

US Treasury Task Force, 3 Workstreams: Warum der Druck nicht nur Schweizer ist

Am 24. August hat das US-Finanzministerium die Quantum-Readiness Task Force angekündigt — eine Public-Private-Initiative zur geordneten Transition der US-Finanzbranche auf quantum-safe Technologie, aufbauend auf der PQC-Roadmap der G7 Cyber Expert Group und im Kontext von Executive Order 14412. Die Treasury-Mitteilung nennt drei Workstreams: Sector Alignment & PQC Transition; Third-Party & Vendor Readiness; Digital Assets and Emerging Technology Risk.

Secretary Scott Bessent betont Führung und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsystems; Assistant Secretary Luke Pettit stellt Koordination, risikobasierte Transition und operationelle Resilienz heraus; Deborah Guild (FSSCC) formuliert es so: Post-Quantum-Readiness sei keine reine Future-Proofing-Übung mehr, sondern eine heutige Risikokontrolle. Sparsam zitiert reicht — die Botschaft ist klar: Vendor-Abhängigkeiten und Digital-Asset-Risiken sind Teil derselben Agenda, die die FINMA für den Schweizer Markt in Inventar, Outsourcing und kritischen Daten sortiert.

Für Lesende in Europa heisst das nicht „US-Recht kopieren“. Es heisst: Globale Zulieferer und Korrespondenzbanken werden parallel getaktet. Wer in Zürich eine Roadmap bis Mitte 2027 plant, während US-Workstreams Vendor-Readiness adressieren, verhandelt aus einer besseren Position als wer 2028 noch das Inventar sucht.

60 % Vendor-Kontakt: Outsourcing und FMI — wer trägt die Verantwortung?

Die FINMA ist unmissverständlich: Verantwortung für ausgelagerte Funktionen bleibt beim Institut. Zukunftsrisiken — einschliesslich leistungsfähiger Quantencomputer — lassen sich heute antizipieren und vertraglich hinterlegen. Integration in reguläre Release-Zyklen senkt Kosten; Sonderprojekte erhöhen sie. Das ist genau die Logik hinter der Beispielrechnung oben.

Konkret für Verwaltungsräte und Risikokomitees:

  1. Strategie beschliessen (Teil der Cyberstrategie zulässig).
  2. Inventar beauftragen: TLS/VPN/HTTPS, Signaturen, Key Management, Auth — intern, outgesourced, as-a-service; DLT eingeschlossen.
  3. Kritische Daten und HNDL priorisieren; Hybrid wo die Risikoanalyse es verlangt.
  4. Kryptoagilität in Beschaffung und Entwicklung verankern.
  5. Vendor- und Outsourcing-Verträge nachziehen (FINMA-RS 2018/3).
  6. Roadmap mit Meilensteinen — Ziel: spätestens Mitte 2027 vorliegend.

These: Die 8 Prozent mit konkreter Roadmap sind nicht „übervorsichtig“ — sie sind kalendarisch ehrlich. Beleg: Vier bis fünf Jahre bis kritische Prozesse quantum-safe, bei einer Empfehlungsdeadline Mitte 2027, ergibt Fertigstellungsfenster um 2031/32. Beispiel: Ein FMI mit Dutzenden angebundenen Instituten multipliziert Vendor-Latenz; wer dort spät kommt, blockiert andere. Einordnung: Deep-Tech-Thema mit Enterprise-Governance — nicht Laborfolklore.

Für FinTech und angrenzende Stacks bleibt die Schnittstelle zur klassischen Finanzinfrastruktur der Schmerzpunkt — ausführlicher auch unter dem Blickwinkel Quantencomputer und FinTech. Wer nur die eigene App härtet, aber Clearing und Custody klassisch lässt, hat den Systemrand vergessen.

2/3 erwarten Relevanz in 7 Jahren — und nutzen QC selbst erst in 8+

Die Asymmetrie ist die Pointe der Umfrage: Rund zwei Drittel erwarten Cyberrisiken binnen sieben Jahren; fast zwei Drittel erwarten den eigenen Einsatz von QC-Anwendungen erst in acht oder mehr Jahren. Risiko vor Nutzen. Das rechtfertigt defensive Migration früher als offensive Experimente — ohne dass man QC-Use-Cases in Risikoanalyse, Monitoring oder RNG ignorieren müsste.

Wer die Opportunity-Seite trotzdem ernst nimmt, sortiert sie getrennt: Bessere Zufallszahlen, engere Monitoring-Modelle, Portfolio- und Risikosimulationen können Business Cases tragen — aber sie entschuldigen keine fehlende PQC-Roadmap. Unter dem Strich sind das zwei Budgets, zwei Risikoregister, zwei Zeitachsen. Institute, die beides in einem „Quanten-Innovationsprogramm“ vermischen, verlieren die Spur: Dann gewinnt der Proof-of-Concept mit schöner Demo, und das Inventar der RSA-Zertifikate bleibt liegen.

Unter dem Strich sortiert die FINMA die Agenda so: Governance zuerst, Inventar als Werkzeug, kritische Daten und HNDL als Priorität, Hybrid als Übergang, Agilität als Dauerzustand, Vendor als Pflichtfeld. CRQC sind noch Zukunft. Harvest-now-decrypt-later ist Gegenwart. Die Roadmap bis Mitte 2027 ist der Termin, an dem sich zeigt, wer gerechnet hat — und wer gehofft.

Ob Ihr Institut zu den 8 Prozent, den 43 Prozent „noch keine Entscheidung“ oder den 72 Prozent ohne Massnahmen gehört, ändert die Physik der Ciphertexte nicht. Es ändert nur, wer die Kosten der Verzögerung trägt — und wer die Rendite einer geordneten Migration einstreicht, bevor der Markt die Expertise verknappt.