Nachhaltige Digitalisierung – Pläne von Umweltministerin Schulze

Die Digitalisierung hat ein enormes Potenzial, den Umweltschutz voranzubringen und ressourcensparendes Wirtschaften zu ermöglichen. Aktuell ist die Digitalisierung aber selbst noch ein Energiefresser und trägt somit massiv zum Klimawandel bei. Das will Bundesumweltministerin Schulze nun ändern. Auf der Republica in Berlin stellt sie die Eckpunkte einer „umweltpolitischen Digitalagenda“ vor. Diese will sie in den kommenden Monaten diskutieren und bis zum Jahresende komplett ausarbeiten.

So wirkt sich die Digitalisierung auf das Klima aus

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Es ist vor allem der Stromverbrauch, der die Digitalisierung für das Klima so gefährlich macht. Aktuelle Untersuchungen ergaben, dass 10 Minuten Youtube ungefähr so viel Strom verbrauchen wie ein Herd mit 2 KW, der 5 Minuten auf der höchsten Stufe läuft. Hierbei wird unter anderem der Stromverbrauch der kompletten Infrastruktur berücksichtigt, die nötig ist, um das Video anzubieten. Greenpeace kritisiert große Konzerne wie Google und Apple daher regelmäßig für ihre Klimapolitik, hebt Thomas Heuzeroth auf welt.de hervor. Diese Unternehmen bauen ihre Rechenzentren nämlich in US-Bundesstaaten, in denen der Strom hauptsächlich aus Kohle gewonnen wird und entsprechend billig ist.

Aber nicht nur die ganz Großen, sondern auch die kleinen und mittelständischen Betriebe haben durch die Digitalisierung einen erhöhten Strombedarf. Wenn zum Beispiel alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Betriebs mit mobilen Endgeräten ausgestattet werden, benötigen diese deutlich mehr Strom als zuvor. Deswegen hat sich für jeden Dollar, der in die Digitalisierung investiert wird, der Energieverbrauch um 37% im Vergleich zu 2010 erhöht. Durch solche und ähnliche Aspekte wird die Digitalisierung nicht zum Retter des Klimas, wie es möglich wäre, sondern zu einer weiteren Gefahr.

Das sind die Pläne der Bundesumweltministerin

Die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze möchte dieser Entwicklung entgegenwirken, berichtet Silke Kersting auf handelsblatt.com. Ihr Ziel ist es, die negativen Seiten der Digitalisierung einzudämmen und sie stattdessen zur Realisierung eines effektiven Umweltschutzes zu nutzen. Dies sei über Anreize ebenso möglich wie über Gebote und Verbote. Aktuell erarbeitet die Ministerin eine „umweltpolitische Digitalagenda“, die bis zum Ende des Jahres stehen soll. Bis dahin unterhält sie sich mit verschiedenen Institutionen und Fachleuten, um die Agenda auf eine solide Basis zu stellen.

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Für Schulze muss der Fokus bei der Digitalisierung auf aktivem Handeln liegen. Nur wer die Rahmenbedingungen für die digitale Transformation selbst setzt, könne diese sinnvoll und ökologisch gestalten. Deswegen möchte sie die Digitalisierung in einem „Ordnungs- und Handlungsrahmen“ bringen. In diesem wäre es dann möglich, verschiedene Digitalmaßnahmen zu bewerten und einzuschätzen, welchen Beitrag diese für den Klimaschutz leisten könnten beziehungsweise welche Auswirkungen sie auf den Klimawandel hätten.

Unter anderem möchte die Ministerin Start-ups, Forschung und Netzwerke zusammenbringen, die bereits ökologische Projekte umsetzen, bei der die Digitalisierung den Umweltschutz unterstützt, und so nützliche Synergien freisetzen. Es geht darum, einer ungezügelten Digitalisierung entgegenzuwirken und sie stattdessen in die gewünschten Bahnen zu lenken. Durch 50 Leuchtturmprojekte will Schulze erste Schritte in Richtung einer ökologischen Digitalisierung gehen. Über den Aufbau eines Kompetenzzentrums könnten dann die gewonnenen Erkenntnisse an die Wirtschaft weitergegeben und so ein nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht werden.

Die Opposition übt Kritik

Die Opposition bemängelt insbesondere die Zusammenarbeit der zuständigen Stellen. So würden laut FDP-Politiker Christoph Meyer das Digitalkabinett und das Klimakabinett komplett unabhängig voneinander arbeiten, sodass keine sinnvollen Schnittstellen entstehen könnten, teilt Kersting in einem weiteren Artikel mit.  Und auch Dieter Janecek von den Grünen sieht die Entwicklung kritisch. Seiner Meinung nach sind zu wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausdrücklich für die Gestaltung einer ökologischen Digitalisierung verantwortlich. Und auch er kritisiert die Silo-Arbeiten der einzelnen Stellen. Solange alle zuständigen Behörden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht zusammen, sondern parallel arbeiten würden, könne die Digitalisierung nicht zu einem wichtigen Faktor für den Umweltschutz werden.

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