Digitalisierung in grünen Unternehmen

Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Umsetzung

Digitalisierung in grünen Unternehmen

Die Sinnhaftigkeit der Digitalisierung für jede Form von Unternehmen steht völlig außerfrage. Bei explizit grünen Unternehmen ist das Thema jedoch eine zweiseitige Medaille. Hierdurch zählt nicht nur eine möglichst umfassende Digitalisierung an sich, sondern muss diese einen ebenso grünen Weg beschreiten und ihn auch abseits des Digitalen ermöglichen.

Grüne Unternehmen: Avantgarde mit besonderen Notwendigkeiten

Nachhaltigkeit ist heute definitiv kein Nischenthema mehr. Im Gegenteil, ein im Sinne von Natur, Umwelt, Klima und nicht zuletzt Wirtschaft nachhaltiges oder grünes Verhalten unterliegt längst einem breit gesellschaftlichen Konsens. Dieser umfasst weite Teile der Bevölkerung ebenso wie die Politik und die Unternehmenswelt.

Aufgrund

  1. diverser Gesetze und
  2. einer Etablierung quer durch alle Schichten und dadurch Zielgruppenmitglieder

arbeiten also praktisch sämtliche Unternehmen der Republik bereits auf einem wenigstens nachhaltigen „Basis-Niveau“ – schlicht, weil sie es selbst wollen und es aufgrund staatlicher sowie gesellschaftlicher Vorgaben müssen.

Explizit grüne Unternehmen sind diesbezüglich nach wie vor diejenigen, die weiter voranschreiten. Sie folgen also nicht nur dem, was allgemeiner gesellschaftlich-politischer Stand ist, sondern betreiben eine davon entkoppelte, fortgeschrittenere und fortschrittlichere Firmenpolitik.

Grüne Unternehmen sind daher in jeglicher Hinsicht deutlich nachhaltiger als es der Durchschnitt der konventionell operierenden Firmen ist – und sie finden sich in sämtlichen Branchen und Größenordnungen.

Für diese Betriebe ist das Thema IT bzw. Digitalisierung gleichzeitig besonders wichtig und anders gelagert als beim Rest der Unternehmenswelt.

Digitalisierung in grünen Unternehmen – im ständigen Spagat

Digitalisierung ist im Allgemeinen, das dürften die meisten Leser dieser Zeilen wissen, ein ganz erheblicher Game-Changer, der allein durch sein Vorhandensein „grün wirkt“. Denken wir beispielsweise allein an …

  • papierlose Büros,
  • Digital- statt konventioneller Druck,
  • E-Commerce anstelle von stationärem Handel,

dann zeigen bereits diese drei Beispiele auf, wie positiv sich Digitalisierung auf verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit auswirkt. Insofern muss jedes grüne Unternehmen grundsätzlich einen stark digitalisierten Ansatz verfolgen. Doch wo konventionelle Firmen dabei die Mittel vollkommen frei selbst bestimmen können, sind grüne Unternehmen limitierter.

Denn obwohl IT an vielen Stellen elementar wichtig für mehr Nachhaltigkeit ist, so ist dennoch nicht jede Form von IT so nachhaltig, wie es möglich wäre. Wo etwa eine konventionell operierende Firma sich einen Cloud-Anbieter nach althergebrachten wirtschaftlichen Maßstäben aussuchen kann, sieht es bei einem explizit grünen Unternehmen anders aus.

Ein solches Unternehmen ist durch seine Ausrichtung gezwungen, die Liste möglicher Anbieter auf diejenigen einzuschränken, die ihrerseits besonders nachhaltig operieren – beispielsweise durch besonders energieeffiziente Server und eine maximale Nutzung ihrer Abwärme.

Erschwerend kommt die Notwendigkeit hinzu, in grünen Unternehmen viel stärker die langfristige Wirkung von Digitalisierung betrachten zu müssen. Das kann zu Situationen führen, in denen es die „grünere Lösung“ wäre, einen Prozess nicht zu digitalisieren. Etwa, weil es in diesem Bereich bislang noch keine wirklich nachhaltigen IT-Herangehensweisen gibt – oder durch eine Digitalisierung lediglich ein anderer, aber gleich großer Fußabdruck entstünde, jedoch keine echte Ersparnis.

Doch worauf müssen Firmen bei der Digitalisierung achten, die schon grün sind oder sich aus einem bislang konventionellen Ansatz heraus zu mehr Nachhaltigkeit entwickeln möchten?

Sinnhaftigkeit der Digitalisierung
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  1. Digitalisierung für mehr Transparenz und Streamlining nutzen

Überflüssige oder nicht hinreichend flüssige Arbeiten und Prozesse sind in absolut jedem Unternehmen kritisch, weil sie Zeit und Geld kosten. In grünen Firmen kommt dabei jedoch immer noch der Aspekt reduzierter Nachhaltigkeit hinzu. Beispiel Marketing: In einem grünen Unternehmen reduziert jeder einzelne Streuverlust die selbst gesteckten Ziele, weil er etwa unnötig Energie vergeudet.

Solche Firmen unterliegen also einer noch größeren Notwendigkeit, sämtliche Prozesse

  1. maximal transparent zu machen, um alle damit verbundenen Auswirkungen im Detail betrachten zu können und
  2. darauf basierend alles so „stromlinienförmig“ wie möglich zu gestalten, um Reibungsverluste auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Das ist einer der Primärgründe für den Einsatz von IT, die nahtlos sämtliche Geschäftsprozesse auf einer digitalen Oberfläche zusammenfasst – hier gehört aktuell SAP mit seiner ERP-Suite s4hana zu den größten Playern in der Branche.

Nebenbei hat die Verwendung von Werkzeugen derartig großer Anbieter einen weiteren Vorteil im Hinblick auf Nachhaltigkeit: Weiterentwicklung und Betreuung sind über lange Zeit gewährleistet. Zudem sind solche Suiten skalierbar, lassen sich also präzise für die Ansprüche eines beliebigen Unternehmens anpassen.

  1. Verfolgen nachhaltiger Grundsätze bei der Hardware

Eine XaaS-Herangehensweise, die sich in möglichst vielen Belangen auf Cloud-basierte Optionen stützt, besitzt typischerweise ein inhärentes Nachhaltigkeits-Plus: Ein großes Rechenzentrum hat meist bei solchen Faktoren wie

  • Netzinfrastruktur,
  • Hardwarebedarf,
  • Energiebedarf

einen geringeren Fußabdruck, als wenn solche und andere Punkte bei vielen einzelnen Unternehmen vorhanden wären – selbst, wenn sie dort ungleich kleiner skaliert sein könnten.

Dennoch kommen selbst sehr grüne Betriebe nicht umhin, wenigstens ein Minimum an eigener Hardware einzusetzen – schon, um Bediengeräte für besagte XaaS-Anwendungen zu besitzen. Bedeutet: Ohne Workstations, Smartphones, Beamer und ähnliche Geräte geht es einfach nicht.

Wie so häufig, so herrschen auch an diesem Punkt aktuell deutlich bessere Zeiten vor als noch vor einigen Jahren. Denn mittlerweile gibt es nicht nur verschiedene Möglichkeiten, eine insgesamt nachhaltigere Hardware zu beschaffen, sondern darüber hinaus in jedem Segment mehr Anbieter.

Die wichtigsten Optionen für grüne Unternehmen sind diese:

  1. Einsatz von Hardware, deren Leistung exakt auf den Bedarf des Hauses zugeschnitten ist. Dies wirkt sich sowohl auf den Verbrauch von Energie als auch Rohstoffen für die Herstellung aus.
  2. Kauf von Hardware, die durch ihren Hersteller und die Grundkonstruktion auf ein sehr langes Leben hin zugeschnitten ist. Typischerweise geht dieser qualitative Ansatz mit einem Fokus auf leichte Upgrade- und Reparierbarkeit einher – etwa durch Vermeidung proprietärer Bauteile. Hierdurch wird der Lebenszyklus teils dramatisch verlängert. In einem beliebigen Zeitraum sind daher weniger Neubeschaffungen erforderlich, ohne dass dies zu Einbußen bei der Nutzbarkeit führt.
  3. Ein Fokus auf besonders nachhaltige und/oder wiederaufbereitete Geräte. Dieses Segment ist aktuell äußerst umtriebig und von starkem Wachstum gekennzeichnet. Ein Beispiel von vielen ist der Smartphone-Hersteller Fairphone. Seine Geräte zeichnen sich durch einfachste Reparierbarkeit, lange Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Upgrades sowie starken Einsatz recycelter oder fair gesourcter Rohstoffe aus. Allerdings strömen derzeit ebenso viele konventionelle Hardwarefirmen in diesen Bereich – etwa mit wiederaufbereiteten Geräten.
  1. Dank Digitalisierung Remote-Arbeitsweisen fördern

Die Digitalisierung eines Unternehmens lässt sich niemals losgelöst von anderen Prozessen darin betrachten. Insofern kann sie sich „über Umwege“ auf die gesamte Nachhaltigkeit eines Hauses auswirken.

Hierbei ist es auffällig, wie viele etablierte grüne Unternehmen (oft schon lange vor der Pandemie) einen sehr umfassenden Ansatz von Remote Work verfolgten. Natürlich, Arbeiten abseits des Betriebs ist just durch die Pandemie, die viele Arbeitnehmer damit in Kontakt brachte, heute in vielen Staaten etabliert. Schlicht, weil dadurch

  1. den Wünschen gerade jüngerer Bewerber entsprochen wird und
  2. der Suchradius für Fachkräfte beträchtlich wächst.

In grünen Unternehmen hat der enorme Hang zu Homeoffice und anderen Remote-Arbeitsorten jedoch noch einen starken Fokus auf die Gesamt-Nachhaltigkeit des Hauses.

Insofern lässt sich hier eine teils sehr komplex verflochtene, aber stets letztlich positive Wirkung beobachten:

  1. Angebotene, teils sogar verpflichtende Remote Work ermöglicht es grünen Unternehmen, den gesamten Immobilien-Fußabdruck ihres Hauses deutlich zu verringern. Teils gehen Firmen sogar so weit, gar keine Firmenzentrale im klassischen Sinn mehr zu besitzen. Da die Mitarbeiter jedoch speziell im Homeoffice in einer Umgebung arbeiten, die sowieso vorhanden ist, beheizt werden muss, einen Internetanschluss besitzt etc., erfolgt jedoch keine Verlagerung des Fußabdrucks, sondern eine teils immense Reduktion.
  2. Da Remote Work für gut ausgebildete Fachkräfte in vielen Branchen ein wichtiges Einstellungskriterium ist, können Firmen, die diese Arbeit anbieten, eine insgesamt deutlich kompetentere Belegschaft zusammenstellen. Das wiederum reduziert zumindest die weiter oben angesprochenen Reibungsverluste.

Nicht zuletzt wirkt sich der Wegfall des Pendelns aus. Je weniger Teammitglieder täglich von und zur Arbeit gelangen müssen, desto geringer der durch diese Arbeit ausgelöste CO₂-Ausstoß und noch einiges mehr – bis hin zur reduzierten Notwendigkeit zur Fertigung von Fahrzeugen jeglicher Art.

Einfach gesprochen: Wer ständig von zu Hause arbeitet, muss keine 2 x 17,2-Durchschnitts-Kilometer täglich pendeln. Vielleicht kann er deshalb gänzlich auf ein Auto verzichten und die restlichen Wege seines Tages mit einem nachhaltigeren Verkehrsmittel absolvieren.

Remote Arbeitsweisen
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  1. Flexibel sein – aber ebenso kritisch

Um als Unternehmen maximal grün zu operieren, ist es eine absolute Grundbedingung, sämtliche Details des eigenen Business immer wieder zu analysieren und auch kritisch zu hinterfragen.

Denn, das ist ein wichtiger Kern: In der heutigen Zeit schreitet die Gesamt-Nachhaltigkeit ständig voran. Bedeutet, die Gesellschaft als Ganzes wird mit jedem Jahr etwas nachhaltiger. Stillstand in einem grünen Unternehmen reduziert dadurch den Abstand zum Durchschnitt immer weiter – bis es mitunter sogar eingeholt und somit de facto zu einem konventionellen Unternehmen wird.

Grüne Unternehmen zeichnen sich deshalb ohne Ausnahme dadurch aus, auch im Hinblick auf Digitalisierung jederzeit im Höchstmaß flexibel und dadurch änderungsbereit zu sein. Nur so kann es gelingen, einen Platz als Avantgarde zu halten. Das Tempo wird nicht zuletzt durch die Entwicklung der Digitalisierung vorgegeben. Wirklich grüne Unternehmen befinden sich deshalb stets „on the Edge“ des digitalen Fortschritts, wo er ihnen Vorteile verschafft.

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