Online-Unterricht bleibt Utopie – Die Coronakrise zeigt Versäumnisse bei der Digitalisierung der Schulen auf

Nahezu alle Bundesländer haben beschlossen, dass die Schulen ab morgen geschlossen bleiben. Das Ziel hierbei ist es, eine unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, um so Zeit zur Entwicklung von Gegenmaßnahmen und Medikamenten zu haben. Die Idee besteht darin, den Unterricht möglichst online weiterführen zu können, um zu verhindern, dass corona zu einer Bildungskrise führt. Das ist allerdings sehr schwierig umzusetzen, da viele Schulen nicht auf einen digitalen Unterricht vorbereitet sind. Das liegt unter anderem daran, dass der Digitalpakt Schule sehr langsam vorankommt und kaum Fördermittel abgerufen werden. Die Coronakrise zeigt somit deutlich, wie schlecht es um die digitale Transformation der Schulen in Deutschland bestellt ist und wie dringend notwendig hierzulande digitale Lernplattformen sind.

Schulen bleiben wegen Corona geschlossen

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Aufgrund der aktuellen Coronakrise bleiben nahezu alle Schulen in fast allen Bundesländern geschlossen. Das Virus soll keine Chance bekommen, sich unkontrolliert auszubreiten. Denn auf jeden infizierten kommen mehrere Personen, die durch diese Person angesteckt werden. Die unter dem Stichwort „social distancing“ bekannte Maßnahme zur Vermeidung sozialer Kontakte gewinnt somit immer mehr an Bedeutung. Wenn die Schulen weiter aufblieben, entstünde eine massive Gefahr für die Kinder und deren Familien, die aktuell niemand eingehen möchte.

Hinzu kommt, dass durch eine beschleunigte Ausbreitung des Coronavirus das deutsche Gesundheitssystem zusammenbrechen könnte. Es steht nur eine begrenzte Anzahl an Betten für Patienten zur Verfügung. Wenn urplötzlich sehr viele neue Erkrankte hinzukämen und eine Behandlung benötigten, wäre das vorhandene Kontingent schnell aufgebraucht. Das würde bedeuten, dass Patienten Eventuell keine notwendige Behandlung bekommen könnten und es lebensgefährlich für sie würde. Die Schulschließungen verfolgen somit das Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, um ein solches Schreckensszenario zu verhindern.

Zu wenige Schulen sind auf digitalen Unterricht vorbereitet

Lange Zeit sträubten sich sowohl die Bundesregierung als auch die Länder dagegen, Schulschließungen vorzunehmen. Diese Maßnahme wurde immer als ultima ratio angesehen, die nur im äußersten Notfall angewendet werden sollte. Immerhin besteht die Gefahr, dass sich aus der Coronakrise eine Bildungskrise entwickelt, wenn kein Unterricht stattfinden kann. Deswegen ist auch jetzt das Ziel, den Unterricht auf digitalen Kanälen beizubehalten und anstehende Prüfungen ganz normal durchführen zu lassen. Ein Unterrichtsausfall soll nach Möglichkeit unbedingt vermieden werden.

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Aktuell sind allerdings zu wenige Schulen auf digitalen Unterricht vorbereitet. Es fehlt sowohl an der digitalen Infrastruktur als auch an mobilen und stationären Endgeräten, um einen solchen Unterricht realisieren zu können. Zudem sind viele Lehrerinnen und Lehrer auf eine solche Situation nicht vorbereitet und haben kein Konzept, um einen digitalen Unterricht sinnvoll und zielführend umsetzen zu können. Durch die Coronakrise zeigt sich deutlich, welche Versäumnisse im Bereich der Digitalisierung der Schulen stattgefunden haben und an welchen Stellen unbedingt nachgebessert werden müsste. Anstatt jedoch Zeit zu haben, um sich auf die Digitalisierung vorzubereiten, muss jetzt vieles mit der heißen Nadel genäht werden. Immerhin muss angesichts der Krise sichergestellt sein, dass der Unterricht direkt jetzt weiter laufen kann.

Der Digitalpakt Schule kommt zu langsam in die Gänge

Dass es bei der Digitalisierung der Schulen Probleme und Nachholbedarf gibt, wurde schon vor längerer Zeit erkannt. Deswegen hat die Bundesregierung den Digitalpakt Schule ins Leben gerufen, um die Bildungseinrichtungen auf die Zukunft vorzubereiten. Der Pakt wurde im Januar 2019 beschlossen und trat im Mai desselben Jahres in Kraft. Allerdings kommt er nur sehr langsam in die Gänge und die anvisierten Maßnahmen greifen, Stand heute, noch nicht.

Das liegt unter anderem daran, dass die Bundesländer Förderrichtlinien entwickeln müssen, die als Grundlage einer Förderung von Schulen dienen könnten. Längst nicht alle Bundesländer sind dieser Aufforderung bisher nachgekommen. Sachsen ging mit gutem Beispiel voran und stellte bereits im Mai 2019 eine solche Förderrichtlinie vor. Andere Bundesländer haben sie hingegen nach wie vor nicht entwickelt. Hinzu kommt, dass die einzelnen Schulträger ein Medienkonzept konzipieren müssen, anhand dessen deutlich wird, wie sie die Fördermittel einsetzen wollen.

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Auf diese Weise soll verhindert werden, dass eine blinde Digitalisierungswelle stattfindet und stattdessen gezielte und sinnvolle Maßnahmen ergriffen werden. Für viele Lehrkräfte erweist sich eine solche Aufgabe jedoch als nicht leistbar. Immerhin haben sie mit Integration und Inklusion in den teils viel zu großen Klassen schon heute extrem anspruchsvolle und zeitaufwändige Aufgaben zu erledigen. Entsprechend fehlte es bisher an den nötigen Konzepten, um Fördermittel beantragen zu können.

Bisher wurden nur sehr wenige Fördermittel abgerufen

Entsprechend kommt die Beantragung und Nutzung von Fördermitteln nur sehr schleppend voran. Ganz grundsätzlich stellt der Bund 5 Milliarden Euro verteilt auf 5 Jahre als Fördermittel zur Verfügung. In den vergangenen acht Monaten seit Inkrafttreten des Digitalpakts Schule wurden gerade einmal rund 40 Millionen Euro abgerufen, berichtet Anna Hückelheim auf news4teachers.de. Den größten Posten erhielt hierbei Sachsen mit 12 Millionen Euro. Hessen hat immerhin acht Millionen Euro und Hamburg sieben Millionen Euro bekommen. Demgegenüber hatten Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und das Saarland noch gar keine Mittel beantragt. Folglich können die zur Verfügung stehenden Gelder nicht zielführend eingesetzt werden, um eine digitale Transformation der Schulen vorzunehmen.

Die Folge ist, dass sich Deutschland aufgrund der aktuellen Coronakrise mit einer drohenden Bildungskrise konfrontiert sieht. Natürlich hat Bildungsministerin Karliczek recht, wenn sie anmerkt, dass Qualität immer vor Schnelligkeit gehe. Aber aktuell bleibt einfach nicht genügend Zeit, um Konzepte zu entwickeln und Richtlinien zu erfüllen, um eine digitale Fortführung des Unterrichts gewährleisten zu können. Deswegen wäre es jetzt an der Zeit, gezielt an einer digitalen Transformation der Schulen zu arbeiten, die in den letzten Jahren sträflich versäumt wurde.

Digitale Lernplattformen werden dringend gebraucht

Einer der wenigen Vorteile, der sich aus der Coronakrise ergeben dürfte, ist, dass die Defizite des deutschen Bildungssystems jetzt schonungslos aufgedeckt werden. Das heißt, dass für alle klar ersichtlich wird, an welchen Stellen dringender Handlungsbedarf besteht und wo die Schulen zu wenig auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet sind. Entsprechend besteht die Chance, genau an diesen Punkten anzusetzen und dafür zu sorgen, dass Deutschland sein Bildungswesen digital endlich auf Kurs bringt.

Unter anderen zeigt sich, wie wichtig digitale Lernplattformen sind. Diese ermöglichen es auch in Zeiten einer Pandemie, den Unterricht fortzusetzen, ohne dass die Schülerinnen und Schüler gefährdet würden. Hier können unter anderem Lernmittel und Lehrinhalte zur Verfügung gestellt werden und eine Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schülerschaft ist möglich. Prinzipiell stehen solche Lernplattformen schon heute zur Verfügung und könnten genutzt werden. Hierfür gibt es allerdings keinen einheitlichen Ansatz.

Das ist ein weiteres Problem, das durch die Coronakrise offenbart wird: Die verschiedenen Länder kommunizieren bei ihrer Bildungspolitik zu wenig. Es wäre extrem wichtig, ein einheitliches Vorgehen zu nutzen, um sich den aktuellen Schwierigkeiten zu stellen. Stattdessen ist jedes Bundesland darauf angewiesen, eigene Maßnahmen zu entwickeln und eigene Richtlinien für Förderprogramme bereitzustellen. Das ist einerseits sehr zeitaufwändig und birgt die Gefahr, dass keine einheitlichen und vergleichbaren Standards entstehen. Eine intensivierte Zusammenarbeit trotz Föderalismus und Eigenständigkeit der Bundesländer ist im Bereich der digitalen Bildung daher dringend angeraten.

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