Start Corona / Covid19 und die Digitalisierung Abschied nehmen digital – Grabpflege im Internet

Abschied nehmen digital – Grabpflege im Internet

Abschied nehmen digital – Grabpflege im Internet
- Anzeige -

Die Corona-Pandemie verändert nicht zuletzt die Trauerbewältigung. Die Anzahl der Personen, die an einer Beerdigung teilnehmen dürfen, ist aufgrund der Krise stark eingeschränkt. Viele Menschen haben somit nicht die Chance, sich von verstorbenen Angehörigen zu verabschieden. Entsprechend nehmen digitale Angebote zur Trauerbewältigung zu. Hier können die Menschen digitale Gräber gestalten und Abschiedsworte an die Verstorbenen richten. So hilfreich diese digitale Art der Trauerbewältigung ist, bringt sie doch verschiedene mögliche Probleme mit sich.

- Anzeige -

Gräber online gestalten und pflegen

Zu den Angeboten der digitalen Trauerbewältigung gehört unter anderem die Pflege von virtuellen Gräbern. So besteht die Möglichkeit, online Kerzen aufzustellen und ein paar liebe Grüße an die Verstorbenen zu richten. Unabhängig von der Tageszeit können Menschen den digitalen Friedhof aufsuchen, Gräbern einen Besuch abstatten oder Kondolenznachrichten für andere Nutzer hinterlassen.

Zur virtuellen Grabpflege gehören unter anderem verschiedene Grafiken. So können an den einzelnen Gräbern Engelsfiguren aufgestellt werden, die sich bewegen, und auch Heiligenscheine und Herzen sind an vielen Gräbern zu finden. Zudem ist es vielen Nutzern wichtig, nicht nur optisch schöne Gräber zu gestalten, sondern auch Botschaften zu übermitteln. Diese richten sich teils an die Verstorbenen und teils an die Besucher der jeweiligen Gräber. Diese sollen dazu eingeladen werden, selbst Kerzen aufzustellen und die Erinnerung an die Verstorbenen somit am Leben zu erhalten.

Die persönlichen Überzeugungen sind längst im Internet beheimatet

Längst ist es für Menschen ganz normal geworden, ihre aktuelle Lebenssituation, ihre Hoffnungen, Träume und Überzeugungen im Internet zu teilen. Die sozialen Netzwerke bieten die Möglichkeit, sich anderen zu präsentieren und wichtige Ereignisse im Leben mit Bildern und Text darzustellen. Hierzu gehören beispielsweise die Geburt eines Kindes, ein Urlaub mit Freunden oder lustige Begebenheiten mit dem eigenen Haustier. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch die Trauerarbeit in die digitale Welt verlagert wird.

In diesem Zusammenhang können sich verschiedene Plattformen als das beweisen, was sie ihrem Namen nach tatsächlich sein wollen: sozial. Vielen Menschen ist es gerade während der Corona-Krise nicht möglich, sich mit anderen auszutauschen und zu besprechen. Sie sind mit ihrer Trauer viel zu oft allein und brauchen ein Ventil, um sie hinauszulassen. In den sozialen Netzwerken ist es möglich, Aufmerksamkeit für die eigene Trauerarbeit zu erzeugen und mit anderen gemeinsam Wege aus der Traurigkeit zu finden. Außerdem bieten solche digitalen Lösungen Menschen, die in einem anderen Land leben, die Möglichkeit, die Gräber ihrer Angehörigen zumindest auf diese Weise zu pflegen und mit ihnen in Verbindung zu bleiben.

Mögliche Probleme bei digitaler Trauerbewältigung

Mit der digitalen Trauerarbeit sind verschiedene Risiken verbunden. So gibt es auf den meisten Portalen keine Moderatoren. Das kann dazu führen, dass sich Nutzer in ihrer Trauer eingraben und diese gar nicht so recht bewältigen. So gibt es Menschen, die mehrere hundert Kerzen innerhalb einer Nacht anzünden. Das zeigt deutlich, dass sie die Situation als sehr schwer empfinden und unbedingt einen Kanal benötigen, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Wenn solche Menschen auf digitalen Plattformen alleingelassen werden, ist die Gefahr groß, dass sie ihre Trauer niemals überwinden.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die Trauerarbeit auf digitalen Portalen häufig kommerzialisiert wird, hebt Rainer Liepold in einem Beitrag auf sonntagsblatt.de hervor. Während Friedhöfe allen offenstehen und kostenlos besucht werden können, fallen für die digitalen Gräber nicht selten Kosten an. Das gilt zumindest dann, wenn man sich für Premiummitgliedschaften entscheidet, mit denen man alle zur Verfügung stehenden Funktionen nutzen kann. Ferner gibt es auf den Portalen Werbeeinblendungen, wie sie auf einem analogen Friedhof nicht anzutreffen wären. Somit wird die Trauer zur Geldmaschine und der eigentliche Anlass – die Verabschiedung von Menschen und die Möglichkeit, im Leben weiterzugehen – geht etwas verloren. Wenn die Vorteile und Chancen digitaler Trauerbewältigung genutzt werden sollen, müssen solche Probleme unbedingt aktiv angegangen werden.

- Anzeige -