Zu anspruchslos – warum ein „passt schon“ bei der Digitalisierung nicht ausreicht

In seinem Podcast setzt sich Sascha Lobo mit der Haltung der Deutschen der Digitalisierung gegenüber auseinander. Er konstatiert, dass sich die Deutschen mit zu wenig zufriedengeben würden. Die Digitalisierung dürfe nicht nur irgendwie funktionieren, sie müsse eine zukunftsweisende, fest verankerte und höchst funktionale Hilfe im Alltag der Menschen sein. Dies sei aber nur durch eine Abwendung von „Meine Digitalisierung“ hin zu „Unsere Digitalisierung“ möglich.

Folgen einer falschen digitalen Zufriedenheit

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Die Deutschen geben sich in Sachen Digitalisierung mit Dingen zufrieden, die ihrem Land in der Welt den Ruf eines digitalen Entwicklungslandes eingebracht haben. Sascha Lobo benennt in seinem Podcast als Belege für diese These den digitalen Breitbandausbau, der einfach nicht in die Gänge käme, sowie die fehlende Netzabdeckung allerorten. Außerdem beklagt er, dass die Preise für Datenübertragung „absurd“ seien und dass „herbeigemauschelte Quatschgesetze“ einfach so hingenommen würden.

Außerdem sei ein Rückgang der Glasfaseranschlüsse zu verzeichnen, der digitale Unterricht stecke nach wie vor in den Kinderschuhen und die digitale Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen leide aufgrund fehlender Investitionen deutscher Unternehmen in eine digitale Transformation erheblich. Und die Reaktion der Deutschen: „Lieber nicht beschweren, es könnte ja etwas besser werden.“ Denn „besser“ bedeutet in diesem Fall „anders“ und Veränderungen haben die Deutschen nicht gerne.

Die Angst vor Fehlern im System

Diese Haltung der Deutschen führt Lobo auf einen „Funktionierfetisch“ zurück. Solange etwas irgendwie funktionieren würde, gäben sich die Deutschen damit zufrieden. Oder wie die Toten Hosen singen: „Es würde gehen, doch es geht nicht gut“. Solange ein System irgendwie laufe, dürfe man keineswegs Veränderungen vornehmen. Niemand könne schließlich verlässlich sagen, ob danach nicht gar nichts mehr ginge. Dann lieber eine Digitalisierung auf Sparflamme. Hierbei handelt es sich offenbar um ein falsch verstandenes „Never change a winning team“. Denn Deutschland gewinnt nicht. Es bekommt im Bestfall eine Teilnehmerurkunde.

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Von der Idee, Fehler zu begehen, um aus ihnen zu lernen und kontinuierlich besser zu werden, halten die Deutschen wenig. Für sie bedeutet Professionalität, jede Form von Fehlern zu vermeiden. Aktuell zeigt sich aber überall, dass diese Haltung sehr kurzfristig gedacht ist. Denn noch mögen veraltete Technologien, althergebrachte Arbeitsweisen und Löcher in der Netzabdeckung irgendwie funktionieren. Dass Deutschland seine gute (wirtschaftliche) Position ohne mutige Visionen und Projekte im Rahmen einer digitalen Transformation wird halten können, ist aber nahezu ausgeschlossen.

Das muss sich ändern

Wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb aufholen und sich ein Stück vom digitalen Kuchen sichern möchte, muss sich einiges ändern. Lobo schlägt eine Fokussierung weg vom „Ich“ hin zum „Du“ vor. Bloß weil ein digitaler Prozess irgendwie für mich funktioniert, muss er noch lange nicht für andere funktionieren. Und in vielen Fällen funktioniert die Digitalisierung für mich ja auch nur, weil ich mich mit Schwächen und Fehlern irgendwie arrangiert habe.

Die Aufgabe müsse also darin bestehen, sich nicht mehr irgendwie durchzuwurschteln, sondern ein System zu finden, das quasi immer, nahezu überall und für eine große Mehrheit der Deutschen zufriedenstellend funktioniert. Und das bedeutet eben auch, Risiken einzugehen und Fehler in Kauf zu nehmen. Denn gerade aus Fehlentscheidungen lässt sich häufig ein massiver Erkenntnisgewinn ziehen, der für die Entwicklung Deutschlands förderlicher ist als ein anspruchsloses „Weiter so!“

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