Sportliche Digitalisierung – so verändert Corona die Vereine

Ehrenamtliches Engagement macht Digitalprojekte erst möglich.
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Die Corona-Krise zwingt viele Sportvereine dazu, kreativ zu werden und sich neue Formen des sportlichen Miteinanders zu überlegen. Das betrifft hochklassige Vereine ebenso wie kleine Freizeitclubs. Vom Online-Training bis zum Livestream für Zuschauer gibt es allerhand Ideen. Gerade im Amateurbereich zeigt sich die Wichtigkeit von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Diese bringen viel Engagement und Zeit für die Digitalisierung ein und setzen die zahlreichen guten Ideen in der Praxis um.

Die Pandemie macht neue Formen des Sports nötig

Klassisches Training und Wettkämpfe sind angesichts der Corona-Krise in quasi keiner Sportart möglich. Deswegen sind Vereine darauf angewiesen, aktiv zu werden und sich Corona-konforme Strategien zur sportlichen Betätigung zu überlegen. Digitale Technologien werden eingesetzt, um Sportbegeisterte miteinander in Kontakt zu bringen und ein auf Distanz basiertes gemeinsames Training zu ermöglichen. Hierbei wird der Fokus häufig zunächst auf die Vereinsjugend gelegt. Diese sehnt sich in der Krise besonders nach sportlichen Angeboten mit einem Hauch von Gemeinschaft, aber auch ältere Jahrgänge sollen durch die digitalen Angebote angesprochen werden.

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Die digitalen Maßnahmen greifen in ganz unterschiedlichen Klassen und Ligen. Professionelle Vereine haben häufig Sonderprivilegien und arbeiten von jeher mit digitalen Technologien. Beispielsweise sind sie verpflichtet, die Spiele ihrer Mannschaften aufzuzeichnen. Aber auch kleine Amateurvereine ziehen nun nach. Die Monate des Stillstands werden genutzt, um Bewegung in die digitalen Angebote zu bringen. Hiervon dürften die Vereine aller Größen auch nach der Krise noch profitieren.

Diese digitalen Projekte wurden bereits umgesetzt

In den diversen Vereinen wurden bereits zahlreiche Digitalprojekte angestoßen und umgesetzt. So bietet beispielsweise der TSG Bügel für seine Handball-Mannschaften seit einiger Zeit ein Online-Training an. Das Angebot wurde von den Vereinsmitgliedern rege angenommen und soll daher ausgebaut und erweitert werden. Zudem wird dem Zuschauerverbot bei den Vereinen entgegengewirkt. So werden Spiele der Mannschaften mittlerweile oft nicht mehr nur gefilmt, sondern sie stehen als Livestream zur Verfügung. So entsteht zumindest eine Art Kontakt zwischen Mannschaften und Fans. Die Anhänger der Vereine erfahren einen Hauch von Wettkampfstimmung und fiebern mit ihren Mannschaften digital mit.

Als noch Zuschauer in den Stadien erlaubt waren, etablierten die Vereine Online-Ticketing-Systeme. Interessierte bekamen ihre Tickets in digitaler Form und mussten sich beim Kauf somit keinem Infektionsrisiko aussetzen. Zudem wurden die Plätze in den Hallen und Stadien durchnummeriert und mit den Tickets verknüpft. Auf diese Weise sollte die Nachverfolgung von Infektionsketten erleichtert werden, sollte es doch einmal zu einem Corona-Ausbruch in einem Verein kommen. Im Bereich Marketing orientieren sich die Vereine stark in Richtung Youtube und Social Media. Einige entwickeln zudem eigene Apps, über die die Vereinsmitglieder vielfältige Informationen und Leistungen angeboten bekommen.

In einigen Fällen wurden sogar Online-Neujahrsempfänge organisiert, um das Vereinsleben und das Gemeinschaftsgefühl am Leben zu halten. Der Kontakt mit Sponsoren erfolgt mittlerweile ebenfalls digital. Ein Online-Kundenmanagementsystem hilft dabei, die Finanzen der Vereine abzusichern. Des Weiteren bieten viele Clubs Podcasts an, um die Vereinsmitglieder und alle Interessierten während der Krise zu unterhalten und bei der Stange zu halten. Abwanderungen zu anderen Hobbys sollen vermieden werden.

Vor allem ehrenamtliches Engagement macht viele Digitalprojekte erst möglich

Gerade im Amateurbereich wird die digitale Transformation der Vereine maßgeblich von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen. Viele informieren sich im Onlinebereich über digitale Möglichkeiten und Lösungen oder nehmen an Schulungen und Weiterbildungen teil. Somit haben sie das fachliche Know-how, um die vielfältigen Ideen, die aus den Vereinen kommen, praktisch umzusetzen. Vor allem die Digital Natives bringen sich während der Krise verstärkt in ihren Vereinen ein und stellen ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen rund um digitale Technologien zur Verfügung.

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Die meisten Ehrenamtlichen haben aktuell keine Tätigkeiten als Spieler oder Schiedsrichter zu erledigen. Entsprechend haben sie Zeit zur Verfügung, um sich digitalen Transformationsprozessen zuzuwenden. Viele von ihnen sind jedoch nicht nur im Hintergrund aktiv, sondern setzen konkrete Vereinsprojekte praxisnah um. So setzen sich einige von ihnen beispielsweise ans Mikrofon und erstellen komplette Folgen für die vereinseigenen Podcasts. Erst diese Kombination aus technischen Hintergrundaufgaben und praktischen Anwendungen macht die Digitalisierung der Vereine überhaupt möglich.