KFW: Investitionen in die Digitalisierung – die Strategie der kleinen Schritte reicht nicht aus

Eine Studie der KFW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) untersucht die Bereitschaft von Unternehmen, in die Digitalisierung zu investieren. Hierbei zeigt sich, dass Entwicklungen in diesem Bereich nur sehr schleppend vorangehen. Verschiedene Hemmnisse stehen großflächigen Investitionen im Weg. Außerdem verfolgen viele Betriebe eine Strategie der kleinen Schritte, statt das große Ganze in den Blick zu nehmen. Dabei wäre es mit etwas Engagement möglich, zum digitalen Vorreiter zu werden.

Drei Arten von Digitalisierung in Unternehmen

Die Studie, die bereits am 18. August 2016 veröffentlicht wurde und deren Ergebnisse wir trotzdem für noch immer aktuell halten, unterscheidet drei verschiedene Stufen der Digitalisierung, die in Unternehmen anzutreffen sind. Abhängig vom jeweiligen Grad der digitalen Transformation gelten die jeweiligen Betriebe als „Vorreiter“, „Mittelfeld“ oder „Nachzügler“. Zu den digitalen Vorreitern zählen gerade einmal knapp ein Fünftel aller Betriebe. Sie haben nicht nur erste digitale Prozesse und Techniken implementiert, sondern bieten bereits digitale Produkte und Dienstleistungen an. Sie haben die Digitalisierung in ihr Unternehmenskonzept aufgenommen und erschließen hierdurch neue Marktsegmente. Ein Merkmal solcher Unternehmen ist somit, dass sie die Industrie 4.0 voranbringen.

Betriebe im Mittelfeld haben bereits erste Schritte hin zu einem digitalisierten Unternehmen unternommen. Sie haben die Geschäftsprozesse vernetzt und arbeiten mit Technologien wie Dokumentenmanagementsystemen (DMS). Ihre Zielsetzung unterscheidet sich aber von denen der Vorreiter. Sie konzentrieren sich darauf, mit der Digitalisierung ihre Geschäftsprozesse zu optimieren und für mehr Flexibilität und Produktivität zu sorgen. Ihnen fehlt eine konkrete Digitalisierungsstrategie, an der sie alle Maßnahmen und Entscheidungen ausrichten. Die Einzelmaßnahmen stehen vielmehr für sich und sind nur selten auf das große Ganze hin ausgerichtet. Die Studie hat ermittelt, dass es sich bei etwa 49% der Unternehmen um Betriebe aus dieser Kategorie handelt.

Bei den Nachzüglern (32% der Unternehmen) sind hingegen noch keine Digitalisierungsmaßnahmen erkennbar. Solche Betriebe verfügen häufig nicht einmal über eine eigene Webseite. Sie besitzen nahezu keine digitale Infrastruktur, was sich zum Beispiel am Fehlen eines Enterprise Resource Planning Systems (ERP-System) zeigt. Solche Unternehmen haben es schwer, sich gegen die digitale Konkurrenz durchzusetzen.

Die Strategie der kleinen Schritte

Deutsche Unternehmen verfolgen in der Regel eine Strategie der kleinen Schritte. Das bedeutet, dass sie vorrangig mit Einzelmaßnahmen zur Erreichung von Zwischenzielen arbeiten. So investieren sie zum Beispiel in eine Hard- oder Software, die ihnen in bestimmten Bereichen Wettbewerbsvorteile verschafft. In der Regel betrachten sie diesen Geschäftsbereich jedoch separat und nicht im Zusammenhang einer großen Digitalstrategie. Ähnliches gilt für digitale Weiterbildungsmaßnahmen wie IT-Schulungen und eine Neuausrichtung des Workflows. Auch hier dominieren Einzelmaßnahmen gegenüber umfassenden Strategien.

Durch dieses Kriterium unterscheiden sich die Vorreiter von den anderen Unternehmen. Sie haben eine solche Unternehmensstrategie und richten ihre Digitalmaßnahmen daran aus. Wenn ein Betrieb also zu einem Vorreiter werden möchte, muss es eine konkrete Digitalstrategie entwickeln und umsetzen. Hierfür ist es notwendig, Investitionen vorzunehmen und zum Beispiel Optimierungen nicht nur bei der Technologie, sondern auch bei den Kompetenzen und der Organisation vorzunehmen. Aktuell tun sich Unternehmen mit Investitionen aber schwer. Sie geben insgesamt pro Jahr lediglich 10 Milliarden Euro für Digitalisierungsprojekte aus. In der Regel liegt der jährliche Investitionsaufwand zwischen 10.000-40.000 Euro. Die wenigsten Unternehmen planen, diese Ausgaben in den nächsten Jahren zu erhöhen.

Hemmnisse bei Investitionen in die Digitalisierung

Es gibt verschiedene Hemmnisse, die Unternehmen davon abhalten, in die Digitalisierung zu investieren. Hier ist zunächst die Finanzierung zu nennen. Die meisten Digitalisierungsprojekte (77%) finanzieren deutsche Unternehmen durch Cashflow. Bei weiteren 17% kommt Leasing zum Einsatz. Zudem beklagen sich viele Firmen über Hindernisse bei der Kreditaufnahme. Für Banken ist es schwer, die Risiken und Chancen einer Investition in die Digitalisierung abzuschätzen. Das liegt daran, dass vor allem Kosten im Personalbereich und weniger materielle Kosten entstehen. Außerdem gibt es quasi keine allgemein gebräuchlichen Technologien und Verfahren. Stattdessen setzen Firmen bei der Digitalisierung auf unternehmenseigene Lösungen und spezialisiertes Mitarbeiter Know-how. Auch hier fällt eine Evaluierung schwer.

Ein weiteres Hemmnis sind fehlende digitale Kompetenzen. Die meisten Unternehmensleiter kennen sich zu wenig mit der IT aus. Entsprechend fällt es ihnen schwer, sich für bestimmte Lösungen und Strategien zu entscheiden. Auch bei den Mitarbeitern selbst fehlt häufig das nötige Fachwissen, um die Digitalisierung erfolgreich voranzubringen. Nicht zuletzt verändern sich die Qualitätsanforderungen an Unternehmen und die Marktsituation im Bereich der Digitalisierung rapide. Was heute richtig ist und gilt, kann morgen schon überholt sein. Viele Betriebe fürchten daher, falsche Entscheidungen zu treffen und Fehlinvestitionen zu tätigen.

Diese Aufgaben müssen Unternehmen jetzt anpacken

Was im Bereich der Digitalisierung jetzt Not tut, ist digitaler Mut. Unternehmen müssen Investitionshemmnisse schrittweise abbauen und Geld für Digitalisierungsprojekte ausgeben. Das gelingt nicht aus dem Bauch heraus, sondern bedarf einer konkreten Digitalstrategie. Diese müssen sich alle Betriebe zulegen, um schrittweise zu digitalen Vorreitern werden zu können. Hierbei ist es wichtig, von der Fixierung auf die Technologie wegzukommen. Digitalisierung ist deutlich mehr, als moderne Maschinen und Roboter. Die Entwicklung muss hin zu digitalen Kompetenzen sowie digitalen Produkten und Dienstleistungen gehen. Die Umsetzung der Industrie 4.0 muss das Ziel aller Betriebe sein. Und diese gelingt eben nur durch gezielte und unternehmensgerechte Investitionen.

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